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HILDUR GUÐNADÓTTIR GEWINNT ERSTEN EMMY FÜR GEFEIERTEN SOUNDTRACK ZU CHERNOBYL

18 September 2019: Der Chernobyl-Soundtrack der Komponistin, Cellistin und Sängerin Hildur Guðnadóttir wurde mit einem EMMY ausgezeichnet in der Kategorie »Beste musikalische Komposition für eine Miniserie, einen Fernsehfilm oder ein Special«. Nominiert waren für den Creative Arts EMMY außerdem David Arnold (Good Omens), T Bone Burnett (True Detective), Kris Bowers (When They See Us) und Edward Shearmur (Escape at Dannemora). Die Verleihung fand im Microsoft Theater in Los Angeles statt. Die Miniserie erhielt insgesamt sieben Preise. Chernobyl ist ferner nominiert für die Primetime EMMYs am nächsten Sonntag, darunter als »Beste Miniserie«.

Zu ihrem Erfolg sagte Guðnadóttir: »Die Reaktionen auf die HBO-Miniserie Chernobyl diesen Sommer zu verfolgen war wunderbar. Ich nahm die Bausteine für den Soundtrack mit Chris Watson auf, einem Spezialisten für Außenaufnahmen, und mit Sam Slater, dem Produzenten, und zwar in dem stillgelegten Kernkraftwerk Ignalina in Litauen, wo die Serie auch gedreht wurde. Die gewaltige Fläche des Werkgeländes wirkte zurück auf die Musik: Wir nutzten letztlich gar keine klassischen Instrumente, stattdessen wurden die Aufnahmen selbst in Musik verwandelt. Meine Stimme war das einzige traditionelle instrumentale Element, sie wurde anschließend bearbeitet durch sogenannte Impulsantworten, die wir auf dem Gelände aufgenommen hatten. Die Katastrophe selbst findet in der Serie eine angemessene und realistische Darstellung. Ich wollte unbedingt, dass die Musik dem entspricht. Ich wollte dem Zuschauer deutlich machen, wie es sich anfühlt, dort zu sein, und diese Geschichte von Angst und Verlust und von menschlichem Versagen erzählen.«

Guðnadóttirs spannungsreicher, unheimlicher Soundtrack spielt einen maßgeblichen Part in der klaustrophobischen und auch überwältigenden Dramatik von Chernobyl. Die in Berlin ansässige Musikerin verbrachte vor Drehbeginn einen ganzen Tag im Schutzanzug auf dem Gelände, begleitet von Slater und Watson. Watson ist ein Gründungsmitglied der einflussreichen Industrial-Pioniere Cabaret Voltaire und außerdem bekannt für seine Arbeit während der letzten beiden Jahrzehnte an David Attenboroughs berühmten Naturdokumentationen.


Christian Badzura, Senior Director New Repertoire bei Deutsche Grammophon, erklärt: »Hildur hat einen Soundtrack von eindringlicher Schönheit geschaffen, der überwiegend auf Außenaufnahmen basiert. Die innovative und kohärente musikalische Sprache ist so intensiv mit den Bildern des Films verknüpft, dass sich das Visuelle und die Musik zu einem einzigen ästhetischen Erlebnis verdichten.«

Guðnadóttir hat in den vergangenen zehn Jahren eine ganze Reihe von Soundtracks komponiert, zuletzt für Todd Phillips’ Joker, der im Oktober weltweit erscheint. Guðnadóttir schrieb auch die Musik für Sicario: Day of the Soldado (2018; dt. Sicario 2), eine Fortsetzung von Denis Villeneuves Meisterwerk von 2015, Sicario, für das ihr 2018 verstorbener Landsmann, Freund und regelmäßiger musikalischer Partner Jóhann Jóhannsson den Soundtrack komponierte. Guðnadóttir arbeitete mit vielen angesehenen Künstlern zusammen, beispielsweise mit Nico Muhly, Ben Frost, The Knife, Sunn O))) und Hauschka.

Frank Briegmann, CEO & President Universal Music Central Europe und Deutsche Grammophon, gratuliert Guðnadóttir zum Gewinn des Emmys und hebt ihren Anteil an der realistischen Dramatik von Chernobyl hervor. »Herzlichen Glückwunsch an Hildur zum Gewinn des Emmy. Ihr Score zu Chernobyl ist von einer atemberaubenden Intensität, und sie sprengt mit diesem Werk die Grenzen ihres ›Heimatgenres‹, der klassischen Musik, und ist in neue musikalische Welten aufgebrochen. Mir und dem gesamten Team der Deutschen Grammophon ist es eine Ehre und Freude, Hildur dabei begleiten zu dürfen.«





OPUS KLASSIK – Die Preisträger 2019 stehen fest

Am 13. Oktober 2019 wird der diesjährige OPUS KLASSIK im Konzerthaus Berlin verliehen. Ausrichter des Preises ist der Verein zur Förderung der Klassischen Musik e.V., in dem Label, Veranstalter, Verlage und Personen der Klassik-Welt vertreten sind. Ausgezeichnet werden im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung außerordentliche Künstler und Leistungen aus dem Genre Klassik.

Gewinner des OPUS KLASSIK 2019

Wie der Verein zur Förderung der Klassischen Musik am 2. September bekannt gab, zählt Andreas Ottensamer als “Instrumentalist des Jahres (Klarinette)” zu den Preisträgern.

"Man macht klassische Musik nicht für die Preise und Anerkennungen, aber der OPUS KLASSIK bietet die ideale Veranstaltung, um die Musik selbst zu zelebrieren, gemeinsam Projekte des letzten Jahres zu feiern, und auch den Teams hinter den Projekten Anerkennung zukommen zu lassen", so Ottensamer, der den Preis für sein Album “Blue Hour” entgegen nehmen darf.

Zudem ausgezeichnet werden die weiteren DG Künstler Nadine Sierra als “Nachwuchskünstlerin Gesang”, Pianist Víkingur Ólafsson für seine solistische Einspielung “Johann Sebastian Bach” und Bryn Terfel in der Kategorie “Klassik Ohne Grenzen”.

Neben den 2019 neu eingeführten Kategorien “Komponist des Jahres” und “Innovatives Konzert des Jahres” wird auch erstmals ein OPUS KLASSIK für den “Videoclip des Jahres” in Kooperation mit dem Streaming-Anbieter IDAGIO verliehen; ausgezeichnet wird Lang Langs Musikvideo zu “Für Elise”.



Festliche TV-Gala

Die Preisverleihung des OPUS KLASSIK 2019 findet am 13. Oktober im Konzerthaus Berlin statt und wird vom ZDF zeitversetzt ab 22:15 Uhr übertragen. Die Moderation übernimmt wie schon im Vorjahr Thomas Gottschalk. Live im Konzerthaus oder im heimischen Wohnzimmer im TV werden u.a. Auftritte der Preisträger Andreas Ottensamer und Nadine Sierra zu verfolgen sein.





AUFTAKT ZUM BEETHOVEN-JAHR 2020: DEUTSCHE GRAMMOPHON FEIERT DEN  50. GEBURTSTAG DES KOMPONISTEN MIT EINEM UMFASSENDEN PROGRAMM

 

 

»Musik für unsere Zeit und alle Zeiten« – Andris Nelsons

 

3. September 2019 (Bonn)Deutsche Grammophon stellte heute im Rahmen einer exklusiven Veranstaltung im Beethoven-Haus Bonn ihre Kampagne Beethoven 2020 vor. Sie steht am Beginn einer neuen Partnerschaft zwischen dem Forschungszentrum und dem Label, das mehr Werke von Beethoven eingespielt hat als jedes andere. VIP-Gäste und internationale Medien waren eingeladen. Präsentiert wurde The New Complete Edition – eine bemerkenswerte Anthologie mit mehr als 250 Künstlern und 175 Stunden Musik. Anwesend waren ferner die vier Impulsgeber der Festlichkeiten: der weltbekannte Dirigent Andris Nelsons; der gefeierte Geiger und künftige Präsident des Beethoven-Hauses Bonn, Daniel Hope; Malte Boecker, der Geschäftsführende Direktor des Beethoven-Hauses Bonn und Künstlerische Direktor von BTHVN2020; und der Präsident von Deutsche Grammophon, Dr. Clemens Trautmann.

Herzstück der Kampagne ist Beethoven – The New Complete Edition, die am 8. November 2019 erscheint. Die 123 Discs umfassende limitierte Edition entstand in Partnerschaft mit dem Beethoven-Haus Bonn und wurde in Zusammenarbeit mit Decca und zehn weiteren Labels erarbeitet. Prof. Dr. Christine Siegert, Direktorin des Beethoven-Archivs, schrieb den begleitenden Essay. Die Anthologie ist die gegenwärtig aktuellste und umfassendste Werksammlung von Beethovens Œuvre, eingespielt wurde seine Musik von einigen der größten Interpreten der Welt: von Böhm bis Brendel, Menuhin bis Mutter, Perahia bis Pollini. Vorgelegt wird außerdem eine Reihe von Welt-Ersteinspielungen – Starpianist Lang Lang interpretiert das wenig bekannte Menuett in C-Dur (WoO 218), während Daniel Hope neun Fragmente und Sätze aufführt, darunter den letzten musikalischen Gedanken, den Beethoven vor seinem Tod notierte. Die Stücke sind ab sofort digital in dem Album »Rarities« erhältlich, ein Großteil der anderen Aufnahmen des Boxsets wird in den kommenden Monaten ebenfalls digital veröffentlicht.

 

»Die in enger Abstimmung mit dem Beethoven-Haus Bonn kuratierte Auswahl preisgekrönter Einspielungen, rarer Kostbarkeiten und bislang unveröffentlichter Neueinspielungen ist eine Quelle musikalischer Inspiration und der Ausgangspunkt für eine umfassende Entdeckungsreise zu Beethovens Kosmos«, sagt Malte Boecker vom Beethoven-Haus Bonn. Daniel Hope fügt hinzu, es sei »eine Ehre, neu entdeckte Werke Beethovens zum allerersten Mal aufgenommen zu haben, und das in Verbindung mit der sorgfältigen wissenschaftlichen Arbeit des Beethoven-Hauses Bonn«.

Zum Trailer für The New Complete Edition HIER


Neben dem Boxset gibt es eine große Zahl bedeutender neuer Veröffentlichungen. Andris Nelsons und die Wiener Philharmoniker nehmen alle neun Symphonien des Komponisten auf – ein Projekt, das die grandiose Partnerschaft offenbart zwischen einem Dirigenten, den Die Zeit als »Naturereignis« bezeichnete, und dem renommiertesten Beethoven-Orchester der Welt. Der neue Zyklus, der am 4. Oktober 2019 erscheint, wird in einer Deluxe-Box mit fünf CDs und einer Blu-ray Audio Disc in TrueHD-Klangqualität veröffentlicht. Gemeinsam mit dem Orchester wird Nelsons im kommenden Jahr Gesamtzyklen der Symphonien in Paris, Hamburg, München und Wien aufführen.

Der legendäre Beethoven-Interpret Maurizio Pollini legt seine reife Auffassung von den letzten Klaviersonaten des Komponisten in einer neuen Veröffentlichung vor. Er wird zudem am 27. September 2019 in einem Konzert im Münchner Herkulessaal auftreten, das den Beginn der DG-Kampagne zu Beethovens 250. Geburtstag markiert.

Noch in diesem Jahr stellt der gefeierte junge Pianist Jan Lisiecki seine frischen, tiefgründigen Interpretationen der fünf Klavierkonzerte vor und dirigiert die Academy of St Martin in the Fields vom Klavier aus; das Album erscheint am 13. September 2019. Es folgen 2020 eine Vielzahl weiterer Beethoven-Alben. Der preisgekrönte Pianist Víkingur Ólafsson präsentiert die beliebte »Mondscheinsonate«, Daniel Hope wird zum Sprecher in Beethoven for Children, und Matthias Goerne ergründet das Ausdrucksspektrum von Beethovens Liedern.  

Weitere Höhepunkte im Jubiläumsjahr sind Rudolf Buchbinders Projekt Diabelli 2020, in dem Beethovens berühmte Folge von Klaviervariationen gekoppelt wird mit eigens in Auftrag gegebenen Reaktionen führender Komponisten unserer Zeit wie Brett Dean, Max Richter, Lera Auerbach, Krzysztof Penderecki, Rodion Schtschedrin und Jörg Widmann; sowie Krystian Zimermans unvergleichliche Gesamtaufnahme der Klavierkonzerte.

 

»Beethovens Welt geriet aus den Fugen, als er noch ein junger Mann war«, erklärt Dr. Clemens Trautmann, Präsident von Deutsche Grammophon. »Er war erst Ende zwanzig, als sein Gehör – der wichtigste Sinn eines Komponisten – nachzulassen begann. Mitte vierzig war er fast völlig taub. Und doch schrieb er noch viele seiner größten Werke, obgleich er ihre Aufführung längst nicht mehr hören konnte. Sein 250. Geburtstag ist Anlass, an Beethovens Mut zu erinnern. Die Zeit ist richtig, um von Beethoven zu erzählen, von seiner Weigerung, sich zum Schweigen bringen zu lassen. Sie ist richtig für das Motto ›Play on, play against all odds‹. Wir freuen uns, mit unseren Partnern vom Beethoven-Haus Bonn zusammenzuarbeiten und eine Reihe ehrgeiziger globaler digitaler Initiativen zu verwirklichen. Sie werden einen neuen Blick auf die Kunst des Komponisten eröffnen. Beethoven wird von heute bis zum Januar 2021 im Fokus des Gelblabels stehen – auf Tonträger, Online und im Konzert.«

Der Geist des »Play on« prägt die digitalen Jubiläumsprojekte von Deutsche Grammophon und ihre Initiativen in den sozialen Medien. Neben einer neuen Website (www.beethoven-playon.com), gibt es eine Playlist von historischen Beethoven-Aufnahmen. Sie werden jetzt verfügbar als Teil von The Shellac Project, dem gemeinsamen Restaurierungsprojekt von DG und Google Arts & Culture, das ausgehend von Originalmatrizen Aufnahmen digitalisiert. Zudem wird eine Videoreihe produziert mit führenden internationalen Musikkritikern, die 25 legendäre Beethoven-Alben im Beethoven-Jahr vorstellen. Die digitalen Projekte werden ergänzt durch Live-Events: Von Yellow Lounges in der ganzen Welt, die sich dem Komponisten widmen, bis zu einem vielfältigen, aufschlussreichen BTHVN2020-Programm mit dem Beethoven-Haus Bonn.

Im Vorfeld zu Beethovens 250. Geburtstag am 17. Dezember 2020 wird Deutsche Grammophon sein musikalisches Vermächtnis feiern und Werke ins Scheinwerferlicht rücken, die Beethoven unsterblich machten. Gemeinsam mit dem Beethoven-Haus Bonn knüpft Deutsche Grammophon ein Band zwischen wegweisender wissenschaftlicher Arbeit und unvergleichlichem künstlerischen Können und präsentiert den Komponisten in unserer digitalen Zeit. Play on!

 

www.beethoven-playon.com

www.bthvn2020.de





DIE MUSIKALISCHE SEITE IST EINE ANDERE SACHE

Wilhelm Furtwängler – Complete Recordings on Deutsche Grammophon and Decca erscheint anlässlich des 65. Todestags des großen Dirigenten

Wer war der größte Dirigent aller Zeiten? Für viele lautet die Antwort: Wilhelm Furtwängler. Der 1886 in Berlin geborene deutsche Musiker errang in den 1930er-Jahren Weltruhm als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker. Seine Verstrickung in die Kulturpolitik der Nationalsozialisten wirft einen dunklen Schatten auf sein Ansehen, seine Aufnahmen aber zeigen ihn als einen Zauberer, der noch den bekanntesten Kompositionen neue Aspekte abgewann.

Das Heritage Team von Deutsche Grammophon hat eine eindrucksvolle neue Ausgabe geschaffen, die alle Schaffensphasen von Furtwänglers Karriere vorstellt. Wilhelm Furtwängler – Complete Recordings on Deutsche Grammophon and Decca erscheint international am 27. September 2019 anlässlich des 65. Todestages des Dirigenten. Die Edition enthält 34 CDs, eine DVD seiner bemerkenswerten Aufführung von Don Giovanni bei den Salzburger Festspielen 1954 sowie ausführliche Essays und Analysen des Kritikers und Bloggers Norman Lebrecht und des Rundfunkjournalisten Rob Cowan.

Lebrecht liefert in seinem Kommentar zur Edition und einer Reihe von Video-Blogs ein differenziertes Urteil über das nationalkonservative Weltbild Wilhelm Furtwänglers. »Moralisch gesehen lässt sich an Furtwängler nichts finden, das man bewundern könnte«, erklärt er. »Die musikalische Seite ist eine andere Sache.«

Das Interesse an Furtwänglers Musizieren ist heute zweifellos so stark wie nie zuvor. Die neue Edition bietet Sammlern ebenso wie neuen Hörern die Möglichkeit, jede Facette seines Werks zu studieren.

Die Ausgabe enthält seine allererste Aufnahme, eine Interpretation von Beethovens Symphonie Nr. 5 mit den Berliner Philharmonikern aus dem Jahr 1926, Maßstäbe setzende Darbietungen von Haydns Symphonie Nr. 88 und Schumanns Symphonie Nr. 4 aus den frühen 1950er-Jahren und eine unvergleichliche Aufführung von Brahms’ Klavierkonzert Nr. 2 aus dem Jahr 1942 mit Edwin Fischer als Solist. Weitere Höhepunkte sind Furtwänglers überwältigende Lesart von Bruckners Symphonien Nr. 8 und 9 mit den Wiener Philharmonikern bzw. den Berliner Philharmonikern – beide Aufnahmen entstanden im Oktober 1944, während Hitlers Reich in Schutt und Asche fiel. Ebenfalls vorhanden sind die Aufnahmen des Dirigenten für Decca, die damit erstmals in ihrer Gesamtheit verfügbar sind, sowie eine Reihe seltener japanischer Remasterings, die bisher nur in Japan erhältlich waren.

Diese Furtwängler-Anthologie deckt das ganze Spektrum des symphonischen Repertoires des Dirigenten ab. »Das hier vorliegende Konvolut«, sagt Rob Cowan, »beeindruckt auch durch die immense emotionale Dichte der Einspielungen.« Furtwänglers eigene Erfahrung als Komponist und sein gründliches Studium formaler Strukturen der Symphonie prägten seine Ehrfurcht gebietenden Interpretationen von Beethoven, Brahms und Bruckner. Ganz gleich, wie fließend seine Tempi oder extrem seine dynamischen Kontraste waren, in jedem Werk, das er dirigierte, versuchte er dessen organisches Wesen zu zeigen. »Jedes Ganze«, schrieb er kurz vor seinem Tod 1954, »muss auf seine ›eigene‹ Art einfach sein, und indem wir es als Ganzes sehen, machen wir es einfach.«

Die Edition zeigt Furtwänglers leichte Hand in frühen Polydor-Aufnahmen wie den Ouvertüren zu Mendelssohns Ein Sommernachtstraum und Rossinis La gazza ladra. Sie spiegelt darüber hinaus das ganze Gewicht von den Rundfunkaufnahmen der Nachkriegszeit, darunter Beethovens Große Fuge, Brahms’ Symphonie Nr. 1 und Beethovens Violinkonzert. Die Hörer können das Furtwängler’sche Werk vor, während des und nach dem Zweiten Weltkrieg studieren, Vergleiche ziehen zwischen seiner Arbeit mit den Berliner Philharmonikern und den Wiener Philharmonikern oder zwischen verschiedenen Solisten in denselben Werken, auch die Unterschiede zwischen seinen Radio- und Studio-Aufnahmen können sie abwägen. Zu Letzteren gehören die 1951 entstandene DG-Einspielung von Furtwänglers eigener monumentaler Symphonie Nr. 2, die er in seinen späten Lebensjahren oft dirigierte, sowie eine Reihe von Aufnahmen für Decca, etwa die legendäre Interpretation von César Francks Symphonie in d-Moll.

Wilhelm Furtwängler, Sohn eines Archäologen und einer Malerin, war ein hochtalentiertes Kind. Seine Familie ließ ihn privat erziehen. Er zeigte glänzende musikalische Leistungen, begann mit sieben Jahren zu komponieren und erhielt Kompositionsunterricht bei Joseph Rheinberger und Max von Schillings. Furtwänglers frühe Werke, darunter eine Symphonie, waren ambitioniert, stilistisch jedoch konservativ. Er entschied sich für die Dirigentenlaufbahn, um nach dem frühen Tod seines Vaters seinen Lebensunterhalt zu verdienen und um seine Kenntnisse in der Kunst der musikalischen Interpretation weiterzuentwickeln. Auf ideale Weise zeigt Wilhelm Furtwängler – Complete Recordings on Deutsche Grammophon and Decca, wie er eine Interpretation aufbaut anhand eines Probenausschnitts zu Richard Strauss’ Till Eulenspiegels lustige Streiche mit den Berliner Philharmonikern aus dem Jahr 1930. Furtwänglers Arbeiten verdeutlicht sich auch in einer Reihe von Rundfunkinterviews, in denen er sich zu Themen wie Tempi, Stil, Akustik und Publikum äußert.

»Immer wieder einmal bezeichnen Kritiker diesen oder jenen Maestro unserer Tage als Nachfolger Furtwänglers. Darauf kann ich nur entgegnen: Träumt weiter. 65 Jahre sind seit seinem Tod vergangen und wir warten immer noch«, urteilt Rob Cowan, Moderator beim britischen Sender Classic FM und Furtwängler-Experte.


Ein meisterhafter Wagnerkenner

Thielemann dirigiert die gefeierte Bayreuther Neuproduktion von Lohengrin

Die exklusive audiovisuelle Partnerschaft zwischen den beiden kulturellen Kraftzentren Bayreuther Festspiele und Deutsche Grammophon hat seit 2016 drei signifikante Wagner-Produktionen hervorgebracht – Tristan und Isolde, Parsifal und Die Meistersinger von Nürnberg. Am 5. Juli 2019 folgt auf DVD/Blu-ray und als eVideo-Album der vierte Teil dieser spektakulären Wagner-Edition: eine faszinierende Aufführung von Lohengrin aus dem Juli 2018, inszeniert von Yuval Sharon und dirigiert vom Musikdirektor der Bayreuther Festspiele, Christian Thielemann.

Thielemann steht eine Spitzenbesetzung zur Verfügung: Der polnische Tenor Piotr Beczala (ein kurzfristiger Ersatz für Roberto Alagna) beeindruckte bei seinem Bayreuth-Debüt als Lohengrin: »Er eroberte das Haus im Sturm ... mit einer Darbietung von erstaunlicher Sicherheit und unvergleichlicher Schönheit.« (Opera News) Ebenfalls erstmals in Bayreuth zu hören war Anja Harteros, ein Star beim deutschen Publikum, aber ein eher seltener Gast an anderen internationalen Opernhäusern. Diese Aufnahme ihrer »glühenden, volltönenden, wohldurchdachten Elsa« (Financial Times) wird der ganzen Welt ihre darstellerischen und stimmlichen Fähigkeiten nahebringen. Die Mezzosopranistin Waltraud Meier, die nach 18 Jahren erstmals wieder in Bayreuth auftrat, bot eine Meisterklasse an Technik mit ihrem Porträt der Ortrud, die hier als rebellische Freiheitskämpferin und nicht als die übliche eindimensionale böse Zauberin erschien. Ihr Ehemann und Mittäter Telramund wird kraftvoll von Tomasz Konieczny gesungen, Georg Zeppenfeld verbindet als gebieterischer, charismatischer König Heinrich italienisches Flair mit perfekter deutscher Diktion.

Der Dirigent und sein Festspielorchester zeigen sich in der Aufnahme in Höchstform. Mit »leuchtender Transparenz« (Financial Times) trägt ihr Spiel zur magischen Märchenatmosphäre bei, die von den ganz in Blau getauchten Bühnenbildern und Kostümen beschworen wird. Entworfen wurden sie von den renommierten deutschen Künstlern Neo Rauch und Rosa Loy, Vertretern der »Neuen Leipziger Schule«, die ebenso für ihre eigenen wie für ihre gemeinsamen Arbeiten Anerkennung finden. Thielemann dirigiert meisterhaft, wobei er überraschende Details in der Musik hörbar macht und Momente von explosiver Kraft entfesselt. Der überragende Festspielchor wird vom Regisseur zu optisch faszinierenden Tableaux arrangiert, unterstützt durch Rauchs durchsichtige Gazeschleier und die Beleuchtung von Reinhard Traub.

Der zunehmend gefragte Regisseur Yuval Sharon, der als erster Amerikaner in Bayreuth inszenierte, bietet eine subtil feministische Interpretation dieser Geschichte aus dem 10. Jahrhundert, in der es um den Konflikt zwischen germanischem Heidentum und Christentum geht. In einem von Männern dominierten, kriegerischen mittelalterlichen Königreich betont Sharon das Band zwischen Elsa und Ortrud und ändert den Schluss der Oper: Elsa überlebt und geht mit einem Rucksack, einem Geschenk Lohengrins, dem Sonnenuntergang entgegen. Die New York Times schrieb: »Dieser Lohengrin bietet Tradition für die Traditionalisten und Kritik für die Progressiven. Denn er hat etwas für jeden ... er könnte sogar einmal so geliebt werden wie die Inszenierung von Hans Neuenfels, die er ersetzt.«

Lohengrin wird für sieben Aufführungen im Juli und August 2019 in Bayreuth wiederaufgenommen. Die Veröffentlichung dieser Produktion auf DVD, Blu-ray und als eVideo-Album erfolgt anlässlich Christian Thielemanns 60. Geburtstag, ebenso wie auch das Buch Christian Thielemann Dirigieren/Conducting und eine umfassende Sammlung seiner DG-Aufnahmen von Orchesterwerken.


THE ERNST HAEFLIGER EDITION

Deutsche Grammophon erinnert mit der Ernst Haefliger Edition an einen der größten lyrischen Tenöre des vorigen Jahrhunderts

Edition zum 100. Geburtstag – unter anderem mit internationalen Erstveröffentlich