GULDA plays BACH

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JOHANN SEBASTIAN BACH

Englische Suiten
English Suites
Nos. 2 BWV 807 + 3 BWV 808

Italienisches Konzert, BWV 971

Toccata c-moll, BWV 911

Capriccio sopra la lontananza
del suo fratello dilettissimo,
BWV 992

F. GULDA: Prelude and Fugue
Friedrich Gulda
Int. Release 01 Oct. 2008
1 CD / Download
CD ADD 0289 477 8020 5 GH partly MONO


Track List

Johann Sebastian Bach (1685 - 1750)
English Suite No.2 in A minor, BWV 807

Italian Concerto in F, BWV 971

10.
0:00
3:16

Toccata in C minor, BWV 911

11.
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3:15

English Suite No.3 in G minor, BWV 808

18.
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3:02

Capriccio in B flat, BWV 992 "On the departure of a dear brother"

Friedrich Gulda (1930 - 2000)
Prelude and Fugue

25.
0:00
1:54

26.
0:00
2:31

Friedrich Gulda

Total Playing Time 1:12:25

Die Englischen Suiten zwei und drei, das "Italienische Konzert" und anderes mehr intoniert der Künstler in seiner mitreißenden Leicht- und Luftigkeit, die sich geradezu mysteriös mit einer Durchschlagskraft paart, neben der kein Widerspruch keimt. Als Zugabe, für viereinhalb ungebärdige Minuten, rasselt, rattert und rumort eines der Jazz-Präludien mit Fuge von des Pianisten eigener Hand vorbei: schlagender Beweis dafür, dass Gulda nicht nur ein erstklassiger Interpret Bachs, auch sein brillanter Schüler war.

The earliest recorded work, the Bach C minor Toccata from 1955, is superb. Its Adagio is lyrical and flows beautifully. The fugue is masterfully played, with an imaginative echo effect in the fugue subject that becomes more and more effective as the fugue texture thickens. As the character of the lengthy fugue changes, Gulda's sound and mood changes with it. This Toccata performance ranks among the best recordings of this work and holds one's attention from beginning to end . . . Gulda's own Prelude and Fugue concludes the programme and . . . the prelude is virtuosic with many splashy arpeggio passages . . . Gulda tosses the work off effortlessly and with great flair. Overall, this CD presents a fair overview of Gulda's approach to Bach and demonstrates how that approach changed over the years. The Toccata alone may make the CD worth purchasing, though it is only ten minutes long . . . The accompanying booklet essay by the pianist's son Paul offers a personal perspective on Gulda's career and relationship to music. Recorded sound is excellent both in the studio and live performances.

. . . his Bach is of a crystalline clarity combined with an innate musicality that erases all possible dryness or pedantry. The Italian Concerto's opening Allegro is both sturdy and magnificently assured, the central Andante magically fine-spun while the final Presto is a marvel of exuberant virtuosity . . . throughout all these performances you are made gloriously aware of Bach as a contemporary, a composer for all time . . . Excellently recorded and lavishly illustrated, this special disc is part of "an ocean of music" (Argerich) left by a very special pianist.

Gulda attacks Bach allegros with relentless pulse and arid articulation, briefly hypnotic . . . Gulda's own jazz-Bach fugue is fun.

Er schien alles zu können -- und obendrein hatte er noch einen eigenen Ton . . . Nicht, dass es irgendwelche Zweifel an Guldas stupender Interpretation des berühmten "Italienischen Konzerts" BWV 971 gegeben hätte. Doch wie technisch überragend und swingend zugleich Gulda hier den barocken Tasten-Ohrwurm durchfegt, das fängt jenen quirligen Geist ein, der seine Konzerte und sein Denken bis in die späten Jahre durchzog. Gulda liebte neben der Klassik den Jazz heiß und innig, und hier kann man es deutlich hören. Oft "swingten" seine Bach-Interpretationen beinahe mehr als seine eher umstrittenen Jazz-Versuche. Größte Kontrolle und ein freies, entspanntes Feeling -- das brachte in der strengen Barockform viel sprühendere Ergebnisse als bei Blues und Bop. Auch die beiden "Englischen Suiten" Nr. 2 und Nr. 3 blühen unter Guldas Fingern zu farbenprächtigen Gewächsen auf, jedes Detail, jede Idee glänzt makellos. Tempo und Aufbau gelingen ihm ebenso lebendig wie logisch. Guldas Bach atmet . . . Wer diese kristallklare Interpretation hört, staunt, wie nahe sich ein noch junger Wilder wie Gulda und ein großer Alter des Pianos kommen können, wenn es um Bach geht . . . Wie sehr der sonst abenteuerlustige Friedrich Gulda sich bei Bach zu Hause fühlte, zeigen auch "kleine" Stücke wie das hier vertretene Capriccio B-Dur BWV 992, das zwischen verhangen intimen und übermütig tänzerischen Tönen die spielerische, liedhafte Seite des Thomaskantors zeigt. Guldas Können vereint diese verschiedenen Ebenen Bachs mit leichter Hand.

Es sind genialische Zeugnisse eines anderen, stets unterschätzten Bach-Radikalen und unwiderrufliche Beweise dafür, dass Kathedralen swingen, dass Fugen "gehen" und atmen können.

Den ganzen Bach wie in einer CD-Nussschale, das zu erfassen war freilich wieder nur einem solchen Ausnahmepianisten wie Friedrich Gulda vergönnt . . . Guldas Spiel atmet Können und Wissen, Witz und Individualität, Demut und Neugier, Tiefsinn und Freude . . . und natürlich auch ein launig jazzimprovisierter Bach-Seitensprung à la Gulda.

Da herrscht eine faszinierende Synthese zwischen architektonischer Strenge und innerer Durchlässigkeit, zwischen mathematischer Logik und lustvollem Bewegungsdrang, zwischen rigoroser, aufklärerischer Deutlichkeit und Demut vor Bachs Metaphysik. Diese Dialektik von Form und Freiheit erreicht ihren Höhepunkt in den beiden Fugen des Programms. Sie entpuppen sich als höchste Form gestalterischer Freiheit und als Quintessenz von Guldas eigener musikalischer Philosophie -- gewissermaßen als Traum des Jazzers von formaler Perfektion. Und deshalb spielt sie Gulda wie sein gesamtes Bach-Programm apollinisch und dionysisch zugleich: lustvoll virtuos, zugleich streng und gemessen und mit einer kompromisslosen Prägnanz, die die innere Logik des Bach¿schen Kontrapunkts als zutiefst menschlichen, energisch-zielgerichteten Lebensmotor entschlüsselt.

Vor genau einem Jahr habe ich hier die postum aufgetauchten Mozart-Tapes von Friedrich Gulda als diskographische Sensation des Jahres gefeiert. Jetzt erteilt uns der unsterbliche Querdenker eine ähnlich klare und rigorose Lektion als genialischer Bach-Interpret: Sein Sohn Paul hat da einen Bach-Sampler aus historischen Konzertmitschnitten und Berliner Studioproduktionen aus den Jahren 1955 bis 1970 (in guter Mono-Qualität) zusammenmontiert, der ganz und gar "unphilologisch" einer inneren Dramaturgie folgt und gerade darum schon nach dem ersten Durchlauf sich wie eine Droge ins Gehirn einnistet und einen nicht mehr loslässt . . . in der vorliegenden Auswahl wirkt er noch befreiter, noch lebendiger, noch unbefangener und radikaler. In den Englischen Suiten Nr. 2 und 3 etwa kombiniert er barocke Sinnlichkeit und pralle Lebensfreude mit archaischer Strenge und knochentrockener Deutlichkeit ¿ und findet die ideale Synthese zwischen Geradlinigkeit, choreographischer Anmut und stiller Innerlichkeit. In den beiden Fugen (der c-Moll-Toccata und im frühen "Capriccio") entfaltet er eine faszinierende Dialektik von Bodenhaftung und innerer Mobilität, von mathematischer Logik und virtuoser Spielfreude, von strengster Architektur und lustvollem Bewegungsdrang. So erbringt Gulda den unwiderruflichen Beweis, dass Bachs kontrapunktische Mysterien keine Kopfgeburten sind, sondern stets menschlich bewegte, pulsierende, swingende Kathedralen. Das ist heidnisch und christlich zugleich, aufklärerisch und voller Demut: Apoll und Dionysos, Kepler und der liebe Gott -- eben Guldas Bach-Planetarium.

Avec quelle jubilation physique Gulda s'empare des polyphonies du Cantor pour en livrer une vision radieuse, solaire! Au studio comme au concert, le bonheur éprouvé par l'interprète s'avère formidablement communicatif et l'assemblage de ces bandes réparties sur un peu plus d'une décennie aboutit à un résultat d'une profonde homogénéité musicale . . . liberté rigoureuse qu'atteste par exemple l'intelligence rhétorique avec laquelle est menée la Toccata en ut mineur . . . Esprit de fantaisie, tonicité, imagination sonore: le Bach de Gulda a du "duende" . . . Un Bach aussi précieux que les Mozart inédits précédemment publiés par DG.