ALICE SARA OTT / TCHAIKOVSKY,LISZT/PIANO CONCERTOS

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ALICE SARA OTT

PETER TCHAIKOVSKY
FRANZ LISZT

FIRST PIANO CONCERTOS
Münchner Philharmoniker
Thomas Hengelbrock
Int. Release 17 Sep. 2010
1 CD / Download
0289 477 8779 2 CD DDD GH
Alice Sara Ott - Tchaikovsky Liszt: First Piano Concertos


Liste de titres

Peter Ilyich Tchaikovsky (1840 - 1893)
Piano Concerto No.1 In B Flat Minor, Op.23

Franz Liszt (1811 - 1886)
Piano Concerto No.1 in E flat, S.124

Alice Sara Ott, Münchner Philharmoniker, Thomas Hengelbrock

Durée totale de lecture 54:47

. . . as her first recording with orchestra amply attests, she's an independently minded musician with a great deal to say . . . Ott possesses a rare grasp of Liszt's rhetorical syntax, which imbues her interpretation with unusual eloquence and authority. The most fleeting and gossamer fioritura passagework is distinctly audible and invariably expressive . . . What the Ott/Hengelbrock collaboration offers in abundance is self-effacing musical intelligence coupled with boundless imagination, undergirded by all requisite technical resources for extraordinarily high-level, persuasive music-making. Very highly recommended.

[Tchaikovsky]: [She is] riding its waves of emotion with a firm hand as it sails through the bittersweet Andantino semplice into the wistful but rousing final movement.

What makes these performances stand out is Ott's thoughtful approach to both concertos, eschewing empty display and bringing weight, detail and a range of colours to the solo parts.

. . . [Alice Sara Ott] renders them with invigorating freshness and clarity. She has technique to spare, but what makes Ott's playing so arresting is the individuality and nuance she brings to familiar music. Not a whiff of bombast touches her Tchaikovsky or Liszt ¿ only fine attention to each score's salient qualities. The Munich Philharmonic and conductor Thomas Hengelbrock team with Ott in music making of aristocratic elegance.

The German-Japanese pianist Alice Sara Ott brings a thunderous passion to the work. And her performance of Liszt's poetic First Piano Concerto is both tender and eloquent.

. . . the young pianist makes you hear the piece [Tchaikovsky's Concerto] in a new way . . . Ott is a powerhouse and her double octaves command thunder in a manner
that matches those of any of today's young virtuosos . . . Her performance of Liszt's E flat Concerto is just as fresh and beautiful.

. . . es ist in jedem Fall eine besondere Interpretation. Weil sie Umwertungen im Werk vornimmt. Weil sie das Stück auch als Ganzes anders beurteilt, in einen anderen Kontext stellt. Zwar ist das Dramatische keineswegs suspendiert. Aber es ist zurückgedrängt zugunsten einer lyrisch-elegischen Konstante, die alle drei Sätze durchzieht wie ein roter Faden. Hier wird der Kammermusiker Tschaikowsky gewürdigt, nicht der vorlaute Sinfoniker. Die Wolken sind gleichsam vertrieben, das Konzert erscheint unter freiem sonnigen Himmel als eine Ballade über die Schwermut, die aber deswegen nicht durchgängig schwermütig sein muss. Da ist viel Licht im Spiel sowohl bei der jungen Solistin als auch im Orchester, viel Transparenz, eine wohltuende Clarté. Und noch etwas zeichnet diese Wiedergabe aus: Es ist der Ton der Nachdenklichkeit, der Reflexion, und ein bisschen auch der Subversion. Seine Bestätigung findet dies in allen Punkten in Liszts erstem Klavierkonzert. Womit festgestellt sei: Dieses Stück und auch das andere gerne wieder, wenn es denn so kultiviert und intelligent gespielt ist.

. . . glücklicher Weise versteht die Pianistin auch am Piano ihre Denk-, Tast- und Gehwerkzeuge sinnvoll einzusetzen. Man kann also durchaus nicht nur die Verpackung, sondern auch die Platte selbst gut konsumieren -- nicht zuletzt dank des überraschend einfühlsamen Spiels der begleitenden Münchner Philharmoniker unter Thomas Hengelbrock.

. . . [was] die junge Münchner Pianistin Alice Sara Ott präsentiert, glänzt nicht golden, sondern strahlt, ja schimmert silbern. Nicht das Schwere betont sie, sondern das Leichte, metrisch wie thematisch . . . Mit viel Aufmerksamkeit widmet sich Ott den anmutigen Feinheiten, die sonst so oft neben den prankengewuchteten Akkord- und Oktavorgien ein Schattendasein führen. Diese Liebe zum Detail schafft Momente, die unmittelbar an ein chopinsches Nocturne erinnern . . . Erfreulich, zu welch kammermusikalischem Miteinander die Pianistin und die Münchner Philharmoniker gerade in diesem häufig als überzüchteten Prunkstück entstellten Werk finden . . . Orchester und Dirigent entwickeln eine Wärme mit unbedingtem Wohlfühlfaktor für die Pianistin. Davon getragen verwandelt Ott furiose Aggressivität in leidenschaftliche Elastizität und pflegt in beiden prominenten Klavierkonzerten eine selten gewordene Kultur des Nachhorchens, welche diese Glamourwerke zu ihren wirklich individuellen Glanzstücken macht.

. . . gute bis sehr gute Interpretationen . . . Ott ist eine Meisterin der leisen Töne, der elegant fließenden Läufe und leichtgängigen Oktaven . . .

. . . [Ott] bricht Hörgewohnheiten auf . . . sie betont das lyrische Moment. Aber wie sie ihrem Skalenspiel immer neue Farben abgewinnt, noch jeder Floskel Bedeutung verleiht, ohne das Stück zu überlasten, lässt das Tschaikowsky-Konzert in neuem Licht erscheinen. Dirigent Thomas Hengelbrock fördert mit den glänzend aufgelegten Münchner Philharmonikern bislang ungehörte Details im Orchester zutage. Gemeinsam gelingt den Beteiligten eine so überlegte wie energetisch aufgeladene Deutung. Von dieser Übereinstimmung profitiert auch Liszts Konzert Nr. 1, dessen schmissige Schneidigkeit von Ott und Hengelbrock quasi entmilitarisiert wird und an poetischer Ausdruckskraft gewinnt.

Die Pianistin setzt der dramatisch-virtuosen Lesart ihrer Vorgänger eine eher lyrische Deutung entgegen ¿ und diese überzeugt.

Ott ist eine Meisterin der leisen Töne, der elegant fließenden Läufe und leichtgängigen Oktaven . . .

[Tchaikovsky]: Der Mittelteil des "Andantino semplice -- Prestissimo -- Tempo I" aus Tschaikowskis Werk gelingen der Solistin und Hengelbrock wunderbar leicht, verspielt. Mit schnellen leichten Drehungen geben sie dem meist eher brütend gespielten Stück einen bezaubernden Schwung . . . [Hier greifen Orchester und Klavierpart] perfekt ineinander . . . Das Liszt-Konzert wird vom Orchester sehr fein nuanciert gespielt. Selten hört man in anderen Interpretationen die verschiedenen Instrumentengruppen so gut heraus. Hengelbrock lässt seine Musiker mit quasi solistischem Ausdruck agieren. Alles klingt wunderbar musikalisch ausmusiziert. Vom triumphalen Trompetengeschmetter bis zum Fagott-Solo hat Hengelbrock genaue Klangvorstellungen, die nichts mit der durchweg romantischen Schwärmerei anderer Einspielungen gemein hat. Alice Sara Ott interpretiert dazu ihren Klavierpart mit technischer Souveränität . . . eine spannende, musikalische Gestaltung des Orchesterklangs . . .

Tchaikovski régénéré: Le premier mouvement a des envolées rhapsodiques (pré rachmaninoviennes précisément) et des instants de suspensions caressantes auxquels la grâce structurée de la jeune pianiste Alice Sara Ott apporte une clarté et une assise très louable. La sûreté du jeu, son équilibre, sans aucune ostentation fait merveille dans une partition, surtout pour son premier mouvement, que beaucoup trouvent à torts ou à raisons, trop démonstrative voire exacerbée. Heureux programme . . . [Tchaikovsky]: la jeune pianiste lui insuffle une rythmique très sûre et une largeur de vue qui imposent une intériorité déjà très riche. La direction légère et souple de Thomas Hengelbrock souligne une lecture qui ne tend jamais à surcharger ni épaissir. Et sa finesse de vue, ciselant l'arête vive de l'orchestration si raffinée de Tchaïkovski se dévoile superbe dans le 2è mouvement (flûte, cor, basson . . .). Tendresse chopinienne, caractère d'éblouissement affectueux, le style de la pianiste convainc absolument, sachant prendre appui sur un tapis instrumental idéalement équilibré là encore, d'autant plus éveillée et facétieuse pour le prestissimo central, d'une légèreté presque aérienne. La versatilité caractérisée du dernier mouvement finit de séduire totalement: le feu bondissant et le dialogue si animé entre orchestre et piano, sur la trépidation musclée d'un motif ukrainien dévoile le jeu et la sensibilité d'Alice Sara Ott, un tempérament pertinent entre incisivité, mordant, précision, finesse du toucher. Sa subtilité évite tout pathos théâtral et restitue en complicité avec le chef, ce Tchaïkovski qui nous aimons: jamais sirupeux et toujours juste, ivre et vertigineux mais si sincère. Tout ce qui fait aussi la valeur de son dernier ballet Le belle au bois dormant, contemporain du concerto no. 1 . . . [Liszt]: là encore la complicité des deux interprètes, bénéficiant d'un orchestre de premier plan . . . : le jeu d'Alice Sara Ott époustoufle encore plus nettement dans ce premier Concerto par son intériorité limpide, sans esprit démonstratif d'aucune sorte; cette agilité lumineuse et ronde qui s'écarte de toute "manière" ou revendication solistique. Béatitude émerveillée et si tendre. . . Le travail du chef est exemplaire . . . et la mise en place avec la soliste, grisante, jusqu'à l'allegro marziale enchaîné sans effets de cuirasses mais dans l'esprit d'une marche victorieuse, traversée d'éclairs dansants. Superbe récital. Après ses précédents albums en soliste, Alice Sara Ott confirme qu'elle aussi une excellente concertiste.

La mise en place est irréprochable, les détails soignés, et le dialogue avec l'orchestre précis, fouillé . . . Les sections rapides . . . sont traversées sur la pointe des pieds, avec beaucoup de malice et d'esprit . . .


Alice Sara Ott - Tchaikovsky Liszt: First Piano Concertos

  • Alice Sara Ott follows up the complete Chopin Waltzes – her highly successful international debut – with her first concerto recording on Deutsche Grammophon. The young artist presents two of the greatest hits in the repertoire: Tchaikovsky’s and Liszt’s First Piano Concertos
  • Alice Sara Ott recorded this partly live (Tchaikovsky) album in her home town of Munich with the superb Munich Philharmonic Orchestra under the baton of Thomas Hengelbrock, known as a modern interpreter with strong ideas (and a strong work ethic)
  • Alice says about the Tchaikovsky: “This piece is a revolution for me. It actually contains very different perspectives on life: the melancholy and gloomy, the majestic and, then again, the bright and light, lyrical and soaring. In any case it’s a challenge. A physical one, of course, but, in the end, really a mental one.” A challenge she has mastered, as the Süddeutsche Zeitung confirmed: “In the midst of Tchaikovsky’s avalanche of notes, Ott somehow manages to tease out the quiet passages, and with great poise to make room for lyricism and gently grazing the keys for a dreamy but distinct play of colours.”
  • The two concertos in this album are works that have accompanied Alice Sara Ott since her early youth. She played the Liszt before an audience the first time when she was 14 and the Tchaikovsky at 17. She has an intense relationship with both works, something clearly audible in the 21-year-old pianist’s vivid interpretations

Insights

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Two Revolutionary Concertos
Alice Sara Ott and Thomas Hengelbrock in conversation

It is simply the piano concerto that no pianist is willing to forgo. Tchaikovsky’s First Piano Concerto is now universally popular, a status that it has enjoyed, if not since its world premiere on 25 October 1875, when it was introduced to Boston audiences by Hans von Bülow, then at least since its triumphant performance in Paris three years later. It now seems almost grotesque that the composer was obliged to defend himself against the annihilating critique of his mentor Nikolay Rubinstein, commenting defiantly: “I won’t change a single note”.

Why does a 21-year-old pianist choose this perennial and much-performed piece for her first orchestral release? “I was 14 when I first performed Liszt’s E flat major Concerto, and 17 when I first played Tchaikovsky’s op.23. More of my memories and experiences are bound up with these two works than with any other.” One such memory is of Alice Sara Ott’s visit to Kamenka following her debut with the B flat minor Concerto in Kiev four years ago. It was here at Tchaikovsky’s sister’s country house in the Ukraine – now a museum – that in 1872 the composer was inspired to use Ukrainian folk music in works such as the Second Symphony (“Little Russian”) of 1872 and the B flat minor Piano Concerto of 1874–75. “The museum director told me that the main theme of the third movement comes from a Ukrainian folksong. She sang it to me and even obtained a copy of the music for me. Since then I always sing this song to myself whenever I play this theme. Experiences like these alter one’s view of a piece.”

In the course of the last four years Alice Sara Ott has played the Tchaikovsky Concerto some 50 times. Practising is important, but for her the real work starts onstage in the special atmosphere of the concert hall and in her creative response to her own physical stamina and to the acoustics, instrument, orchestra and audience. She regards both concertos in this recording as revolutionary works that depart from tradition not least by virtue of their formal design. “Take the powerful opening movement of Tchaikovsky’s Concerto. It begins with a theme based on a Ukrainian folksong, which is repeated twice but then disappears and is never again heard in this particular form. Ukrainian folk music often features in this concerto, above all in the wistful, lyrical passages. But then Tchaikovsky strikes a completely different note and in the second movement takes over this swirling French song Il faut s’amuser, danser et rire. For me, the work reflects many different facets of life. And it tells me a lot about Tchaikovsky’s contradictory character and his complexes as a homosexual. Many composers would have gone mad without music. It was the one place where they could express themselves freely. One can sense that in this piece, which shows so many different sides of Tchaikovsky’s personality: candid, ironic, happy, optimistic and, in the wistful melodic writing, depressive.”

Thomas Hengelbrock, too, is fascinated by the wealth of melodic ideas in Tchaikovsky’s Concerto but also by the composer’s willingness and ability to engage in formal experimentation. In this, the conductor sees a parallel with Liszt, who worked on his First Piano Concerto over a period of several years: “Liszt spent eight years constantly revising his first draft before the manuscript went to press. It is incredibly exciting to see how a composer who from today’s perspective was simply writing a virtuoso concerto for his own use continued to polish the piece. As with Beethoven, it was an existential struggle to find the right form and to ensure that the musical concept was clear and comprehensible. What we find in Liszt’s Concerto is far more than superficial virtuosity. With Liszt, virtuosity and musical profundity necessarily go together.”

Thomas Hengelbrock is a great Liszt fan and believes that his impact on the history of music cannot be overestimated, such was his tremendous imagination and courage to experiment harmonically. This is particularly true of the later, visionary works that no longer inhabit a recognizable tonal world. And yet even a piece like the First Piano Concerto is anything but superficial: “Take the Allegretto with its droll humour and courage to structure the movement around the triangle and pizzicato strings. For me, this has all the hallmarks of a danse macabre.”

Alice Sara Ott thinks of the work in very similar terms. Following the concerto’s majestic opening and a middle movement that she views as a lyrical nocturne, the Allegretto creates the impression of a spectral masked ball during Carnival season. “Everyone is wearing a mask, no one is revealing his or her true face.” She too sees it as her task to defend Liszt against the charge of superficiality. Above and beyond all questions of pure technique, she is keen to reveal to the listener the truths that lie between the notes. These truths emerge, for example, in the concerto’s lyrical moments: in the wonderful dialogue between the winds and the piano and between the piano and the strings. And Alice Sara Ott admires not least the maturity of the piece’s formal design and reminds us that Bartók regarded the work as the first consummate example of cyclical sonata form, in which similar themes are treated according to the variation principle.

For Alice Sara Ott, it is important to discover as much as possible about the composer as a person and to understand the psychology of the man who wrote the work. But ultimately she believes that everything can be found in the music. “It is not always easy to establish what the composer wanted. But we musicians are ultimately only the composers’ ambassadors. We have to communicate to the audience what they wanted to say.” It is clear to her that very different interpretations are possible and that the performer’s own point of view will alter in the course of time. In the final analysis she performs music in order to express what she cannot put into words: “Music is a force that leaves people completely exposed. It reveals feelings, but without manipulating them.”

Oswald Beaujean
6/2010


Deux concertos révolutionnaires
En conversation avec Alice Sara Ott et Thomas Hengelbrock

C’est le concerto pour piano par excellence, le cheval de bataille auquel nul pianiste n’est prêt à renoncer. La popularité du Premier Concerto pour piano de Tchaïkovski ne s’est jamais démentie, sinon depuis sa création par Hans von Bülow le 25 octobre 1875 à Boston, du moins depuis le succès de la première parisienne trois ans plus tard. Rétrospectivement, il semble presque grotesque que le compositeur ait dû défendre son concerto contre le verdict sévère de Nikolaï Rubinstein, qu’il considérait alors comme son mentor mais auquel il répondit avec fermeté: «Je n’en changerai pas une note.»

Pourquoi une pianiste de 21 ans choisit-elle précisément cette œuvre archiconnue pour son premier enregistrement avec orchestre? «J’ai joué le Concerto en mi bémol majeur de Liszt pour la première fois en public quand j’avais quatorze ans, et l’opus 23 de Tchaïkovski quand j’en avais dix-sept. Ce sont les deux œuvres auxquelles je rattache le plus de souvenirs et d’expériences.» L’un de ces souvenirs est la visite qu’Alice Sara Ott a faite au domaine de Kamenka, en Ukraine, peu après ses débuts dans le Concerto en si bémol mineur à Kiev. C’est à Kamenka, l’ancienne demeure de la sœur de Tchaïkovski aujourd’hui transformée en musée, que le compositeur découvrit le folklore ukrainien en 1872. Fasciné, il s’en inspira pour composer sa Deuxième Symphonie, dite «Petite Russie», suivie deux ans plus tard du Concerto en si bémol mineur. «La directrice du musée m’a raconté que le thème principal du troisième mouvement est tiré d’un chant populaire ukrainien. Elle me l’a chanté et m’en a même procuré la partition. Depuis, je chante cet air intérieurement chaque fois que je joue le thème. Ce genre d’expérience transforme la vision qu’on a d’un morceau.»

Au cours des quatre années suivantes, Alice Sara Ott a joué ce concerto une bonne cinquantaine de fois. Sans minimiser l’importance du travail de préparation, elle estime que le véritable processus de maturation d’une interprétation commence sur scène, dans l’atmosphère particulière du concert, dans la confrontation de l’interprète avec sa propre condition physique et mentale, avec l’acoustique, l’instrument, l’orchestre et le public. La pianiste voit en ces deux concertos des œuvres révolutionnaires qui échappent aux conventions de leur époque, sur le plan formel plus particulièrement. «Prenez le gigantesque premier mouvement du Tchaïkovski: il débute par un thème emprunté lui aussi au folklore ukrainien, qui est repris deux fois puis disparaît pour ne plus jamais réapparaître sous cette forme. Le folklore ukrainien est présent un peu partout dans ce concerto, surtout dans les passages lyriques et mélancoliques. Mais Tchaïkovski trouve aussi des accents totalement différents, par exemple quand il fait tourbillonner la chanson française Il faut s’amuser, danser et rire au milieu du second mouvement. Pour moi, cette œuvre reflète le kaléidoscope de la vie. Et elle me révèle beaucoup de choses sur la personnalité ambiguë de Tchaïkovski, sur les complexes dont il souffrait à cause de son homosexualité. Beaucoup de compositeurs auraient perdu la raison s’ils n’avaient pas eu la musique. La musique leur offrait un espace où ils pouvaient s’exprimer librement. On ressent ça dans ce concerto qui montre tant de facettes différentes de Tchaïkovski – sincère, ironique, joyeux, plein d’espoir, mais aussi dépressif à travers la mélancolie de certaines mélodies.»

De son côté, Thomas Hengelbrock admire non seulement la richesse mélodique du Concerto de Tchaïkovski, mais l’audace et l’énergie avec lesquelles le compositeur expérimente sur la forme. Il y voit un parallèle avec Franz Liszt, qui consacra de longues années à son Premier Concerto pour piano: «Liszt a passé huit ans à remanier sa première esquisse avant de faire imprimer le manuscrit. Je trouve cela absolument fascinant: nous pensons aujourd’hui qu’il écrivait un concerto virtuose simplement pour pouvoir briller en concert, mais il a peaufiné la composition pendant des années. C’est un peu comme chez Beethoven: une lutte existentielle pour trouver la forme, la clarté et l’intelligibilité du concept musical. Avec Liszt, nous avons beaucoup plus qu’un geste superficiel de virtuose: la virtuosité va de pair avec la profondeur musicale.»

Grand fan de Liszt, Hengelbrock le tient pour un compositeur dont il ne faut pas sous-estimer l’influence dans l’histoire de la musique, doué d’une immense fantaisie et maniant l’harmonie avec une superbe liberté. C’est évident dans les œuvres de la fin de sa vie, pages visionnaires qui ne se laissent plus analyser selon les règles de la tonalité. Mais une composition comme le Premier Concerto pour piano elle-même n’a rien de superficiel aux yeux du chef d’orchestre. «Rien que l’Allegretto est déjà rocambolesque en soi: bâtir ainsi un mouvement sur l’alliance du triangle et des cordes en pizzicato! J’y vois une certaine analogie avec la danse macabre

Alice Sara Ott va dans le même sens: après le début majestueux du concerto et le deuxième mouvement qu’elle perçoit comme un nocturne lyrique, l’Allegretto lui fait l’effet d’un bal masqué pendant le carnaval. «Tout le monde porte un masque, personne ne montre son vrai visage.» Comme le chef d’orchestre, la pianiste veut lutter contre le reproche de superficialité trop souvent fait à Liszt. Au-delà de la pure technique, sa mission d’interprète est de transmettre à l’auditeur les vérités qui se cachent entre les notes de la partition, par exemple dans les passages lyriques, les merveilleux dialogues entre piano et cordes ou piano et vents. Par ailleurs, elle admire la maturité de la forme à laquelle Liszt parvient dans ce concerto et rappelle que Bartók y voyait la première composition parfaite de forme sonate cyclique, avec des thèmes communs traités sur le principe de la variation.

Alice Sara Ott juge important de savoir le plus de choses possible sur le compositeur afin de comprendre sa personnalité et sa psychologie. Mais en fin de compte, pense-t-elle, tout est dans la musique. «Il n’est pas toujours facile de découvrir ce que souhaitait le compositeur. Nous autres musiciens ne sommes que les messagers des compositeurs. Notre tâche est de communiquer leur message au public.» Elle sait toutefois que des interprétations diamétralement opposées sont possibles et que la sienne évoluera au fil des ans. C’est d’ailleurs pour cela qu’elle attache une telle importance à l’indépendance et à la clarté de la conception. Car, si elle fait de la musique, c’est pour exprimer ce que le langage ne peut formuler: «La musique est une force qui met les gens totalement à nu. Elle révèle les sentiments sans les manipuler.»

Oswald Beaujean
6/2010


Zwei revolutionäre Konzerte
Alice Sara Ott und Thomas Hengelbrock im Gespräch

Es ist das Klavierkonzert schlechthin, auf das kein Pianist verzichten möchte. Peter Tschaikowskys Erstes Klavierkonzert erfreut sich, wenn schon nicht seit seiner Uraufführung am 25.Oktober 1875 in Boston durch Hans von Bülow, so doch sicher seit der umjubelten Pariser Erstaufführung drei Jahre später ungebrochener Beliebtheit. Dass der Komponist das Werk dereinst gegen die vernichtende Kritik seines Mentors Nikolai Rubinstein mit einem trotzigen »nicht eine einzige Note werde ich ändern« verteidigen musste, wirkt im Nachhinein fast grotesk.

Warum wählt eine 21-jährige Pianistin für ihre erste Aufnahme mit Orchester dieses allgegenwärtige Werk? »Liszts Es-dur-Konzert habe ich mit vierzehn Jahren zum ersten Mal aufgeführt, und bei Tschaikowskys Opus 23 war ich siebzehn. Mit diesen beiden Werken verbinde ich die meisten Erinnerungen und Erlebnisse.« Zu denen gehört Alice Sara Otts Besuch des ukrainischen Landguts Kamenka nach ihrem Debüt mit dem b-moll-Konzert in Kiew. Hier im Landhaus von Tschaikowskys Schwester, das heute ein Museum ist, kam der Komponist 1872 mit der ukrainischen Volksmusik in Berührung und war fasziniert. Davon zeugen die zwei Jahre vor dem Konzert entstandene Zweite Symphonie, die sogenannte »Kleinrussische«, sowie das b-moll-Konzert selbst. »Die Museumsdirektorin erzählte mir, dass das Hauptthema des dritten Satzes von einem ukrainischen Volkslied abstamme. Sie sang es mir vor und besorgte mir sogar die Noten. Seitdem singe ich dieses Lied in meinem Innern, wenn ich das Thema spiele. Solche Erlebnisse verändern die Sicht auf ein Stück.«

Alice Sara Ott hat es in den vier Jahren seither wohl gut fünfzig Mal gespielt. Üben ist wichtig, doch für sie beginnt der wahre Reifeprozess einer Interpretation auf der Bühne, in der besonderen Konzertatmosphäre, in der Auseinandersetzung mit der eigenen Kondition, mit Akustik, Flügel, Orchester und Publikum. Beide Konzerte hält sie für revolutionäre Werke, die nicht zuletzt formal aus dem Rahmen des damals üblichen fallen. »Nehmen Sie den wuchtigen ersten Satz bei Tschaikowsky: Er beginnt mit diesem gleichfalls einem ukrainischen Volkslied entlehnten Thema. Es wird zweimal wiederholt, um dann zu verschwinden und in dieser Gestalt nie mehr aufzutauchen. Die ukrainische Folklore klingt häufig durch in diesem Konzert, vor allem in den schwermütigen, lyrischen Passagen. Aber dann schlägt Tschaikowsky wieder ganz andere Töne an, übernimmt im zweiten Satz dieses wirbelnde französische Chanson Il faut s’amuser, danser et rire. Für mich spiegelt das Werk zahllose Facetten des Lebens. Und es erzählt mir viel über Tschaikowskys zwiespältige Persönlichkeit, seine Komplexe als Homosexueller. Viele Komponisten wären verrückt geworden ohne die Musik. Sie war der Ort, wo sie sich frei ausdrücken konnten. Das spürt man in diesem Stück, das so viele verschiedene Seiten Tschaikowskys zeigt, freimütige, ironische, frohe, hoffnungsvolle, und dann in der schwermütigen Melodik auch seine depressiven Seiten.«

Auch Thomas Hengelbrock fasziniert an Tschaikowskys Konzert der Reichtum der melodischen Erfindung, doch zugleich die Bereitschaft und Fähigkeit zum formalen Experiment. Darin sieht Hengelbrock durchaus eine Parallele zu Franz Liszt, der jahrelang an seinem Ersten Klavierkonzert arbeitete: »Seinen ersten Entwurf hat Liszt über acht Jahre hinweg immer wieder verändert, bevor das Manuskript in den Druck ging. Es ist unglaublich spannend zu sehen, wie ein Komponist, der aus unserer heutigen Sicht einfach nur ein Virtuosenkonzert für sich schreibt, dann doch jahrelang an diesem Stück feilt. Das war – fast wie bei Beethoven – ein existentialistisches Ringen um die Form, um die Klarheit und Fasslichkeit des musikalischen Konzeptes. Bei Liszt erleben wir weit mehr als einen oberflächlichen Virtuosenhabitus, bei ihm gehören Virtuosität und musikalischer Tiefsinn unbedingt zusammen.«

Hengelbrock ist ein Fan von Liszt, hält ihn für einen in seiner Wirkung auf die Musikgeschichte nicht zu unterschätzenden Komponisten, begabt mit enormer Phantasie und dem Mut zu großer Freiheit in der harmonischen Sprache. Das möge besonders für das Spätwerk gelten, visionäre Musik, die tonal zum Teil gar nicht mehr zu verorten sei. Doch schon ein Werk wie das Erste Klavierkonzert hält er für alles andere als äußerlich. »Allein das Allegretto mit seiner Skurrilität, dem Mut, den Satz auf diese Weise mit Triangel und Streicher-Pizzicati zu konzipieren: Für mich trägt das Züge eines Danse macabre

In eine ganz ähnliche Richtung gehen die Assoziationen bei Alice Sara Ott. Nach dem majestätischen Beginn des Konzertes und dem zweiten Satz, den sie als lyrisches Nachtstück hört, wirkt das Allegretto auf sie wie ein spukhafter Maskenball im Karneval. »Jeder trägt eine Larve, keiner zeigt sein wahres Gesicht.« Auch sie sieht ihre Aufgabe als Interpretin nicht zuletzt darin, Liszt gegen den Vorwurf der Oberflächlichkeit in Schutz zu nehmen. Jenseits des rein Technischen will sie dem Hörer vermitteln, welche Wahrheiten bei Liszt zwischen den Noten zu entdecken sind. Diese Wahrheiten treten etwa in den lyrischen Momenten, den wunderbaren Zwiegesprächen zwischen Bläsern und Klavier, den Dialogen zwischen Klavier und Streichern zutage. Und nicht zuletzt bewundert die Pianistin an diesem Konzert die Reife der Form, erinnert an Bartók, der das Werk als die erste perfekte Realisierung einer zyklischen Sonatenform gesehen habe, in der ähnliche Themen im Variationenprinzip verändert werden.

Für Alice Sara Ott ist es wichtig, so viel wie möglich über den Komponisten zu erfahren, den Menschen und seine Psychologie zu verstehen. Aber letztlich glaubt sie, dass alles in den Noten steht. »Es ist nicht immer einfach herauszufinden, was der Komponist wollte. Aber wir Musiker sind letztlich nur die Botschafter der Komponisten. Wir müssen das, was sie vermitteln wollten, ans Publikum weitergeben.« Wobei ihr völlig klar ist, dass da ganz unterschiedliche Auf­fassungen möglich sind, dass sich auch die eigene Sichtweise verändert mit den Jahren. Gerade deshalb ist sie für konzeptionelle Eigenständigkeit und Klarheit. Denn letztlich mache sie Musik, um auszudrücken, was sie mit der Sprache nicht ausdrücken könne. »Die Musik ist eine Kraft, die den Menschen völlig nackt macht. Sie offenbart die Gefühle, ohne sie zu manipulieren.«

Oswald Beaujean
6/2010