HAPPY NEW YEAR Operettengala Dresden CD+ DVD 4790929

Thielemann hat ein feines Händchen für den speziellen Operettenton, keine Frage -- doch die leichte Kost ist schwere Kunst . . . [Ingeborg Schöpf] ist bei Kálmán spürbar in ihrem Element . . . Der polnische Tenor hat genau den Schmelz in der Stimme, den diese Musik braucht. Ein bisschen Schmachten und Schluchzen gehört einfach dazu. Die osteuropäisch gefärbten Vokale von Beczala passen in diesem Fall ganz gut. Schließlich verströmt Kalmans Musik oft ein ungarisches Flair . . . [das] Programm der CD ist abwechslungsreich gemixt und macht nicht nur dem Publikum der Semperoper spürbar Spaß. Am schönsten sind die Momente, in denen Thielemann ein bisschen der Gaul durchgeht und er seine Musiker zu hitzigen Tempi antreibt: Dann bekommt Kálmáns Musik einen unwiderstehlichen Schwung.

Er hat sein Handwerk eben von der Pike auf gelernt . . . und Thielemann trifft auch bei Emmerich Kálmán wieder den rechten Ton: schmissig-feurig in den Csardas- und Polka-Stücken, seidig-geschmeidig bei den puccinesken Walzerkantilenen. Langsam ist Beczalas lyrischer Tenor im Repertoirebetrieb der großen Häuser gereift . . . jetzt steht er in der Blüte seines Könnens . . . Leidenschaftlich strahlt sich Beczala durch die Wunschkonzertnummern, bis der Saal rast.

. . . [Ingrid Schöpf]: Wahrlich ein würdiger Ersatz . . . [das Operettenkonzert] ist aber auch wirklich gelungen.

. . . wenn Schwergewichte wie Christian Thielemann Operette und Walzerseligkeit an prominentem Ort wie der Semperoper in Dresden mit erlesener Besetzung und detailverliebt einstudiert präsentieren, schlägt das Herz des Liebhabers höher . . . Operettenmusik unprätentiös auf Weltklasseniveau . . . das kurzfristige Einspringen der geballten Operettenkompetenz von Ingeborg Schöpf, erste Solistin der Staatsoperette Dresden, erwies sich als Glücksgriff, konnte ihr routinierter Sopran doch servieren, servieren, servieren, ganz so, wie man sich diese Gratwanderung des Gesangs -- ganz gleich ob von Sopran, Bariton oder Tenor -- wünscht mit der gefühlvollen Betonung einer jeden Phrase und das, ohne dabei sentimental zu werden. In einem Riesenprogramm war sie in den Ohrwürmer-Duetten Kálmáns nicht nur stets eine Partnerin für Piotr Beczala auf Augenhöhe, sondern konnte auch mit dem heiklen Auftrittslied der Csardásfürstin Stimmglanz in das Rund der Staatsoper schmettern, der den ersten großen Jubelsturm des gut gelaunten Silvesterpublikums [hervorrief] . . . [ein] wunderbarer Streifzug durch das kompositorische Schaffen des unvergleichlichen Emmerich Kálmán . . . Ein Glücksfall, dass die Schöpf sich auch auf die kaum aufgeführten Nummern aus der "Herzogin von Chicago" oder der "Kaiserin Josephine" verstand wie auf das temperamentvolle "Carambolina, Caramboletta" aus dem "Veilchen vom Montmartre". Das machte Stimmung ebenso wie die abwechslungsreichen Tempovarianten, die Christian Thielemann in brillanter Fahrt mit der Staatskapelle aufnahm . . . Schnell hatte auch Tenor Piotr Beczala den Bogen raus für seinen Part am Gelingen dieses fulminanten Konzerts: einschmeichelndes Timbre mit Höhenglanz und effektvollen Schlusstönen -- das Temperament dazu kam von Kálmán und Thielemann, der Esprit vom Sopran . . . wenn Thielemann nun schon im dritten Jahr den Strauß-Walzer op. 477 "An der Elbe" zum Abschluss erklingen lässt, scheint eine Tradition begründet. Die neueste Interpretation ist am subtilsten gelungen, was Dynamik und Temporückungen betrifft, die die Mitglieder der Staatskapelle mit Delikatesse umsetzen . . . eine besondere Empfehlung wert.

Große Emotionen, raffinierte Klangwirkungen sind [Thielemann] wichtig. Aus ihnen formt er Interpretationen, die keinen Zuhörer unberührt lassen . . . Als sensibler Partner von Sängern ist Thielemann durchaus Karajan vergleichbar . . . [Thielemann vermag] auch Franz Lehár und Emmerich Kálmán so inspiriert, vergnügt, detailverliebt zu dirigieren . . . dass die Qualität dieser Musik endlich wieder zu hören ist und nicht bloß ihre Schlagertauglichkeit.