MAHLER Symphonie No. 2 Schäfer Boulez 4776004

Mahler's music is presented as only a real composer could do it -- architecture and structure like steel, but the whole thing singing with such heartfelt tempos, balances and orchestral detail that it makes you want to cry. Michelle DeYoung and Christine Schaefer are the inspired soloists; the Singverein is still the world's best Mahler chorus; and DG's engineers have managed to get 99 percent of that heaven-storming finale onto a single 4" disc. Sensational.

Was das für ein Glücksfall ist [dass Pierre Boulez und die Wiener Philharmoniker zusammengefunden haben], kann man auf der neuesten CD-Einspielung hören, in der Boulez mit dem Orchester Mahlers Zweite Symphonie im positiven Sinn "zelebriert". Erstaunlich ist an dieser Einspielung zuerst einmal der weiche, unprätentiöse und romantische Erzählton, der im Kopfsatz angeschlagen wird. Ganz ohne Eile läßt der Dirigent, der eben noch "Parsifal" (auch per tempo) entschlackt hat, die Themen vorüberziehen, macht stärker als andere Anklänge an Bruckner und Wagner hörbar . . . Seit jener elektrisierenden Jugendnacht, in der ich diese Symphonie zum erstan Mal in der Aufnahme mit Bruno Walter gehört hatte, hat sie nie wieder so spannend geklungen.

81 Jahre und kein bisschen leise: Wenn Pierre Boulez dirigiert, halten Luzidität und Wucht perfekte Balance. Für Mahlers zerklüftete Gefühlswelt erweist sich der analytische Formsinn des Altmeisters als ideal -- und was filigranen Klang angeht, ist auf die Wiener Philharmoniker Verlass.

Boulez, Komponist (!), Grandseigneur der französischen Avantgarde und Intellektueller, großer Kühler. Einer, dem selbst im Pathos der Zweiten, der ¿Auferstehungs¿-Symphonie, noch die Fotografie gelingt, das röntgenhafte Ablichten der überkomplexen Strukturen, ihre unbedingte Transparenz.