DAS FEUERWERK DER FRÜHROMANTIK

Jan Lisiecki brilliert mit Klaviermusik von Felix Mendelssohn

Der kanadische Pianist Jan Lisiecki erkundet mit Felix Mendelssohns Klavierkonzerten in g-Moll und d-Moll zwei Meisterwerke der Frühromantik. Das Album erscheint im Februar 2019 bei Deutsche Grammophon. Lisiecki wird begleitet von einem Kammerensemble aus New York, dem weltweit gefeierten Orpheus Chamber Orchestra. Er ergänzt seine Aufnahme mit einigen von Mendelssohns bedeutendsten Stücken für Klavier solo: den Variations sérieuses, dem Rondo capriccioso sowie dem »Venetianischen Gondellied« aus Lieder ohne Worte.

Jan Lisiecki ist ein Überflieger. Der kanadische Pianist übersprang in der Schule gleich vier Schulklassen und hatte bereits als 15-Jähriger seinen Highschool-Abschluss in der Tasche. Als Kind betrat er die Konzertbühnen, als Teenager machte er seine erste Aufnahme, als Twen gab er sein Debüt in der berühmten New Yorker Carnegie Hall. 2016 war das. Heute ist Lisiecki 23 Jahre alt.

Nur ein Jahr jünger war Felix Mendelssohn, als er sein Klavierkonzert Nr. 1 in g-Moll zu Papier brachte; Widmungsträgerin ist die 17-jährige Pianistin Delphine von Schauroth, mit der der junge Komponist damals eine Liebesbeziehung hatte. Das dreisätzige Konzert ist ein temperamentvolles, bisweilen regelrecht stürmisches Werk. Lisiecki findet es bemerkenswert, dass das Konzert so beginnt, »als wäre man bereits mittendrin.« Er schätzt an diesem Frühwerk »die Heiterkeit«, es sei wie ein »Ausflug in die Natur« und habe eine »gewisse Leichtigkeit, die an Mozart denken lässt«.

Ganz anders stellt sich für Lisiecki das Klavierkonzert Nr. 2 in d-Moll dar, Mendelssohn schrieb es unmittelbar nach seiner Hochzeitsreise im Jahr 1837: »Es hat dunklere und tiefere Emotionen«, sagt Lisiecki, »vermittelt weniger Sicherheit und Zuversicht und ist in seinem Charakter suchend. Es erinnert mich in seinem raschen Wechsel der Emotionen und in seiner Launenhaftigkeit ein wenig an Schumann.« Für Lisiecki war das zweite Konzert deshalb die größere Herausforderung. Auch das Zusammenspiel mit dem Orchester sei darin schwieriger: »Es gibt dort mehr musikalische Dialoge zwischen dem Klavier und den jeweiligen Soloinstrumenten als im ersten Konzert.«

Für die Einspielung der beiden Konzerte wählte der Pianist eines der bedeutendsten Kammerorchester überhaupt, das Orpheus Chamber Orchestra. Das Elite-Ensemble aus New York hat die Besonderheit, dass es auf einen Dirigenten verzichtet: »Jeder einzelne Musiker ist so am musikalischen Prozess beteiligt«, erklärt Lisiecki, »es war großartig, das zu erleben. Normalerweise hören sich nur der Dirigent und ich die Aufnahmen an, beim Orpheus Chamber Orchestra waren es 20 Musiker, die sich gemeinsam durch die Takes hörten und darüber diskutierten, was sie anders machen sollten. Das war eine ganz neue Erfahrung für mich.«

Seine Alben sollen nicht wirken wie eine »Collage aus Werken, die ich gerade spiele«, sagt Lisiecki, vielmehr stimmt der Künstler die Stücke programmatisch und in ihren Charakteren genau aufeinander ab. Eine passende Ergänzung für die beiden Klavierkonzerte schienen ihm die Variations sérieuses, eines von Mendelssohns wichtigsten Klavierkompositionen, sowie das Rondo capriccioso und das »Venetianische Gondellied«: »Sie stellen bedeutende Werke innerhalb von Mendelssohns Klaviermusik dar, und ich schätze diese Stücke sehr. Deshalb bin ich glücklich, dass ich sie bei dieser Aufnahme berücksichtigen konnte.«