CHOPIN The Complete Preludes / Blechacz

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FRÉDÉRIC CHOPIN

The Complete Preludes

2 Nocturnes op. 62
Rafal Blechacz
Int. Release 01 Oct. 2007
1 CD / Download
0289 477 6592 9 CD DDD GH
International Warsaw Chopin Competition winner Rafal Blechacz makes his first recording for Deutsche Grammophon


. . . the wait has been worthwhile. Blechacz . . . seeks the inner voice of the A minor and E minor preludes, drawing the listener beneath the glistening surface and towards a heart of unsuspected darkness. In the agitated 1st and 8th preludes, he is fast but never flash and in the cantabile 21st he is unaffectedly lyrical. There is something authentically Polish in his prudent, bucolic understatements . . . Blechacz plays two bonus Nocturnes of breathtakingly slow and soft audacity. This is a real artist in the making.

DG's sound is as immaculate as the playing . . .

Blechacz is a superlative pianist but an even finer musician, and this is playing of exceptional clarity and expressive beauty. Everything Blechacz does seems natural and organic, and his ability to phrase Chopin's long lines with an inner sense of time and space is a constant joy. Blechacz brings an aristocratic refinement and elegance to the Preludes, in both the lyrical pieces (Nos. 4, 6 and 15) and those with swathes of notes (Nos 3, 8 and 10) His classical approach is a pole apart . . . Blechacz's playing exudes subtlety and musical insight . . . Blechacz again reveals his expressive ease in the two Nocturnes Op. 62, where his blend of classical restraint and Romantic vulnerability is magical. The sound throughout is as vivid and natural as the playing.

. . . his performance of the Préludes is remarkably full-blooded, exploiting every ounce of sonority, with beautifully controlled pedalling, and there are some wonderful touches with sudden and ravishing changes of colour (in the Third Prélude particularly). What is most striking is the musical confidence of this young firebrand. Technical difficulties are clearly not an issue and even the most hesitant and tentative of the Préludes are delivered with an autocratic sureness of interpretation and of touch, with a strong resonant bass coupled with rich bel canto treble melodies.





"Für sein Alter ausgesprochen reif". Derartige Kommentare säumen seinen Weg durch die großen Konzertsäle . . . Blechacz war zwanzig, als er 2005 die Konkurrenz beim Wettbewerb geradezu deklassierte. Juroren wie der erzseriöse Beethoven-Spieler John O'Conor erhitzten sich erheblich -- das sei einer der größten Pianisten, die er in seinem ganzen Leben gehört habe . . . Da weht uns eine Stilstrenge, eine ernste Unverspieltheit an, die doch ungewöhnlich ist. Nicht bloß für seinen Alter, sondern für unsere Musikwelt.

Man kommt vom Chopin-Spiel dieses naiven Poeta doctus nicht los. Die dezenten Lyrismen, der gebundene Klang von Blechacz verströmen den behüteten Charme eines melancholischen Augenzwinkerns, gleichsam ein Lächeln verstohlener Tränen. Das trifft man in der heutigen, medial gestählten Klassik-Welt beinahe nirgendwo sonst. Sein prononciert dunkler, runder Ton versenkt sich rückhaltlos in ein intensives, gewähltes . . . Ausdrucksspektrum. Innerhalb dessen findet er . . . zu erstaunlicher Erzählkraft . . . So technisch tadellos und unfehlbar Blechacz zwischen perlender Eloquenz und nachdenklicher Empfindung unterscheidet, so geerdet und ungekünstelt bleibt dieser Chopin . . . Seine CD zählt zu den habenswertesten der letzten Jahre.

Schlichte Schönheit verbindet sich so mit erstaunlicher Präzision. In Blechacz' Spiel ist nichts Zögerliches, wenig Juveniles. Man darf bereits auf sein zweites . . . Album gespannt sein.

Man hat sie oft gehört, aber selten zuvor mit derart eleganter Präzision, was Stil, Technik, Nuancenreichtum und Farbschattierung betrifft. Der Vortrag hat Poesie, Brillanz und Nachdenklichkeit, jede der Miniaturen ihren eigenen Charakter. Chopin lässt in dieser Interpretation seinen ganzen wehmütigen Charme hören.

Der Chopin des 22-jährigen polnischen Pianisten ist voller Ernsthaftigkeit der Jugend. Aber auch ungestüm, markant und drängend und geprägt von spielerischer Leichtigkeit. Ein sehr charaktervolles und facettenreiches Debüt.

. . . Blechacz gehen diese Préludes perfekt von den Händen . . . Passagen wie die Terzenläufe im Finalstück der 24 Préludes geraten ihm . . . so brillant, dass man . . . verführt ist, zurück an die Begeisterung der Kritiker nach Chopins Pariser Debüt zu denken . . .

. . . die vertrackten, tief poetischen Kabinettstücke seines Landsmanns spielt er wie ein Alter: Mit viel Sinn für Architektonik, vorbildlicher Kunst des Anschlags und eminenter Ausdrucksfreude ist Rafal Blechacz eindeutig der Klavier-Newcomer des Jahres.

Für sein jugendliches Alter liefert der 22-Jährige eine erstaunlich reife und geschlossene Lesart des Zyklus, die die vielen unterschiedliche Facetten dieser wahrlich revolutionären Aphorismen-Sammlung technisch völlig mühelos in eine große poetische Einheit einbindet . . . Blechacz ist ein zärtlicher Chopin-Flüsterer . . .

Aus dem ein Ganzes zu formen stellt ein Kunststück dar, das Blechacz souverän gelingt. Er versagt sich alles Blenden und falsches Sentiment, spielt dafür sensibel und feinnervig und schafft mit einer genialisch anmutenden Intuition Kontraste, indem er die Stücke fast ineinander übergehen lässt und das Folgende aus dem zuvor gespielten ableitet.

Das Debüt von Rafal Blechacz bei der Deutschen Grammophon ist voll der leisen Wunder. Man höre etwa das B-Dur-Prélude mit seinem plötzlich in leuchtendes Pianissimo abtauchenden Mittelteil. Oder das späte cis-Moll-Prélude op. 45 in seiner unerhört verinnerlichten Zartheit . . . Die wahrlich geschundene As-Dur-Polonaise hat man kaum einmal derart kernig und zwingend gehört. Ein elementarer, die Proportionen wahrender Kraftausbruch.

Poetische Gelassenheit zeichnet sein Spiel aus, ein Vertrauen in die Substanz der Miniaturen, denen uneitel Leben eingehaucht wird. Trotz der Unzahl an vorhandenen Aufnahmen -- es braucht Künstler, die Werke in die Jetztzeit tragen, sie live präsentieren können und auch im Studio überzeugen. Blechacz gehört dazu . . .

Blechacz . . . spielt die Konzerte paradoxerweise demutsvoll und spontan . . . die Kunst steckt im nie ostentativ ausgestellten Detail. Sanft, aber insistent wird hier mit Rubatorückungen gespielt, Blechacz leistet sich Gefühl, drückt aber nie auf die Sentimenttube und vermeidet aufgesetzte Bizarrheit. Ein so origineller wie souveräner Grenzgang . . .

. . . seine Interpretationen wirken in ihrer Seriosität wie eine Fortsetzung des Zimerman'schen Ethos in der Causa Chopin. Jedes oberflächliche Gestikulieren, jedes virtuos-effektheischende Gebaren ist ihnen fremd. Es waltet, und das in beiden Klavierkonzerten, tiefer, tief bewegender Ernst, es waltet lyrische Innerlichkeit. Die Werke werden nicht einfach zur Schau gestellt, also "demonstriert". Nein, sie werden vielmehr in ihrer Struktur, vertikal wie horizontal, ergründet. Das Chopin-Bild, wie es durch zahlreiche künstlich aufgeschäumte "Interpretationen" in immer größere Schieflage gebracht wurde, kommt so wieder an seinen rechten Platz. Und es wird -- auch wegen der äußerst dezenten Begleitung durch das Amsterdamer Concertgebouw Orchestra unter dem behutsamen Jerzy Semkow, glaubwürdig evident, dass dieser Komponist kein emotional übersteuerter Neurotiker war, sondern durch und durch ein Erbe des Romantikers Beethoven. Dies gleichsam in eine Art von musikalischer Kammerszene gesetzt zu haben, dafür darf, ja muss man Rafal Blechacz danken.

. . . [er trifft] den archimedischen Punkt, jene Mitte, die keine noch so raffinierte Brillanz "einfach so" erreicht. Man höre sich nur den Einstieg in den langsamen Satz des zweiten Konzerts an: Das ist lyrisch intensiv, hat großen Atem -- und jenes Equilibrium von schlanker, ritterlicher Eleganz und Melancholie, die Chopins geistiges Zentrum ausmacht. Es stellt sich der Eindruck einer zweiten Natürlichkeit und Herzlichkeit ein --hell, frisch, beschwingt in den Ecksätzen --, die nicht aufgeputzt oder forciert zergrübelt und auch nicht durch übermäßiges Pedal in die titanische Ecke befördert wird. Und wie Blechacz in der Coda des f-Moll-Konzerts den Terzruf des Horns aufnimmt und konsequent durchführt -- das zeigt, wie viel Gestaltungsenergie er jenseits des reinen Spiels mobilisiert.

Der Pole Rafal Blechacz gewann 2005 den Warschauer Chopin-Wettbewerb. Seitdem hat er sich phänomenal weiterentwickelt . . . Seitdem ist Blechacz oft in seiner Hauptrolle als Chopins jüngster Testamentsvollstrecker tätig geworden. Er hat mehrere Kontinente erobert, ein solcher Sieg ist ein Katapult, das einen hoch fliegen lässt. Trotzdem hat der junge Mann sich erstaunliche Bodenhaftung bewahrt, hat seine Herkunft, die Bescheidenheit, nie aus den Augen verloren . . . Wer bei Blechacz genau hinhört, erkennt eine singuläre Begabung darin, wie er sich genaueste Gedanken über den Klang macht . . . Sein Spiel hat etwas früh vollendet Distinguiertes, eine fast unheimliche Genauigkeit des Erzählens. In keinem Takt ist Blechacz ein Salonkuschler oder ein geschmeidiger Lieferant jener Poesie, die tief in Gefühl getränkt ist. Vielmehr herrscht da eine wunderbare Deutlichkeit, eine fliegende Transparenz, als fahre ein Computertomograf mit rasender Geschwindigkeit um die Musik herum und taste sie auf ihr Relief und ihre inneren Strukturen ab . . . Durch die Sechzehntelkurven in der linken Hand des G-Dur-Prélude [von Chopin] ist kaum jemals zuvor ein Pianist so unwattiert, so brillant und pedalfrei geeilt wie Blechacz . . . Blechacz erfüllt durch sein flammend-klares Piano. Anderswo hat man das Gefühl, hier verstehe ein junger Pianist bereits tiefste Geheimnisse. Wie er im düsteren cis-moll-Mittelteil des berüchtigten Regentropfen-Prélude (das er gänzlich unmanieriert und zügig vorträgt) eine Mittelstimmen-Melodie abtönt, von der man eidesstattlich erklären möchte, dass sie in dem Stück nicht vorkommt -- das ist Klavierspiel der Sonderklasse. Und aus dem wiederholten tiefen As im Schlussteil des As-Dur-Prélude macht er einen regelmäßig in die unverdächtige Lyrik hallenden Gong aus einer anderen Welt; und der Hörer wundert sich, wieso das so schön und geistvoll noch kein anderer gespielt hat . . .

. . . Son jeu se caractérise par son intériorité, son sérieux et par une volonté de ne sombrer dans aucun des écueils qui se dressent sur le chemin d'un interprète de Chopin. Rafal Blechacz se tient donc à bonne distance de tout sentimentalisme, de tout clinquant et de toute affectation . . . Ses Préludes sont remarquables par leur densité, leur qualité de chant . . . Le Prélude op. 45 est excellent . . . chapeau l'artiste! Rafal Blechacz est incontestablement un talent qu'il faudra suivre de très près.


    “I FEEL AT HOME PLAYING CHOPIN”


    A young Polish pianist makes his Deutsche Grammophon debut

    In October 2005 an unassuming young man from the small northern Polish town of Nakło - concentrated yet open, modest almost to a fault - arrived in Warsaw for the 15th International Chopin Competition. I had heard him for the first time three months earlier and, although I did not know at the time who else would be participating, I was already certain that Rafał Blechacz would be among the competition's finest interpreters. His playing offered such poetry, maturity, poise and concentration as well as a phenomenal technique - sparkling, precise, luminous.

    Since Krystian Zimerman won the 9th Competition in 1975, no Polish artist had emerged whose Chopin could sweep listeners away with a fresh approach, compelling personality and, above all, interpretative honesty. These attributes - coupled with his uncommon attitude of humility towards the music and the composer - seem to have characterized Rafał Blechacz's Chopin from his first involvement with it, and in Warsaw in 2005 they enabled him to garner all of the major prizes. In recognizing his exceptional talent, the jury decided for the first time in the competition's history not to grant a second prize. Observing him there and listening to his interpretations, one was convinced that they closely approached a Chopinesque ideal.

    “It has been a long, natural process," says Rafał, “which began with the B major Nocturne op.32 no.1. But my view of Chopin was enriched by performing the music of other composers, especially Bach, the three great Viennese Classical composers and Debussy, for whom the control of colour and moulding of the sound are so essential." Blechacz impressed me with his interpretations of Viennese Classics during one of his recitals following the competition, and with an emotional poise rarely achieved by one so young. But it was in the Chopin group that I immediately sensed a union of kindred spirits: composer and performer. “Yes, I feel at home playing Chopin," he says. “Somewhere in my intuition, subconsciously, I feel that this is the way it should sound."

    Growing up far from a major cultural centre, Blechacz was able to develop his talent in a conducive setting. His parents, neither of them musicians, provided him with the ideal environment for devoting himself to his work. They bought him recordings, drove him to piano lessons and took him to concerts. He commuted to Bydgoszcz, studying there initially with Jacek Polañski at the Artur Rubinstein High School, and then with Katarzyna Popowa-Zydroñ at the Bydgoszcz Music Academy, finishing his studies with her there at the end of June 2007.

    “My professor opened the gates of art to me, including the vital importance of pianistic tone colour when she introduced me to Debussy. This helped prepare me for Chopin. I began to study his music under her tutelage and worked up my competition programme with her. Although the Chopin Competition is something sacred to us Poles, my teacher and I treated it as just one more stage in my development. There are many other competitions after which one could also begin a concert career. Mme Popowa-Zydroñ had always stressed this fact, adding: 'You could lose in every competition, but it is most important for you not to lose your love of music.'"

    In Warsaw, Rafał was completely absorbed in his carefully assembled programme; his playing was never tentative or artificial. Perhaps only he was somewhat taken aback by his unprecedented success. “I did not expect so much," he says, “maybe because I didn't take part in all the surrounding hubbub. After each performance I went back home to Nakło. I rested, walked in the woods, didn't listen to the radio or read the newspapers. It was only at home afterwards that the realization dawned that my greatest dream had come true. And only then did I understand how many new challenges I now faced. Krystian Zimerman sent me a beautiful letter of congratulation and wrote that I could count on his help. Recently we spent a few days together. We talked and worked a lot. I feel that I have found a true friend."

    In addition to a flood of recital and concert invitations, Blechacz's victory in Warsaw brought him a contract with Deutsche Grammophon. “It's exciting but a little overwhelming that my music will now become available to everyone and will be the subject of analysis and criticism. That's a great responsibility and the reason why - just as at the competition - I have tried to be as physically and mentally prepared for this recording as possible."

    Why did the pianist choose the Preludes for his debut CD? “They're endlessly fascinating - their great variety encompasses so many different ideas. I've tried to shape the miniatures of op. 28 into a unit, a single entity having its own internal tension and drama. The Nocturnes of op. 62 I've been familiar with for a long time and feel that I've discovered a convincing way of interpreting these multi-faceted masterpieces. In these two works Chopin was far ahead of his time in terms of both harmony and colour. The B major invites comparisons with Impressionism."

    When asked whether he favours a Classical or Romantic style of Chopin playing, Blechacz unhesitatingly opts for the former. “Not only extroverted interpretations but also introverted ones with inner discipline can leave the listener fulfilled. Mine is closer to what I would call a Mendelssohnian perspective, perhaps due to my earlier experience with the Classical repertoire. I have always strived to keep the musical form intact while bringing out as much detail as possible. When everything is laid out clearly and straightforwardly, it is so much easier to convey the emotions contained within a composition. That doesn't mean that I reject the Romantic style. I may not be as extroverted as some of the Russian pianists, but I think there will come a time for me to play Rachmaninoff."

    Adam Rozlach
    8/2007