EINE SYNTHESE

Evgeny Kissin und das Emerson String Quartet feiern erstes gemeinsames Projekt

  • Erste Begegnung von Pianist und Ensemble gründet auf tiefer musikalischer und persönlicher      Verwandtschaft
  • Neue Aufnahme dokumentiert seltenen Ausflug Kissins in die Welt der Kammermusik
  • Aufführungen von Werken Mozarts, Faurés und Dvořáks live in der Carnegie Hall mitgeschnitten

  • Die Ankündigung eines kammermusikalischen Abends mit Evgeny Kissin und dem Emerson String Quartet weckte höchste Erwartungen. Was kommt heraus, wenn solche Größen zusammen spielen? In acht Konzerten mit Werken von Mozart, Fauré und Dvořák, die Kissin und das Ensemble im Januar und April vergangenen Jahres in Baden-Baden, Paris, München, Essen, Wien, Chicago, Boston und New York gaben, manifestierte sich das Besondere ihres Spiels. Man hört es auf The New York Concert, der Aufnahme der Deutschen Grammophon vom letzten Auftritt dieser Tournee in der Carnegie Hall. Das Album erscheint am 5. April 2019.

    Eugene Drucker, Geiger des weltberühmten Emerson Quartet, und seine Kollegen – Philip Setzer, Lawrence Dutton und Paul Watkins – waren außerordentlich gespannt vor ihrer ersten Probe mit dem gleichermaßen renommierten Pianisten Evgeny Kissin. Wie viele andere Bewunderer von dessen Arbeit kannten die Emersons natürlich Kissins erstaunliche Virtuosität und seine enorme Ausdrucksvielfalt. Den Vorschlag ihres Managements zur Zusammenarbeit mit ihm hatten sie sofort begrüßt. Schon bald tauchten sie ein in sein Arbeiten – in seine Entschlossenheit, jede Phrase zu erforschen, jedes Detail zu erkunden im Aufbau der kontrastierenden Werke, die sie ausgewählt hatten. Die Vorbereitung, sagt Drucker, schuf Raum für eine echte Begegnung. Das Charakteristische Kissins, aber auch das der Emersons war hörbar und doch entstand ein Amalgam im Zusammenspiel, eine Synthese unterschiedlicher Auffassungen.

    Das Ergebnis sind dynamische Interpretationen von Mozarts Klavierquartett Nr. 1 in g-Moll KV 478, Faurés Klavierquartett Nr. 1 in c-Moll op. 15 und Dvořáks Klavierquintett Nr. 2 in A-Dur op. 81. Zum Programm gehören auch zwei Zugaben, darunter das Scherzo aus Schostakowitschs Klavierquintett in g-Moll op. 57. In den Proben getestete Gedanken wurden in der Aufführung geläutert, entfesselten elementare Wechsel von klassischem Heroismus und romantischer Innerlichkeit und brachten Punkte dramatischer Spannung und Entspannung zur Geltung.

    Das enge Verständnis zwischen Pianist und Quartett war für alle Konzertbesucher erkennbar. In der Rezension des Carnegie-Hall-Konzerts hob Bachtrack »das spürbare Gefühl der Gemeinsamkeit« hervor, und die New York Times schrieb, »die kraftvollen, erfahrenen Streicher ... schienen ideal zu dem imposanten Pianisten zu passen, offenkundig hatten sie spontan eine Beziehung zueinander gefunden«.