VERDI

Überragende Sänger zeichnen Deutsche Grammophon aus. Nun präsentiert das Label das Debüt des russischen Bassisten Ildar Abdrazakov: ein Verdi-Soloalbum

  • Ildar Abdrazakov erfasst jede Nuance in den komplexen Rollen, die der italienische Komponist einst erdachte
  • Rolando Villazón und Yannick Nézet-Séguin sind seine Partner in den mitreißenden Aufführungen von Verdis Meisterwerken
  • Das Album Verdi erscheint am 16. August 2019

 

»Ildar Abdrazakov bekräftigte seinen Rang als großartigster Attila unserer Zeit und gehört zur ersten Riege jener berühmten lyrischen Bassisten, die in den letzten fünfzig Jahren diese Rolle gesungen haben. Wie könnte man seinem dunklen, fließenden Legato oder der weichen Phrasierung widerstehen, mit denen er gleichermaßen wirkungsvoll die quälenden Zweifel des kriegerischen Königs, aber auch die Autorität seiner Macht ausdrückt.«  Diapason, Dezember 2018

Ildar Abdrazakov steht ganz oben auf der Liste, wenn es um die Besetzung von Verdi-Produktionen an renommierten internationalen Opernhäusern geht. Nachdem er im Oktober 2017 einen Exklusivvertrag mit Deutsche Grammophon unterzeichnet hat, veröffentlicht der russische Bassist jetzt sein erstes Soloalbum für das Label. Verdi bietet ein packendes Programm von dramatischen Szenen und Arien des Komponisten, begleitet durch Yannick Nézet-Séguin und das Orchestre Métropolitain de Montréal, die bereits auf dem erfolgreichen DG-Album Duets mit dem Sänger zu hören waren. Sein Debüt, das am 16. August 2019 international erscheint, macht einmal mehr deutlich, warum Abdrazakov in der Geschichte seines Fachs zu den großen Verdi-Bassisten zählt.

Für die Aufnahme wählte der Sänger Arien aus dem Kern seines Verdi-Repertoires, Stücke aus der frühen und mittleren Schaffenszeit des Komponisten, in denen es um dunkle und komplexe Charaktere geht. Das Album beginnt mit Musik aus Attila, einer von Abdrazakovs Glanzrollen (mit Rolando Villazón als Attilas Sklave Uldino). Nach einer Aufführung von Attila im Liceu in Barcelona im April 2018 urteilte Seen and Heard International, Abdrazakov sei »der beste denkbare Interpret des Hunnenkönigs ... ein wahrer Nachfolger des großen Samuel Ramey«.

Andere Höhepunkte des Albums sind Zaccarias Rezitativ und Gebet aus Nabucco, das Sinnieren Philipps II. über die Last königlicher Macht aus Don Carlo, die Szene und Arie aus Oberto mit dem Racheschwur des Titelhelden sowie Banquos Ängste und Vorahnungen in »Come dal ciel precipita« aus Macbeth.

Die Zusammenarbeit mit Yannick Nézet-Séguin und seinem Orchestre Métropolitain ging erneut für Abdrazakov auf: »Wenn es gegenseitiges Vertrauen gibt, wenn die Chemie zwischen Orchestergraben und Bühne stimmt, können erstklassige Ergebnisse entstehen«, sagt er. »Genau das erlebe ich mit Yannick.«

Das Gelblabel hat die majestätische Stimme des Bassisten bereits dokumentiert und wurde bestätigt: Vom »eindrucksvollen Klang, herrlichen Legato und der Fülle an Schönheit« schrieb der Independent (London). Zu Abdrazakovs Diskografie zählen zwei DVDs aus der Metropolitan Opera: Lucia di Lammermoor (2009 mit Anna Netrebko) und Fürst Igor (2014), wo er die Titelrolle verkörpert. Für das 2017 erschienene Album Duets sang er mit Rolando Villazón Evergreens wie das Duett Nadir/Zurga aus Bizets Les Pêcheurs de perles oder die Auseinandersetzung zwischen Escamillo und Don José aus Carmen sowie das russische Lied »Ochi chernye«.

Ildar Abdrazakov wurde in Ufa in der heutigen russischen Republik Baschkortostan geboren. Als Kind fühlte er sich nicht zum Gesang, sondern zum Metier des Schauspielers hingezogen, während er seinem Vater bei der Arbeit als Film- und Fernsehregisseur zusah. Das Interesse an der Oper weckte erst sein älterer Bruder Askar, der selbst ein Sänger ist und ihm eine DVD von Verdis Attila zeigte. Mit 14 Jahren erhielt Abdrazakov erste Gesangsstunden bei M. G. Murtazina. Zwei Jahre später trat er in ihre Klasse am Staatlichen Kunstinstitut Ufa ein und studierte auch weiterhin bei ihr, nachdem er Mitglied des Baschkirischen Staatlichen Theaters für Oper und Ballett geworden war. Mit 22 Jahren gab er sein Debüt am Mariinski-Theater in St. Petersburg. Seinen internationalen Durchbruch brachten Auftritte an der Mailänder Scala in La forza del destino und Macbeth. Dirigent von Macbeth war Riccardo Muti, von dem der junge Bassist Entscheidendes über die Verdi-Interpretation lernte. Denn Mutis Lehrer war Antonino Votto, der seinerseits mit Arturo Toscanini gearbeitet hatte. Dieser hatte Verdi noch persönlich gekannt und neue Maßstäbe für die Aufführung seiner Musik gesetzt. »Ich folge einer Traditionslinie«, sagt Ildar Abdrazakov.

Seit seinem ersten Auftritt an der Mailänder Scala 2001 hat der Bassist mit einer Reihe von Verdi-Aufführungen dazu beitragen, diese Linie zu verlängern. Von »Il mio sangue« des intriganten Grafen Walter bis zur inspirierenden Noblesse von Zaccarias »D’Egitto là sui lidi« ist sein jüngstes Album ein Meisterkurs des Verdi-Gesangs. »In diesen Opern liegt die Schwierigkeit oft in der emotionalen Intensität, in der psychologischen Charakterzeichnung«, sagt Abdrazakov. »Bei Verdi geht es immer um Gefühle und die Seele, um Konflikte und Menschen in Auseinandersetzungen.«

Ende Juni sang Abdrazakov die Partie des Ramfis in drei konzertanten Aufführungen von Aida mit dem Chicago Symphony Orchestra unter Muti. Ebenfalls unter Leitung von Muti ist er am 13., 15. und 17. August bei den Salzburger Festspielen in Verdis Requiem mit den Wiener Philharmonikern zu hören, bevor er im September nach New York zurückkehrt, um Banquo in einer Wiederaufnahme von Adrian Nobles Inszenierung von Macbeth zu verkörpern (mit Anna Netrebko als Lady Macbeth).