Yannick Nézet-Séguin – Biografie

»Yannick Nézet-Séguin … verlängerte unlängst seinen Vertrag mit dem Philadelphia Orchestra bis zur Spielzeit 2025/26. Und in Kürze wird er sein Amt als Designierter Musikdirektor der Metropolitan Opera antreten. Kurz gesagt, die Musikwelt hat ihm die unausgesprochene, aber schwerwiegende Verantwortung anvertraut, die klassische Musik zu retten, indem er ihre großen traditions­reichen Institutionen in die Zukunft führt.« The Washington Post, 25. Januar 2017

2012 wurde der aus Montreal stammende Yannick Nézet-Séguin Musikdirektor des Philadelphia Orchestra – zusätzlich zu seinen Posten als Musikdirektor des Philharmonischen Orchesters Rotterdam sowie als Künstlerischer Direktor und Chefdirigent des Orchestre Métropolitain (Montreal), wo er seit 2000 tätig ist. 2017/18 wird seine zehnte und letzte Spielzeit bei den Rotterdamer Philharmonikern sein. Sie schließt mit den Feiern zum 100-jährigen Bestehen des Orchesters in Rotterdam und ganz Europa. 2020 wird Nézet-Séguin als dritter Musikdirektor der Metropolitan Opera in New York Nachfolger von James Levine.

Yannick Nézet-Séguin studierte Klavier, Dirigieren, Komposition und Kammermusik am Conservatoire de musique du Québec in Montreal sowie Chorleitung am Westminster Choir College in Princeton, New Jersey, bevor er seine Studien bei renommierten Dirigenten fortsetzte, insbesondere beim italienischen Maestro Carlo Maria Giulini. Als er 2004 erstmals in Europa auftrat, hatte er bereits sein eigenes professionelles Orchester und Vokalensemble, La Chapelle de Montréal, gegründet und dirigierte alle großen kanadischen Ensembles.

2008 wurde er zum Ersten Gastdirigenten des London Philharmonic Orchestra ernannt und hatte dieses Amt bis 2014 inne. Im folgenden Jahr gab er mit dem Scottish Chamber Orchestra sein Debüt bei den BBC Proms, wo er erneut 2010 und 2013 mit dem Philharmonischen Orchester Rotterdam auftrat. 2013 wurde er für drei Jahre als ständiger Gastkünstler an das Konzerthaus Dortmund verpflichtet.

Nézet-Séguin war seinerzeit schon Musikdirektor des Philadelphia Orchestra. Seine ersten Konzerte mit dem Orchester, darunter Verdis Requiem bei seinem Debüt in der Carnegie Hall, erhielten enthusiastische Kritiken. Neben den regulären Abonnements- und Tourneekonzerten leitet er jedes Jahr drei Konzerte in der Carnegie Hall. Kürzlich hat er seinen Vertrag mit dem Orchester um ein Jahrzehnt bis zur Spielzeit 2025/26 verlängert und setzt damit eine Beziehung zu seinen Musikern fort, die weltweit Anerkennung gefunden hat. Zu den Höhepunkten der laufenden Spielzeit gehört eine Tournee durch China, die Mongolei und Südkorea und die Spielzeit 2017/18 wird ganz im Zeichen von Leonard Bernsteins 100. Geburtstag stehen.

Nézet-Séguin ist gleichermaßen im Konzertsaal wie im Opernhaus zu Hause. Sein Debüt bei den Salzburger Festspielen gab er 2008 mit einer Neuproduktion von Roméo et Juliette. 2010 kehrte er für die Mozartwoche nach Salzburg zurück, 2010 und 2011 für Don Giovanni bei den Sommerfestspielen, 2015 für Konzerte mit den Wiener Philharmonikern und 2016 für Haydns Die Schöpfung. An der Mailänder Scala trat er 2011 das erste Mal auf, darüber hinaus hat er am Royal Opera House, Covent Garden, an der Wiener Staatsoper und der Nederlandse Opera dirigiert und im Baden-Badener Festspielhaus eine höchst erfolgreiche Reihe mit Mozart-Opern etabliert.

Nach seinem Debüt an der Metropolitan Opera im Jahr 2009 mit einer gefeierten Produktion von Carmen kehrte er in jeder Spielzeit zurück, um Aufführungen von Don Carlo, Faust, La traviata, Rusalka und Otello zu leiten. In der Spielzeit 2016/17 dirigiert er die Wiederaufnahme von Der fliegende Holländer, seiner ersten Wagner-Oper an diesem Haus. Im Juni 2016 wurde er zum neuen Musikdirektor der Met ernannt und wird dieses Amt in der Spielzeit 2020/21 voll übernehmen. Ab der Spielzeit 2017/18 trägt er den Übergangstitel »Designierter Musikdirektor« und ist dann sofort an der künstlerischen Planung der Met beteiligt.

Außerhalb der USA hat Nézet-Séguin in der laufenden Spielzeit bereits Lohengrin an der Wiener Staatsoper dirigiert, eine Europatournee mit dem Philharmonischen Orchester Rotterdam und Hélène Grimaud absolviert und ist bei der Salzburger Mozartwoche mit den Wiener Philharmonikern und Rolando Villazón sowie mit dem Cellisten Jean-Guihen Queyras und dem Chamber Orchestra of Europe aufgetreten. Zu den künftigen Höhepunkten zählen Werke von Ravel, Berlioz und Strawinsky mit Joyce DiDonato und den Berliner Philharmonikern in der Berliner Philharmonie sowie konzertante Aufführungen von La clemenza di Tito in Baden-Baden mit Villazón und dem Chamber Orchestra of Europe.

Im Sommer 2012 begann Yannick Nézet-Séguin eine langfristige Partnerschaft mit Deutsche Grammophon, als er einen großen neuen Zyklus mit Aufnahmen der sieben reifen Mozart-Opern startete. Die Aufführungen werden in Baden-Baden aufgenommen, die führende Tenorpartie jeder Oper singt Rolando Villazón. Bisher erschienen Don Giovanni (»ausdrücklich empfohlen« – BBC Music Magazine), Così fan tutte (»Der vorzügliche junge Dirigent Yannick Nézet-Séguin gestaltet eine dynamische, nuancierte und wunderbar natürliche Aufführung« –  The New York Times), Die Entführung aus dem Serail mit Anna Prohaska (»Was die Aufnahme wirklich erstklassig macht, ist zweifellos die Qualität von Yannick Nézet-Séguins Dirigieren« – The Daily Telegraph) und, für einen Grammy nominiert, Le nozze di Figaro (»Nézet-Séguin verlangt bemerkenswert virtuoses Spiel vom Chamber Orchestra of Europe und enthüllt die Details in Mozarts Partitur mit unvergleichlicher Klarheit« – The Washington Post). Es stehen noch aus: Idomeneo, La clemenza di Tito und Die Zauberflöte.

Die ersten Orchesteraufnahmen des Dirigenten für Deutsche Grammophon erschienen im September 2013. Er dirigierte zunächst das Philadelphia Orchestra in dessen erstem Studio-Album für ein großes Label seit einer DG-Aufnahme 1997. Es enthielt Strawinskys Le Sacre du printemps sowie Bach- und Strawinsky-Arrangements von Stokowski. Das zweite Album, diesmal mit dem Philharmonischen Orchester Rotterdam, bot Tschaikowskys Symphonie Nr. 6 »Pathétique« und Romanzen aus opp. 6 und 73, bei denen der Dirigent Lisa Batiashvili auf dem Klavier begleitet. Seine DG-Aufnahme der Schumann-Symphonien mit dem Chamber Orchestra of Europe erschien 2014, ebenso Gounods Faust mit Jonas Kaufmann und dem Chor und Orchester der Metropolitan Opera bei Decca. Variationen von Rachmaninow mit dem Pianisten Daniil Trifonov und dem Philadelphia Orchestra kamen im August 2015 heraus. Kürzlich arbeitete Nézet-Séguin erneut mit dem Chamber Orchestra of Europe bei der Aufnahme sämtlicher Symphonien von Mendelssohn in der Philharmonie de Paris – das drei CDs umfassende Album erscheint im Juni 2017.

Yannick Nézet-Séguin erhielt zahlreiche Auszeichnungen: darunter den renommierten Royal Philharmonic Society Award, den begehrten kanadischen National Arts Centre Award und den Prix Denise-Pelletier, der von der Regierung der Provinz Québec verliehen wird und die höchste kulturelle Auszeichnung von Québec darstellt. 2011 verlieh ihm die Université du Québec à Montréal die Ehrendoktorwürde, und im Jahr darauf wurde er Companion of the Order of Canada. Er ist zudem Ehrendoktor des Curtis Institute of Music in Philadelphia und der Rider University in Princeton. 2015 wurde er zum Compagnon de l’Ordre des arts et des lettres du Québec sowie zum Officier de l’Ordre national du Québec ernannt. 2014 erhielt er den Echo Klassik-Preis als »Dirigent des Jahres«, Musical America wählte ihn 2016 zum »Künstler des Jahres«.

 3/2017