ROSSINI Il Barbiere/Wunderlich DVD-VIDEO 0734116

A monochrome 1950s stage broadcast, sung by an amazing cast; in German, but a classic nevertheless. Glyndebourne¿s is recommendable, but this is history.

Wunderlich . . . ein ernsthafter Spieler, ein Klang-Körper, vollgestopft mit Leidenschaft und klarster Technik, ein Tier zwischen Form und Verve. Ein Genie, das nur 13 Jahre aktiv auf der Bühne stand, dann starb -- und: bis heute nicht ersetzt wurde.

Müsste man einem Klassik-Einsteiger erklären, wie sich ein Tenor anhört: Man sollte ihm dieses Wunderlich-Recital in die Hand drücken. (The Magic of Wunderlich) . . . Gleichzeitig wird ein Live-Mitschnitt des Münchener "Barbier von Sevilla" aus dem Jahre 1959 erscheinen. Dort ist noch einmal zu sehen, was Wunderlich und seine Generation ausgemacht hat: Absolute Authentizität selbst im größten Pathos, das die Oper zu bieten hat und -- so wie sein Bühnenmitstreiter, der Bariton Hermann Prey -- eine Diktion, die vergessen macht, daß in der Oper gesungen wird: Die beiden machen auf der Bühne jede Arie, jedes Duett und im Studio jedes Lied und jeden Schlager zu einem kleinen Drama, zu einer allumfassenden Erzählung, in der Text und Wort gleichberechtigt nebeneinander stehen.

. . . eine DVD als herzerfrischendes Dokument . . . Da ist Wunderlich, der betörend sinnliche, verführerische Graf. Da brilliert der unvergessene Hermann Prey als famoser Figaro und Erika Köth als kehlfertige Rosine. Und man muss hören, wie der Wagner-Heroe Hans Hotter als Basilio die Verleumdung beschwört! Dazu am Pult der punktgenaue Joseph Keilberth: Da vergisst man, dass hier italienische Oper in deutscher Sprache gesungen wird.

Vielleicht besaß der so unglücklich früh verunglückte Künstler die schönste Tenorstimme des 20. Jahrhunderts. Jedenfalls setzte er sie mit einer Geschmeidigkeit, Eleganz, mit so viel Ausdrucksstärke, aber auch mit Witz ein, dass seine Kunst -- im deutschen Sprachraum mindestens -- einzigartig zu nennen war . . . Uns bleiben Erinnerungen an singuläre Interpretationen . . . jene Video-Aufzeichung einer Münchner Aufführung von Rossinis "Barbier von Sevilla", wo Wunderlich an der Seite von grandiosen Partnern, allen voran Hermann Preys Figaro und Hans Hotters komödiantisch-donnerndem Basilio, den Grafen Almaviva gibt. In deutscher Sprache, schwarz-weiß gefilmt, von Joseph Keilbarth mit sicherer Kapellmeisterhand geführt, von Erika Köths glockenhell-koketten Koloraturen gekrönt, ereignet sich hier natürliches Musiktheater der feinsten, weil damals noch selbstverständlichen Sorte. Solche Dokumente, bei allen Abstrichen der historischen technischen Beschaffenheit, müssten sämtlichen Intendanten der Gegenwart zur wöchtlichen Konsumation zwingend vorgeschrieben werden: Nicht, weil manche Stimmen hier unwiederbringlich scheinen, sondern weil an dieser hinreißenden Produktion abzulesen ist, wie ein Ensemble aus guten Singschauspielern den Geist eines Werkes einfangen kann, mit gemeinschaftlicher Lust am Theater, dank Beherrschung der Kunst, auf der Basis dessen, was in Partitur und Text zu lesen ist.

Schon die Auftrittsarie kommt mit jener selbstverständlichen Leichtigkeit und Stimmschönheit daher, die bis heute nie wieder erreicht wurde. Und obwohl die deutsche Sprache für ein heutiges Publikum zunächst gewöhnungsbedürftig klingt, vermittelt Wunderlichs Phrasierung eine italienische Belcanto-Eleganz, wie man sie sich schöner kaum vorstellen kann. Aber nicht nur in seinen Soloszenen setzt Wunderlich auch heute noch Maßstäbe. In den Ensemblepassagen, besonders zusammen mit seinem Freund Hermann Prey, entwickelt er einen immer treffsicheren und sprühenden musikalischen Witz; dazu kommt eine geradezu diebische Freude am Spiel.

Wunderlich, exhibe ... un vitalismo y una capacidad de comunicación extraordinarias, además de un poder de seducción basado en una enorme claridad de dicción y una musicalidad servida a través de un timbre de tremenda incisividad y proyección ... Wunderlich no se olvida tampoco que está cantando una comedia, y nos regala una divertida, juvenil y traviesa interpretación escénica del conde de Almaviva. ... un testimonio impagable del arte vocal de Fritz Wunderlich, el mejor tenor nunca aparecido en territorio germano después de la guerra, y cuya desaparición creó una vacante en el canto alemán que todavía no ha sido ocupada. Imprescindible para sus fans y muy recomendable como documento histórico.