BACH Arias Otter Mortensen 4777467

Possessed of one of the most natural voices around today, the Swedish mezzo-soprano has been able to sing almost anything she likes . . .

. . . [Concerto Copenhagen] do an admirable job . . . this is an artist who can hold us in her palm with a commanding hauteur at the same time as the tender intimacy of a trusted confidante.

Von Otter's measured tone and musical personality shine out of the seraphic slumber aria from Cantata No. 197. The jocular pastoralism of an aria from Cantata No. 30, in which sinners are likened to lost sheep, is delightfully conveyed . . . and 'Erbarme dich' from the "St Matthew Passion" is well shaped. Additional soloists are brought in for several items, notably tenor Anders J Dahlin for the duet that opens Cantata No. 60, whose scale and broad horizons suggest a vision of eternity. The period-instrument accompaniments are neat and effective, with the players allowed their head in a couple of introductory Sinfonias (to Cantatas Nos 12 and 35) mixed in with the vocal items.

. . . she is revisiting her roots, and doing so in a characteristically imaginative way . . . In any event, von Otter sings with her accustomed intelligence and conviction . . . Her choice of conductor Mortensen and his band was an excellent one; Concerto Copenhagen is yet another outstanding period-instrument ensemble. Overall, this is a rewarding disc . . .

Von Otter is not afraid to paint in bold strokes, growling, scooping and spitting out the words of these vengeful, high-strung heroines. Her mature sound is a plus in Phèdre's magnificent scene "Quelle plainte," as the guilt-wracked stepmother implores the gods to cease tormenting her.

Nicht nur österlich, aber schön: Wie die schwedische Mezzosopranistin hier alle Stargelüste . . . hintan stellt -- und nur singt, ganz still, stilistisch sauber und instrumental. Von Tränen und Sünden und vom Erbarmen.

Die Mezzosopranistin Anne Sofie von Otter, der Dirigent und Organist Lars Ulrik Mortensen und das Concerto Copenhagen füllen seine Kirchenmusik mit prallem, sinnlichem, gänzlich unpietistischem Leben . . . [Bach] selber hätte möglicherweise seine helle Freude gehabt, mal statt die Töne von Zippelfagottisten, quengelnden Musici und mehr kokett als korrekt flötenden Sopranistinnen eben mal andere zu hören. Anne Sofie von Otter hat sich ihr eigenes, unkonventionelles Album an Bach-Arien zusammengestellt . . . Da wird Bachs Musik in ein funkelndes, stets wechselndes und immer wieder überraschendes klangliches Licht getaucht. Umwerfend etwa, wie seidig-verführerisch die Violine das "Erbarme dich, mein Gott" aus der Matthäuspassion einleitet, oder wie Klangmixturen . . . diese Musik von der eher frömmlerischen Patina reinigt, die sie im konventionellen Kirchenkonzert oft anzusetzen droht. Auch das transparente, präzise und energiegeladene Orgel-Continuo sowie das nicht minder präzise und klar artikulierte Ineinandergreifen von Solo- und Orchesterstimmen verleihen diesem urmusikalischen Dahinfliessen etwas Atemraubendes. Anne Sofie von Otters Stimme fügt sich (wie diejenigen ihrer gelegentlichen Mitsänger, der Sopranistin Karin Roman, der Tenöre Anders J. Dahlin und Tomas Medici sowie des Bassbaritons Jakob Bloch Jespersen) in dieses Kollektiv einfach als weitere Farbe ein. In den Haltetönen scheinen von Otters Vokallinien förmlich aus dem Orchersterklang herauszuwachsen und wieder zu versinken, in den Dialogen mit den warmen Oboen-Linien ergeben sich wunderbare Zwiegespräche, die gelegentliches Überartikulieren des Textes zur lässlichen Sünde machen, und wie in choralhafter Schlichtheit "Ewigkeit" zum oh du förmlich erlebbaren "Donnerwort" wird (Kantate BWV 60), ohne dass sich opernhafte Attitüden einschlichen, das hat Sternstunden-Charakter. Ob da alles mit historisch-kritisch rechten Dingen zugeht? Wer sich diesen Bach anhört, dem mutet die Frage von Nummer zu Nummer zunehmend irrelevant, ja absurd an . . . Dass Anne Sofie von Otter eine herausragende, authentische und originelle Künstlerpersönlichkeit ist, bestätigt sich mit dieser Produktion einfach einmal mehr.

Gerade im aktuellen Vergleich zu Kolleginnen . . . überrascht die Otter mit einem vor allem vom Wort kommenden Vortrag, der trotzdem mit leichter Höhe und schön tragenden Phrasen aufwartet. Als quicklebendige Gottesdialoge kommen die diversen Arien aus dem Lautsprecher, mal lustig, mal leidend. Der Thomaskantor als diviner Kommunikator? Warum eigentlich nicht? Das Concerto Copenhagen unter dem eloquenten Lars Ulrik Mortensen machen diese CD zudem äußerst hörenswert.

Sie ist eine der wenigen großen Sängerinnen unserer Tage, die auch bei Crossover-Projekten nicht peinlich wirkt . . .

Sanft gedonnert, blitzgescheit . . . Anne Sofie von Otter packt auf ihrer jüngsten CD "Bach" den Stier bei den Hörnern: Ihr souverän persönlicher Bach-Ansatz macht aus der Musik des Thomaskantors eine Höllenfahrt zwischen Andacht und Abgrund. Der widersprüchlichen Geschmeidigkeit der Stücke entlockt die Mezzosopranistin schroffe Nuancen -- im Gegensatz zum liturgisch zurückhaltenden business as usual, das Kantaten und Messen oft durch bemühte Interpreten erfahren . . . Über schwindende "E-Musik"-Reputation musste sich die Schwedin niemals Sorgen machen . . . Der große, pulsierende Klangfluss sowie perfekt abgestimmte Tempi und dichte Dynamik sorgen für aufregende und verblüffende Momente in nahezu jedem Stück des Albums. Das bekannte "O Ewigkeit, du Donnerwort" (Kantate BWV 60) klingt dann fast sanft und versöhnlich, während "Nichts kann mich erretten" (BWV 70) wunderbar blitzend zwischen Schrecken und Zuversicht pendelt -- ein Highlight der doppelbödigen, vielschichtigen Interpretation von Otters, die die drohende Hölle immer durchschimmern lässt . . . Das ist gekonnt gespenstisch und viel spannender als die pure frohlockende Heiligkeit. Entsprechend trocken und hochkonzentriert intoniert das Concerto Copenhagen, und auch Lars Erik Mortensens Orgel-Parts klingen zurückhaltend kühl, was den Gesang von Otters wunderbar unterstreicht. Wem Johann Sebastian Bachs sakrale Musik bisher zu sperrig war: Anne Sofie von Otters exquisites Recital-Menü macht Appetit auf mehr.

Sie spürt sehr genau dem gesungenen Wort nach, singt sehr textverständlich und differenziert die einzelnen Arien sehr genau. Die musikalische Linie in den langsamen Arien ist dabei ebenso gepflegt wie die Virtuosität in den schnellen Stücken . . . viel Innigkeit, viel Poesie und immer wieder Bewunderung vor den Leistungen dieser wunderbar timbrierten, flexiblen Stimme.

Mit ihrer Interpretation zeigt Anne Sofie von Otter genau die Qualitäten, die sie zu einer der weltweit renommiertesten Sängerinnen gemacht haben: Ein warmes und edel gerundetes Timbre, eine sorgfältige Textbehandlung und ein natürliches Stilempfinden -- kaum eine andere Mezzosopranistin ist so wandlungsfähig wie die Schwedin. Anne Sofie von Otter kann ihre Stimme ganz gerade und vibratolos führen, um sie im nächsten Moment aufblühen zu lassen. Diese Flexibilität hat dafür gesorgt, dass sie unter anderem eine der begehrtesten Barocksängerinnen wurde. Auch in der neuen Aufnahme zeigt sie ihre Anpassungsfähigkeit -- etwa in der wunderbaren Arie "Schläfert allen Sorgenkummer" aus der Kantate "Was Gott tut, das ist wohl getan" . . . sie beschert dem Hörer ein dichtes und abwechslungsreiches Programm voller musikalischer Reichtümer. Dabei setzt Anne Sofie von Otter keinesfalls nur auf bekannte Stücke, sondern hat auch einige Entdeckungen parat -- wie die Arie "Nichts kann mich erretten" aus der Kantate "Wer mich liebet, der wird mein Wort halten" zum ersten Pfingsttag. Mehr noch als früher folgt die Mezzosopranistin der barocken Phrasierung und ihrem oft tänzerischen Puls. Auch in den Koloraturen reiht sie nicht einfach Läufe aneinander, sondern setzt Akzente und singt auf Zielpunkte zu. Dadurch bleibt die Musik immer lebendig und transparent. Mit dem Concerto Copenhagen unter Lars Ulrik Mortensen hat Anne Sofie von Otter ein Ensemble an der Seite, das diese Gestaltung mitmacht und selber Impulse gibt. Das vorzügliche Niveau der dänischen Formation zeigt sich auf der CD auch in zwei reinen Orchesterstücken. Lars Ulrik Mortensen und sein Concerto Copenhagen verstehen sich unüberhörbar auf den natürlichen Groove, den Bachs Musik häufig mit sich bringt. So lockern die beiden Instrumentalstücke das vokale Hauptprogramm sehr schön auf. Bei der Programmgestaltung ging es Anne Sofie von Otter offenkundig nicht darum, sich selber ins Zentrum zu stellen, sondern dem Hörer eine besonders gelungene Mischung zu präsentieren. Deshalb enthält die Einspielung auch einen Chor und zwei Duette -- darunter das Et Misericordia aus dem Magnificat, das sie gemeinsam mit dem Tenor Anders Dahlin singt. Die beiden Stimmen mischen sich zu einem homogenen und runden Klang -- Anne Sofie von Otter stellt sich in den Dienst der Sache; es geht ausschließlich um die Musik und nicht um sängerische Eitelkeit. Das macht die CD so besonders . . . ein rundum beglückendes Resultat: Eine der schönsten Bach-Aufnahmen der letzten Monate.

Gemeinsam mit Gesangskollegen und dem wunderbar phrasierenden Concerto Copenhagen nimmt die Mezzosopranistin auf ihrer CD den Zuhörer mit in Bachs Leipziger Schaffensperiode . . . Durchgehend faszinieren Otters phänomenale Gestaltungskraft und der ihr eigene Gesangsduktus. Innig und sehr anrührend, ohne falsches Pathos interpretiert sie "Erbarme dich" aus der Matthäus-Passion, sehr anmutig gelingt "Wenn des Kreuzes Bitterkeiten".

Für die Instrumentalbegleitung hat sie Concerto Copenhagen ausgewählt, was eine sehr gute Entscheidung war, denn das Ensemble spielt hervorragend . . . ihre Interpretationen sind wirklich höchst bewundernswert. Ihre Integrität in der Art und Weise, wie sie hier zu Werke geht, verdient schon höchste Anerkennung. Es geht ihr nicht darum, sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, sondern die Musik von Bach. Und das schlägt sich in der Interpretation nieder: hier keine Schönsingerei, sondern das Bestreben, den Text und dessen Bedeutung aufzudecken. Das Agnus Dei aus der Messe in H-moll wird sehr eindringlich vorgetragen. Sehr schön ist auch die Eröffnungsarie aus Kantate 56, "Widerstehe doch der Sünde", die durch ein hohes Tempo, klare dynamische Akzente und den kräftigen tiefen Register von Frau von Otter ganz expressiv geraten ist . . . Den Bewunderern von Anne Sofie von Otter brauche ich diese CD natürlich nicht zu empfehlen. Aber auch Bach-Liebhaber sollten diese CD nicht verpassen.

Wer hätte geglaubt, dass von Otter auch mit der französischen Barock-Oper so souverän, so stilsicher umgehen kann? . . . Den größten Platz nimmt Marc Antoine Charpentiers »Medée« ein . . . Von Otter bleibt dieser Partie nichts schuldig; so farbig, so nuancenreich hat man ihren Mezzosopran zuvor kaum gehört. Die Partie erblüht durch von Otters großes dramatisches Talent, während die Stimme durch die Herausforderungen der Partie beflügelt wird. Und das auf einer Rezital-CD! . . . Mit Les Arts Florissants unter William Christie sind Musiker dabei, die diese Musik mit jeder Faser kennen. Das intelligenteste, das schönste Rezital seit Jahren.

Anne Sofie von Otter erweist sich bei Charpentier . . . als subtile Gestalterin, spielt mit Nuancen und Klangfarben, wechselt zwischen delikat intimer Haltung und bewusst gesetzter theatralischer Pose.