FRANZÖSISCHE ELEGANZ UND POLNISCHE MELANCHOLIE

Rafał Blechacz und Bomsori Kim legen ihre erste gemeinsame Veröffentlichung vor. Das neue Deutsche-Grammophon-Album des polnischen Meisterpianisten und der koreanischen Spitzengeigerin kombiniert französisches und polnischen Repertoire und erscheint im Januar 2019. In Kompositionen von Claude Debussy, Karol Szymanowski, Gabriel Fauré und Frédéric Chopin verbindet sich das strukturbewusste Spiel von Rafał Blechacz mit dem poetischen Musizieren von Bomsori Kim. Die Künstler spielen das Repertoire im Frühjahr 2019 auf Konzerten in Südkorea und Europa.

Es war zunächst eine einseitige Begegnung – Rafał Blechacz sah Bomsori Kim im Fernsehen. Auf dem Programm stand der Internationale Henryk-Wieniawski-Violinwettbewerb, einer der wichtigsten Concours für junge Ausnahmegeiger. Für Blechacz stand fest, Bomsori Kim ist eine der Besten. Und er behielt recht – Bomsori Kim wurde ausgezeichnet. 2016 war das, zu einem Zeitpunkt, als der Pianist gerade auf der Suche nach einem Kammermusikpartner für sein nächstes Projekt war. »Ich schickte ihr eine E-Mail«, erinnert er sich, »und glücklicherweise nahm sie meine musikalische Einladung an.« Die Anfrage überraschte Bomsori Kim, schließlich zählt Blechacz seit seinem sensationellen Sieg 2005 beim Internationalen Chopin-Wettbewerb in Warschau zur Weltelite der Pianisten. Sie verehrte den Pianisten, besonders schätzte sie sein Album mit Werken von Claude Debussy und Karol Szymanowski.

Diesen Komponisten haben sich die Interpreten auf ihrem Album nun gemeinsam gewidmet, hinzu kommen Werke von Fauré und Chopin. Blechacz’ Spiel fasziniert durch seine strukturelle Klarheit und durch die Fülle an Klangfarben, während Bomsori Kim ihren Sinn für das Lyrische und Rhapsodische in die Musik einbringt.

Faurés Violinsonate Nr. 1 bildet den Auftakt des Albums, sie gehört zu Bomsori Kims Lieblingssonaten: »Es war immer mein Traum, sie mit einem herausragenden Pianisten wie Rafał zusammen zu spielen«, sagt sie. Es ist ein abwechslungsreiches Werk. Mal darf die Geige wie ein Gondoliere ›singen‹, mal dröhnt sie – das Finale sei von »fast barbarischer Gewalt«, gleich einer »Zigeuner-Improvisation«, urteilte einst ein Zeitgenosse Faurés. In dem 1877 entstandenen Werk lassen sich noch Einflüsse von Robert Schumann und Hector Berlioz erkennen, zugleich weist es den Weg zu den zart-impressionistischen Klangwelten von Claude Debussy. Debussys Sonate für Violine und Klavier in g-Moll, das zweite Werk des Albums, ist eine der letzten wichtigen Arbeiten des Franzosen. Trotz ihrer Kürze ist sie eine vielschichtige Komposition, bisweilen erinnert sie an Brahms, aber es finden sich auch Anklänge an spanische und ungarische Musik darin.

Karol Szymanowski ist ein Komponist, mit dem sich Blechacz seit Jahren beschäftigt, seine Deutsche-Grammophon-Aufnahme der Klaviersonate op. 8 wurde von der internationalen Kritik gefeiert. Auch die Violinsonate, die Szymanowski 1904 im Alter von nur 22 Jahren schrieb, hat Blechacz oft gespielt: »In dem Stück stecken so viele Emotionen und eine Fülle von Charakteren«, sagt er.

Als Abschluss fügen die beiden Musiker dem Album noch eine Komposition hinzu, die man eigentlich als reines Klavierstück kennt: Frédéric Chopins cis-Moll-Nocturne. Jedoch gibt es eine Bearbeitung des großen Geigers Nathan Milstein für Violine und Klavier. Damit konnte sich Bomsori Kim einen weiteren Traum erfüllen, wollte sie doch immer mal Chopins Musik auf der Geige spielen.