RAVEL The Piano Concertos, Miroirs / Aimard

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MAURICE RAVEL

The Piano Concertos
Die Klavierkonzerte

Miroirs
Pierre-Laurent Aimard
The Cleveland Orchestra
Pierre Boulez
Int. Release 13 Aug. 2010
1 CD / Download
0289 477 8770 9 CD DDD GH
Two stars – Aimard and Boulez –
create a Radiant Ravel


Liste de titres

Maurice Ravel (1875 - 1937)
Piano Concerto for the left hand in D

Piano Concerto in G

Pierre-Laurent Aimard, The Cleveland Orchestra, Pierre Boulez

Miroirs, M.43

Pierre-Laurent Aimard

Durée totale de lecture 1:10:32

If Thursday's concert is any indication, the Deutsche Grammophon CD to be distilled from this weekend's performances might also turn out to be a classic. Aimard's articulate, intelligent playing -- full of beguiling colors and thoughtfully rendered detail -- is perfectly suited to Ravel's sound world . . . . Aimard also seems to take a particular pleasure in Ravel's distinctive timbres, making much of grumbling low notes in the same work's opening cadenza and in the G-major concerto's first movement . . . experienced live, Boulez and Aimard's Ravel is altogether magical . . . [Messiaen]: in the remaining three "meditations" Boulez offered a surprisingly warm treatment of Messiaen's composition that looked back to its roots in the work of Dukas and Debussy . . . What was it Debussy once said about music being a "mysterious mathematical process"? If that's so, you can feel pretty darn confident with Boulez as your accountant.

Through Boulez's long, distinguished recording history in Cleveland runs a gleaming vein of Ravel, whose music the conductor interprets with rare grace. Atop that worthy pile now stands this glorious offering with Aimard, stemming from February concerts here. Playing the Concerto for the Left Hand, Aimard is fully at ease, conveying textural breadth and copious wit. The G-Major Concerto is a similar delight, replete with flamboyant licks and an Adagio for the ages. Rounding out the disc is the solo "Miroirs" suite, whose poetry and liveliness Aimard relays like an oracle.

There are surely few conductors alive who can bring Ravel's miraculous, deft orchestral colours to life with such lucidity and suppleness as Boulez . . . The Left Hand Concerto is a triumph from its sinister opening (no pun intended) to its all-conquering apotheosis . . . One can almost see the bow wave of the "barque" as it skims along "sur l'océan" while the teeming difficulties of "Alborada del gracioso" are handled with a beguiling insouciance. Atmospheric "reflections" indeed . . .

. . . the two Ravel piano concertos receive an exemplary pair of readings, especially given the Boulez penchant for articulate clarity in all parts . . . [Pierre-Laurent Aimard] exhibits that percussive suavity and coloristic flexibility thoroughly appropriate to the Ravel concertos, the Left Hand a series of unity-in-variety explosions -- gloomy, jazzy, and then startlingly lyrical in turns. The sheer fluidity of technique and tone quite carry us away, from the low bassoon work to the incandescent mix of piano and snare drum, harp, and high woodwinds.

In the G major Concerto, Aimard and Boulez favour dry rather than sparkling wit, and the orchestra's control of the finest nuances of colour is exceptional. The opening movement's becalmed harp passage is breathtaking, and the Adagio is beautifully crafted. The invaluable coupling is an enthralling account of "Miroirs". "Alborada del gracioso" crackles with energy in Aimard's hands, and his poetry in "La vallée des cloches" is utterly sublime.

Few such pairs complement each other so perfectly in matters technical and expressive, Aimard alighting on their [the concertos'] differences while rendering them equally characteristic of the composer's maturity.

. . . the orchestra's control of the finest nuances of colour is exceptional. Sound is very good for CD, the recordings being taken from live performances (rather than being live). The invaluable coupling is an enthralling account of "Miroirs". Aimard crackles with energy in "Alborada del gracioso", and his poetry in "La vallée des cloches" is utterly sublime.

Pierre-Laurent Aimard plays with the cool, smart precision that is his hallmark, and Pierre Boulez coaxes bold and colorful sound from the Clevelanders. Aimard's solo work in "Miroirs" is no less scintillating.

Aimard's unique genius is as apparent in the Ravel piano concertos as it is when he's interpreting the great contemporary works . . .

Neu klingt dieser Ravel, innovativ, fast revolutionär. Boulez und Aimard richten ihren Blick zurück auf eine über 100 Jahre alte Musik und geben ihr eine Aktualität, ohne etwas hinzuzufügen, das nicht in ihr steckt. Auch das bekannte G-Dur Konzert von Ravel lebt von kontrastierende Ideen und von pulsierender Motorik. Aimard spielt es mit unglaublicher Präzision und rhythmisch sehr klar -- sicherlich auch eine Fähigkeit, die er durch die Beschäftigung mit neuer Musik besitzt. Doch er ist eben kein Künstler, der sich nur in diesem Stil bewegt. Er hat immer auch anderes Repertoire gespielt. Und im traumhaft schönen Adagio, das gerne als "Lied ohne Worte" bezeichnet wird, zaubert Aimard geradezu und bringt einen mit seinem innig-zarten Ton fast zum Weinen . . . Einen sehr feinfühligen Umgang mit den Farben dieser Musik beweist auch das Cleveland Orchestra, mit dem Boulez immer wieder Aufnamen für die Deutsche Grammophon macht . . . Für Aimard war die Aufnahmewoche mit dem Orchester und seinem Freund Boulez, so steht es im Booklet, eine Art "religiöse" Woche und man spürt das an der Intensität, die in diesen Aufnahmen steckt, insbesondere im Konzert für die linke Hand. Das G-Dur Konzert lebt von der Direktheit einer Liveaufnahme . . . Mit seinem anmutig-lockenden Ton zieht er einen immer wieder in den Bann . . . Perfektionist in Ausdruck und auf technischem Niveau -- Aimards Ravel muss man gehört haben.

Das alles klingt sehr reizvoll, sehr französisch, très expressif.

Die beiden Franzosen erzielen mit präziser Rhythmisierung und Klangbalance ein Maximum an Klarheit. Die Ecken und jazzig-federnden Kanten im G-Dur-Konzert, die wuchtige Nonchalance des "Klavierkonzert für die linke Hand" -- das alles wird penibel und feinsinnig herauspräpariert.

Es ist ziemlich spannend zu hören, wie diese Protagonisten der französischen Avantgarde sich nun ihren "Vorfahren" widmen. Weil es Live-Mitschnitte sind, ist zudem unheimlich viel Energie und Agilität zu hören.

Beglückend . . . die »Miroirs«, bei denen Aimard als musikalischer Diskursanalytiker ganz wieder bei sich selber angekommen ist: urteilsfreudig und radikal verjüngend -- als wär's ein Stück von Messiaen.

. . . urteilsfreudig und radikal verjüngend -- als wär's ein Stück von Messiaen. [Miroirs]

Zwei charismatische Franzosen, lebens- und musikerfahren, die beide ihre ersten Sporen als kämpferische Avantgardisten verdienten . . . knöpfen sich das janusköpfige Vermächtnis eines traditionsbewussten Franzosen vor und erfüllen es mit neuem Licht . . . diese beiden Musiker [kennen sich] schon seit mehr als einem Vierteljahrhundert aus gemeinsamer Arbeit an der zeitgenössischen Musik. Ihrer Ravel-Interpretation tut das hörbar gut. So transparent und farbig ist, bei aller dichte, das D-Dur-Konzert selten zu hören gewesen, so spannungsgeladen durchstrukturiert und ernsthaft unzerstreut wird das divertimentohafte G-Dur-Konzert sonst nie aufgefasst . . . Kraftvoll stellt seine linke Hand die Bässe heraus, lässt zugleich die Töne funkeln im Diskant, bei satter, runder Mittellage . . . Der feine Klangsinn dieses Pianisten, seine spezifische musikalische Intelligenz kann sich nirgendwo sonst so perfekt entfalten wie im französischen Repertoire. Ob er Boulez spielt oder Messiaen, Debussy oder Ravel: Auf diesem Feld ist er derzeit unschlagbar.

Die Neuaufnahme der beiden Klavierkonzerte und (durch Aimard) des Solozyklus "Miroirs" lässt noch subtilere Assoziationen zu: Der Mittelsatz des G-Dur-Konzerts atmet Poesie. Und das Konzert für die linke Hand ist in seiner dramatischen Crescendo-Attitüde (auch aufnahmetechnisch) exzellent erfasst. Aimards Spiel der Miroirs ist von glasklarer Schönheit.

Pierre-Laurent Aimard ist der ideale Partner . . . er begegnet auch dem Zyklus "Miroirs" mit glasklarer Poesie.

Gerade dieses Spannungsfeld zwischen Jazz, Leichtigkeit, Schwermut, Divertimento-Ton . . . bringen Pierre-Laurent Aimard und das Cleveland Orchestra unter Pierre Boulez teils bedächtiger als gewohnt, aber vielleicht deshalb umso eindrucksvoller, auf den Punkt. In Verbindung mit dem direkten, klaren Klangbild erscheint so manches (oft überhaupt vermisste) Detail plastischer als üblich. Als Zugabe spielt Aimard sorgfältig und farbenprächtig Ravels vielschichtigen Klavierzyklus "Miroirs". Ein Gewinn für jeden Ravel-Freund -- und für alle, die eine Referenzaufnahme der beiden Klavierkonzerte suchen.

. . . der technisch souveräne, so sensibel wie strukturklar differenzierende Solist.

Was an dieser Aufnahme sofort überzeugt, ist ihre Prägnanz, ihr auf den Punkt-Musizieren, da gibt es kein Geschwurbel im Orchester, sondern jederzeit kristallklare Transparenz. Die perkussive Exaktheit von Aimards Anschlag überträgt Boulez gewissermaßen auf das Orchester. Wie prononciert hier etwa der Streicherapparat Sforzati setzt, das ist schon bewundernswert. Dabei klingt nichts verhetzt, im Gegenteil, der Übergang zum langsamen Teil des ersten Satzes ist gekennzeichnet von geradezu meditativer Kontemplation . . . Aimard und Boulez setzen bei diesem Konzert auf scharfe Kontraste, auf zugespitzte, dramatische Höhepunkte, die den tragischen Entstehungshintergrund des Werks bei aller Virtuosität immer wieder durchscheinen lassen.

Mit Pierre Boulez verbindet den Pianisten Pierre-Laurent Aimard eine langjährige künstlerische Freundschaft . . . Dies macht sich auch in der vorliegenden Neuaufnahme der beiden Klavierkonzerte von Maurice Ravel bemerkbar. Sie zeigt, dass hier zwei interpretatorisch völlig gleichgesinnte Musiker ¿ und ein sehr aufmerksam mitgehendes Orchester ¿ am Werk sind, die auf grösstmögliche klangliche Transparenz und Klarheit abzielen . . . Alles in allem ist dieser geradlinige, "klassizistische" Gestaltungsansatz sehr überzeugend . . . eine sehr feinsinnige, klanglich kultivierte und im Zusammenspiel von Solist und Orchester exzellent ausbalancierte Live-Aufnahme. Aimards Studioproduktion der "Miroirs" bildet eine willkommene Ergänzung. Sie zeichnet sich durch eine ähnliche Noblesse wie die Wiedergabe der Klavierkonzerte aus und beeindruckt durch die Fähigkeit des Pianisten, noch in den virtuosesten, exaltiertesten Passagen einen kühlen Kopf zu bewahren.

De quel meilleur coéquipier pouvait rêver Pierre Boulez? . . . L'ancien soliste de l'Ensemble Intercontemporain a mûrement pesé et réfléchi ce qu'il joue . . . il rejoint le chef dans ses partis pris de finesse analytique, d'élégante discrétion, et jusque dans la conception des ¿uvres . . . Boulez et Airnard font de cette vision cauchemardesque, réglée sur un pas cadencé, un boléro tragique savamment gradué . . . Une voix solitaire, dont le pessimisme se refuse malgré tout au désespoir -- un message aux résonances très actuelles.

Pierre-Laurent Aimard et Pierre Boulez rééquilibrent sensiblement la perspective en érigeant des passerelles entre les deux côtés. Le Concerto en sol conserve ainsi sa malice et ses accents jazzy, mais il révèle que son mécanisme si finement réglé peut prendre des allures de machine infernale. De même, le Concerto pour la main gauche évolue toujours dans de sombres eaux et sous des cieux menaçants, mais il sait aussi scruter des lendemains qui chantent. La direction millimétrée de Boulez révèle les moindres détails de l'orchestre horloger de Ravel tandis que le piano virtuose et finement nuancé d'Aimard joue avec les diaprures des "Miroirs". Irrésistible.

Two Stars – Aimard and Boulez – Create a Radiant Ravel

    Pierre-Laurent Aimard and his longtime musical partner Pierre Boulez team up to present two of the most significant piano concertos of the French classical canon. A recording highlight of the year!

    In joining forces with The Cleveland Orchestra – which Boulez has conducted and recorded with regularly since the 1960s – Aimard and Boulez guarantee a superlative reading of these Ravel blockbusters

    Recorded live in Cleveland in February 2010, the Cleveland Plain Dealer stated after the concerts: “The other incontrovertible star this weekend is pianist Pierre-Laurent Aimard, soloist in Ravel's two piano concertos. Like Boulez, the peerless nature of his performances, which are being recorded by Deutsche Grammophon, is no surprise”

    This release is Pierre-Laurent Aimard’s first concerto album on Deutsche Grammophon. In the opinion of The Independent, “It is hard to imagine a pianist better qualified to play works by Ravel ... than Pierre-Laurent Aimard.”


    Insights

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    Unity in Diversity

    A kind of “religious week” is how Pierre-Laurent Aimard describes his work on Ravel’s two piano concertos with Pierre Boulez and The Cleveland Orchestra. The conductor and composer represents for him the “Everest” of modern music, so it was – in his own words – “a dream come true” to work on this Ravel recording with Boulez.

    “As a creative artist,” says Aimard, “Ravel arguably gave of his best during the golden years before the First World War, after which he experimented in his own particular way with various new trends, but in terms of his craftsmanship and his innermost soul he remained true to himself as an artist.” For Aimard, Ravel’s principal characteristics are an underlying Gallic tone, an almost analytical refinement, a sensuous grasp of sonority, formal per­fection, understatement and elegance. “It’s interesting to note how economically Ravel composed. But his extreme way of writing is also combined with the desire to turn every work into a unique compositional project. He took various aesthetics and trends as the source of his inspiration.”

    For Aimard, Ravel’s piano concertos form a genuine pair despite the fact that they are completely different from each other. They were both among the very last works he wrote before his death and as such are his final message to the world. They were written in parallel between 1929 and 1931, the genesis of the one being closely interwoven with that of the other. By look­ing both backwards and forwards, they are a symbol of Ravel’s whole nature and art, with its dialectic of calculation and chance, a dialectic that Paul Valéry felt defined a poet with whom Ravel had many affinities: Stéphane Mallarmé. Both of his piano concertos are the epitome of that moment when a children’s game becomes deadly serious, a moment common to both the poet and the composer.

    For Aimard, the G major Concerto is “a light-hearted and carefree piece, with a helping of jazz, a spot of elegance, a little Basque folk music, a few mechanical things here and there and plenty of pianistic brilliance.” Boulez describes it as “an extraordinary combination of very different goals.” As such, the work could hardly be more different from its companion piece: “Here the dominant mood is one of drama, everything is coiled up tight like a spring,” Boulez explains, “and when Ravel uses jazz rhythms, for instance, the result is an astonishing radical language. If in the G major Concerto one can stress its character as a divertimento, it’s the element of drama that needs to be brought out in the Concerto for the Left Hand.” The work was written for Paul Wittgenstein, who had lost his right arm in combat, and in consequence it remains a monument to the tragedy of the First World War. According to Aimard, the left hand alone “has to sound like two hands – the great challenge of the piece is to create this illusion, a game with the limitations of a single hand.” His reading is clearly geared to the word “tragic”, but this is not tragedy in a backward-looking sense. Rather, it implies a vision of impending catastrophe, an expression of the “anticipatory fear of a darker future”.

    Such an approach may be best explained not least by Aimard’s attitude to Ravel in general. He has never adopted a “historical” approach to the composer. He had some lessons with Yvonne Loriod, who had a subtly different “acoustic sensibility” coupled with an openness to the new. As a result, Aimard sees Ravel as “a composer who wrote in the wake of Impressionism and who arguably reacted against it. In ‘Une barque sur l’océan’ from Miroirs we find a very tempestuous, later kind of Impressionism. The kind of intangible textures that occur in ‘Noc­tuelles’ are very modern. ‘Oiseaux tristes’ is an extremely original piece with some highly associative harmonies and realistic imitation birdsong that has been acoustically transformed. ‘Alborada’ is like a dry-point etching, and ‘La vallée des cloches’ is a single endless melody that is ultimately dissipated in an acoustic bell effect. And so we have five clearly defined Miroirs.”

    The exemplarily individual approach adopted by Pierre-Laurent Aimard and Pierre Boulez in their response to a composer who continues to exude a very real sense of mystery even allows us to revise our listening habits, at least if a point that Boulez describes as a difficulty is successfully resolved: “We need to bind together the large number of stylistic components and create a single style, not simply allowing them to appear alongside one another. For Pierre-Laurent, I believe, and for me, too, interpretation means revealing a sense of unity in something that’s totally diverse.”

    Georg-Albrecht Eckle


    L’Unité dans la diversité

    Une «semaine quasiment religieuse» – c’est ainsi que Pierre-Laurent Aimard décrit son travail sur les concertos de Ravel avec Pierre Boulez et l’Orchestre de Cleveland. Il considère le compositeur comme le «Mont Everest» de la musique d’aujourd’hui, et enregistrer les concertos de Ravel sous sa direction a été, au pied de la lettre, «un rêve».

    «Ravel a probablement donné le meilleur de lui-même, en tant que créateur, pendant les années dorées qui précédèrent la Première Guerre mondiale, dit Aimard, après quoi il a suivi à sa manière divers courants néo, mais en restant toujours lui-même dans son métier et dans son âme d’artiste.» Pour le pianiste, les caractéristiques essentielles de Ravel sont un ton fondamen­talement français, une finesse presque analytique, une sensualité acoustique et une perfection de la forme conjuguées à la discrétion et l’élégance. «Par ailleurs, il faut noter combien Ravel s’est montré économe dans son art. Mais ce côté extrême de sa manière de composer est aussi lié au désir qu’il avait de faire de chaque œuvre un projet de composition unique. Il a puisé dans ce but à divers courants et diverses esthétiques.»

    Malgré leur totale disparité, Aimard voit dans les concertos pour piano de Ravel un véritable couple. Composés tous deux entre 1929 et 1931, ils se situent à la toute fin de la carrière du musicien et constituent son dernier message. En outre, par leur genèse simultanée, ils appa­raissent comme une sorte de Janus symbolisant l’essence de son art: la dialectique entre calcul et hasard que Paul Valéry reconnaissait dans le poète Mallarmé, auquel Ravel est si étroitement apparenté. Ils sont l’archétype de ce basculement du jeu d’enfant vers l’absolue gravité, typique à la fois de Mallarmé et de Ravel.

    Le Concerto en sol majeur est, d’après Aimard, «un morceau léger et insouciant, avec du jazz, un peu d’élégance, un peu de folklore basque, quelques passages de pure jubilation rythmique ici et là, et une écriture brillante pour le piano . . .» Quant à Boulez, il y voit «une combinaison inhabituelle des directions très différentes.» L’œuvre-sœur se situe aux antipodes: «Ici l’élément dramatique domine, tout est tension, dit Boulez. Et quand Ravel emprunte certains rythmes au jazz, par exemple, le résultat est d’une radicalité surprenante. De même qu’on peut souligner le caractère de divertimento du Concerto en sol majeur, on devrait insister sur la dimension drama­tique du Concerto pour la main gauche.» Écrit spécialement pour le pianiste Paul Wittgenstein, qui avait perdu le bras droit pendant la guerre, le concerto demeure aussi un monument aux victimes de la grande guerre. Mais la main gauche doit malgré tout «sonner comme s’il y avait deux mains, dit Aimard: le grand défi est justement cette illusion, un jeu sur les limites d’une seule main.» Le pianiste base lui aussi son interprétation sur le concept de «tragique», mais un tragique qu’il ne conçoit pas seulement tourné vers le passé. Il y voit au contraire le pressen­timent d’un malheur imminent, «l’angoisse face à un avenir sombre».

    Cette interprétation s’explique en partie par la relation qu’Aimard entretient avec la musique de Ravel. Son approche n’a jamais été «historique». Il dit avoir étudié Ravel en partie avec Yvonne Loriod, qui associait une «sensibilité acoustique» extrêmement différenciée à l’ouverture vers le nouveau. Ravel est donc pour Aimard «un compositeur qui a composé après, sinon contre, l’impressionnisme. Dans les Miroirs, tout au plus avec “Une barque sur l’océan”, mais c’est un impressionnisme tardif, très tempétueux. Le type de texture insaisissable qu’on observe dans “Noctuelles” est franchement moderne. Les “Oiseaux tristes” sont une création hautement origi­nale avec des imitations d’oiseaux très réalistes, transformées acoustiquement, et des harmonies puissamment suggestives. “Alborada” est très “pointe sèche”, et “La vallée des cloches” est une mélodie infinie qui se dépense en phénomènes acoustiques de cloches. Nous avons donc cinq Miroirs clairement définis, bien différenciés.»

    Exemplaire par son individualité, la lecture qu’Aimard et Boulez nous offrent d’un maître aussi mystérieux que Ravel permet aussi une révision de nos habitudes d’écoute – à condition que réussisse ce que Boulez juge particulièrement difficile: «réunir les diverses composantes stylis­tiques en un seul style, ne pas simplement les laisser apparaître successivement. Pour Pierre-Laurent, je pense, et pour moi, l’interprétation consiste à manifester l’unité dans la diversité.»

    Georg-Albrecht Eckle
    6/2010


    Die Einheit des in sich Verschiedenen

    Eine Art »religious week« nennt Pierre-Laurent Aimard seine Arbeit an Ravels Klavierkonzerten mit Pierre Boulez und dem Cleveland Orchestra. Der Komponist und Dirigent ist für ihn der »Mount Everest« der heutigen Musik, und so war es für ihn wörtlich »ein Traum«, diese Ravel-Aufnahme zu realisieren.

    »Wahrscheinlich gab Ravel sein Bestes als Schöpfer in den goldenen Jahren vor dem Ersten Weltkrieg«, so Aimard, »und dann lebte er die verschiedenen Neo-Richtungen auf seine Art und Weise aus, aber er blieb in seinem Handwerk und seiner Seele als Künstler er selbst.« Für den Pianisten sind die wesentlichen Merkmale Ravels ein französischer Grundton, eine fast analytische Feinheit, akustische Sinnlichkeit, formelle Perfektion sowie Diskretion und Eleganz. »Und es ist interessant zu beobachten, wie sparsam Ravel komponiert hat. Die extreme Art seiner Komposition ist aber auch verbunden mit seinem Wunsch, jedes Werk zu einem einzigartigen kompositorischen Projekt zu machen. Dazu nahm er unterschiedliche Ästhetiken und Richtungen als Inspiration.«

    Die Klavierkonzerte Ravels sind für Aimard in ihrer völligen Verschieden­heit ein echtes Paar. Als Ravels nahezu letzte Werke vor seinem Tod sind sie auch seine letzte Botschaft. Durch ihre gleichzeitige Entstehung in den Jahren 1929 bis 1931 miteinander verwoben, werden sie zum Januskopf und damit zur Chiffre von Ravels Wesen und Kunst an sich: jener von Paul Valéry an dem Ravel so verwandten Dichter Mallarmé erkannten Dialektik von Kalkül und Zufall. Sie sind also Inbegriff jenes Moments, in dem kindliches Spiel in tödlichen Ernst umschlägt, ein Moment, das Mallarmé und Ravel so tief verbindet. Das G-dur-Konzert ist für Aimard »ein leichtes Stück ohne Sorge, mit Jazz, ein bisschen Eleganz, ein bisschen baskischer Folkore, mit pianistischer Brillanz . . .«. Und Boulez bezeichnet es als »eine außergewöhnliche Kombination ganz verschiedener Zielrichtungen.«
    Ganz im Gegensatz zum Geschwisterwerk: »Hier überwiegt das Dramatische, alles ist Spannung«, so Boulez, »und wenn Ravel sich beispielsweise der Jazz-Rhythmen bedient, schlägt das um in eine erstaunliche Radikalität. Wie man in dem Konzert für beide Hände den Divertimento-Charakter hervorheben kann, so sollte man im Konzert für die linke Hand das dramatische Moment deutlich machen.« Das Konzert wurde für den kriegsver­wundeten einarmigen Pianisten Paul Wittgenstein geschrieben und bleibt somit immer auch Monument der Tragödie des Ersten Weltkriegs. Wobei die einsame linke Hand laut Aimard »klingen muss wie zwei Hände – die große Herausforderung ist diese Illusion, ein Spiel mit den Grenzen einer einzigen Hand«. Er orientiert seine Deutung tatsächlich am Begriff »tragisch«, versteht die Tragik jedoch nicht nur rückbezogen, sondern vielmehr als Vision kommenden Unheils, als ein Stück »Vor-Angst vor einer dunkleren Zukunft«.

    Eine solche Deutung erklärt sich nicht zuletzt aus Aimards Verhältnis zu Ravel überhaupt. So war sein Ansatz nie »historisch«. Er habe, wie er sagt, Ravel mit Yvonne Loriod studiert, die eine hochdifferenzierte »akustische Sinnlichkeit« mit der Öffnung ins Neue verband. Und so ist Ravel für Aimard »ein Komponist, der nach, wenn nicht sogar gegen den Impressionismus komponiert hat. In den Miroirs, vielleicht bei ›Une barque sur l’océan‹, zeichnet sich ein sehr stürmischer, späterer Impressionismus ab. Die Art von unfassbarer Textur in ›Noctuelles‹ ist eher sehr modern als impressionistisch. ›Oiseaux tristes‹ ist eine wunderbare Schöpfung mit akustisch transformierten, sehr realistischen Vogelimitationen und ansonsten sehr suggestiven Harmonien. ›Alborada‹ ist sehr ›pointe sèche‹, und ›La vallée des cloches‹ ist eine endlose Melodie, die sich in akustischen Phänomenen verschwendet. Wir haben also fünf sehr unterschiedliche, klar definierte Miroirs.«

    Aimards und Boulez’ exemplarisch individueller Zugriff auf einen immer noch geheimnisvollen Meister wie Ravel ermöglicht gar eine Revision unserer Hörgewohnheiten – wenn es uns gelingt, wie Boulez sagt, »die Vielzahl der stilistischen Komponenten zu einem Stil zu binden, sie nicht einfach nacheinander erscheinen zu lassen. Für Pierre-Laurent, denke ich, und für mich besteht hier Interpretation darin, die Einheit des in sich total Verschiedenen zu manifestieren.«

    Georg-Albrecht Eckle
    6/2010