Zauber des aufbruchs

Camille Thomas unterzeichnete im April dieses Jahres einen Exklusivvertrag mit Deutsche Grammophon – als erste Cellistin nach über 40 Jahren im Künstlerteam des gelben Labels. Ihr erstes DG-Album wird am 6. Oktober 2017 veröffentlicht. Das Programm mit lyrischen Werken für Cello und Orchester von Saint-Saëns und Offenbach spiegelt Thomas’ Liebe zur Musik der französischen Romantik und enthält unter anderem Saint-Saëns’ Cellokonzert Nr. 1 sowie einen Ausschnitt aus Offenbachs Harmonies des bois. Das Album wurde mit dem Orchestre National de Lille und dem Dirigenten Alexandre Bloch aufgenommen. Es bietet Gastauftritte des Tenors Rolando Villazón und des Geigers Nemanja Radulović. Einige Werke des Albums wird Camille Thomas in den Tagen vor der Veröffentlichung des Albums bei Konzerten in Vevey, Berlin und Hamburg spielen.

»Mit welch’ großem, selbstbewusst gestrichenem Ton sie Melodielinien aufblühen lässt, ist hinreißend. Mit welcher Anmut sie dem ein samtenes Pianissimo gegenüberstellt, ist zauberhaft.« (Süddeutsche Zeitung)

Es sind Werke des Aufbruchs, mit denen Camille Thomas ihren Einstand als Exklusivkünstlerin bei Deutsche Grammophon gibt. Nach über 40 Jahren ist sie die erste Cellistin, die beim gelben Label exklusiv unter Vertrag steht. Ihr Debütalbum mit Werken von Saint-Saëns und Offenbach erscheint am 6. Oktober 2017.

Mit der später orchestrierten Suite für Cello und Klavier op. 16 gelang dem 27-jährigen Camille Saint-Saëns 1862 der Durchbruch als Komponist und mit seinem ersten Cellokonzert a-Moll bereicherte er die Celloliteratur seiner Heimat auf Anhieb mit einem konzertanten Meisterwerk. Jacques Offenbach hingegen, der ein begnadeter Cellist war und in seiner Jugend sogar als »Franz Liszt des Cellos« gefeiert wurde, eroberte mit teils fulminant-spritzigen, teils elegisch-sanglichen Cellopiècen die musikbegeisterten Pariser Salons, bevor er sich als Komponist der Operette zuwenden sollte.

Mit Paris aber ist Camille Thomas auch ganz persönlich eng verbunden – wobei sie den Weg des geborenen Deutschen Offenbach in umgekehrter Richtung vollzog: 1988 in der Hauptstadt an der Seine geboren, nahm sie hier auch ihr Studium bei Marcel Bardon auf. Die nächsten Stationen ihres Studiums führten sie nach Deutschland an die Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin zu Frans Helmerson sowie danach zu Wolfgang-Emanuel Schmidt an die Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar. Schon zu dieser Zeit begann ihre internationale Konzerttätigkeit mit Auftritten in so renommierten Konzerthallen wie dem Théâtre des Champs-Èlysèes in Paris, der Victoria Hall in Genf und dem Jerusalem Music Centre. Nach zahlreichen nationalen und internationalen Wettbewerbserfolgen wurde Camille Thomas 2014 schließlich beim New Talent Competition der EBU (European Broadcasting Union) als »Newcomerin des Jahres« ausgezeichnet.

Mit ihrem letzten Album Reminiscences, beim französischen Boutique-Label La Dolce Volta im Oktober 2016 erschienen und gerade mit dem Echo Klassik 2017 für die beste Kammermusikeinspielung (19. Jahrhundert) ausgezeichnet, entfachte sie Begeisterung beim Publikum und war die Entdeckung der vergangenen Monate im deutschen Fernsehen. Titel, Thesen, Temperamente (ARD) beschrieb die junge Musikerin als »Geschichtenerzählerin«, es folgten Porträts in Capriccio (BR), Kulturzeit (3sat), Metropolis (ARTE), bei der Deutschen Welle sowie ein Auftritt im ZDF-Morgenmagazin. Auch in Frankreich war sie in einer Reportage beim Sender TF1 zu sehen. Das Pariser Magazin Paris Match wählte sie Anfang 2017 zur »Jungen Solistin des Jahres«.

Neben der jugendlichen Begeisterung, die Offenbach und Saint-Saëns für das Cello und seine virtuosen Ausdrucksmöglichkeiten zeigten, faszinieren Camille Thomas und das Orchestre National de Lille unter Alexandre Bloch auch die facettenreichen Charaktere dieser beiden komponierenden Musiker: »Ich fühle mich der Welt dieser beiden Komponisten nahe«, bekennt die junge Virtuosin, »nahe der subtilen und typisch französischen Hypersensibilität von Saint-Saëns und nahe der tiefgründigen Leichtigkeit Offenbachs, der wahrscheinlich der französischste aller deutschen Komponisten war und der die Brücke repräsentiert, die Frankreich und Deutschland für mich verbindet.«

Zum Zauber des Anfangs, den die frühen Cellokompositionen von Saint-Saëns und Offenbach versprühen, gesellt sich für Camille Thomas noch die Liebe zum Gesang. Mit dem Cello, das wie kaum ein anderes Instrument die menschliche Stimme nachzuahmen weiß, strebt sie die gleiche Ausdruckskraft an und schwelgt dabei nicht nur in den genuin instrumental komponierten Kantilenen. Sie entfaltet sich auch in Transkriptionen wie etwa der Arie »Mon cœur s’ouvre à ta voix« aus Saint-Saëns’ erfolgreichster Oper Samson et Dalila«, die selber eine Liebeserklärung an die menschliche Stimme darstellt und Camille Thomas einmal mehr Gelegenheit gibt, ihren »tiefgründigen, betörenden Ton« (Spiegel ONLINE) auszuspielen.    

Doch auch einen Gastauftritt eines der bedeutendsten Sänger unserer Zeit hat Camille Thomas zu bieten:  In »Je suis Brésilien« aus Offenbachs Erfolgsoperette La Vie parisienne stürzt sie sich mit dem mexikanisch-französischen Tenor Rolando Villazón in das Pariser Leben – und erinnert damit gleichzeitig an ihren umjubelten Auftritt in der von Villazón präsentierten ARTE-Sendereihe Stars von morgen. Ergänzt von der Barcarole aus Les Contes d’Hoffmann, die sie gemeinsam mit einem weiteren Künstler aus Paris, dem serbischen Violinisten Nemanja Radulović, präsentiert.

In der kommenden Saison wird Camille Thomas mit Werken ihres neuen Albums unter anderem in Berlin, Hamburg, München, Toulon, Bordeaux und beim Rheingau Musik Festival zu hören sein. Ein weiteres Highlight ist die Uraufführung eines neuen Cellokonzertes von Fazıl Say, das sie im April 2018 in Paris mit dem Orchestre de Chambre de Paris spielen wird.