LIVE FROM RED SQUARE / Netrebko, Hvorostovsky 0734546

Die beiden können künstlerisch gut miteinander: Anna Netrebko und Dmitri Hvorostovsky haben Stimmen, die bestens harmonieren, dunkel, auf solidem Fundament aufbauend, expansionsfähig und satt strömend. Auch ausdrucksmäßig sind sie hervorragend aufeinander eingespielt -- im Duett werfen sie sich gleichsam die Bälle zu . . . [Verdi / "Mercé, dilette amiche" aus "I Vespri Siciliani"]: [Netrebko kostet die] Verzierungen voll aus, gleitet nicht über sie hinweg, sondern führt ihnen einen fülligen Ton zu. Und wenn sie sich -- auch gestisch -- in die Rhythmen hineinwirft, dann wickelt sie das Publikum instinktsicher um den Finger. Hvorostovsky zieht in seiner ersten Solonummer nach. Er trägt den Abschied Posas mit zugespitzter deklamatorisch-musikalischer Expressivität vor . . . Mit der Arie "Tacea la notte placida" zeigt Anna Netrebko zunächst noch allein, wie generös sie aufsteigende Phrasen ausschwingen zu lassen versteht . . . Mit dem Duett aus dem vierten Akt demonstrieren Anna Netrebko und Dmitri Hvorostovsky endlich, wie gut sie aufeinander einzugehen vermögen -- dazu braucht es keine Kostüme und Requisiten, ja kaum Andeutungen von Spiel, sondern nur die Ausdruckshaftigkeit der Stimmen, um vollblütiges Theater erstehen zu lassen.

. . . von Schmankerl zu Schmankerl . . . [die letzte große Szene aus "Eugen Onegin" war] der Höhepunkt dieses Konzerts, das beide in vorzüglicher Form zeigt. Anna brilliert pars pro toto mit Leonoras "Tacea la notte placida" aus "Il trovatore", wobei sie vor allem in der Cabaletta "Di tale amor" ihre Vorzüge ausspielt. Dmitri beeindruckt unter anderem mit Scarpias Auftritt in der Kirche Sant'Andrea della Valle beim Te Deum . . . [das Staatsakademieorchester und der große Chor der Akademie] spielen und singen engagiert.

. . . la diva plus pulpeuse que jamais offre un éventail de ses capacités, privilégiant Verdi évidemment, bicentenaire 2013 oblige : sa Leonora bénéficiant de la voix enfin bien chauffée se distingue du lot . . . [Anna Netrebko]: La Mamma morta ("Andrea Chénier" de Giordano) est un grand moment de pathétisme frénétique qui prélude efficacement au grand duo final Onéguine/Tatiana de "Eugène Onéguine" de Tchaikovski . . . le duo avec Hvorostovsky est très émouvant. Le chef veille au rythme de la soirée qui prend réellement des allures de magie lyrique quand la nuit est tombée et que les murailles et coupoles du Kremlin percent sous leurs éclairages scintillants.