VIVALDI Opera & Oratorio Arias Kozená

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ANTONIO VIVALDI

Opern- und Oratorien-Arien
Opera and Oratorio Arias
Magdalena Kozená
Venice Baroque Orchestra
Andrea Marcon
Int. Release 02 Jun. 2009
1 CD / Download
0289 477 8096 0 CD DDD AH
ARCHIV Produktion
Magdalena Kožená with her first ever Vivaldi album


Tracklisting

Antonio Vivaldi (1678 - 1741)
Tito Manlio

Act 3

Juditha Triumphans, R.644

Pars altera

La verità in cimento

Act 1

Il Farnace, R.711

Act 2

Arsilda Regina di Ponto R.700

Act 3

Vivaldi: Orlando furioso RV 728

Act 1

Ottone in Villa

Act 2

Vivaldi: Orlando furioso RV 728

Act 1

Il Farnace, R.711

Act 3

La verità in cimento

Act 3

Griselda - dramma per musica

Act 1

L'incoronazione di Dario, R.719

Act 2

L'Orlando Finto Pazzo, R.727

Act 3

L'Olimpiade, RV725

Act 1

Magdalena Kozená, Venice Baroque Orchestra, Andrea Marcon

Gesamtspielzeit: 1:17:27

Over the past few years, Magdalena Kozená has almost become the Barack Obama of mezzo-sopranos. With that mesmerising voice, that magnetic personality, everybody wants a piece of her, in whatever repertoire or language. She¿s as versatile as she¿s ubiquitous . . . in slower, reflective numbers such as the "sleep" arias from Tito Manlio and L¿Olimpiade, both imaginatively coloured and sustained . . .

Kozená is a technically assured singer who can give Bartoli a run for her money in a virtuoso martial aria such as "Armatae face" from Juditha Triumphans , but it is in more lyrical and reflective material that she excels.

Magdalena Kozená's programme of arias . . . offers a deliciously varied antipasto . . . This is exciting stuff and she negotiates the demanding passagework with even and lightly articulated declamation. Simpler in expression but hardly less engaging is a little A major aria from "La verità in cimento" which Kozená sings with charm and expressive immediacy. Of greater substance and redolent with that distinctive Vivaldian poetry are hauntingly beautiful arias from "Farnace, L'Olimpiade" and "Orlando furioso". Their lyrical appeal and expression of deep emotions are affecting, enlivened and intensified at every turn by Kozená's vocal colour and intuitive responses. The Venice Baroque Orchestra is both complementary and supportive throughout.

There is plenty of dramatic bite on offer even in slow music, especially in the compellingly taut "Gelido in ogni vena" . . . as Kozená eloquently conveys Farnace's icy shock that he has unwittingly condemned his son to death . . . this is definitely among the most intriguing, theatrically varied and convincing.

. . . Kozená gives a sensitive performance, the voice sounding typically lovely, the long lines nicely coloured by vibrato or lack thereof . . . The virtuosic "Armatae face et anguibus" from the oratorio Juditha triumphans has plenty of excitement and the coloratura singing is exemplary . . . She offers a poised, elegantly phrased account of "Mentre dormi" (L'Olimpiade), a gorgeously languid aria in the newer galant style. And she excels in the irresistable "Forse, o caro, in questi accenti" (Farnace), which has one of Vivaldi's most beguiling melodies. A fine disc, then, which reunites Kozená with Andrea Marcon and the Venice Baroque Orchestra, able collaborators on her earlier Handel disc.

Kozená¿s voice has a beautiful sheen, while her expressive coloratura is well able to deal with the huge technical demands of some of these arias. Her well-chosen programme covers a variety of Vivaldi characters, and she creates credible and distinct identities for each one, giving the lie to the rumour that Vivaldi wrote the same tune 400 different ways. This is a memorable recital by an artist at the height of her powers.

Kozená makes us "ooh" and "ah" at the brilliance of the Vivaldi literature here, stepping back a bit to shine as an exemplary interpreter. Kozená treats this material lovingly, offering individuality, consummate vocal elegance and emotional conviction . . . she excels in both [lyrical numbers and bravura arias], and one of the pleasures to be found in her coloratura work is the absence of gimmicks such as aspiration of breath between pitches to achieve her virtuoso speed of delivery . . . Kozená's runs, shakes and trills are dazzling in their accuracy, clarity and ease . . . Andrea Marcon and his Venice Baroque Orchestra . . . are spectacularly successful here in making a strong individual impression as an ensemble while being entirely at one with the soloist: the playing, the pacing and the music itself sound completely organic.

Mezzo-Star Magdalena Kozená (36) hat eine CD mit Vivaldi-Arien herausgebracht, selten gehört, herrlich gesungen.

Die Stimme . . . [blüht] in der Mittellage leuchtkräftig auf. In der Arie "Gelida in ogni vena" aus "Farnace" . . . kommen Kozenás stimmliche Qualitäten am besten zum Tragen. Doch sie stellt sich auch den virtuosen Anforderungen erfolgreich und lässt sich schließlich von Orlandos Rasereien aus der gestalterischen Reserve locken . . . Die Musiker stellen Vivaldis Musik gleichsam unter Starkstrom.

. . . Kozenas Stimme [trifft] wie ein Lichtstrahl -- direkt auf den Hörer . . . so fesselnd sind Magdalena Kozena und das Venice Baroque Orchestra und man möchte einfach nur die "Repeat-Taste" drücken . . . In den meisten Arien des Albums geht es darum, . . . die Stimmung zu halten. Viel Ruhe und Zurückhaltung seitens der Mezzosopranistin ist dafür gefordert, das gelingt. Langweilig wird es deshalb nicht, denn Kozenas Auswahl an Gesangsnummern aus dem Sopran- und Altfach und den nicht existierenden Vivaldi-Arien-Hits machen das Album vom Einlegen der CD bis zur letzten Arie höchst abwechslungsreich. Dazu erweist sich das Venice Baroque Orchestra unter der Leitung von Andrea Marcon aufs Neue als hervorragender Partner. Ihnen scheint die Musik des norditalienischen Landsmannes -- Vivaldi -- im Blut zu liegen.

Der dunkle Glimmer ihres changierenden, sinnlich pulsierenden Mezzosoprans entdeckt eine beinahe mediterrane Siesta-Stimmung . . . Die gedämpfte Lyrik, das fast melancholische Stilempfinden Ko¿enás machen den Charme dieses wundervollen Albums aus . . . Magdalena Ko¿ená . . . befreit den Rotbart von allen Klischees. Mit Arien aus elf Vivaldi-Opern ist ihr das vielleicht wichtigste CD-Highlight ihrer formidablen Karriere geglückt.

[Niemand könnte] diese Arien schöner und inniger singen als Magdalena Kozená mit ihrer unglaublich perfekt geführten Stimme.

Andrea Marcon leitet die auf Originalinstrumenten spielenden Musiker mit großer Umsicht und Sinn für die Nuancen . . . Magdalena Kozená erweist sich bei den insgesamt 15 Vivaldi-Arien als flexible und stets geschmackvoll intonierende Interpretin . . . Die Sorgfalt und Intensität, mit der hier musikalisch zu Werke gegangen wird, macht die CD zu einem "Muss" nicht nur für Freunde der Barockmusik.

Alles geht ganz schnell: Schon mit den ersten Sekunden, mit den repetierenden Akkorden und fahlen Streicherklängen aus "Tito Manilo" entführen Andrea Marcon und sein Orchester den Hörer in die Gedanken- und Gefühlswelt der CD, und diese changiert vor allem zwischen elegischer Verträumtheit und herzzerreißender Verzweiflung. Dann kommt der Einsatz von Magdalena Kozená. Das "Sonno" des Titelhelden tönt aus ihrer Kehle wie der Gesang einer unendlich Traurigen Seele -- alleine durch den Klang.
Und das ist kein Einzelbeispiel, denn die gesamte CD ist ein Paradebeispiel für die exemplarische Klangmalerei der Tschechin, in deren Singen sich der Sinn einer jeden Phase im Klang spiegelt. Dabei ist das Venice Baroque Orchestra in jedem Moment ein kongenialer Partner. Wie die Musiker zu Beginn von Licidas "Mentre dormi Amor fomenti" die quälenden Akkorde aneinanderreiben, jede gespannte Harmonie genüsslich auskosten, lässt den Hörer bis zur Unerträglichkeit leiden.
Und auch die virtuosen Momente fallen dagegen nicht ab. Mit überschäumender Spiellust stürzt Marcon sich mit seinem Ensemble in die Arie aus "Juditha triumphans", und die Sängerin folgt ihm mit dem Mut zu harschen Akzenten und kruden Farben sowie energisch ausgesungenen Koloraturen, welche die Schwierigkeiten von Vivaldis instrumentalen Verzierungen fast vergessen machen. Ein klar konturiertes, transparentes Klangbild, dem von der Technik dennoch genügend Raum gegeben wird, sorgt für unmittelbaren Genuss.

Eintönig ist diese monochrome, von schwarzer Melancholie erfüllte Vivaldi-Arien-CD nicht eine Sekunde lang . . . Jedes Stück wirkt frisch wie eine Entdeckung und klingt völlig anders als das zuvor oder danach. Treffsicher setzt Marcon die Pointen, farbig sind die Nummern instrumentiert, Windmaschinen werden eingesetzt in der Zornarie der Zauberin Ersilla, eine zierliche Soloblockflöte in dem arkadischen Couplet der Schäferin Rustena. Die kostbare Stimme der Kozená aber mit ihrer bezwingend intensiven Aura ist wandelbar in Timbre und Ausdruck von Nummer zu Nummer . . . Gleich die erste Nummer (aus der Oper "Tito Manlio") malt ein Nachtstück, ein klassisches Genrebild. . . Fast vibratolos, silberklar wie eine Trompete schwebt Kozenás Stimme ein, lässt sich in die Lamentosekunde hineinfallen, und dazu zupft die Laute ein Akkompagnato, als sänge sich einer da selbst etwas vor. Die für neue wie alte Musik perfekt kompatible, kühle Mezzostimme Magdalena Kozenás hat sich in den vergangenen Jahren in eine Traumstimme verwandelt . . . Das Volumen ist deutlich größer geworden. Vor allem aber hat sie neue Farben dazugewonnen, ist voller, runder geworden, ohne an Kraft und Beweglichkeit einzubüßen. In der Arie "Gelido in ogni vena" (aus "Farnace") reicht diese Stimme bis in den dunkelsten Keller des Altregisters hinab, das Wort "terror" schwarz grundierend . . . Ergreifend die Totenklage, brillant das Feuerwerk, das Kozená in den Koloraturen der "Griselda"-Arie entzündet, hinreißend die pseudonaive Koketterie in dem Gondellied der "Rosane": Alle Facetten des Lebens lassen sich einfangen von dieser Stimme. Magdalena Kozená ist sowieso ein Vielseitigkeitswunder und nicht auf Barockmusik spezialisiert . . .

Mezzo Magdalena Kozená setzt in ihrem neuen Recital mit Vivaldi-Arien nicht auf Theatralik, sondern auf Beschaulichkeit und leise Töne . . . Erste Überraschung: Nichts "knallt", wie aus dem Nichts kommen die Instrumentaltöne und die makellos, mit perfekten Schwelltönen, fast "sopranig" mit Lucia-Popp-Timbre durch die Melodien segelnde Stimme der Mezzosopranistin. Intimität ohne vokales Auftrumpfen. Erst in der zweiten Nummer, in der es nicht um Träume, sondern um "furore" geht, werden alle Bremsen gelöst, auch bei den stets locker und luftig musizierenden Profis des Venice Baroque Orchestra mit seinem Chef Andrea Marcon . . . Der bei solcher Fülle bestehenden Abstumpfungs-Gefahr begegnen die Musiker mit großer instrumentaler Vielfalt und Klangphantasie bei der "Begleitung" -- und mit nicht erlahmendem rhetorischem Nachdruck. Es darf auch blühen und schmachten, bloß ohne "Schmalz", und wer wissen will, wie sich "Vier-Jahreszeiten"-Klänge in Opernarien transferieren lassen, kommt bei "Farnace" auf seine Rechnung . . . Ergebnis: eine CD, die die Fantasie auf Reisen schickt.

"Schön!" Der Seufzer liegt einem auf der Zunge, wenn Magdalea Kozena Vivaldi-Arien singt, wie auf ihrer jüngsten CD, begleitet vom Venice Baroque Orchestra unter Andrea Marcon . . . bei Vivaldi ist das Elegische, der sanfte Flötenton am ehesten "ihr Ding". Wie war das mit den "voci parallele"? In ihren besten Momenten kann die Stimme von Magdalena Kozena . . . wie die der verehrten, zu früh verstorbenen Sopranistin Lucia Popp klingen . . .

Da hat uns die tschechische Mezzosopranistin was richtig Schönes ausgesucht . . . Was sie singt . . . sind Lieder, in die man sich reinvertiefen kann und staunen, immer wieder neu. Jede Sekunde lohnt.

. . . [Kozená] huldigt seiner [Vivaldis] affektgeladenen Virtuosität eher am Rande und leuchtet stattdessen in wundervollen langsamen Arien die tief emotionalen Aspekte seines Opernschaffens aus.

. . . eine recht systematische Vermessung des Kontinents Vivaldi und seiner verblüffend unterschiedlichen Musiklandschaften. Und die gelingt nicht zuletzt deshalb so überwältigend, weil Dirigent Andrea Marcon mit seinem Venezianischen Barockorchester nicht auf einen Einheitstonfall setzt, sondern die jeweiligen Lichtverhältnisse der einzelnen Arien mit subtiler Ausdeutung nachzeichnet -- Marcon ist deutlich gereifter, seit er mit dem Geiger Giuliano Carmignola seine legendären Konzertaufnahmen vorlegte. Aber auch Magdalena Kozená, einst furiose Pathetikerin der Alte-Musik-Szene, hat sich neue Ausdruckswelten erobert, gerade im Langsamen, im Leisen. Weit davon entfernt eine herzlose Koloraturmaschinerie anzuwerfen, trägt sie in fast alle Stücke eine melancholische Wärme. Sie belebt jede Phrase ohne zu outrieren, sie deutet Tänzerisches mit geschmeidiger Erotik, sie arbeitet gegen die Kälte in "Gelido in ogni vena" (einer Übernahme aus dem Winter der "Jahreszeiten") mit glühender Verzweiflung. Und vor allem ist ihr Jubel immer ein verhaltener, der jeden Effekt meidet. So viel Seelenweite, solch ein Reichtum war bei Antonio Vivaldi bisher noch nie zu hören.

Der rote Priester hat nichts an Attraktivität verlorenen. Im Gegenteil. Als Opernkomponist boomt er. Was die langsamen Arien zauberhaft beweisen. Alles andere als Archivware.

Man weiß nicht, was man mehr bestaunen soll, die schlanke Stimmführung, die Empfindungstiefe, den wunderbaren Farbenreichtum ihres Mezzos oder die Selbstverständlichkeit, mit der die bedeutende Sängerin die anscheinend problemlos gemeisterten virtuosen Teile in die jeweiligen Arien einfügt . . . [Die getroffene Auswahl] erlaubt einen Einblick in die große Vielfältigkeit Vivaldis Opernschaffen. Am Erfolg der sehr gelungenen Aufnahmen hat das Venice Baroque Orchestra unter Andrea Marcon durch prägnantes Mitgestalten entscheidenden Anteil.


    Finding the Emotion and Holding on to it
    Magdalena Kožená sings Vivaldi

    In 1737 Vivaldi described himself in a letter as a “freelance entrepreneur"; yes, the composer of The Four Seasons, famous music even then, thought of himself first and foremost not as the violin virtuoso and pioneer of the solo concerto we know him as today, but as a man of the stage. And indeed, from the time of his first opera, Ottone in villa, produced in Vicenza in 1713, through to the final visit to Vienna in 1740-41 on which he died, he was one of northern Italy's busiest opera composers, mounting performances of his own works at the Sant'Angelo opera house in his native Venice, and travelling for productions in cities such as Rome, Florence, Milan, Mantua and Verona, as well as further afield to Vienna and Prague. He claimed (probably with some exaggeration) to have composed 94 operas, yet they failed to outlive him (fewer than 30 survive intact today), and it has only been in the last decade that his dramatic music has begun to make itself known to the modern listener, thanks to increased numbers of recordings and occasional staged productions.

    For Magdalena Kožená, too, there was a discovery to be made when it was suggested that she and the Venice Baroque Orchestra follow up their first recording together (of Handel) with a selection of arias from Vivaldi's operas. “Andrea Marcon and the Venice Baroque have this music in their blood", she says, “and did some amazing things with it that I wasn't expecting. There is one aria, for example, 'Forse, o caro, in questi accenti', from Farnace, which, when they started playing it, made me immediately feel like I was in a gondola on a night-ride in Venice. It had that kind of magic about it."

    Magdalena Kožená admits to being drawn to this gentler side of Vivaldi's art, though for many people the first impression of his vocal music is of a dazzling virtuoso difficulty imported from his instrumental style and showing a fearsome disregard for the human weaknesses of singers. “Those pyrotechnics are always a nice challenge for me", says Kožená, “but I didn't put so many of those arias in, even though ones like 'Armatae face' (Juditha triumphans) or 'Nel profondo' (Orlando furioso) are masterpieces. They're fun to do, because it's a bit like the Olympics or something - you're wondering if you're going to make it or not."

    With Vivaldi's slow arias the challenge is rather one of simplicity, how to make something vital out of the often spare textures. “It's about the atmosphere of the moment", Magdalena Kožená explains. “They're rather impressionistic. You need to find one special mood and not worry about the meaning of each individual word; you have to get used to the idea of staying with that one mood for a while. It's very zen in that way, very calming. I like to listen to Vivaldi on a grey day because it's soothing and puts you more at one with nature."

    It is hard not to make the obvious comparison here with Handel: Magdalena Kožená insists that while Vivaldi does not offer the same kind of emotional punch, that is not the point. “When I did the Handel recording there was huge drama. Handel really needs big extremes. But that wouldn't suit Vivaldi's music at all. It would be destroyed if you did too much to it. It's like Murano glass; if you do just one thing wrong it suddenly loses its magical perfection. Of course, you can't say that it's not emotional, but it's like in yoga when you're told to concentrate on one thing and be happy with it. Normally in music, as in other things, I like to look for huge contrasts, but I don't think that's right for Vivaldi. Even though these slow pieces are also opera arias with stories behind them, you have to find a single serene emotion in them and hold on to it. That's much more difficult than the virtuoso bit."

    Magdalena Kožená says that she spent many hours choosing the arias for this programme, picking numbers from both the soprano and alto ranges which she felt showcased the variety of Vivaldi's approaches, a job made easier by their relative lack of familiarity. “I really felt free to choose the best music, because there were no old favourites that had to be included - there are no Vivaldi 'hits'!" Even so, she has a clear favourite among them in “Gelido in ogni vena" from Farnace. “It's a stunning masterpiece, absolutely out of this world. And it's one aria where it so happens that there is a lot of theatre. It's the moment when a father discovers that he has unknowingly given the command for his son to be killed, and now he's completely frozen with horror." Vivaldi's response seems to have been a highly personal one too: with the text describing the singer's blood running cold, he borrows music from the chilling opening movement of the “Winter" from The Four Seasons.

    Vivaldi opera recital discs are still a rare commodity, so any one of them is likely to be something of a journey into unknown territory. For Magdalena Kožená, however, the pleasure of discovery was enhanced by working with the Venice Baroque Orchestra, especially as, with no opportunity to perform these arias in concert before the recording, there was no time for the interpretations to become stale. “I was a bit scared about that, but I knew we would have a fantastic time making music together, and anyway, as Andrea said, it would probably be better that way as we would find a fantastic connection by doing things 'in the moment', keeping things fresh and spontaneous. He was right!"

    Lindsay Kemp
    3/2009

    Emotionen finden und festhalten
    Magdalena Kožená singt Arien von Vivaldi

    In einem Brief aus dem Jahre 1737 beschrieb Vivaldi sich selbst als einen »freischaffenden Unternehmer«; der Komponist der Vier Jahreszeiten, eines schon zu seiner Zeit berühmten Werks, fühlte sich in erster Linie nicht als Geigenvirtuose und Pionier des Solokonzerts, als den wir ihn heute kennen, sondern als ein Mann der Bühne. Seit der Uraufführung seiner ersten Oper Ottone in villa 1713 in Vicenza bis zu seinem letzten Aufenthalt in Wien 1740-41, wo er auch starb, war Vivaldi einer der aktivsten Opernkomponisten Norditaliens; er veranstaltete Aufführungen eigener Werke im Teatro Sant'Angelo seiner Heimatstadt Venedig und reiste für Inszenierungen nicht nur nach Rom, Florenz, Mailand, Mantua und Verona, sondern sogar bis nach Wien und Prag. Vivaldi selbst gab an - wohl nicht ohne eine gewisse Übertreibung -, 94 Opern geschrieben zu haben. Nach seinem Tod gerieten sie in Vergessenheit (weniger als 30 Opern sind vollständig überliefert), und erst in den letzten zehn Jahren wurden die Musikliebhaber dank gelegentlicher Aufführungen und eines immer umfangreicher werdenden Katalogs von Einspielungen auf Vivaldis Bühnenwerke aufmerksam.

    Als man Magdalena Kožená vorschlug, nach ihrer ersten Zusammenarbeit mit dem Venice Baroque Orchestra (einem Album mit Händel-Arien) ein Projekt mit Arien aus Vivaldis Opern in Angriff zu nehmen, stand ihr eine Überraschung bevor: »Andrea Marcon und dem Venice Baroque Orchestra liegt diese Musik im Blut, sie haben einige faszinierende Dinge damit gemacht, die ich nicht erwartet hatte. Als sie beispielsweise anfingen, ›Forse, o caro, in questi accenti‹ aus Farnace zu spielen, fühlte ich mich wie auf einer Gondelfahrt durch das nächtliche Venedig - es war einfach magisch.«

    Magdalena Kožená hat nach eigenem Bekunden ein besonderes Faible für diese innige Seite von Vivaldi, auch wenn vielen Zuhörern vor allem die große Virtuosität seiner Vokalmusik auffällt, die sich vom Stil seiner Instrumentalwerke ableitet und auf menschliche Grenzen der Sänger keine Rücksicht nimmt. »Ein solches Gesangsfeuerwerk ist immer eine wunderbare Herausforderung für mich«, so Kožená, »aber ich habe nicht allzu viele derartige Arien ausgewählt, obwohl Stücke wie ›Armatae face‹ (Juditha triumphans) oder ›Nel profondo‹ (Orlando furioso) natürlich wahre Meisterwerke sind. Es macht Spaß, sie zu singen, weil man sich dabei ein bisschen wie bei einem olympischen Wettkampf fühlt - die ganze Zeit fragt man sich, ob man es wohl schafft oder nicht.«

    Die Herausforderung bei Vivaldis langsamen Arien liegt in ihrer Schlichtheit, in der lebendigen Umsetzung ihrer oftmals einfachen Strukturen. »Es geht um die Atmosphäre des Augenblicks«, erklärt Magdalena Kožená. »Es sind sehr impressionistisch anmutende Stücke - man muss eine bestimmte Stimmung herausgreifen und sollte sich nicht um die Ausdeutung jedes einzelnen Wortes sorgen. Man muss sich an den Gedanken gewöhnen, eine gewisse Zeit vollkommen bei dieser Stimmung zu bleiben. So gesehen haben diese Stücke etwas vom Geist des Zen, sie schaffen viel Ruhe. An grauen Tagen höre ich mir gerne Vivaldi an, weil es mir wohltut und mich stärker in Einklang mit der Natur bringt.«

    Der Vergleich mit Händel liegt nahe: Vivaldi besitze vielleicht nicht die gleiche emotionale Intensität wie dieser, sagt Magdalena Kožená, doch das sei nicht der Punkt. »Bei meiner Händel-Aufnahme ging es um großes Drama. Händel braucht die Extreme, zu Vivaldis Musik würde das aber nicht passen. Jedes Übermaß zerstört sie. Sie ist wie Muranoglas - schon durch den kleinsten Fehler verliert sie ihre magische Vollkommenheit. Natürlich ist sie auch emotional, aber sie erinnert mich auf dieser Ebene eher an Yoga, wenn man sich auf eine bestimmte Sache konzentrieren, glücklich darin sein soll. In der Musik wie auch in anderen Zusammenhängen suche ich gerne große Kontraste, aber damit wird man Vivaldi nicht gerecht. Auch wenn es sich bei diesen langsamen Stücken um Opernarien handelt, die Teil einer Handlung sind, sollte man sich auf ein einziges, tief empfundenes Gefühl darin konzentrieren und es festhalten. Das ist viel schwerer als der virtuose Part.«

    Magdalena Kožená hat viele Stunden mit der Auswahl der Stücke für dieses Programm verbracht, hat Nummern aus dem Sopran- und Altfach herausgesucht, die die Vielfalt von Vivaldis Musiksprache aufzeigen. Dass diese Stücke fast unbekannt sind, machte die Aufgabe etwas leichter: »Ich fühlte mich vollkommen frei, konnte die beste Musik auswählen, da keine alten Erfolgsnummern vorhanden waren, die man unbedingt mit hineinnehmen musste - es gibt keine Vivaldi-›Hits‹!« Dennoch hat Kožená in dieser Auswahl ein persön­liches Lieblingsstück, »Gelido in ogni vena« aus Farnace. »Es ist ein faszinierendes Meisterwerk, einfach überirdisch. Und es ist eine Arie, die tatsächlich großes Drama bietet. In diesem Moment erkennt ein Vater, dass er unwissentlich den Befehl gegeben hat, seinen Sohn zu töten, und nun ist er starr vor Entsetzen.« Vivaldis Reaktion darauf ist ebenfalls sehr persönlich: Die Beschreibung der Gefühle des Vaters im Text - sein Blut gefriert zu Eis - unterlegt er mit Musik aus dem Anfangssatz des »Winters« aus den Vier Jahreszeiten.

    Aufnahmen mit Vivaldi-Arien findet man selten, daher ist jede von ihnen wie eine Entdeckungsreise in ein unbekanntes Land. Und für Magdalena Kožená war die Entdeckerfreude in der Zusammenarbeit mit dem Venice Baroque Orchestra sogar noch größer: Weil es keine Gelegenheit gab, die Stücke vor den Aufnahmen im Konzert zu singen, waren die Interpretationen vollkommen neu und unverbraucht. »Ich hatte ein bisschen Angst davor, aber ich wusste, dass wir beim Musizieren eine Menge Spaß haben würden; mit dieser spontanen, frischen Arbeitsweise ›aus dem Moment heraus‹, meinte Andrea, würden wir während des Spielens eine tolle Verbindung finden, alles bliebe neu und spontan. Er hatte recht!«

    Lindsay Kemp
    3/2009

    Trouver l'émotion et ne pas la quitter
    Magdalena Kožená chante Vivaldi

    Comme le révèle une lettre de 1737 dans laquelle Vivaldi se qualifie d'«entrepreneur indépendant» (franco intraprenditore), le compositeur des déjà célèbres Quatre Saisons se considérait en premier lieu non pas comme le violoniste virtuose et pionnier du concerto de soliste que nous connaissons aujourd'hui, mais comme un homme de théâtre. Il est vrai que depuis l'époque de son premier opéra, Ottone in villa, présenté à Vicence en 1713, jusqu'à son ultime séjour à Vienne où il mourut, le 27 ou 28 juillet 1741, il fut l'un des compositeurs d'opéras les plus actifs d'Italie du nord, montant ses propres œuvres au théâtre Sant'Angelo de sa Venise natale et voyageant à Rome, Florence, Milan, Mantoue et Vérone, et même aussi loin que Vienne et Prague pour aller voir diverses productions. Il prétendit - exagérant un peu sans doute - avoir composé 94 opéras, mais ils ne lui ont pas survécu (moins de trente nous sont parvenus intacts), et ce n'est que depuis une dizaine d'années que le mélomane moderne a commencé à se familiariser avec sa musique théâtrale grâce à un nombre croissant d'enregistrements et, de temps à autre, à quelque nouvelle production.

    Pour Magdalena Kožená aussi il y avait des découvertes à faire quand l'idée vint, suite à son disque Haendel avec le Venice Baroque Orchestra (leur première collaboration), de se lancer dans un nouvel enregistrement consacré à l'opéra vivaldien. «Andrea Marcon et son orchestre vénitien ont cette musique dans le sang et ils ont fait des choses étonnantes auxquelles je ne m'attendais pas du tout. Par exemple quand ils ont commencé à jouer l'air Forse, o caro, in questi accenti (Farnace), j'ai immédiatement eu l'impression de me retrouver la nuit à Venise, bercée dans une gondole. Il y avait cette espèce de magie dans leur façon de jouer.»
    Magdalena Kožená avoue être attirée par ce côté doux de l'art vivaldien; pourtant, quand on écoute de la musique vocale de Vivaldi, on est avant tout frappé par cette virtuosité éblouissante directement calquée sur son écriture instrumentale, qui semble se moquer éperdument des limites humaines des chanteurs. «Ces feux d'artifice représentent toujours un défi captivant pour moi, assure Magdalena Kožená, mais je n'ai pas mis tellement de ces airs virtuoses dans mon programme, bien que certains soient des chefs-d'œuvre - par exemple Armatae face (Juditha triumphans) ou Nel profondo (Orlando furioso) retenus sur ce disque. Ils sont amusants à chanter, c'est un peu comme aux jeux olympiques, vous vous demandez si vous allez y arriver ou pas.»

    Dans les airs lents de Vivaldi, la simplicité est le véritable défi: comment tirer d'une écriture souvent très économe quelque chose d'essentiel? «L'important, c'est le climat du moment, explique Magdalena Kožená. Ces airs sont assez impressionnistes. Il faut trouver le climat particulier, éviter de s'accrocher au sens de chaque mot et accepter l'idée qu'on reste dans ce climat pendant un certain temps. C'est très zen de cette manière, très relaxant. J'aime écouter du Vivaldi quand il fait gris parce que c'est réconfortant et ça vous met en harmonie avec la nature.»

    Il est difficile de ne pas faire la comparaison avec Haendel. Même si Vivaldi ne présente pas la même intensité émotionnelle, concède Magdalena Kožená, l'important est ailleurs, insiste-t-elle: «En enregistrant mon disque Haendel, j'ai fait du grand drame, mais la musique de Vivaldi ne le supporterait pas; toute exagération la détruirait. C'est comme le verre de Murano: la moindre erreur lui fait perdre sa magie, sa perfection. Bien sûr, on ne peut pas dire que Vivaldi ne soit pas émotionnel, mais songer au yoga, quand on vous demande de vous concentrer sur une chose et d'y trouver votre bonheur. Normalement, en musique, comme dans d'autres domaines, je recherche les grands contrastes, mais je ne pense pas que cela convienne à Vivaldi. Même si ses morceaux lents sont aussi des airs d'opéra où se profile un drame en filigrane, il faut trouver une seule émotion et ne pas la quitter. C'est bien plus difficile que l'aspect virtuose.»

    Magdalena Kožená raconte qu'elle a passé de nombreuses heures à constituer ce programme, jetant son dévolu autant sur le registre de soprano que celui d'alto afin de mieux illustrer la variété d'approches du compositeur. Sa tâche a été simplifiée par l'aspect relativement méconnu de ce répertoire: «Je me suis vraiment sentie libre de choisir le meilleur musicalement du fait de l'absence d'airs archiconnus qui auraient été “indispensables" sur le disque.» Ce qui ne l'empêche pas d'avoir son air préféré, Gelido in ogni vena, extrait de Farnace. «C'est un chef-d'œuvre étonnant, complètement hors de ce monde, où pour le coup il y a du théâtre: le roi Farnace vient de découvrir que celui qu'il a donné l'ordre de tuer est son fils et il est complètement glacé par l'horreur.» Vivaldi semble lui aussi avoir réagi au drame de manière hautement personnelle: pour illustrer le sang qui se glace il a emprunté au froid premier mouvement de L'Hiver de ses Quatre Saisons.

    Les disques d'airs de Vivaldi étant encore une denrée rare, ils signifient presque toujours un voyage en territoire inconnu. Pour Magdalena Kožená, le plaisir de la découverte s'est doublé du plaisir de travailler avec le Venice Baroque Orchestra, et comme il n'était pas possible de donner ces airs en concert avant l'enregistrement, leur interprétation n'a pas eu le temps de perdre sa fraîcheur. «J'avais un peu peur d'aller directement au studio, mais je savais que ça allait être fantastique de faire de la musique avec l'orchestre vénitien, et comme l'a dit Andrea, on ne pouvait que gagner dans l'échange musical, en fraîcheur et en spontanéité, en faisant les choses “sur le moment". Il avait raison!»

    Lindsay Kemp

3/2009