CHOPIN Piano Concertos  / Blechacz

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FRÉDÉRIC CHOPIN

Klavierkonzerte
Piano Concertos
Nos. 1 + 2
Rafal Blechacz
Royal Concertgebouw Orchestra
Jerzy Semkow
Int. Release 05 Oct. 2009
1 CD / Download
0289 477 8088 5 CD DDD GH
Rafal Blechacz makes an astounding orchestral recording debut with Chopin’s Piano Concertos nos. 1 & 2


トラック・リスト

Frédéric Chopin (1810 - 1849)
Piano Concerto No.1 In E Minor, Op.11

Piano Concerto No.2 in F minor, Op.21

Rafal Blechacz, Royal Concertgebouw Orchestra, Jerzy Semkow

再生時間合計 1:14:39

[The tasteful and stylish Blechacz] highlights much detail that is often overlooked . . . the Concertgebouw strings are wonderfully atmospheric.

This is a very fine account of the two concertos from the young Polish pianist Rafal Blechacz . . . he has such effortless authority, and such a lack of distracting mannerisms that his joyous playing is that of a youthful master . . . some hypnotically beautiful lines in the slow movements of both concertos, and there's plenty of fire in his playing where it's needed. His Chopin sound is beautifully voiced: he captures the unique sonority of this music exceptionally well and does so with a sure sense of direction, too.

He does possess a real sympathy for the composer and a strong set of fingers . . . The E Minor Concerto benefits from the long orchestral introduction, plastic and warm, courtesy of the Royal Concertgebouw strings, winds, horns, and recording engineer Rainer Maillard. The transition to E Major is perhaps the first movement¿s most fascinating contribution, the three main themes supported by a minimalist orchestral tissue that provides a kind of halo around the keyboard. The general tone of the movement lies in the nocturne, which Blechacz applies with a silken line, shaded by personal rubato and degrees of dynamic variety that prove most engaging. When the rhythm picks up, quasi-krakowiak, the mutual filigree between piano and inflamed orchestra becomes dramatically intense, certainly on a par with the classic collaborations by Brailowsky and Rubinstein. The balance of bravura and poetry Blechacz negotiates with pearly fervor . . . I well like the move to the recapitulation, with Semkow¿s underlining the bass harmonies and insisting on clear articulation from the woodwinds. The Larghetto, too, exploits E Major as a source of poetic reverie, and Blechacz integrates his cantilena into a color brew that includes some strong writing for the bassoon. Several thoughtful ritards inform this rendition, whose declamatory-parlando episodes convey as rich a tapestry as the brilliant fioritura that owes its vocal, even chime-like quality to the influence of Bellini¿s operas. The last movement . . . sings in the syncopated duple meter quite fleetly in Blechacz¿s modulated performance. What I particularly admire in this rendition is the feeling of freedom both Blechacz and Semkow impart, the national figures seeming to arise spontaneously out of their own lyric impulse . . . [The F Minor Concerto]: Blechacz emphasizes the vertical unity and contiguity of the two hands, their often bold accommodation of Lydian harmony to Chopin¿s own uses. The martial swagger of the first movement has rarely enjoyed such a superb notion of harmonic closure. The heart of the F Minor Concerto, again, lies in the wonderful Larghetto movement . . . The sparkling filigree back to the da capo mark Blechacz as a special sound at the keyboard.

Selten gelingt eine Aufführung dieser Stücke wirklich, denn sie sind keine Artisten-Feuerwerke oder sinfonische Massive. Rafal Blechacz weiß das und hat eine Lösung: Der polnische Jungstar erkennt in ihnen lange Kammer-Meditationen, die er wie neu erlauscht. Das Concertgebouw Orchester unter Jerzy Semkow sekundiert ihm dabei prächtig.

Der junge Landsmann Chopins bringt den Polen ihren Meister so nahe wie kaum einer vorher -- und nicht nur den Polen, sondern allen Musikfans der Welt.


. . . perlend-leichte, elegante und auch, wo nötig, kraftvolle Anschlagskultur, die selten geworden ist im Virtuosen-Wanderzirkus . . . Ein beglückender Beitrag zum Chopin-Jubiläumsjahr 2010.

. . . [Blechacz] präsentiert sich als herausragender pianistischer Gestalter . . .


Schnörkellose Klarheit und das richtige Gespür für Chopins Klangpoesie zeichnen die Aufnahmen aus.

Längst ist Rafal Blechacz mehr als nur ein vielversprechendes Pianistentalent. Denn in seinen zwei Solorezitals . . . hat er solche Versprechen auf beeindruckende Weise eingelöst . . . Blechacz spielt mit Stil und Würde, nimmt Ton für Ton ernst und bedeutsam.

. . . in seiner Innigkeit ist Blechaczs Spiel wie für den Großromantiker gemacht: Bei aller Finger-Akrobatik bleibt doch träumerische Zartheit gewahrt. Blechacz erzielt sie durch feinen Anschlag, mehr aber noch durch Tempo-Gespür . . . der Fluss der beiden Klavierkonzerte erlahmt . . . nie. Hübsche Übergänge und Balanceakte sind da zu hören, in ihrer Anmut noch gesteigert durch die Begleitung des Concertgebouw Orchestras unter (wie könnte es hier anders sein) polnischer Stabsführung von Jerzy Semkow.

Man möchte meinen, was könnte ein blutjunger Pianist wie Rafal Blechacz bloß Neues zu Chopin sagen. Überraschend viel. Als Pole und gleich alt wie Chopin, als er seine beiden Klavierkonzerte schrieb, hat er nicht nur einen tief emotionalen Zugang gefunden, sondern versteht mit seiner eleganten Spielkultur diese Musik so zu verinnerlichen, ohne dabei die Dramatik hintanstehen zu lassen. Technisch über den Dingen stehend gelingt ihm, hervorragend unterstützt vom Concertgebouw Orchester Amsterdam unter Jerzy Semkow, eine jedes Detail glasklar zeichnende Interpretation.


Der junge Pianist und das Royal Concertgebouw Orchestra unter der Leitung von Jerzy Semkow werden im komplett ausverkauften Saal mit "Standing Ovations" bedacht . . . das Amsterdamer Publikum [hatte] eine Darbietung der beiden Chopin-Klavierkonzerte erlebt, die man auf diesem Niveau auch im starverwöhnten Concertgebouw selten hört . . . Das Royal Concertgebouw Orchestra präsentiert sich auch hier wieder einmal als erstrangiges Ensemble: präzise und sehr ausgewogen im Orchesterklang . . . Es liegt nicht in seinem Interesse, Geschwindigkeitsrekorde aufzustellen ¿ auch wenn die Brillanz beeindruckt, mit der er die . . . Triolenketten im Finalsatz des zweiten Konzertes realisiert. Die agogische Fantasie, mit der er die Themen im Kopfsatz des ersten Konzerts gestaltet, kann sich durchaus mit Argerichs berühmter Interpretation messen, bisweilen agiert der junge Pole sogar etwas organischer . . . In den langsamen Sätzen verwendet er viel Sorgfalt darauf, den pianistischen "Koloraturen" eine innere Dramaturgie zu geben, insbesondere im Larghetto des zweiten Konzertes faszinieren die Leichtigkeit und Eleganz, mit den Blechacz Chopins stetig neu variiertes Laufwerk darbietet. Die Finalsätze spielt er mit slawischem Feuer . . . Die Natürlichkeit von Blechaczs Chopin-Spiel ruft . . . Erinnerungen an den großen Artur Rubinstein hervor.

Das Royal Concertgebouw Orchestra präsentiert sich auch hier wieder einmal als erstrangiges Ensemble: präzise und sehr ausgewogen im Orchesterklang . . . Es liegt nicht in [Blechaczs] Interesse, Geschwindigkeitsrekorde aufzustellen ¿ auch wenn die Brillanz beeindruckt, mit der er die nicht enden wollenden Triolenketten im Finalsatz des zweiten Konzertes realisiert. Die agogische Fantasie, mit der er die Themen im Kopfsatz des ersten Konzerts gestaltet, kann sich durchaus mit Argerichs berühmter Interpretation messen, bisweilen agiert der junge Pole sogar etwas organischer . . . insofern ist sein Spiel weit entfernt von den Manierismen mancher "Chopin-Spezialisten". In den langsamen Sätzen verwendet er viel Sorgfalt darauf, den pianistischen "Koloraturen" eine innere Dramaturgie zu geben, insbesondere im Larghetto des zweiten Konzertes faszinieren die Leichtigkeit und Eleganz, mit denen Blechacz Chopins stetig neu variiertes Laufwerk darbietet. Die Finalsätze spielt er mit slawischem Feuer. Das Rondo im ersten Konzert hat unter Blechaczs Händen [Pfeffer] . . . und rückt dadurch in Argerichs Nähe . . . Sehr souverän im Sinne einer gelungenen Synthese aus slawischem Temperament und französischer Leichtigkeit gelingt Blechacz das Allegro vivace im Konzert Nr. 2 . . .

. . . le jeune Polonais déploie un jeu coloré, raffiné, contemplatif et presque étale . . . Profonde, dense, chatoyante, la toile de fond que tisse Semkow . . .

Blechacz s¿appuie sur une technique éminemment musicale . . . Il sait façonner une phrase, lui conférer une courbure expressive, jouer sur les clairs-obscurs, relancer le discours quand il le faut (la coda dans le premier mouvement du Concerto N° 1). Son jeu séduit par sa fraîcheur, sa grâce. Et une prodigieuse gamme de nuances qui confine parfois à la préciosité . . . Blechacz apporte sa signature personnelle -- tel phrasé très élastique, une main gauche articulée. Le Royal Concertgebouw Orchestra mené par Jerzy Semkov lui apporte un soutien charnu . . . le 2e est particulièrement réussi. Une certaine malice caractérise les mouvements finaux, celle d¿un jeune homme qui s¿épanche avec tact et sincérité.


Rafał Blechacz Plays the Chopin Concertos

Chopin wrote his two piano concertos early in hiscareer, in 1829 and 1830. Those were happy years. Living in Warsaw among family and friends after completing his studies at the conservatory, he had time not only for composing and playing the piano but also for discussions and socializing with his companions, the intellectual elite of the Polish capital's youth.

During numerous excursions into the countryside, he visited villages of the Mazovia region, immersed himself in folk music, wrote prose and drew sketches. His musical talent had matured at an astonishing pace, quickly acquiring the traits of originality that he continued to nurture and develop until the end of his life. During this period, Chopin composed a great deal for his instrument, the piano: besides the two concertos, he wrote a set of Variations in B flat major, op. 2; the Rondo à la Krakowiak in F major, op. 14; the Fantasy on Polish Airs in A major, op. 13; the First Sonata inCminor, op. 4; some mazurkas and nocturnes, as well as chamber compositions, among them theGminor Piano Trio, op. 8 and the C major Polonaise for piano and cello, op. 3. He was a perfectionist, destroying - or asking his friends to destroy - the compositions with which he was not completely satisfied. Luckily, his friends did not always comply with his wishes.

The F minor and E minor Concertos (com­posed in that order - the num­bering corresponds to the order of their publication) both retain the Classical layout, but filled with a Romantic spirit: their rich emotional content co-exists with the formal discipline of an already mature artist. At the time Chopin composed them he was fascinated by the style brillant exemplified by such pianist-composers as Hummel, Weber and Kalkbrenner - to the latter he dedicated the E minor Concerto. This can be heard throughout both works, which allow the pianist great scope for virtuoso display. Yet, as Rafał Blechacz notes, Chopin never subjugated his musical thought to virtuosity - he never favoured sheer brilliance over emotional depth.

For Blechacz, that is most important for the pianist in these concertos: their emotional charac­ter and nuances. Youthful vigour - sometimes leading to moments of drama - comes to the fore in the opening movements of both concertos, while their finales are full of joy. “But it is the lyrical second movements", says Rafał, “that are the hearts of the two com­positions". In them Chopin has given expression to his deepest emotions, especially his feelings for Konstancja Gładkowska, his first love.

Writing about the Larghetto of the E minor Concerto, the composer himself declared that “a thousand beloved memories are conjured before my eyes". Here Chopin seems to be whispering, in a delicate, muffled voice, as though divulging his deepest secrets. A pianist can enjoy the greatest freedom here; however he must carefully convey Chopin's intentions and “identify" with his feelings. The basic challenge is to find the appropriate tempo and to make the subtlest use of rubato. The music must flow freely, “as though of its own ­accord", towards that inexplicable epiphany: the moment that crowns an authentically aesthetic experience.

This is something impossible to plan com­pletely. A certain freedom of interpretation is necessary toallow scope for the arrival of that moment of inspiration. This is why the conditions of the performance are so important: the atmosphere of the concert hall and - most of all - the pianist's rapport with the conductor. When he performs Chopin's concertos, Rafał naturally chooses to work with conductors who understand the works' particular aura, for example the finales, inspired by high-spirited folk dances: the mazurka of the F minor Concerto (where a double-bass drone imitates folk instruments) and the krakowiak of the E minor. The choice of tempo is just as important in these as in the preceding movements: not too fast, so that details are not lost, and not too slow, so that the dance character is preserved.

The two Chopin concertos were recorded in the Amsterdam Concertgebouw, Rafał Blechacz's favourite concert hall, with its incomparable orchestra, whose noble, “velvety" sound is particularly suited to this music, under Jerzy Semkow, the outstanding Polish conductor with whom the pianist has a special understanding. The idea for the recording took shape immediately after Blechacz's unprecedented triumph in the 2005 Chopin Competition, where he won the main prize as well as special prizes in all four individual categories. On that occasion he played the E minor Concerto. Also worthy of mention here is another performance of Chopin's two concertos which reveals another aspect of Rafał's nature: a concert with Poland's National Philharmonic Orchestra conducted by Antoni Wit in the pianist's hometown of Nakło on the River Noteæ. There, owing to the lack of a proper concert hall, the event took place in a church. It was a magnificent gift of gratitude from the pianist to his birthplace, as well as an extraordinary experience for the little town's inhabitants.

Rafał Blechacz is one of the finest young pianists in the world. Along with his extraordinary talent he possesses an exceptional intelligence that allows him to understand in depth the music he performs, and a degree of perception that allows him infallibly to grasp the aesthetic and spiritual dimensions of the compositions he interprets. One could say that his sensitivity is akin to that of Chopin himself, and this is perhaps why Blechacz seems predestined to interpret his compatriot's works. Performing Chopin, however, also opens doors to other composers who preceded or followed him. It isn't therefore surprising that Blechacz focuses on Classical and Romantic repertoire as well as Debussy and Szymanowski. His talent and other character attributes are rooted in a deep spirituality that has not only artistic but also metaphysical and religious dimensions. His numerous interests include philosophy, and his musical endeavours extend to the organ music repertoire. Those who get to know Rafał Blechacz personally note the charm and, above all, modesty that seems not to have been adversely affected by fame.

Władysław Strózewski
8/2009

Rafał Blechacz spielt die Chopin-Konzerte

Chopin schrieb seine beiden Klavierkonzerte zu Beginn seiner Karriere in den Jahren 1829 und 1830. Es war eine glückliche Zeit für ihn: Nach Abschluss seines Studiums am Konservatorium lebte er in Warschau im Kreis seiner Familie und Freunde und hatte nicht nur Zeit zu komponieren und Klavier zu spielen, sondern auch für Diskussionen und Unternehmungen mit seinen Gefährten, der jungen intellektuellen Elite in der polnischen Hauptstadt. Bei zahlreichen Ausflügen aufs Land besuchte er Dörfer in der Region Masowien, studierte Volksmusik, verfasste Prosatexte und zeichnete. Seine musikalischen Fähigkeiten waren erstaunlich schnell gereift, und schon bald waren die charakteristischen Züge seines Stils zu erkennen, die er dann bis an sein Lebensende weiter kultivierte und entwickelte.

In dieser Zeit komponierte Chopin viel für sein ureigenes Instrument, das Klavier: Neben den beiden Konzerten schrieb er eine Folge von Variationen in B-dur op. 2, das Konzertrondo Krakowiak in F-dur op. 14, die Grande Fantaisie sur des airs polonais in A-dur op. 13, die Sonate Nr. 1 in c-moll op. 4, mehrere Mazurken und Nocturnes sowie Kammermusik, darunter das Klaviertrio in g-moll op. 8 und die Polonaise in C-dur für Klavier und Cello op. 3. Er war ein Perfektionist, der Kompositionen vernichtete, wenn er mit ihnen nicht völlig zufrieden war. Mitunter bat er auch Freunde darum, doch zum Glück folgten diese nicht immer seinen Wünschen.

Das Klavierkonzert in f-moll wurde vor seinem Schwesterwerk komponiert (die Nummerierung entspricht der Reihenfolge der Veröffentlichung). Beide Konzerte folgen dem klassischen Formschema, atmen aber den Geist der Romantik: Große emotionale Tiefe steht Seite an Seite mit der formalen Disziplin eines reifen Künstlers. Zur Zeit der Komposition war Chopin fasziniert vom style brillant, wie ihn etwa die Pianisten/Komponisten Hummel, Weber und Kalkbrenner vertraten. (Chopin widmete Kalkbrenner das Konzert in e-moll). Dieser Einfluss prägt beide Werke, die dem Interpreten viel Raum geben, seine Virtuosität unter Beweis zu stellen. Wie Rafał Blechacz feststellt, ordnete Chopin jedoch den musikalischen Gedanken nie der Virtuosität unter - der emotionale Gehalt stand bei ihm immer an erster Stelle, reine Brillanz war zweitrangig.

Für Blechacz sind in diesen beiden Konzerten der emotionale Charakter und dessen Nuancierung von größter Wichtigkeit für den Pianisten. Jugendliche Kraft - die sich mitunter zu dramatischen Höhepunk­ten steigert - bestimmt die Kopfsätze beider Werke, während die Finalsätze im Zeichen freudigen Überschwangs stehen. »Im Zentrum befinden sich die lyrischen Mittelsätze«, erklärt Blechacz, »das Herz dieser Kompositionen«. In ihnen hat Chopin seine innigsten Empfindungen ausgedrückt, seine Gefühle für Konstancja Gładkowska, seine erste Liebe.

Über das Larghetto des e-moll-Konzerts schrieb der Komponist: »tausend liebe Erinnerungen tauchen vor meinen Augen auf«. In diesem Satz scheint Chopin mit zarter, gedämpfter Stimme zu flüstern und seine tiefsten Geheimnisse mitzuteilen. Der Pianist genießt hier größte Freiheit, doch muss er darauf bedacht sein, Chopins Intentionen zu vermitteln, und sich mit dessen Gefühlen zu »identifizieren«. Die Hauptaufgabe besteht darin, das richtige Tempo zu finden und das Rubato sehr subtil zu verwenden. Die Musik muss frei und »wie von selbst« auf jenen jenseits aller Erklärung liegenden Augenblick der Offenbarung hinfließen, den Höhepunkt jeder echten ästhetischen Erfahrung.

So etwas lässt sich nicht bis ins letzte Detail planen. Man braucht eine gewisse Freiheit der Interpretation, um diesem Moment der Inspiration Raum zu geben. Deshalb sind die Bedingungen einer Aufführung so wichtig: die Atmosphäre im Konzertsaal und vor allem die Beziehung zwischen Pianist und Dirigent. Wenn er Chopins Konzerte spielt, arbeitet Blechacz natürlich am liebsten mit Dirigenten, die ein Gespür für die spezifische Stimmung dieser Musik haben, sich beispielsweise auf die von fröhlichen Volkstänzen inspirierten Schlusssätze vollkommen einlassen - der Mazurka im f-moll-Konzert (in der ein Kontrabass-Bordun Volksinstrumente nachahmt) und des Krakowiaks im Konzert in e-moll. Die Wahl des Tempos ist hier ebenso wichtig wie in den vorangehenden Sätzen: nicht zu schnell, damit keine Details untergehen, und nicht zu langsam, damit der Tanzcharakter erhalten bleibt.

Aufgenommen wurden die beiden Chopin-Konzerte in Rafał Blechacz' bevorzugtem Konzertsaal, dem Amsterdamer Concertgebouw, mit seinem unvergleichlichen Orchester, dessen »samtiger« Klang so hervorragend zu dieser Musik passt. Die Leitung hat der große polnische Dirigent Jerzy Semkow, mit dem sich der Pianist besonders gut versteht. Die Idee zu dieser Aufnahme entstand unmittelbar nach Blechacz' beispiellosem Triumph beim Chopin-Wettbewerb 2005, bei dem er außer dem Hauptpreis auch Sonderpreise in allen vier Einzelsparten erhielt. Damals spielte er das e-moll-Konzert. Erwähnung verdient hier auch eine weitere Aufführung der beiden Werke, die Rafał Blechacz noch von einer anderen Seite zeigt: ein Konzert mit Polens Nationalem Philharmonischen Orchester unter Leitung von Antoni Wit in Nakło, der an der Note (Netze) gelegenen Heimatstadt des Pianisten. Da es dort keinen geeigneten Konzertsaal gab, fand die Veranstaltung in einer Kirche statt. Es war ein herrliches Dankesgeschenk des Pianisten an seinen Geburtsort und ein unvergessliches Erlebnis für die Einwohner der kleinen Stadt.

Rafał Blechacz gehört weltweit zu den besten jungen Pianisten. Neben seiner außerordentlichen musikalischen Begabung verfügt er über eine ungewöhnliche Intelligenz, die ihm ein tief greifendes Verständnis der jeweiligen Kompositionen und die Wahrnehmung ihrer ästhetischen und spirituellen Dimensionen ermöglicht. Man könnte sagen, dass er eine ähnliche Feinfühligkeit wie Chopin selbst besitzt, und vielleicht scheint Blechacz deshalb so prädestiniert, die Werke seines Landsmanns zu interpretieren. Chopin spielen, heißt aber auch die Perspektive auf andere Komponisten öffnen, die ihm vorangingen und auf ihn folgten. Kein Wunder also, dass Blechacz sich Debussy und Szymanowski ebenso wie dem klassischen und dem romantischen Repertoire widmet. Seine Begabung und viele Züge seines Wesens sind in einer tiefen Spiritualität verwurzelt, die nicht nur künstlerische, sondern auch metaphysische und religiöse Elemente hat. Seine vielfältigen Interessen gelten unter anderem der Philosophie, und bei seinen musikalischen Projekten begibt er sich auch auf das weite Feld der Orgelliteratur. Wer Rafał Blechacz kennenlernt, bemerkt einen Charme und vor allem eine Bescheidenheit, die durch den Ruhm offenbar keineswegs gelitten hat.

Władysław Strózewski

Rafał Blechacz joue les Concertos de Chopin

Chopin écrivit ses deux concertos pour piano au début de sa carrière, en 1829 et 1830. C'étaient des années heureuses. Vivant à Varsovie entouré de sa famille et de ses amis, après avoir achevé ses études au conservatoire, il avait le temps non seulement de composer et de jouer du piano, mais aussi de discuter et de sortir avec ses compagnons, la jeune élite intellectuelle de la capitale polonaise. Lors de nom­breuses excursions à la campagne, il visita les villages de la région de Mazovie, s'immergea dans la musique populaire, écrivit de la prose et fit des esquisses. Son talent musical avait mûri à une allure étonnante, acquérant rapidement les traits originaux qu'il continua de nourrir et de développer jusqu'à la fin de sa vie.

Au cours de cette période, Chopin composa beaucoup pour son instrument: outre les deux concertos, il écrivit une série de variations en sibémol majeur, op.2; le Rondo à la Krakowiak en fa majeur, op.14; la Fantaisie sur des airs ­polonais enla majeur, op.13; la Première Sonate en ut mineur, op.4; quelques mazurkas et nocturnes, ainsi que des compositions de chambre, dont le Trio avec piano en sol mineur, op.8, et laPolonaise en ut majeur pour piano et violoncelle, op.3. C'était un perfectionniste, qui détruisait - ou qui demandait à ses amis de détruire - les compositions dont il n'était pas entièrement satisfait. Par chance, ses amis ne se pliaient pas toujours à ses désirs.

Les Concertos en fa mi­neur et en mi mineur (com­posés dans cet ordre - la numérotation correspond à l'ordre de publication) conservent tous deux la coupe classique, mais habitée d'un esprit romantique: leur riche contenu émotionnel coexiste avec la discipline formelle d'un artiste déjà mûr. Au moment où Chopin les composa, il était fasciné par le style brillant qu'illustraient des pianistes-compositeurs comme Hummel, Weber et Kalkbrenner - à ce dernier il dédia le Concerto enmi mineur. On l'entend tout au long des deux œuvres, qui font la part belle aux démonstrations de virtuosité du pianiste. Pourtant, comme le note Rafał Blechacz, Chopin n'a jamais subordonné sa pensée musicale à la virtuosité - il n'a jamais privilégié la simple brillance aux dépens de la profondeur émotionnelle.

Aux yeux de Blechacz, le plus important pour le pianiste, dans ces concertos, reste bien leur caractère émotionnel et leurs nuances. La vigueur juvénile - conduisant parfois à des moments dramatiques - est au premier plan dans le mouvement initial des deux concertos, tandis que les finales sont pleins de joie. «Mais c'est le deuxième mouvement, lyrique, dit Rafał, qui est le cœur de chacune des deux compositions». Chopin y exprime ses émotions les plus profondes, et en particulier ses sentiments pour Konstancja Gładkowska, son premier amour.

À propos du Larghetto du Concerto en mi mineur, «mille souvenirs bien-aimés sont évoqués devant mes yeux», déclarait le compositeur lui-même. Ici, Chopin semble murmurer, d'une voix douce et délicate, comme s'il divulguait ses secrets les plus intimes. Le pianiste peut jouir de la plus grande liberté; il doit toutefois exprimer soigneusement les intentions de Chopin et s'«identifier» à ses sentiments. La difficulté essentielle est de trouver le tempo juste et de faire un usage subtil du rubato. La musique doit couler librement, «comme de son propre gré», vers cette inexplicable révélation: le moment qui couronne une expérience authentiquement esthétique.

C'est quelque chose d'impossible à prévoir complètement. Une certaine liberté d'interprétation est indispensable pour laisser la place à l'arrivée de ce moment d'inspiration. C'est pourquoi les conditions du concert sont si importantes: l'atmosphère de la salle et - surtout - le rapport du pianiste avec le chef d'orchestre. Lorsqu'il joue les concertos de Chopin, Rafał choisit naturellement de travailler avec des chefs qui comprennent l'aura particulière de ces œuvres, par exemple les finales, inspirés par des danses populaires pleines d'entrain: la mazurka du Concerto en fa mineur (où un bourdon de contrebasse imite les instruments traditionnels) et la cracovienne du mi mineur. Le choix du tempo est tout aussi important dans ces mouvements que dans les précédents: ni trop vif, pour ne pas perdre les détails, ni trop lent, pour préserver le caractère de danse.

Les deux concertos de Chopin furent enregistrés au Concertgebouw d'Amsterdam, la salle de concert préférée de Rafał Blechacz, avec son orchestre incomparable, dont la sonorité noble et «veloutée» convient particulièrement bien à cette musique, sous la direction de Jerzy Semkow, chef polonais exceptionnel avec qui le pianiste s'entend remarquablement. L'idée de l'enregistrement a pris forme aussitôt après le triomphe sans précédent de Blechacz au Concours Chopin de 2005, où il remporta le prix principal ainsi que des prix spéciaux dans les quatre catégories individuelles. En cette occasion, il joua le Concerto en mi mineur. Une autre interprétation des deux concertos de Chopin qui révèle une nouvelle facette de la nature de Rafał mérite également d'être citée: un concert avec l'Orchestre philharmonique national de Pologne dirigé par Antoni Wit dans la ville natale du pianiste, Nakło, sur la Note. Faute d'une salle de concert adéquate, le concert fut donné dans une église. C'était un magnifique cadeau du pianiste reconnaissant à son lieu de naissance, ainsi qu'une expérience extraordinaire pour les habitants de cette petite ville.

Rafał Blechacz est l'un des meilleurs jeunes pianistes au monde. Outre son talent extraordinaire, il possède une intelligence exceptionnelle qui lui fait comprendre en profondeur la musique qu'il joue, et une finesse de perception qui lui permet de saisir de manière infaillible les dimensions esthétiques et spirituelles des compositions qu'il interprète. On pourrait dire que sa sensibilité est proche de celle de Chopin lui-même, est c'est peut-être la raison pour laquelle Blechacz semble prédestiné à jouer les œuvres de son compatriote. Jouer Chopin conduit cependant à jouer d'autres compositeurs qui l'ont précédé ou suivi. Il n'est donc pas surprenant que Blechacz se concentre sur le répertoire classique et romantique, ainsi que sur Debussy et Szymanowski. Son talent et ses qualités sont enracinés dans une profonde spiritualité, qui a une dimension non seulement artistique, mais également métaphysique et religieuse. La philosophie compte parmi ses nombreux centres d'intérêt, et ses activités musicales s'étendent au répertoire de l'orgue. Ceux qui connaissent Rafał Blechacz personnellement sont frappés par son charme et, avant tout, par sa modestie, qui ne semble pas avoir été affectée par la renommée.

Władysław Strózewski