Biografie

Die erste große Begegnung mit Musik hatte Albrecht Mayer in seiner Kindheit als Mitglied des Domchors seiner Heimatstadt Bamberg, und vielleicht ist diesem frühen Erlebnis der warme, sangliche Charakter seines Oboenspiels zu verdanken, der Publikum und Kritiker gleichermaßen ins Schwärmen bringt. Sein Musizieren weckt immer wieder höchstes Lob: Da ist von »Götterfunken« die Rede, von der »wundersamen Oboe« oder davon, dass Mayer die Oboe »zum Verführungsinstrument erhebt«.

Er studierte bei Gerhard Scheuer, Georg Meerwein, Ingo Goritzki und Maurice Bourgue und begann seine berufliche Laufbahn 1990 als Solo-Oboist der Bamberger Symphoniker. Seit 1992 hat er die gleiche Position bei den Berliner Philharmonikern inne, während er sich zunehmend einen Namen als Konzertsolist machte. Inzwischen gehört er zu den gefragtesten Oboisten unserer Zeit und hat als Solist mit Claudio Abbado, Sir Simon Rattle und Nikolaus Harnoncourt gearbeitet. 2007 gab er sein Debüt in der Carnegie Hall mit dem Orpheus Chamber Orchestra. Auch Kammermusik ist für Albrecht Mayer sehr wichtig und ist regelmäßig Teil seines Konzertkalenders.

Auf der Suche nach neuem Repertoire leiht Albrecht Mayer auch gern Werken für andere Instrumente oder Gesang seine Oboen-Stimme. Besonders fasziniert ist er von der menschlichen Stimme, dem »natürlichsten« aller Instrumente. Sein Album Lieder ohne Worte – Bach-Transkriptionen für Oboe und Orchester – erreichte sofort Platz 2 der deutschen Klassik-Charts, das Album New Seasons kam sogar in die deutschen Pop-Charts. Es zeigt Händel in einem verblüffend neuen Licht, wenn hier die Gesangslinien aus Opern und Oratorien der Oboe anvertraut werden. Seine Veröffentlichung Auf Mozarts Spuren mit Claudio Abbado und dem Mahler Chamber Orchestra schaffte es an die Spitze der deutschen Klassik-Charts. In Venedig präsentierte barocke Oboenkonzerte venezianischer Komponisten. Es folgten das Album Bach mit Werken von J. S. Bach für Oboe, Chor und Orchester; das Projekt Drums ’n’ Chant mit dem jungen österreichischen Perkussionisten Martin Grubinger; Bonjour Paris mit Werken von Debussy, Ravel, Satie, Fauré, D’Indy und Françaix; Schilflieder, bezaubernde Juwelen romantischer Musik; und Let It Snow! mit den King’s Singers. Im Februar 2015 erscheint das Album Lost and Found, vier Oboen- und Englischhorn-Konzerte aus der Zeit Mozarts. 

Im Dezember 2006 erhielt Mayer den E.T.A.-Hoffmann-Kulturpreis seiner Heimatstadt Bamberg. Er wurde dreimal mit dem Echo-Klassik der Deutschen Phono-Akademie ausgezeichnet, darunter zweimal als Instrumentalist des Jahres. 2013 wurde er in die »Hall of Fame« der Zeitschrift The Gramophone aufgenommen und erhielt zudem den Kulturpreis Bayern.

Albrecht Mayer unternimmt zahlreiche Konzertreisen. Nach Konzerten in Rio de Janeiro und São Paulo im Herbst 2014 sind Auftritte in Deutschland sowie in Zürich und Kopenhagen vorgesehen, mit Oboenkonzerten von Strauss und Mozart und vielen Recital-Programmen. Mayer arbeitet auch häufig als Dirigent, und im Januar 2015 wird er als Dirigent und Solist Werke von Bach und Beethoven mit dem Orchestre Philharmonique de Nice in Frankreich aufführen.

Trotz seiner vielen musikalischen Verpflichtungen fand er noch Zeit, die Albrecht Mayer Stiftung ins Leben zu rufen, deren Ziel es ist, Projekte zur Erforschung und Therapie von Netzhaut- und Sehnerverkrankungen zu fördern. »Natürlich ist das Hören für mich als Musiker ein essenzieller Teil meines Lebens«, erklärte er. »Gerade aus diesem Bewusstsein heraus, welche unersetzliche Bedeutung die Wahrnehmungssinne für uns Menschen haben, ist es für mich völlig unvorstellbar, mit einem sehr eingeschränkten Sehvermögen oder gar ganz ohne mein Augenlicht leben zu müssen!« Die Sorge um das Wohl anderer Menschen ist charakteristisch für diesen Mann, dessen gefühlvolles Musizieren Zuhörern in der ganzen Welt viel Freude bringt.

Albrecht Mayer spielt eine Oboe und eine Oboe d’amore der deutschen Instrumentenbauer Gebrüder Mönnig.

11/2014

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