MEISTER DER BALANCE ZWISCHEN STRUKTUR UND EMOTION

Daniel Barenboim präsentiert bei Deutsche Grammophon eine Gesamteinspielung der Symphonien von Johannes Brahms

Deutsche Grammophon veröffentlicht am 24. August 2018 eine Gesamtaufnahme der vier Symphonien von Johannes Brahms, eingespielt von der Staatskapelle Berlin unter Leitung von Daniel Barenboim. Für Barenboim ist es die zweite Gesamteinspielung der Symphonien im Laufe seiner Karriere und so ein weiteres persönliches Zeugnis seiner intensiven Auseinandersetzung mit der Tonsprache des Komponisten. Dabei gelingt es ihm eindrucksvoll, in seiner Interpretation der Werke die innere Balance zwischen hochkomplexer Struktur und mitreißender Emotion zu wahren. Mit der Staatskapelle Berlin gestaltet eines der international führenden Orchester die Aufnahme. Erstmals wurde für die vorliegende Einspielung der von Barenboim initiierte Pierre Boulez Saal in Berlin als Studio für ein großes Orchester genutzt.

»Ich werde nie eine Symphonie komponieren! Du hast keinen Begriff davon, wie es unsereinem zumute ist, wenn er immer einen Riesen hinter sich marschieren hört«, so schrieb Johannes Brahms einst, verzweifelt angesichts der Brillanz seiner Vorgänger, an einen Freund. Es ist anders gekommen und seine vier Symphonien zählen zu den schlüssigsten und innovativsten symphonischen Werken des 19. Jahrhunderts. Bei Deutsche Grammophon wird nun eine Gesamteinspielung dieser Werke durch die Staatskapelle Berlin unter der Leitung von Daniel Barenboim veröffentlicht, die die musikalische Komplexität und Tiefe der Symphonien eindrucksvoll zur Geltung bringt und Brahms als romantischen Klassiker im besten Sinne offenbart.

Die vier Symphonien op. 68 in c-Moll, op. 73 in D-Dur, op. 90 in F-Dur und op. 98 in e-Moll nehmen im Werk von Johannes Brahms eine herausragende Stellung ein und zeigen den Komponisten als Meister der virtuos verdichteten und ungemein farbenreichen symphonischen Tonsprache. Inhalt und Form vereinen sich hier in vollendeter Ästhetik, komplexe Kontrapunktik und satte Instrumentierung prägen eine Musik zwischen Licht und Schatten, die mit romantischem Ausdruckswillen die Grenzen sucht und doch die klassischen großen Formen wahrt.

Daniel Barenboim hat sich den klanglichen Kosmos von Johannes Brahms über das Klavier erarbeitet und sich dabei nicht nur mit dessen Solowerken, sondern auch intensiv mit dessen Liedern und kammermusikalischen Werken auseinandergesetzt. Diese profunde Kenntnis zeigt sich auch in Barenboims Interpretation der Symphonien, wobei der Dirigent zusammen mit der Staatskapelle das fragile Gleichgewicht zwischen romantisch strömender Emotion und analytischem Blick auf die großformatig durchkomponierte Struktur wahrt. Für Barenboim selbst ist die Gestaltung der Balance zwischen diesen beiden Polen die größte Herausforderung bei der Interpretation von Brahms.

Mit der Staatskapelle Berlin ist eines der ältesten Orchester der Welt zu erleben, das auf eine fast 450-jährige Geschichte zurückblickt. Diese reiche Tradition spiegelt sich im ebenso reifen wie lebendigen Spiel des führenden internationalen Klangkörpers wieder. Daniel Barenboim ist bereits seit 1992 Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper Unter den Linden, 2000 wählte ihn die Staatskapelle Berlin zum Chef auf Lebenszeit. Unter seiner Leitung hat das Orchester sein Klangideal noch einmal verfeinert, so zeigt sich das Orchester bei seiner Interpretation der Symphonien mit einem hochtransparenten und präzisen Gesamtklang, der gleichzeitig warm und farbenreich ist.

Auch der Aufnahmeort dieser Einspielung ist eng mit Daniel Barenboim verbunden. Die Aufnahmen fanden im Pierre Boulez Saal in Berlin statt, dessen Bau auf eine Initiative von Barenboim zurückgeht. Die exzellente Akustik des Saals wurde nun erstmals für die Aufnahme eines symphonischen Werks genutzt.

Mit der Deutschen Grammophon arbeitet Barenboim bereits seit 1972 intensiv zusammen, erst unlängst, im März 2018, unterschrieb der Künstler erneut einen umfassenden Vertrag mit dem Label. Im Laufe der Kooperation ist eine umfangreiche Diskografie entstanden, die mit der Einspielung der Brahms-Symphonien nun um ein weiteres Highlight reicher ist. Für Barenboim ist dies nach einer Aufnahme von 1993 mit dem Chicago Symphony Orchestra die zweite Gesamteinspielung der Brahms-Symphonien.

Johannes Brahms wollte mit seinen Symphonien »dauerhafte Werke« schaffen – Stücke, deren Ausdruckskraft, Form und musikalische Größe weit über das Zeitalter ihrer Entstehung hinausreichte. Zweifelsohne ist ihm dies gelungen, die Interpretation von Daniel Barenboim und der Berliner Staatskapelle unterstreicht die Zeitlosigkeit dieser Musik.