Rolando Villazón

Durch seine charismatischen Auftritte an den führenden Opernhäusern und mit den großen Orchestern in aller Welt ist Rolando Villazón längst eine feste Größe unter den gefeiertsten und beliebtesten Stars und den führenden Tenören unserer Zeit. Bejubelt als »der charmanteste der heutigen Divos« (The Times) und als »ein großer Sänger und kurzweiliger Entertainer, der albern und sehr ernsthaft, lustig und tief« sein kann (Crescendo), gehört Villazón zu den vielseitigsten Künstlern der Gegenwart, denn neben seiner Bühnenkarriere ist er auch erfolgreich als Opernregisseur, Schriftsteller und in der Fernseharbeit. Die einzigartige Schönheit seiner Stimme und seine faszinierende Bühnenpräsenz ließen die Kritiker schwärmen, er sei »vielleicht besser als je zuvor … Der Klang von Villazóns Stimme [ist] phänomenal… es gibt wenige Tenöre von ähnlicher Stimmkraft, die ein Piano so gestalten können« (Süddeutsche Zeitung) und »seine künstlerischen Fähigkeiten sind so erstaunlich wie immer, wenn Klang, Gefühl und Gestik in einer kompromisslosen Suche nach Wahrhaftigkeit miteinander verschmelzen« (The Guardian).

1999 gewann Villazón mehrere wichtige Preise bei Plácido Domingos Operalia-Wettbewerb und gehörte über Nacht zur internationalen Musikszene. Seither ist er weltweit an allen großen Häusern aufgetreten. Zu seinen wichtigsten Partien zählen Alfredo in La traviata, des Grieux in Manon, der Herzog in Rigoletto, Nemorino in L’elisir d’amore und die Titelrolle in Werther sowie Gounods Roméo, Offenbachs Hoffmann, Puccinis Rodolfo, Tschaikowskys Lenski und Verdis Don Carlo.

Ebenso gefeiert für seine Konzerte und Recitals, arbeitet Rolando Villazón in der ganzen Welt mit führenden Orchestern und Dirigenten. Seine Freiluft-Konzerte mit Anna Netrebko und Plácido Domingo in der Berliner Waldbühne am Vorabend des Endspiels der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 und am Schloss Schönbrunn in Wien vor dem Endspiel der Europameisterschaft 2008 wurden live im Fernsehen übertragen und fanden weltweit Millionen von Zuschauern.

2011 erhielt Rolando Villazón viel Beifall der Kritiker und des Publikums für seine erste Regiearbeit: Massenets Werther an der Opéra de Lyon. Seine Inszenierung von Donizettis L’elisir d’amore im Baden-Badener Festspielhaus 2012 (er sang darin auch die Rolle des Nemorino) wurde im Dezember 2012 im Fernsehen gesendet. In der Saison 2014/15 gab er drei weitere Debüts als Regisseur: Donizettis Viva la mamma in Wien, Puccinis La rondine in Berlin und La traviata in Baden-Baden.

2010 und 2011 war Rolando Villazón Mentor und Juror in der britischen Fernsehreihe Popstar to Operastar. Er arbeitet regelmäßig in Fernsehsendungen für die BBC und das ZDF, wo er ab 2012 drei Jahre lang Ko-Moderator bei der Verleihung der ECHO Klassik-Preise war und zudem verschiedene kulturelle Programme präsentiert.

Mozart dominierte die Bühnenarbeit des Tenors während der letzten Spielzeiten: Lucio Silla in Bremen, Don Ottavio in Don Giovanni in Berlin und Wien, Ferrando in Così fan tutte an der Mailänder Scala sowie Rollendebüts im Baden-Badener Festspielhaus als Belmonte in Die Entführung aus dem Serail und als Basilio in Le nozze di Figaro, die beiden letztgenannten Aufführungen wurden von Deutsche Grammophon aufgenommen.

Im November 2013 sang er an der Metropolitan Opera in New York den Lenski in Eugen Onegin, eine Rolle, die er dann im März 2014 auch in Wien verkörperte. Er begann das Jahr 2015 mit Neujahrskonzerten mit Daniel Barenboim und der Staatskapelle Berlin, es folgten Macduff in Macbeth an der Berliner Staatsoper und Don Carlo an der Deutschen Oper Berlin, Hoffmann in München, Don Ottavio in Don Giovanni am Royal Opera House, Covent Garden, und im August 2015 trat er als Partner von Cecilia Bartoli in Glucks Iphigénie en Tauride bei den Salzburger Festspielen auf.

Im Herbst 2015 ist er auf Japan-Tournee mit der Royal Opera in Don Giovanni zu hören und singt in München die Titelrolle in Massenets Werther, bevor er im Winter mit Cecilia Bartoli Konzerte in Zürich, München, Prag, Berlin, Amsterdam, London, Paris und Luxemburg gibt. Im Januar 2016 verkörpert er neben Thomas Hampson und Mojca Erdmann den großen Forscher Robert Falcon Scott bei der Uraufführung von Miroslav Srnkas Oper South Pole in München, anschließend singt er Alfredo in La traviata in London, Alessandro in Mozarts Il re pastore in Barcelona und Paris und Michel in Martinůs Juliette in Berlin.

Rolando Villazón wurde 2007 Exklusivkünstler der Deutschen Grammophon und erneuerte seinen Vertrag im Oktober 2012. Auf sein erstes Soloalbum für das gelbe Label, Cielo e mar im Jahr 2008, folgten in den Jahren darauf Handel Arias sowie die Alben Mexico! und La Strada/Songs from the Movies. 2012 ernannte Deutsche Grammophon den Tenor zu ihrem Verdi-Botschafter, und er nahm das Album Villazón Verdi auf, eine Hommage an den großen italienischen Komponisten zu seinem 200. Geburtstag im Jahr 2013. Im Januar 2014 erschien ein Album mit Konzertarien für Tenor von Mozart, aufgenommen mit dem London Symphony Orchestra unter der Leitung von Sir Antonio Pappano. Im Oktober 2015 veröffentlicht Deutsche Grammophon Villazóns Treasures of Bel Canto, eine Sammlung wenig bekannter Lieder von vier großen italienischen Opernkomponisten in Orchesterfassungen, Gastkünstlerin ist Cecilia Bartoli. Zu seinen weiteren Aufnahmen zählen La traviata, La Bohème und ein Duett-Album (alle mit Anna Netrebko) und Werther, hinzu kommen die DVDs Manon, Roméo et Juliette, Das Waldbühnen-Konzert und L’elisir d’amore. 2012 begann er ein Projekt zur Aufnahme aller sieben reifen Mozartopern unter musikalischer Leitung von Yannick Nézet-Séguin. Die erste davon, Don Giovanni, erschien 2012, es folgten Così fan tutte 2013 und Die Entführung aus dem Serail im Juli 2015.

Weltweit gefragt wegen seiner stimmlichen Fähigkeiten und zunehmend auch aufgrund seiner klugen Regiearbeit, hat Rolando Villazón sich inzwischen auch als Schriftsteller einen Namen gemacht. 2013 erschien sein erster Roman, Malabares, in Spanien und Mexiko. Übersetzungen kamen 2014 in Frankreich und Deutschland heraus. Villazóns mexikanischer Schriftsteller­kollege Jorge Volpi bezeichnet das Buch als »faszinierenden Erstlingsroman eines großen Künstlers«.

9/2015