GUSTAVO DUDAMEL

Musik allen Menschen zugänglich zu machen: dieses Ideal, für das sich Gustavo Dudamel unermüdlich einsetzt, ist zu seinem Markenzeichen geworden. Durch seine Arbeit als Konzert- und Operndirigent auf vier Kontinenten inspiriert er Zuhörer aller Altersgruppen. Zurzeit als Musik- und Künstlerischer Direktor des Los Angeles Philharmonic Orchestra sowie als Musikdirektor des Simón Bolívar Symphony Orchestra of Venezuela tätig, hat er spürbaren Einfluss in der internationalen Musikszene. Die Verpflichtungen, die aus diesen beiden Ämtern erwachsen, beanspruchen zwar den größten Teil seiner Zeit, aber er gastiert darüber hinaus auch bei einigen der größten Orchester der Welt, etwa bei den Wiener Philharmonikern, die er erneut in Wien und auf Konzertreise dirigiert. In dieser Spielzeit hat die Oper einen besonderen Platz unter seinen Verpflichtungen: Im August leitet er eine Aufführung von La Bohème an der Mailänder Scala mit dem Simón Bolívar Symphony Orchestra, anschließend kehrt er an die Berliner Staatsoper für eine Neuproduktion von Le nozze di Figaro zurück, und im April 2016 gibt er sein Debüt an der Wiener Staatsoper in einer Neuproduktion von Turandot.

Gustavo Dudamel beginnt jetzt seine siebte Spielzeit als Musik- und Künstlerischer Direktor des Los Angeles Philharmonic Orchestra, wo sein Vertrag bis 2021/22 verlängert wurde. Unter seiner Leitung hat das Orchester seine vielfältigen Aktivitäten nach außen durch zahlreiche Projekte erweitert. Hervorzuheben ist das Youth Orchestra Los Angeles (YOLA), das vom weithin erfolgreichen venezolanischen El Sistema beeinflusst ist. Mit YOLA und anderen pädagogischen Projekten bringt Dudamel die Musik zu Kindern der unterprivilegierten Viertel von Los Angeles und sein Einsatz dient zudem als Vorbild für ähnliche Anstrengungen in den USA sowie für Programme in Schweden (Hamarkullen) und Schottland (Raploch).

Beim Los Angeles Philharmonic Orchestra, wo Dudamel jeweils längere Zeit im Herbst und im Frühjahr verbringt, ist nicht nur die Breite seiner Zuhörerschaft bemerkenswert, sondern auch das Spektrum der aufgeführten Werke. Die Programme des Orchesters sind weiterhin hochklassig und experimentierfreudig, mit zahlreichen Uraufführungen und eigenen Auftragswerken und mit einer Europatournee im Frühjahr, der zwei Auftritte im Lincoln Center in New York vorangehen. Zu Beginn seiner Saison 2015/16 veranstaltet das Los Angeles Philharmonic Orchestra erneut ein gemeinsames Projekt mit dem Simón Bolívar Symphony Orchestra, diesmal die Aufführung eines vollständigen Beethoven-Zyklus.

Dudamel, der jetzt in seiner 17. Spielzeit als Musikdirektor des gesamten El Sistema-Projekts in Venezuela tätig ist, leitet weiterhin das Simón Bolívar Symphony Orchestra of Venezuela in seinem Heimatland sowie auf Konzertreisen in aller Welt. Im Sommer 2015 bringt er das Orchester an die Mailänder Scala für Aufführungen von La Bohème anlässlich der Expo in Mailand sowie für mehrere Konzerte in dem weltberühmten italienischen Opernhaus. Im weiteren Verlauf der Spielzeit unternimmt er mit dem Orchester Konzertreisen nach London und durch Europa. Seine Tätigkeit in Venezuela ist der Eckpfeiler seiner Arbeit mit jungen Leuten, und er widmet beharrlich jedes Jahr etwa 25 Wochen der Arbeit mit den Orchestern und den Kindern von El Sistema in Caracas und im ganzen Land.

Der Grammy-Preisträger Gustavo Dudamel ist seit 2005 Künstler der Deutschen Grammophon und hat zahlreiche Aufnahmen auf diesem Label veröffentlicht. Der Soundtrack des Films Libertador, für den Dudamel die Musik geschrieben hat, wurde im Sommer 2014 veröffentlicht; das monumentale und hoch gerühmte Werk von John Adams, Gospel According to the Other Mary, das vom Los Angeles Philharmonic Orchestra in Auftrag gegeben und aufgeführt wurde, erschien einige Monate zuvor. Als Teil eines großen Mahler-Projekts in den letzten Jahren veröffentlichte DG die Symphonie Nr. 7 mit dem Simón Bolívar Symphony Orchestra 2014, die Symphonie Nr. 9 mit dem Los Angeles Philharmonic Orchestra, die Symphonie Nr. 5 mit dem Simón Bolívar Symphony Orchestra sowie Dudamel: Mahler 8 – Symphony of a Thousand Live from Caracas (DVD und Blu-Ray) mit den vereinten Kräften beider Orchester. 2013 wurde ein reines Strauss-Programm mit den Berliner Philharmonikern (CD) veröffentlicht und 2012 erschien Mendelssohns Symphonie Nr. 3 mit den Wiener Philharmonikern (LP). Unlängst produzierte Dudamel eigenständig mit dem Simón Bolívar Symphony Orchestra ein reines Wagner-Programm, das nur als Download erhältlich ist. In seiner jüngsten Veröffentlichung vom August 2015 dirigiert er die Staatskapelle Berlin und Daniel Barenboim als Solist in Brahms Klavierkonzerten.

Viele Video/DVD-Veröffentlichungen fangen die Atmosphäre wichtiger Live-Konzerte in Gustavo Dudamels musikalischem Leben mit seinen Orchestern aus Los Angeles und Venezuela sowie den Berliner und den Wiener Philharmonikern ein. Im Juni 2011 wurde die Dokumentation Let the Children Play, in deren Mittelpunkt Dudamel steht, in mehr als 500 Kinos überall in den Vereinigten Staaten gezeigt. Dudamel waren drei Sendungen der CBS-Reihe 60 Minutes gewidmet, zudem galt ihm 2010 das PBS-Special Dudamel: Conducting a Life. Im Februar 2012 trat er mit Elmo in Sesame Street auf.

Gustavo Dudamel ist einer der am meisten ausgezeichneten Dirigenten seiner Generation. Er erhielt den 2014 Leonard Bernstein Lifetime Achievement Award for the Elevation of Music in Society der Longy School, wurde von Musical America 2013 zum Musiker des Jahres gekürt, eine der höchsten Auszeichnungen der klassischen Musikindustrie, und wurde in die Gramophone Hall of Fame gewählt. Im Oktober 2011 wurde er zum Gramophone Artist of the Year ernannt und im Mai des Jahres für seine »außerordentlichen Verdienste um die Musik« in die Königlich Schwedische Musikakademie aufgenommen. Im Jahr zuvor erhielt er den Eugene McDermott Award in the Arts am Massachusetts Institute of Technology. Dudamel wurde 2009 in Paris als Chevalier in den Ordre des Arts et des Lettres aufgenommen, erhielt die Ehrendoktorwürde der Universidad Centroccidental Lisando Alvarado in seiner Heimatstadt Barquisimeto. 2012 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Universität Göteborg. 2008 wurde dem Simón Bolívar Youth Orchestra der Prinz-von-Asturien-Preis in der Kategorie Kunst zuerkannt, und zusammen mit seinem Mentor José Antonio Abreu erhielt Dudamel den Q Prize der Harvarduniversität für überragende Arbeit mit Kindern.

Der 2009 von der Zeitschrift Time in einer Liste der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten aufgeführte Dudamel kam 1981 in Barquisimoto (Venezuela) zur Welt. Als Kind erhielt er Geigenunterricht bei José Luis Jiménez und Francisco Díaz am Jacinto-Lara-Konservatorium. Er setzte sein Studium bei Rubén Cova und José Francisco del Castillo an der Lateinamerikanischen Violinakademie fort. Sein Dirigierstudium begann er 1996 bei Rodolfo Saglimbeni, und noch im selben Jahr erhielt er sein erstes Amt als Dirigent: Musikdirektor des venezolanischen Amadeus-Kammerorchesters. 1999 wurde er zum Musikdirektor des Simón Bolívar Youth Orchestra ernannt und begann Dirigierstudien beim Gründer des Orchesters, José Antonio Abreu. 2004 erregte Dudamel international Aufsehen, als er den ersten Gustav-Mahler-Dirigentenwettbewerb der Bamberger Symphoniker gewann. Von 2007 bis 2012 war er Musikdirektor des Gothenburg Symphony Orchestra, dessen Ehrendirigent er heute ist. Seine frühen musikalischen und pädagogischen Erfahrungen bewirkten, dass er sich so intensiv für die Musik als Mittel gesellschaftlichen Wandels einsetzt – eine lebenslange Leidenschaft.

Zugang zur Musik für alle – dieser Grundsatz ist das Fundament für Dudamels berufliche und humanitäre Arbeit. Er hat sein Engagement nun durch die Schaffung der Gustavo Dudamel Foundation bekräftigt, deren Ziel es ist, innerhalb aller sozialer Schichten so vielen Kindern wie möglich Gelegenheit zu geben, Musik zu erleben – die Mission, für die Gustavo Dudamel lebt.

8/2015