Eine Ahnung vom Paradies

  • Nach seinem äußerst erfolgreichen Barock-Album Tesori d’Italia legt Star-Oboist Albrecht Mayer sein neues Album Longing for Paradise mit einem der anspruchsvollsten Werke der gesamten Literatur für sein Instrument vor, Richard Strauss’ erstem und einzigen Oboenkonzert, das 1946 uraufgeführt wurde
  • Das Strauss-Konzert wird ergänzt durch eine Neubearbeitung von Ravels berühmtem Le Tombeau de Couperin für Oboe und Orchester sowie unbekannteren Meisterwerken von Edward Elgar und Eugène Goossens
  • Albrecht Mayer wird begleitet von den Bamberger Symphonikern unter Jakub Hrůša, der dem Orchester seit September 2016 als Chefdirigent vorsteht
  • Pünktlich zum Veröffentlichungsstart von Longing for Paradise am 28. Mai ist ein Konzert mit Albrecht Mayer und den Bamberger Symphonikern in der Elbphilharmonie geplant, am 29. Mai werden Solist und Orchester das Album in einer Sonderausgabe der Yellow Lounge in Berlin vorstellen.

 

Wenn die Welt im Chaos zu versinken droht, wächst die Sehnsucht nach dem Paradies. Diese Erfahrungen haben auch Komponisten immer wieder beschworen und auf unterschiedliche Weise musikalisch umgesetzt. Mit den Bamberger Symphonikern und Jakub Hrůša stellt Weltklasse-Oboist Albrecht Mayer auf seinem neuen Album Longing for Paradise einige dieser Werke vor.

Kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges schreibt Richard Strauss sein einziges Oboenkonzert und scheint darin alles Toben der Welt zu vergessen; es ist, wie Mayer schwärmt, »ein Stück voller Schönheiten und vielleicht eine Ahnung vom Paradies«, das »ein Höchstmaß an Mühelosigkeit verlangt, schließlich hat Strauss selbst beim Komponieren »so etwas wie die reine Fülle des Wohllauts vorgeschwebt«. Seit Jahren schon setzt Albrecht Mayer in seinen Konzerten dem Strauss-Konzert mit Vorliebe ein kleines Stück von Edward Elgar voraus: Soliloquy, Teil einer Fragment gebliebenen Suite für Oboe und Orchester, dessen einzig erhaltener Satz erst 1967 in einer vervollständigten Fassung der Öffentlichkeit präsentiert werden konnte.

Ähnlich wie Richard Strauss nach dem Zweiten Weltkrieg künstlerisch nach Antworten auf das Erlebte gesucht hat, ringt auch Maurice Ravel inmitten des Ersten Weltkrieges um Lösungen. Le Tombeau de Couperin, ursprünglich ein Klavierwerk, das Ravel 1919 orchestrierte, ist ein »sehr morbides Stück«, wie Albrecht Mayer betont. »Jeden Satz hat Ravel einem seiner gefallenen Kriegskameraden gewidmet – von daher ist es eine sehr persönliche Musik, eingebettet in barocke Formen.«

Eine Entdeckung stellt Eugène Goossens Oboenkonzert von 1927 dar, komponiert auf Wunsch seines Bruders Léon, einem der prägendsten Oboisten des 20. Jahrhunderts. »Man stelle sich vor, Strawinsky habe ein Konzert für Oboe geschrieben, mit einer Prise britischen Humors gewürzt und um einige regionale Klangzutaten ergänzt«. So wird auch diese stilistische Mixtur letztlich zum Ausdruck einer fernen Sehnsucht. Auch mit diesem neuen Album beweist Albrecht Mayer einmal mehr sein Gespür für thematisch ausgefeilte Programme: »Wir erleben Komponisten, die darauf aus waren, sich in eine schönere Welt hineinzudenken. Sie träumten sich ins Paradies.«