Recomposed by Peter Gregson: Bach – The Cello Suites

Sechs Jahre lang war es ruhig um die renommierte Recomposed-Reihe der Deutschen Grammophon. So unterschiedliche Künstler wie Matthias Arfmann und Carl Craig, Jimi Tenor und Matthew Herbert hatten mitreißende Neubearbeitungen bedeutender Klassiker für sie aufgenommen. Auf ihrem Höhepunkt – einer Veröffentlichung von Max Richter, die später mit dem Echo Klassik prämiert wurde – ging Recomposed 2012 in eine unbestimmte Pause. Nun wird die gefeierte Serie fortgesetzt, es erscheint Recomposed by Peter Gregson: Bach – The Cello Suites.

300 Jahre nach ihrer Komposition (1717-1723) gehören Johann Sebastian Bachs Cello-Suiten (BWV 1007-1012) im Klassik-Kanon zu den bekanntesten und beliebtesten Werken überhaupt. Der preisgekrönte schottische Cellist und Komponist Peter Gregson hat sie nun auf überraschende Weise neu interpretiert. Gregson produzierte ein eingehendes, modernes Remake.

»Diese Suiten sind grundlegend im Cello-Repertoire«, sagt Gregson. »Ich bin mit ihnen aufgewachsen und hatte durchaus schlaflose Nächte während der Produktion dieses Albums, denn ich fragte mich, was Bach wohl dazu gesagt hätte, dass ich seine Suiten neu erfinde.«

Auf Recomposed by Peter Gregson: Bach – The Cello Suites spielt nicht ein einziger Solist, es spielen sechs Cellisten, darunter Gregson selbst, die Stücke, die er in ein subtiles elektronisches Klangbett gelegt hat. Er habe sich Bachs Kompositionen nicht als Bild gedacht, also zweidimensional, sondern als Skulptur, beschreibt Gregson. Auch wenn das Objekt gleich bleibe, könne man es drehen und wenden, es aus wechselnden Perspektiven betrachten, das Licht darauf richten und unterschiedliche Schattenformen sehen, verschiedene Gefüge erkennen.

Die Aufnahmen von Recomposed by Peter Gregson: Bach – The Cello Suites machte Gregson in den Londoner Air Studios mit einem Ensemble von fünf Cellisten – namentlich Richard Harwood, Reinoud Ford, Tim Lowe, Ben Chappell und Katherine Jenkinson. Darüber hinaus verwandelte er ein Arsenal analoger Synthesizer in akustische Instrumente, indem er sie im sogenannten Re-Amping-Verfahren aufnahm und nachbearbeitete.

Die komplexen Daten seiner Studio-Produktion – ausgedruckt auf 500 Seiten – bilden für Gregson das Rückgrat seiner Re-Komposition. Sie sind ein gleichwertiges Pendant zur Notation. »Einen riesigen Teil der Arbeit bestimmte der Aufbau der Instrumente im Raum«, erklärt er. »Beim Hören meiner Version sieht man Bach quasi durch eine andere Brille.«

Peter Gregson zählt zu den führenden Cellisten Großbritanniens, außerdem ist er ein namhafter zeitgenössischer Komponist und bekannter Tontechniker/Klangkünstler der Insel. 1987 geboren in Edinburgh, begann er mit vier Jahren Cello zu spielen. Er studierte das Instrument an der Londoner Royal Academy of Music und belegte danach in den Vereinigten Staaten einen Studiengang in Experimenteller Technik beim innovativen Media Lab des Massachusetts Institute of Technology (MIT).

Neben seiner Arbeit als Musiker und Komponist war Gregson in den kalifornischen Remote Control Studios des Filmkomponisten-Gurus Hans Zimmer bei vielen Produktionen ( Wonder Woman, Terminator, Sherlock, Marcella, Tarzan, Hacksaw Ridge ) als Tontechniker tätig. Er arrangierte die Streicher und spielte Cello auf Ed Sheerans kürzlich erschienenem, 2018 mit einem Grammy ausgezeichneten Bestseller-Album Divide.

Unter eigenem Namen hat Gregson die Solo-Alben Terminal (2010) undLights In The Sky (2014) herausgebracht. 2017 erschienen mit Quartets: One und Quartets: Two zwei Alben mit Streichquartetten von ihm. Dazwischen veröffentlichte er die EP Gregson Richter Jóhannsson (2011) mit Musik, die Max Richter und der kürzlich verstorbene Jóhann Jóhannsson für ihn geschrieben haben. Gregson komponierte die Ballettmusik Flow wie auch die Soundtracks der Filme A Little Chaos und zuletzt Forgotten Man. Verschiedene weitere EPs vervollständigen die bereits beachtliche Diskografie des Anfang-30-Jährigen.

Mit Recomposed by Peter Gregson: Bach – The Cello Suites schlägt Peter Gregson nun ein neues Kapitel in seiner mehrdimensionalen künstlerischen Arbeit auf und erweckt die im Neo-Klassik-Genre bahnbrechende Recomposed-Serie aus dem Dornröschenschlaf.

http://petergregson.co.uk/


L-R: Clemens Trautmann (President Deutsche Grammophon), Peter Gregson, Christian Badzura (Director New Repertoire Deutsche Grammophon)