»Dieser Geiger, inzwischen einer der weltweit besten und gedankenvollsten seiner Zunft, spielt Bach und Birtwistle gleichermaßen hervorragend...«  – The Observer, August 2014

»Der britische Geiger verfügt über einen großen, reichen Klang und einen großen, wissbegierigen Geist.« – Los Angeles Times

Daniel Hope - Biografie

Es war vermutlich unausweichlich, dass Daniel Hope die Geige zu seinem Lebensinhalt machte. Er begann mit vier Jahren, Geige zu lernen, und sein Weg zu diesem ersten Unterricht ist eine Geschichte für sich. Er kam 1973 in Durban in Südafrika zur Welt. Als er sechs Monate alt war, erhielt sein Vater, der bekannte Romanautor, Dichter und Antiapartheid-Aktivist Christopher Hope, endlich ein Ausreisevisum unter der Bedingung, dass er nie zurückkehre. Die Familie ging zunächst nach Paris, dann nach London, wo Daniels Mutter Eleanor von dem berühmten Geiger und Dirigenten Yehudi Menuhin als Sekretärin eingestellt wurde. Später wurde sie seine langjährige Managerin.

Als kleiner Junge spielte Hope oft mit Menuhins Enkelkindern, und ab 1978 nahm er Geigenstunden bei einer Nachbarin, Sheila Nelson, einer angesehenen Pädagogin mit einem besonderen Talent, Kinder zu unterrichten. Sechs Jahre später trat Daniel in London in das Royal College of Music ein, wo er bei den russischen Meistern Itzhak Rashkovsky, Felix Andrievsky und Grigory Zhislin studierte. Letzte Station seines Studiums war die Royal Academy of Music, wo er mit Zakhar Bron arbeitete (1992–98).

Auf diesem soliden Fundament baute Daniel Hope eine eindrucksvolle Karriere auf, und er arbeitet jetzt weltweit mit den renommiertesten internationalen Orchestern und Dirigenten. Seine Aufnahmen erhielten zahlreiche Auszeichnungen, darunter sechs ECHO-Preise, einen Classical Brit Award, den Deutschen Schallplattenpreis und mehrere Grammy®-Nominierungen.

1985 hatte Yehudi Menuhin ihn eingeladen, mit ihm Bartók-Duos für das deutsche Fernsehen aufzuführen. Es war der Beginn einer langjährigen künstlerischen Partnerschaft, in deren Verlauf die beiden Geiger mehr als 60 gemeinsame Konzerte gaben. 1999 stand Hope schließlich bei dem letzten öffentlichen Auftritt Menuhins auf der Bühne und spielte ein Konzert von Alfred Schnittke.

1996 spielte er die Uraufführung von Douglas Jarmans kritischer Ausgabe des Violinkonzerts von Berg und arbeitete mit Toru Takemitsu, dessen Violinkonzert Nostalghia er später aufnahm. Im Jahr 2000 trat er als Solist und Dirigent vor 20 000 Zuhörern auf dem Münchner Königsplatz auf, und 2001 wählte der Londoner Evening Standard ihn zum »Klassischen Interpreten des Jahres«. Im Jahr darauf wurde er das jüngste Mitglied des Beaux Arts Trio in der Geschichte dieses legendären Ensembles, mit dem er 400 Konzerte gab, bis das Trio sich 2008 auflöste. Er brachte zudem Müller-Wielands Violinkonzert Ballad of Ariel zur Uraufführung, eines der über 30 Werke, die er bei verschiedenen Komponisten in Auftrag gab.

2003 spielte Daniel Hope in London die Uraufführung von Schnittkes neu entdeckter Sonate 1955. Ein Jahr später wurde er bei den Classical Brit Awards zum »Nachwuchskünstler des Jahres« gekürt, und er begann als Artist-in-Residence seine Beziehung zum Savannah Music Festival; seit 2004 ist er offziell Stellvertretender Künstlerischer Direktor des Festivals. 2005 brachte er das Konzert Abraham zur Uraufführung, das Roxanna Panufnik für ihn komponiert hatte, präsentierte beim Savannah Festival die US-amerikanische Erstaufführung seines Programms East Meets West mit dem indischen Sitarspieler Gaurav Mazumdar und gab ein Konzert in Dachau anlässlich des 60. Jahrestags der Befreiung des Konzentrationslagers.

Im Juli 2014 spielte er die Uraufführung von Gabriel Prokoviefs Violinkonzert 1914 bei den BBC Proms (»Eindrucksvoll, wie Hope diese entsetzlich schwierige Musik auswendig spielte«
– The Guardian) und trat zudem bei den Bristol Proms auf, der bahnbrechenden Konzertreihe am Old Vic in Bristol. 

Hope unternimmt zahlreiche Konzertreisen, auf denen er ein äußerst vielfältiges Programm darbietet und mit so unterschiedlichen Kammermusik-Partnern wie Menahem Pressler, Jeffrey Kahane, Leif Ove Andsnes und Anne Sofie von Otter auftritt. Er arbeitet seit über 15 Jahren mit dem angesehenen Schauspieler Klaus Maria Brandauer bei unterschiedlichen Projekten zusammen: Leben und Werk Dietrich Bonhoeffers (Einer musste es tun), Musik und Krieg (War and Pieces) und Leben und Werk Goethes (Mephisto) sowie Strawinskys L’Histoire du soldat. Er gastiert bei allen großen internationalen Festspielen, und für 2014 sind Auftritte in Europa, Kanada, den USA, China, Japan und Südkorea vorgesehen.

Trotz seines vollen Terminkalenders findet Daniel Hope noch Zeit zum Schreiben und ist ein begeisterter Videoblogger und Rundfunkmoderator. Er ist Verfasser von drei Büchern, die alle in die deutschen Bestseller-Listen kamen: das autobiografische Familienstücke; Toi, toi, toi!Pannen und Katastrophen in der Musik; und Wann darf ich klatschen? 

Daniel Hope unterzeichnete 2007 einen Exklusivvertrag mit der Deutschen Grammophon. Seine erste Aufnahme unter diesem Vertrag mit der Originalfassung von Mendelssohns Violinkonzert zählte für die New York Times zu den CDs des Jahres. Im selben Jahr wirkte er mit bei Anne Sofie von Otters Album mit Musik jüdischer Komponisten aus dem Konzentrationslager Theresienstadt. Seine Live-Aufführung von Elgars Violinkonzert mit dem City of Birmingham Symphony Orchestra und Sakari Oramo sowie seine Aufführung von Tippetts Tripelkonzert bei den BBC Proms stehen als Download in der Reihe DG Concerts zur Verfügung. Zu seinen neueren Veröffentlichungen zählen Projekte mit dem neo-klassischen Komponisten Max Richter, darunter eine Neufassung von Vivaldis Vier Jahreszeiten, die auch auf einer iPad Masterwork App zu hören ist. Hope ist Koproduzent eines Dokumentarfilms über Theresienstadt mit dem Titel Refuge in Music (Musik als Zuflucht), der 2013 bei Deutsche Grammophon auf DVD erschien.

Während seiner gesamten Laufbahn hat Daniel Hope furchtlos Schranken durchbrochen und sich auf innovative, unkonventionelle musikalische Erfahrungen eingelassen. Zu den lohnenden Ergebnissen gehören Alben wie das modernistische Spheres, Max Richters Berlin by Overnight sowie seine jüngste Veröffentlichung Escape to Paradise – The Hollywood Album mit Gastauftritten von Sting und Max Raabe.

Daniel Hope spielt die »Ex-Lipiński« von Guarneri del Gesù aus dem Jahr 1742, die ihm von einer ungenannten Familie aus Deutschland zur Verfügung gestellt wurde. Er lebt in Wien.

8/2014

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