Elīna Garanča – Biografie

Die lettische Hauptstadt Riga wurde 2014 zur europäischen Kulturhauptstadt ernannt, einen ihrer größten kulturellen Exporte gibt es jedoch schon seit 1976. Riga ist die Heimatstadt von Elīna Garanča, die als Kind einer musikalischen Familie geboren wurde und im Alter von 20 Jahren das Studium an der Lettischen Musikakademie aufnahm. Schon bald war sie auf dem Weg, eine der weltweit bedeutendsten Mezzosopranistinnen zu werden. Der Beginn ihrer Laufbahn setzte schon die entscheidenden Zeichen: Noch während ihres Studiums sang sie 1998 nach nur zehn Tagen Vorbereitungszeit die Rolle der Giovanna Seymour in Donizettis Anna Bolena und entdeckte eine tiefe Affinität zum Belcanto-Repertoire, mit dem sie seither in zahllosen atemberaubenden Aufführungen geglänzt hat.

Nach dem Examen wurde sie in Deutschland ans Staatstheater Meiningen engagiert, gehörte zum Ensemble der Oper in Frankfurt, sang beim Savonlinna-Opernfestival, war Finalistin in BBC’s Cardiff Singer of the World Competition und gewann den Mirjam-Helin-Gesangswettbewerb in Finnland. Ihr Weg war vorgezeichnet.

Sie festigte ihre Karriere mit Auftritten an der Wiener Staatsoper, bei den Salzburger Festspielen, beim Rossini-Festival der Oper Helsinki, in Paris, Aix-en-Provence, Luzern und Graz, und 2003 hatte sie einen Gastauftritt bei Deutsche Grammophon, als sie mit Anna Netrebko in einer Szene und Kavatine aus Lucia di Lammermoor in Netrebkos Debütalbum Opera Arias zu hören war.

Ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten führten 2005 zu einem Exklusivvertrag mit dem gelben Label. Ihre erste Soloaufnahme, Aria Cantilena, erschien 2007 unter großem Beifall und trug Garanča einen Echo-Preis als »Sängerin des Jahres« ein. 2009 folgte das Album Bel Canto, das ebenfalls mit einem Echo-Preis sowie mit einem BBC Music Magazine Award ausgezeichnet wurde, 2010 Habanera und 2012 Romantique, das wiederum einen Echo-Preis erhielt. Wieder einmal waren Kritik und Publikum überwältigt von ihrer stimmlichen Gewandtheit, ihrer dramatischen Präsenz und der ungewöhnlichen Schönheit ihrer Stimme. Der Boston Globe schrieb: ». . . sie zeigt, warum die Kritiker sich in Superlativen über ihre Auftritte ergehen.« Zudem hat sie in vielen Opern-Gesamtaufnahmen mitgewirkt, darunter Carmen, Anna Bolena, La Cenerentola und Bellinis I Capuleti e i Montecchi.

Zu ihren größten Bühnenerfolgen zählen Annio und Sesto in La clemenza di Tito, Charlotte in Werther, Dorabella in Così fan tutte und Rosina in Il barbiere di Siviglia.

Während ihre Bühnenauftritte immer größere Zustimmung fanden und ihre Diskografie rasch wuchs, wurde Elīna Garanča gefragter denn je. 2007 trat sie erstmals am Royal Opera House Covent Garden auf, im Jahr darauf gab sie ihr Debüt an der Metropolitan Opera in New York. Die New York Times überschlug sich: »Elīna Garanča hat alles, was es braucht: Musikalität, Technik, Stimme, Selbstvertrauen, Intelligenz, eine große dramatische Palette – und das Aussehen eines Filmstars. Der Erfolg scheint ihr vorherbestimmt. Und bei ihrem Met-Debüt am Samstagabend hatte sie Erfolg . . .«

2009 kehrte sie in der Titelrolle von Bizets Carmen ans Royal Opera House zurück und war dann an der Metropolitan Opera Star einer Neuinszenierung des Werks, die weltweit in mehr als 1000 Kinos übertragen wurde. Als »Sängerin des Jahres« 2010 wurde sie beim MIDEM Classical Award und auch von Musical America gekürt. 2013 verlieh ihr die Österreichische Kulturministerin als einer der jüngsten Künstlerinnen überhaupt den Titel einer »Kammersängerin« – in Würdigung der 140 Auftritte in 18 Rollen, die sie seit ihrem Hausdebüt 2003 an der Wiener Staatsoper gesungen hat. 

2014 singt sie in Donizettis La favorita bei den Salzburger Festspielen, Berlioz’ La Damnation de Faust an der Deutschen Oper Berlin und Bellinis I Capuleti e i Montecchi an der Bayerischen Staatsoper sowie in Baden-Baden. Neben ihrer Opernarbeit ist sie auch als Konzertsängerin tätig. 2014 ist sie mit »Libera me« aus Verdis Requiem und in Rossinis Stabat mater im Salzburger Großen Festspielhaus zu hören und gibt Konzerte in ganz Europa, unter anderem in Amsterdam, Oviedo, Berlin, Paris, Wien, London, Hamburg, München und Luzern.

Bei all ihren musikalischen Verdiensten ist Elīna Garanča auch eine Frau, die das Leben ganz ausschöpft, und dieser Wesenszug spiegelt sich in dem tiefen menschlichen Verständnis, das ihren Gesang auszeichnet. Im Januar 2014 gab sie die Geburt ihrer zweiten Tochter bekannt und sagte, »wir erwarten eine Zukunft voller Freude und neuer Erfahrungen«. Ihre gelassene Lebenszufriedenheit wird deutlich in dem neuen Album Meditation, das im September 2014 erscheint. Das Programm, das 400 Jahre geistlicher und spiritueller Musik umfasst, vermittelt ein aufrichtiges Gefühl inneren Friedens und Erfülltseins. Garanča sagt: »Mein Leben ist so glücklich, dass ich unendliche Dankbarkeit empfinde – gegenüber meinen Kollegen, meiner Familie, meiner Stimme und all den großen Komponisten.«

3/2014

Share