ORFF Carmina Burana Harding 4778778

Patricia Petibon is, for my money, the best soprano soloist the work's ever had on disc, while Christian Gerhaher is gloriously robust and fulsome and only a shade less commanding than Fischer-Dieskau -- but simply because Daniel Harding's interpretation is so radically different from the others . . . Harding, through his paring down of the orchestral textures to the bare bones, seems almost to be getting into the sound-world of the jazz ensemble, a collection of individual instrumentalists all doing their own thing around a very basic musical pattern; and much of Orff's writing is just about as basic as you can get. For me, it is this quality in this new recording that makes it stand out from the crowd.

The soloists give good accounts of themselves, Petibon achieving a nicely judged emotional progression from innocence in "Amor volat undique" to ecstasy in "Dulcissime" . . . Gerhaher is superb as the Abbas Cucaiensis . . . a definite front-runner and strongly recommended.

. . . a notably tight and disciplined performance . . . I like the way that Harding gets precision in the difficult choral staccato rhythms without being irritatingly punctilious. Impressive, too, is the rapt account of "Veris leta facies" as spring awakens, a draft of melancholy wafting through the forest. Christian Gerhaher is quality casting in the baritone solos . . . The choir is excellent throughout . . . The dances in "Uf dem anger" are attractively springy and light-textured, with delightfully fresh-toned . . . singing from the women's voices. Harding secures fine orchestral playing too ¿ the snap and thrum of plucked strings in "Swaz hie gat umbe" is crisply projected.

Statt in den üppigen Bildern zu baden, setzt er ganz auf die rhythmische Kraft als Triebfeder der "Carmina Burana". Den Chor des Bayerischen Rundfunks und den Tölzer Knabenchor lässt er die Texte prägnant und oft staccato-artig singen. Auch mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks konzentriert er sich über weite Strecken mehr auf akzentuierte, scharf gezeichnete Rhythmen als auf Klangfülle und Farbenreichtum. Auf dieser klar strukturierten Basis sind es vor allem die herausragenden Solisten, die dem ganzen die zusätzlich nötige Würze verleihen -- von Pfefferschärfe bis Honigsüße. Der Bariton Christian Gerhaher füllt die verschiedenen Rollen des Liebhabers, des Abts und des verzagten Mannes absolut überzeugend aus. In der tragikomischen Partie des gebratenen Schwans brilliert der Tenor Hans-Werner Bunz. Patricia Petibon kann ihre Sopran-Stimme fast knabenhaft rein klingen lassen -- das passt bestens zu dem jungfräulichen Mädchen, das sich zum ersten Mal einem Mann hingibt. Daniel Hardings Konzept, Chor und Orchester vor allem als Rhythmusgruppe einzusetzen, geht insgesamt sehr gut auf.

Die jüngste "Carmina Burana"-Einspielung unter Daniel Harding hat ihre Höhepunkte denn auch dort, wo sich der englische Dirigent sehr genau an Orffs Anweisungen hält und sich darauf beschränkt, die vorantreibenden Ostinati deutlich zu machen. Was in den meisten Chornummern perfekt gelingt . . . [glänzend] Hans-Werner Bunz als grotesker gebratener Schwan. Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks sind perfekt.

. . . äußerste Präzision und ein ganz fein ziselierter Klang, eine feine Transparenz, sodann eine Agogik und eine Fülle von Akzenten, die neues Leben in Orffs oft malträtierte Musik bringen. Kein Zweifel, hier hat ein Dirigent die Partitur genau unter die Lupe genommen und den Staub weggesaugt, der sich in den über siebzig Jahren ansetzen konnte, die seit der Uraufführung im Jahre 1937 vergangen sind. In den beiden Einleitungsliedern kommt bei Harding die rhythmische Kraft der Musik wunderbar zum Ausdruck. Die Chöre singen ungemein prägnant und präzise artikulierend vor dem akzentreichen, rhythmisch sehr genauen Orchesterklang. Aber Harding macht noch viel mehr: Die langsamen Tempi und die sehr sorgfältige Führung der Musiker in 'Primo Vere' ergeben eine bezaubernd sensuelle Wirkung. Welchen Gewinn Christian Gerhaher für diese Einspielung darstellt, zeigt sich schon mit seinem 'Omnia sol temperat'. Er singt intelligent und nuanciert und gibt jeder Strophe einen ganz eigenen, subtilen Charakter, immer dem Text entsprechend. Von unwiderstehlichem Charme ist die Szene 'Uf dem Anger', wo man einmal mehr die reich akzentuierte, rubatogeführte Interpretation bewundert, die für überragende Orchester- und Chorleistungen sorgt. In den deftigen 'In Taberna'-Liedern brilliert einmal mehr Gerhaher, der chamäleonartig seinen Gesang differenziert: so nahe am Text, so darstellerisch und klangmalerisch habe ich noch keinen Sänger in den verschiedenen Bariton-Stücken der 'Carmina' gehört . . . Exzellent ist Hans-Werner Bunz in der Rolle des gebratenen Schwans. Ein weiteres Showstück von perfekt ausbalancierter und staccatoartig in einer Wahnssinnspräzision ausgeführten Rhythmik ist 'In taberna', mit dem die zweite Abteilung der Komposition abgeschlossen wird. In völligem Kontrast dazu steht der wunderbar abgetönte, von sensuellem Raffinement und purer Klangschönheit nur so überquellende dritte Teil, 'Cours d'Amours'. Hier sorgt Patricia Petibon für weitere Vorzüge. Sie singt ihren Part zunächst mit der Reinheit und der Unschuld des jungen Mädchens, das mit Erstaunen die Liebe entdeckt und am Ende der Lektion in voll entfalteter Fraulichkeit das 'süße Joch' genießt, um in der Liebe 'zu vergehen'. Fazit: diese Neuaufnahme der 'Carmina Burana' ist Dank eines tollen und hoch musikalisch agierenden Dirigenten, eines wunderbaren Sängertrios und einer prächtigen Formation aus Chören und Orchester ein Meilenstein in der Aufnahmegeschichte der Orffschen Komposition und für mich, nach vielen guten und noch mehr mittelmäßigen bzw. schlechten und schlampigen Einspielungen die ultimative 'Carmina'-Interpretation. Hardings Verdienst ist es, in dieser Partitur viel mehr Raffinement und anspruchsvolle Musik entdeckt zu haben, als man gemeinhin in den 'Carmina Burana' hört. Diese enorme Sorgfalt, die der Dirigent dem Text angedeihen lässt, mag ein Werk, das ich persönlich seit mehr als vierzig Jahren, also seit meiner frühesten Jugend, liebe und schätze, sogar bei Leuten rehabilitieren, die darüber immer nur die Nase rümpfen konnten.

Daniel Harding apporte aux Carmina burana une ingénuité inattendue . . . retenons surtout Patricia Petibon, tour à tour sensuelle, virginale et séraphique . . . Le baryton Christian Gerhaher compense le manque de graves par un beau timbre et un goût irréprochable.