FRÉDÉRIC CHOPIN Martha Argerich 4777557

. . . a youthful energy, particularly the dazzling, industrious Etude in C sharp minor which seems to encompass entire worlds within two minutes. Elsewhere, the rubato complexity of her rhythmic treatment of the Mazurkas in C sharp minor and D major brings to mind a classical equivalent of Thelonious Monk, while the Ballade No 1 in G minor from 1959 offers a bravura display of technique in the service of emotion.

. . . Martha Argerich in her early prime . . . At once shy and passionate, the performance is atmospheric in clean mono sound . . . Essential listening for anyone interested in Argerich, Chopin or indeed the art of the piano.

Of the playing here [Chopin Mazurkas opp. 24, 33, 41], I shall just say it's no wonder she won the Chopin Competition. Likewise in the three Mazurkas Op 59 . . . she captures their intimacy and lightning changes of mood to perfection . . . In the finale [of the B minor Sonata] (for once truly agitato) she sweeps all before her with breathless exhilaration.

This CD . . . offers artistry that is very hard to argue with. For lovers of Chopin and of great piano playing, this album is warmly welcomed.

. . . wunderbare Dokumente souveränen Künstlertums . . .


Argerich spielt mit Verve und Delikatesse, selbst eine alte Bekannte wie die 3. Sonate, weist neu funkelnde Facetten auf.

Eine Glut flammt in diesen frühen Aufnahmen Martha Argerichs, eine Glut, die das Leidenschaftliche, Dunkle und Aufwühlende der Musik hervorhebt. Dazu bei den Mazurken, den Nocturnes eine Innigkeit, eine etwas bittere Süße -- und die eiserne Beherrschung, sich keiner Sentimentalität zu ergeben. Und auch wenn es bei Argerich nicht anders zu erwarten ist: Ihre Kraft, die Virtuosität versetzen mich immer wieder von Neuem in Erstaunen.

. . . die scheinbar mühelose und dennoch engegiegeladene fingertechnische Rasanz der Virtuosin [raubt] auch heute noch den Atem. Schon die ersten beiläufigen Melismen der Ballade wirken unter den Fingern der 18-Jährigen auch nach einer ganzen Generation chinesischer Hypervirtuosen noch immer wie ein Schocker. Daneben zeigt sich in diesen frühen Aufnahmen bereits eine unverkennbare ästhetische Persönlichkeit. Was bei Chopin als Kohleskizze angelegt ist, wird unter Argerichs Händen zur hochpräzisen Steinmetzarbeit. Die musikalische Kalligraphie des polnischen Nationalkomponisten liest die Argentinierin wie kompromisslose Selbstbehauptungen. Nicht Leichtigkeit und Eleganz sind ihre Ausdrucksmittel, vielmehr wird hier jede Phrase zum schwermütigen, brodelnden, manchmal auch launischen Bekenntnis.

. . . die scheinbar mühelose und dennoch engegiegeladene fingertechnische Rasanz der Virtuosin [raubt] auch heute noch den Atem. Schon die ersten beiläufigen Melismen der Ballade wirken unter den Fingern der 18-Jährigen auch nach einer ganzen Generation chinesischer Hypervirtuosen noch immer wie ein Schocker. Daneben zeigt sich in diesen frühen Aufnahmen bereits eine unverkennbare ästhetische Persönlichkeit. Was bei Chopin als Kohleskizze angelegt ist, wird unter Argerichs Händen zur hochpräzisen Steinmetzarbeit. Die musikalische Kalligraphie des polnischen Nationalkomponisten liest die Argentinierin wie kompromisslose Selbstbehauptungen. Nicht Leichtigkeit und Eleganz sind ihre Ausdrucksmittel, vielmehr wird hier jede Phrase zum schwermütigen, brodelnden, manchmal auch launischen Bekenntnis.
Wiewohl mit fast unbeschränktem technischem Können begabt, lässt sie die Musik eher für sich sprechen. Dabei reicht die Ausdruckspalette von fast schubertisch zu nennender Volkstümlichkeit in den Walzern ohne Opuszahl bis zu einem beinahe impressionistisch anmutenden Klangbild in der Wiedergabe des Walzers op. 34, Nr.2 . . . Da offenbart sich eine Ernsthaftigkeit im Umgang mit dieser Musik, die . . . ein hochdifferenziertes, transparentes und vielversprechendes klangliches Universum entwirft.

Die argentinische Pianistin Martha Argerich ist schon zu Lebzeiten eine Legende . . . Die feurige Argentinierin und der sensible Pole Chopin stehen hier noch am Anfang ihrer jahrelangen Beziehung. Noch überwiegt die Leidenschaft. Argerich wühlt die Musik auf, entfacht bei den Mazurken ein Feuer und verleiht den Nocturnes eine Innigkeit mit bitterem Beigeschmack. Aber bereits damals ist sie eine aufs Feinste differenzierende Klaviervirtuosin.

Martha Argerichs frühe, bislang unveröffentlichte Mitschnitte (DG) ergänzen das Bild ihrer Studioaufnahmen ebenfalls aufs Schönste. Man höre nur den Livemitschnitt der h-moll-Sonate vom 15. März 1967 aus der Berliner Musikhochschule. Aufregender, klarer, aber auch differenzierter und feiner in den dynamischen und agogischen Abstufungen kann man das nicht spielen.

[Gulda]: Sehr überzeugend ist seine Deutung des ersten Klavierkonzerts mit dem London Philharmonic Orchestra unter Adrian Boult. Im Kopfsatz versteht es Gulda durch wohldosierte agogische Differenzierungen die dem Hauptthema innewohnende Wehmut zu vermitteln, der zweite Satz begeistert bei ihm durch Innigkeit und dramatische Steigerungsmomente, während im finalen Rondo der Rhythmiker Gulda voll zum Zuge kommt . . . Mit fantastischer Leichtigkeit spielt er den e-Moll-Walzer, und mit unsentimentalem und temperamentvollem Zugriff das 1986 aufgenommene Nocturne op. 62 Nr. 1.
[Argerich]: . . . [ihr] gelingt eine Darstellung der Etüde op. 10 Nr. 4 von diabolischer Virtuosität. Auch die Mazurken sowie das Es-Dur-Nocturne gefallen durch energischen Schwung und agogische Fantasie . . .
[Ott]: Otts Spiel zeichnet sich durch einen schönen runden Klavierton aus, der sich insbesondere im Piano- und Pianissimo-Bereich nuancenreich präsentiert. Irrlichternd flink undleicht erklingt der e-Moll-Walzer, trotzdem treten die verschiedenen Charaktere plastisch hervor. Empfindsam tönt sie die Begleitstimmen ab, und mit Schmackes spielt sie die tänzerischen Stellen . . . Den h-Moll-Walzer op. 69 Nr. 2 . . . interpretiert sie in natürlichem Fluss.

Bei einem solchen niemals versiegenden Vulkan der Gefühle wie der zu Lebzeiten bereits zur Legende gewordenen Martha Argerich gewinnen "historische Funde" zunehmend an Bedeutung . . . Am faszinierendsten ist aber die stets hochexplosive emotionale Totalität, die schier grenzenlose Bandbreite der Gefühle, die sie mit sogartigen dramatischen Zuspitzungen noch der kleinsten Form abtrotzt; nur weil sie sich schon als 17-Jährige (in der g-Moll-Ballade von 1959) mit ihrem überquellenden Herz auf das innere Drama dieser Musik einließ. Danach will man es anders kaum noch hören.

Die Einspielung fasziniert vor allem wegen der zuweilen überbordenden emotionalen Intensität von Martha Argerichs Spiel. Dass sie eine solche fiebrige Ausdruckswucht in die von ihr gespielten Stücke legen konnte, hat seinen Grund in wirklich außergewöhnlichen manuellen Fertigkeiten, die ihr jene Nuancierungskunst ermöglichen, welche zu dem wunderbaren Schattierungsreichtum ihrer Interpretationen entscheidend beiträgt . . . [Ballade op. 25]: feinste Abstufungen des Artikulation, um Charaktere gegeneinander abzugrenzen, dynamische Nuancierungen und vor allem Agilität der musikalischen Bewegung. Dass eine solch stringent durchgeführte Realisierung des als Werkessenz erkannten Expressivität führt Martha Argerich bisweilen auf Messers Schneide -- bis gefährlich nahe an jenen Kante, wo man ihr willkürliche Ausbeutung des Notentextes vorwerfen könnte. Aber über diese Grenze tritt sie nie. Die steten Beleuchtungswechsel in den Mazurken (aus op. 41, op. 63 und op. 59), die mal durch die Betonung der Harmonie, mal der des Rhythmus, mal der Bewegungsabläufe oder der Verhältnisse zwischen melodieführender Stimme und Begleitung verstärkt werden, weisen die junge Martha Argerich als ein pianistisches Ausnahmetalent aus . . . Ihr Spiel erscheint mal sehr leichtfüßig, um im nächsten Moment durch einen veränderten Klavierklang andere Stimmungen zu erschließen. Dabei scheint ihr Interesse vor allem der konturenscharfen Modellierung von Charakteren zu gelten. Wie sie die cis-Moll-Etüde (op. 10/4) zur cholerisch-aufgeregten Raserei aufheizt, zeigt nicht nur interpretatorische Prägnanz, sondern vor allem auch ihre technischen Möglichkeiten . . . [h-Moll-Sonate op. 58]: Auch hier betont Martha Argerich die Kontraste, die feurige Rhythmik, die pianistische Brillanz auf der einen Seite. Auf der anderen aber eine scheint sie -- um diese 'gefühlige', blumig-allgemeine Formulierung kommt man hier nicht herum -- die Zeit fast stillstehen lassen zu können, ein Eindruck, der sich auch in den Mazurken zeigt. Wie verloren im Fortgang der Musik scheint sich die Argerich für Momente aus dem zeitlichen Fluss ausgeklinkt zu haben, um ein musikalisches Kreisen erfahrbar zu machen, man könnte auch sagen: das Zuständliche von Musik.

Die Deutsche Grammophon hat die Chopin-Freunde mit einem ganz besonderen Geschenk zum 200. Geburtstag des Komponisten überrascht . . . Vulkanische
Temperamentausbrüche stehen neben zartesten Lyrismen (Nocturnes op. 15,1 und op. 55,2, Largo der Dritten Sonate). Mazurken interpretiert sie als fragile, in vielen Farben schillernde Seelenbilder, ohne die Konturen und den Tanzcharakter zu verwischen. Ein Muss für Chopin-Fans.

Wie kann es sein, dass die erfrischendste CD zum Chopin-Jahr eine mehr als 40 Jahre alte Mono-Aufnahme ist? Antwort: Weil Martha Argerich spielt . . . Ihr feuriges Temperament und ihre himmelstürmende Virtuosität begeistern ungebrochen. Mehr noch aber berührt heute die geistige Unabhängigkeit der jungen Tastenlöwin. Wie sie die bereits 1959 aufgenommene Ballade Nr. 1 vom behutsam erzählenden Beginn bis zum furiosen Finale unter einen Bogen bannte, wie sie Mazurken agogisch feinfühlig belebte und die Nocturnes nicht als Entspannungsmusik, sondern als nachtdunkle Seelenerkundungen begriff, hat bis heute höchsten Rang.

Après une Étude op.10/4 phéhoménale de virtuosité, les Mazurkas alternent entre poésie et force . . . Le point culminant du CD est la lecture passionnée de la 3e Sonate, où Martha Argerich surprend avec des phrasés excités et une force fougueuse.