Biografie

Musik allen Menschen zugänglich zu machen: dieses Ideal, für das sich Gustavo Dudamel unermüdlich einsetzt, ist zu seinem Markenzeichen geworden. Durch seine Arbeit als Konzert- und Operndirigent auf vier Kontinenten inspiriert er Zuhörer aller Altersgruppen. Zurzeit als Musikdirektor sowohl des Los Angeles Philharmonic Orchestra als auch des Simón Bolívar Orchestra of Venezuela tätig, hat er spürbaren Einfluss in der internationalen Musikszene. Die Verpflichtungen, die aus diesen beiden Ämtern erwachsen, beanspruchen zwar den größten Teil seiner Zeit, aber er gastiert darüber hinaus auch bei einigen der größten Orchester der Welt. In dieser Spielzeit dirigiert er erneut die Berliner Philharmoniker, die Staatskapelle Berlin, das Gothenburg Symphony Orchestra, das Tonhalle-Orchester Zürich und die Wiener Philharmoniker in Wien und Salzburg sowie auf Tournee durch Europa und Asien.

Von einer neuen Seite zeigt sich Dudamel mit seinem ersten Ausflug in die Welt der Filmmusik: Für den großen Spielfilm The Liberator/Libertador (das Leben Simón Bolívars) komponierte er die Musik und nahm sie mit dem Simón Bolívar Orchestra of Venezuela auf. Der Film kommt im Herbst 2014 in die Kinos, der Soundtrack wird schon im Sommer des Jahres veröffentlicht. Zudem wurde die Suite from Libertador im Juli 2014 in der Hollywood Bowl vom Los Angeles Philharmonic Orchestra uraufgeführt.

Gustavo Dudamel arbeitet jetzt in seiner sechsten Spielzeit als Musikdirektor des Los Angeles Philharmonic Orchestra, wo sein Vertrag bis 2018/19 verlängert wurde – der Jubiläumssaison zum 100. Geburtstag des Orchesters. Unter seiner Leitung hat das Orchester seine vielfältigen Aktivitäten nach außen durch zahlreiche Projekte erweitert. Hervorzuheben ist das Youth Orchestra Los Angeles (YOLA), das vom weithin erfolgreichen venezolanischen El Sistema beeinflusst ist. Mit YOLA und anderen pädagogischen Projekten bringt Dudamel die Musik zu Kindern der unterprivilegierten Viertel von Los Angeles und sein Einsatz dient zudem als Vorbild für ähnliche Anstrengungen in den USA sowie für Programme in Schweden (Hamarkullen) und Schottland (Raploch).

Beim Los Angeles Philharmonic Orchestra, wo Dudamel jeweils längere Zeit im Herbst und im Frühjahr verbringt, ist nicht nur die Breite seiner Zuhörerschaft bemerkenswert, sondern auch das Spektrum der aufgeführten Werke. Die Programme des Orchesters sind auch in der Spielzeit 2014/15 hochklassig und experimentierfreudig mit verschiedenen Uraufführungen und eigenen Auftragswerken, Aufführungen von Cavalleria rusticana und Pagliacci in der Hollywood Bowl sowie einer Tournee nach China, Korea und Japan im Frühjahr.

Dudamel, der jetzt in seiner 16. Spielzeit als Musikdirektor des gesamten El Sistema-Projekts in Venezuela tätig ist und die Organisation in die 40. Saison ihres Bestehens führt, leitet weiterhin das Simón Bolívar Orchestra of Venezuela in seinem Heimatland sowie auf Konzertreisen in aller Welt. Er beginnt das Jahr 2015 mit einer Tournee durch acht europäische Städte, und bringt im Sommer 2015 das Orchester an die Mailänder Scala für Aufführungen von La Bohème anlässlich der Expo in Mailand sowie mehrere Konzerte in dem weltberühmten italienischen Opernhaus. Seine Tätigkeit in Venezuela ist der Eckpfeiler seiner Arbeit mit jungen Leuten, und er widmet beharrlich jedes Jahr etwa 25 Wochen der Arbeit mit den Orchestern und den Kindern von El Sistema in Caracas und im ganzen Land.

Der Grammy-Preisträger Gustavo Dudamel ist seit 2005 Exklusivkünstler der Deutschen Grammophon und hat zahlreiche Aufnahmen auf diesem Label veröffentlicht. Im Frühjahr 2014 kam ein monumentales und hoch gerühmtes Werk von John Adams heraus, das vom Los Angeles Philharmonic Orchestra in Auftrag gegeben und aufgeführt wurde: The Gospel According to the Other Mary. Als Teil eines großen Mahler-Projekts in den letzten Jahren veröffentlichte DG die Symphonie Nr. 9 mit dem Los Angeles Philharmonic Orchestra, die Symphonien Nr. 7 und 5 mit dem Simón Bolívar Orchestra of Venezuela sowie Dudamel: Mahler 8 – Symphony of a Thousand Live from Caracas (DVD und Blu-Ray) mit den vereinten Kräften dieser beiden Orchester. 2013 wurde ein reines Strauss-Programm mit den Berliner Philharmonikern (CD) veröffentlicht und 2012 erschien Mendelssohns Symphonie Nr. 3 mit den Wiener Philharmonikern (LP). 

Viele Video/DVD-Veröffentlichungen fangen die Atmosphäre wichtiger Live-Konzerte in Gustavo Dudamels musikalischem Leben mit seinen Orchestern aus Los Angeles und Venezuela sowie den Berliner und den Wiener Philharmonikern ein. Im Juni 2011 wurde die Dokumentation Let the Children Play, in deren Mittelpunkt Dudamel steht, in mehr als 500 Kinos überall in den Vereinigten Staaten gezeigt. Dudamel waren drei Sendungen der CBS-Reihe 60 Minutes gewidmet, zudem galt ihm 2010 das PBS-Special Dudamel: Conducting a Life. Im Februar 2012 trat er mit Elmo in Sesame Street auf.

Gustavo Dudamel ist einer der am meisten ausgezeichneten Dirigenten seiner Generation. Er erhielt den 2014 Leonard Bernstein Lifetime Achievement Award for the Elevation of Music in Society der Longy School, wurde von Musical America 2013 zum Musiker des Jahres gekürt, eine der höchsten Auszeichnungen der klassischen Musikindustrie, und wurde in die Gramophone Hall of Fame gewählt. 2012 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Universität Göteborg. Im Oktober 2011 wurde er zum Gramophone Artist of the Year ernannt und im Mai des Jahres für seine »außerordentlichen Verdienste um die Musik« in die Königlich Schwedische Musikakademie aufgenommen. Im Jahr zuvor erhielt er den Eugene McDermott Award in the Arts am Massachusetts Institute of Technology. Dudamel wurde 2009 in Paris als Chevalier in den Ordre des Arts et des Lettres aufgenommen, erhielt die Ehrendoktorwürde der Universidad Centroccidental Lisando Alvarado in seiner Heimatstadt Barquisimeto und wurde von der Zeitschrift Time in der Liste der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten genannt. 2008 wurde dem Simón Bolívar Youth Orchestra der Prinz-von-Asturien-Preis in der Kategorie Kunst zuerkannt, und zusammen mit seinem Mentor José Antonio Abreu erhielt Dudamel den Q Prize der Harvarduniversität für überragende Arbeit mit Kindern.

Gustavo Dudamel kam 1981 in Barquisimoto (Venezuela) zur Welt. Als Kind erhielt er Geigenunterricht bei José Luis Jiménez und Francisco Díaz am Jacinto-Lara-Konservatorium. Er setzte sein Studium bei Rubén Cova und José Francisco del Castillo an der Lateinamerikanischen Violinakademie fort. Sein Dirigierstudium begann er 1996 bei Rodolfo Saglimbeni, und noch im selben Jahr erhielt er sein erstes Amt als Dirigent: Musikdirektor des venezolanischen Amadeus-Kammerorchesters. 1999 wurde er zum Musikdirektor des Simón Bolívar Youth Orchestra ernannt und begann Dirigierstudien beim Gründer des Orchesters, José Antonio Abreu. 2004 erregte Dudamel international Aufsehen, als er den ersten Gustav-Mahler-Dirigentenwettbewerb der Bamberger Symphoniker gewann. Von 2007 bis 2012 war er Musikdirektor des Gothenburg Symphony Orchestra, dessen Ehrendirigent er heute ist. Seine frühen musikalischen und pädagogischen Erfahrungen bewirkten, dass er sich so intensiv für die Musik als Mittel gesellschaftlichen Wandels einsetzt – eine lebenslange Leidenschaft. 

Zugang zur Musik für alle – dieser Grundsatz ist das Fundament für Dudamels berufliche und humanitäre Arbeit. Er hat sein Engagement nun durch die Schaffung der Gustavo Dudamel Foundation bekräftigt, deren Ziel es ist, innerhalb aller sozialer Schichten so vielen Kindern wie möglich Gelegenheit zu geben, Musik zu erleben – die Mission, für die Gustavo Dudamel lebt.

Juli 2014

Share