KARAJAN 1970s / The Complete Recordings 4791577

Dieser Mann kannte keine Kompromisse und war in seinem Streben nach Perfektion ein extrem harter Arbeiter. Das Ergebnis: Herbert von Karajan ist für viele Musikfreunde auch heute noch einer der besten Dirigenten aller Zeiten. Warum dem so ist, das lässt sich nun wieder wunderbar nachprüfen . . . eine Box, die das Genie Karajan in all seinen Facetten musikalisch auferstehen lässt . . . [eine melodische] Speisekarte, die Musikliebhaber einfach nur glücklich macht. Denn selbstverständlich sind nur die besten Orchester am Werk . . . eine Hommage an einen Giganten, der künstlerische Maßstäbe gesetzt hat. Zum Immer-wieder-Hören.

. . . [der Dirigent erweist sich] als kongenialer Interpret für die Musik der Zweiten Wiener Schule . . . Ob Bergs Expressivität, Schönbergs kühne Klangschichtungen oder die kristallinen Strukturen Weberns -- Karajan und die Berliner Philharmoniker bleiben dieser Musik nichts schuldig, weder an orchestraler Pracht noch an subtil herausgearbeiteten Details. Dass musikalische Moderne und sinnlicher Klang sich nicht widersprechen müssen, wird an diesen Aufnahmen einmal mehr deutlich . . . Im "Lied von der Erde" (mit der wundervollen Christa Ludwig . . . ) sowie in den Symphonien 4, 5, 6 und 9 begreift Karajan Mahler als Spätromantiker, der nur in der Übersteigerung der Mittel recht zu fassen ist. Genau dadurch aber erreicht er eine bemerkenswerte Intensität, etwa im dritten Satz der 4. Symphonie, dessen Sehnsuchtsklang er zunächst ins Unermessliche dehnt, bevor die Musik in den letzten Takten dieses Satzes gleichsam "der Welt abhanden" kommt und im Finale Edith Mathis auf unnachahmliche Weise die "himmlischen Freuden" besingt . . . Keine seiner sieben Aufnahmen von Tschaikowskys "Pathetique" erreicht jene tragische Tiefe wie die vom Mai 1976 . . . [Schumann & Mendelssohn / Symphonies]: exzellente Gesamtaufnahmen . . . Die Musik pulsiert und ist in ihrem vorwärtsstrebenden Drang von herrlich romantischem Geist durchdrungen . . . [J.S. Bach / Matthäus-Passion]: Seine betont langsamen Tempi versetzen den Hörer fast in meditative Trance. Der große Atem, zu dem Karajan so famose Sänger wie Peter Schreier, Dietrich Fischer-Dieskau oder Gundula Janowitz motiviert, tut ein Übriges, die Innigkeit dieser Musik beredten Klang werden zu lassen. Und der Silberglanz, mit dem er Christa Ludwigs herrliche Stimme bei "Erbarme dich, mein Gott" unterlegt, ist eine Klasse für sich . . . [ein] herausragender Bruckner-Dirigent . . . Eine Referenzeinspielung legte er ferner mit Strauss' "Vier letzte Lieder" vor, in der Gundula Janowitz' gläserner Sopran lyrische Fragilität mit großer Emphase vereint. Maßstabsetzend auch Karajans Verdi-Requiem . . . Trouvaillen der besonderen Art.