TCHAIKOVSKY »Pathétique« Nézet-Séguin 4790835

That you don't have to be St Petersburg-trained . . . to be a thoroughbred Tchaikovskian is underlined by Nézet-Séguin's Pathétique with the Rotterdam Philharmonic Orchestra. The French-Canadian conductor leads a performance of intensity and feeling, underpinned by structural cohesion and go-for-broke playing. Bonus points, too, for the way he leads straight from the brazen March to the broken-hearted Finale. How often do we hear a Pathétique as fresh and compelling as this? Nézet-Séguin then accompanies Batiashvili in arrangements for violin and piano of seven Tchaikovsky songs -- a touching coda.

. . . an energised performance of the "Pathétique" . . . [Nézet-Séguin] veers on the side of good taste and invests the symphony with a good deal of emotional power. The playing is of impressive animation, rich in a texture that is closely woven but warm and vibrant of colour.

There's loads to admire here. Nézet-Séguin's winds and brass project beautifully, and string articulation is ideal. The bass trombone pedal before the first movement's recapitulation is sensational, making the second subject's reprise pack an incredible punch, bravely assertive in spite of what's gone before. I also loved Nézet-Séguin's tender handling of the little brass chorale in the coda. The second movement's lolloping 5/4 rhythms are nicely characterised, the plangent trio sweetly melancholy. The march's mood is more exultant than desperate, making the Adagio Lamentoso's plunge into the abyss more unsettling. Nézet-Séguin's refusal to linger pays enormous dividends. There's a wholly appropriate dark grittiness to this orchestra's sound. This is one of the best modern "Pathétiques" available. As a bonus, we get piano and violin transcriptions of several of Tchaikovsky's Romances. They sound highly effective, and they're very well-played by Lisa Batiashvili and accompanied by Nézet-Séguin on piano, keen to draw parallels between two of the darker Op.73 set and the symphony's last movement.

. . . [Symphony no. 6]: this is a solid reading that holds its own against the large number of recordings of this symphony, so listeners who need a first-rate version can be assured of the interpretation and the performance. Yet because this is one of the most frequently recorded classical pieces of all time, one may wonder what Nézet-Séguin brings to it that makes his rendition necessary. Perhaps his sense of pacing and calculated use of rubato for dramatic effect make it feel more organic than most, and his sudden shifts of tempo and emphasis on heightened dynamics make this one of the most interesting versions to follow . . . [Romances opp. 6 & 73]: it's interesting to hear Nézet-Séguin's piano playing, which is quite restrained and poetic in feeling. Batiashvili carries the melodic lines with passionate expression and a warm singing tone . . .

[Symphony 6]: He really pegs the first movement climax, playing up the music's emotional devastation, and takes the marching scherzo at a swift pace that reminds one of Mravinsky . . . Nézet-Séguin presents the Finale as a heartfelt, rather than hysterical lament, with beautiful playing from the Rotterdam strings . . . the kind of performance that would be pleasing to hear at a summer evening concert . . . The gloomy "Night" sounds here like a precursor to the Symphony's finale, making Nézet-Séguin's program choice all the more appropriate. The duo performs with sensitivity, color and real feeling throughout all the songs, which makes you eager to hear the vocal versions.

Yannick Nézet-Séguin erobert die Musikwelt . . . nie versiegende Lust, jede "Nummer" zu zelebrieren . . . Sein Pianissimo leiser als sehr leise, seine Pausen oft jenen Mikromoment länger ausgehalten, als unser inneres Ohr es voraushören will, und in einem Nézet-Séguin'schen Fortissimo steckt immer noch ein bestürzendes Quantum Reserveenergie . . . Was Yannick Nézet-Séguin zu erzählen hat, unter erheblichem Körpereinsatz, einer staunenswerten Dauerpräsenz und einer noch erstaunlicheren Fähigkeit zu multipel-simultaner Kommunikation in drei oder mehr Richtungen zugleich, das ist immer unmittelbar interessant, aber es kann auch die Dimension des Existenziellen erreichen . . . Selten auch ist zwischen einem Orchester und einem Dirigenten derart sichtbar geworden, was sich auf Englisch besser sagen lässt: "responsiveness", ein hohes Maß an gegenseitiger Aufmerksamkeit und Ansprachebereitschaft. Hier liegt für Nézet-Séguin der magische Punkt. Wir können nur zuschauen bei Akten offensichtlich glückender Kommunikation, vor allem aber kann man es hören . . . Es gelingt ihm, Musiker zu verführen . . . Yannick Nézet-Séguin versteht das Leichte ernst zu nehmen . . . [CD review Tchaikovsky]: An der Aufnahme der "Pathetique" sind die Sonderqualitäten seines Musizierens zu erleben: Explorationen der Verhaltenheit, genau dosierte Süße, fliederfarbene Sordino-Seidigkeit des Streicherklangs, die losgelassene Freiheit der Bläserstimmen, die unendliche Einsamkeit des Klarinettensolos vor dem Einbruch des Schicksals mitten im ersten Satz. Das ist sie wohl, die "Yannick Experience" . . .

Gute Aufnahmen der Pathétique kann man daran erkennen, dass sie dort, wo es anschwillt, nicht geschwollen klingen. Dass sie also den positiven Sinn für Pathetik, den es im 19. Jahrhundert noch gab, nicht durch zusätzlich eingesetzte Klang-Heizdecken noch anheimelnder machen als er ohnehin schon ist. Kurz: Süßlichkeit vermeiden! Nach diesen Kriterien geht Nézet-Séguin zweifellos sieghaft aus dem Unternehmen hervor. Sein Tschaikowsky bleibt distanziert geschmackssicher und leicht kühl . . . Die Klangsprache ist stets konzis. Es wird niemals Marmelade. Delikatesse durch Akkuratesse. Auch als Klavier-Begleiter bei den beiden Romanzen -- mit der georgischen Geigerin Lisa Batiashvili -- besticht Nézet-Séguin durch dezente Farben. All das macht die CD zu einer gelungenen [Sache] . . .

[Symphony no. 6]: Seine Lesart ist zumindest in den Ecksätzen von Überdruck und Emphase gekennzeichnet, vom breit beseelten Ausmusizieren . . . [der walzerartige zweite Satz erhält] deutliche rhythmische Konturen und insgesamt mehr Lebensfreude, was ihm gut zu Gesicht steht. Den Marsch nehmen die Musiker in einem durchweg sehr raschen Tempo, auf diese Weise bis zum letzten Takt eine nervöse Gespanntheit thematisierend . . . [eine] ansprechende Deutung . . .

. . . [Symphony no. 6]: Überraschungen finden sich bei Nézet-Séguin vor allem in den Ecksätzen: So erhält der walzerartige zweite Satz, der sonst oft allzu blassblau-verhuscht daherkommt, deutliche rhythmische Konturen und insgesamt mehr Lebensfreude, was ihm gut zu Gesicht steht. Den Marsch nehmen die Musiker in einem durchweg sehr raschen Tempo, auf diese Weise bis zum letzten Takt eine nervöse Gespanntheit thematisierend . . . [eine] ansprechende Deutung . . .

. . . [eine] Balance aus Enthusiasmus, Ökonomie und geschärftem Verlauf glückt Nézet-Séguin und den Rotterdamern jetzt in einer der schönsten Orchesteraufnahmen der jüngsten Zeit -- und das ausgerechnet bei einem beinahe totgeschluchzten Stück, der "Pathétique" . . . [Nézet-Séguin] missversteht das Werk nicht als öden symphonischen Thriller, der bei jeder Gelegenheit an der Spannungsschraube dreht. Der Kanadier bevorzugt eher die Hitze der glühenden Kohlen, sie wärmt nachhaltiger; er verzichtet auf absurd schroffe Tempowechsel, er lässt eins aus dem anderen erwachsen. Dabei zeigt das wunderbare Orchester, was es kann: Die Gipfelungen im Kopfsatz kommen bestechend präzise heraus, ohne zu Grimassen zu verkommen, der zweite Satz walzert sich in eine Wehmut, dass man beinahe erschrickt, die Gewalt des Scherzos ist hintergründig, und das Abschiedsschmerz-Szenario des langsamen Satzes gelingt ereignis-, aber nicht tränenreich. Oder: Die Musik klagt, aber sie jammert nicht. Schöner wurde das lange nicht gespielt; aber auch wohl kaum besser aufgenommen.

Cette lecture est menée avec intelligence et sens dramatique alors que les tempi s'avèrent bien choisis. Le chef construit la partition sur la durée et évite la creuse démonstration orchestrale dans les mouvements centraux . . . La plastique de l'orchestre est aussi un motif de satisfaction . . . [Tchaikovsky / Romances]: Ces Romances pour violon et piano sont jouées avec style et musicalité . . .

La souplesse élégante conférée à l'Allegro molto vivace bien amenée; Nézet-Séguin ne renchérit pas trop sur le caractère volontariste, brutal et univoque de ce mouvement. Le meilleur vient avec l'Adagio lamentoso conclusive, pris dans le bon tempo, ample dans lourdeur . . . [les six mélodies extraites de l'Opus 6 et de l'Opus 73 sont] remarquablement jouees par Lisa Batiashvili . . .