ANNE-SOPHIE MUTTER -und JOHN WILLIAMS: ACROSS THE STARS


Deutsche Grammophon kündigt ein Projekt der Stargeigerin Anne-Sophie Mutter und des legendären Filmkomponisten John Williams an: Across the Stars. Das Album erscheint international am 30. August 2019 und bietet eine breit gefächerte Auswahl von Williams’ berühmten Filmthemen.

»Es gibt nur einen John Williams«, erklärt Anne-Sophie Mutter. »Was er schreibt, ist unvergleichlich. Wenn ich einen seiner Filme sehe und darin eine Geige oder ein Cello erklingt, denke ich jedes Mal, das würde ich gern selbst spielen! Und jetzt stehen mir seine wunderbaren Arrangements für all diese Kult-Filmmusiken zur Verfügung.«

Studioaufnahmen von Soundtracks haben Tradition in Hollywood, auch deshalb brachte Williams Musiker zusammen, mit denen er schon in früheren Jahren gearbeitet hat, und formte das 70-köpfige Recording Arts Orchestra of Los Angeles. In fünf Tagen intensiver Zusammenarbeit nahm es nun mit Anne-Sophie Mutter als Solistin und John Williams am Pult eine Reihe von Williams’ Filmthemen in Arrangements des Komponisten auf. Die Aufnahmen entstanden Anfang April im berühmten Sony Pictures Scoring Stage, einem Ort, an dem schon viele große Filmmusiken eingespielt wurden, darunter Der Zauberer von Oz, Vom Winde verweht, Ein Amerikaner in Paris, Singin’ in the Rain, Lawrence von Arabien, E. T. und viele mehr.

Anne-Sophie Mutter, vierfache Grammy-Preisträgerin und weltweit eine der besten Geigerinnen unserer Zeit, sagt, es sei »eine ungeheure Ehre« für sie, mit dem fünffachen Oscar-Preisträger und 24-fachen Grammy-Preisträger John Williams zu arbeiten. Die Bedingungen bei dieser Aufnahme seien so gut gewesen wie zuletzt vor über 30 Jahren bei ihrer Arbeit mit Herbert von Karajan.

Mutter erzählt, wie sie als Teenager im Schwarzwald die Musik von Krieg der Sterne für sich entdeckte. »Diese Melodien, die uns so tief berühren, sind unvergesslich«, erklärt sie. »Das ist das Wunderbare an Johns Musik – sie steht für sich, auch ohne den Film.«

Mutter und Williams lernten sich vor fast zehn Jahren durch ihren gemeinsamen Freund André Previn kennen. Previn regte Williams an, für die Geigerin zu schreiben und sie vor eine neue Aufgabe zu stellen mit seinen Arrangements für dieses Album. Das Projekt wurde für beide Künstler zu einem Markstein ihrer Laufbahn.

Anne-Sophie Mutter ist für Williams »die größte Geigerin, die Deutschland in den letzten 100 Jahren hervorgebracht hat«, es habe ihm sehr geschmeichelt, dass sie seine Melodien spielen wollte. Zuvor hatte er schon das Stück Markings (für Solovioline, Streicher und Harfe) für Mutter geschrieben. Sie brachte es 2017 beim Tanglewood Music Festival in den USA zur Uraufführung. »Mit Anne-Sophie Across the Stars aufzunehmen war ungeheuer inspirierend«, erklärt er. »Durch ihre Interpretation wirken diese vertrauten Themen plötzlich anders. Das war für mich als Komponisten natürlich wunderbar.«

Stücke, die Williams seit Jahren in einer bestimmten Version kannte, hat er für diese Aufnahme transkribiert und für die Geige übersetzt: »Auf der Geige gespielt werden sie zu einem neuen Erlebnis.« So beschreiben Williams und Mutter denn auch sein neues Arrangement von »Hedwig’s Theme« aus Harry Potter als »Harry Potter trifft Paganini« und »Carmen Fantasy für das 21. Jahrhundert« (zur Single hier).

Auf dem Album sind Themen aus Krieg der Sterne (»Rey’s Theme« aus Das Erwachen der Macht, »Princess Leia’s Theme« aus Eine neue Hoffnung, »Yoda’s Theme« aus Das Imperium schlägt zurück, »Luke and Leia« aus Die Rückkehr der Jedi-Ritter, »Across the Stars« aus Angriff der Klonkrieger), aber auch jüngere Arbeiten (»Sayuri’s Theme« aus Die Geisha, »The Duel« aus Die Abenteuer von Tim und Struppi und »A Prayer for Peace« aus München sowie »Hedwig’s Theme« aus Harry Potter, hier zum neuen Track).

Hinzu kommen das Hauptthema und »Remembrances« aus Williams’ mit zwei Oscars ausgezeichneter Musik zu Schindlers Liste. Eher überraschend fiel die Wahl auch auf Neufassungen von Themen aus Zapfenstreich und Dracula, die in den 1970er-Jahren entstanden und seither kaum aufgeführt wurden, sowie das irisch gefärbte »Donnybrook Fair« aus In einem fernen Land und das Liebesthema aus Sabrina.

Die Uraufführung von Williams’ neuem Arrangement von »Across the Stars« spielte Mutter am 6. November 2018 beim DG120-Galakonzert in Berlin mit der Staatskapelle Berlin unter Leitung von Manfred Honeck.

Mutter wird das neu geschaffene Repertoire des Albums ebenfalls auf die Bühne bringen. Am 7. Juli 2019 tritt sie mit dem Boston Pops Orchestra unter Leitung von John Williams bzw. David Newman in Tanglewood auf. Am 14. September geben Newman und Anne-Sophie Mutter ein weiteres reines Williams-Konzert, diesmal mit dem Royal Philharmonic Orchestra auf dem Königsplatz in München – das erste Open-Air-Konzert der Geigerin überhaupt.




ANNE-SOPHIE MUTTER & DANIIL TRIFONOV: SCHUBERT "TROUT QUINTET"

Anne-Sophie Mutter und Daniil Trifonov sprechen über ihre Arbeit als Kammermusik-Partner und ihre Freude, Schuberts »Forellenquintett« für Deutsche Grammophon aufzunehmen.

 

Zwei Stars aus unterschiedlichen Generationen, zwei Künstler höchsten Ranges – Anne-Sophie Mutter und Daniil Trifonov bringen ihr erstes gemeinsames Album heraus, in dessen Mittelpunkt eines der berühmtesten Werke der klassischen Musik steht. Anne-Sophie Mutter, die 2016 das 40-jährige Jubiläum ihres professionellen Debüts feierte, und Daniil Trifonov, jetzt Mitte zwanzig, spielten im Juni im Baden-Badener Festspielhaus zusammen mit drei jungen Stipendiaten der Anne-Sophie Mutter Stiftung Schuberts Klavierquintett in A-Dur ein, allgemein bekannt als »Forellenquintett«. Auf dem Programm standen außerdem Schuberts Notturno, ein meisterhaftes spätes Werk für Violine, Cello und Klavier, sowie seine Lieder Ständchen und Ave Maria in Arrangements für Violine und Klavier. Die Aufnahme erscheint international am 3. November 2017.

 



Es war künstlerische Anziehungskraft, die Anne-Sophie Mutter und Daniil Trifonov zueinander brachte. »Eine spontane Idee, etwas gemeinsam zu machen«, sagt die Geigerin. »Aber ich verfolge Daniil schon mehrere Jahre«, fügt sie lachend hinzu. In diesem Jahr fand Anne-Sophie Mutter Zeit, Trifonovs Rachmaninow-Konzerte mit den Münchner Philharmonikern und Valery Gergiev anzuhören. »Ich war allerdings auch in Moskau, als er dort 2011 den Tschaikowsky-Wettbewerb gewann, und hörte ihn beim Konzert der Preisträger.« Anne-Sophie Mutters langjährige Recital-Partnerschaft mit Lambert Orkis bleibt bestehen, und die Geigerin betont, dass sie schon oft Kammermusik mit anderen Pianisten gespielt habe, beispielsweise Alexis Weissenberg, André Previn und Yefim Bronfman. Aber die Gelegenheit, mit Daniil Trifonov ihre erste Aufnahme des »Forellenquintetts« zu machen, habe sie einfach nicht verpassen dürfen, wie sie sagt. Auch der Pianist nahm das Projekt mit ungeteilter Begeisterung an. Schubert, einer der großen Komponisten der klassisch-romantischen Epoche, ist für ihn ein Schöpfer aufrichtig empfundener Melodien und ein Meister der Form.

»Die Ehrlichkeit seines musikalischen Ausdrucks nimmt Zuhörer und Interpreten gleichermaßen gefangen«, sagt Trifonov. »Als ich erfuhr, dass Anne-Sophie diese Musik aufnehmen will, war ich überglücklich. Ich habe Schubert vorher nur in Liszts Arrangements seiner Lieder eingespielt. Sie können sich vorstellen, was es bedeutet, mit vier fantastischen Kollegen an einem der größten Werke des Komponisten zu arbeiten. Je öfter wir zusammen spielten, desto mehr Möglichkeiten taten sich auf. Jedes Mal geschah etwas anderes, und das steigert das Bewusstsein für das, was möglich ist. Dann fühlt man sich sicherer mit einer Interpretation, die aus dem Moment heraus erwächst.«

Schubert hat nicht einmal ein Dutzend Werke für Violine und Klavier komponiert, aber seine Klaviertrios und das unvergängliche Klavierquintett enthalten wundervolle Violinparts. »Das ›Forellenquintett‹ gehört zu den großen Werken des Repertoires«, erklärt Anne-Sophie Mutter. »Schubert hat leider sehr wenig für die Geige geschrieben. Dieses Quintett gab mir die Möglichkeit, nicht nur mit Daniil zu arbeiten, sondern zusätzlich mit jungen Künstlern, die durch die Schule meiner Stiftung gegangen sind. Das Musizieren zwischen uns fünf war – frei nach Mendelssohn – ein musikalischer Dialog zwischen sehr gebildeten Freunden

Das Ensemble des »Forellenquintetts« vervollständigten die südkoreanische Bratschistin Hwayoon Lee, der deutsche Cellist Maximilian Hornung und der slowakische Kontrabassist Roman Patkoló, alle drei zurzeit oder früher Stipendiaten der Anne-Sophie Mutter Stiftung. »In diesem Projekt kommen viele verschiedene Aspekte zusammen, viele verschiedene kulturelle Wurzeln verbinden sich und das ist inspirierend«, sagt Anne-Sophie Mutter. Die fünf Musiker fanden schnell gemeinsamen Boden, während sie ihre Auffassung von Schuberts Klavierquintett entwickelten. Mutter vergleicht den Prozess der Interpretation mit dem Bergsteigen: Beim Erreichen eines Gipfels wird der Blick frei auf andere, höhere Gipfel, die noch zu bezwingen sind. Dieser Prozess der Entdeckungen, so Mutter weiter, sei sowohl aufregend als auch herausfordernd gewesen. Unterschiedliche Auffassungen in Bezug auf Tempowechsel innerhalb eines Satzes und Temporelationen zwischen den Sätzen des Quintetts wurden bei den Proben geklärt. Das erlaubte den Spielern, den, wie Trifonov es nennt, »energetischen Kern« des Werks zu erschließen – die dramatischen Ausbrüche, scharfen Kontraste und strahlenden Klänge, die dem Werk Leben geben.


© Harald Hoffmann / DG

»Gefühle sind nicht einfach blassgrau«, wirft Anne-Sophie Mutter ein, bevor der Pianist seinen Gedanken vollendet. »Es hat mich immer ziemlich gestört, dass so viele unserer wundervollen Kollegen das Thema aus dem vierten Satz spielen, als ob die Forelle schon ein paar hundert Jahre tot ist. Aber im Text des Lieds, aus dem Schubert sein Thema entnahm, ist die Forelle so schnell wie ein Pfeil! Er verwendet nicht die Sequenz, in der die Forelle getötet wird. Nein – der Fisch schießt munter durchs Wasser und ist bester Dinge. Als das ›Forellen-Thema‹ wiederkehrt, ist es ein Allegretto, noch schneller als das ursprüngliche Andantino. In dieser Musik liegen Esprit und überschäumende Freude. Es ist eines von Schuberts heitersten Stücken.«

Anne-Sophie Mutter bewundert Daniil Trifonovs erstaunliche Farbpalette und seine blitzschnellen Reaktionen auf neue musikalische Ideen. »Auch wenn man alles bei den Proben besprochen hat, kommt man in der Aufführung zu anderen Lösungen«, erklärt sie. »Aber das geschieht nur bei Musikern, die frei musizieren können und sich nicht an ein einziges Konzept halten müssen.«

Zusätzlich zum »Forellenquintett« enthält das Album Mischa Elmans Arrangement von Ständchen sowie Ave Maria, genauer gesagt Ellens Gesang III, im Arrangement von August Wilhelmj aus den 1880er-Jahren, das später von Jascha Heifetz weiter ausgearbeitet wurde. Beide Interpreten nahmen Änderungen an ihren jeweiligen Partien vor und schufen so, wie Mutter es nennt, ein »Joint Venture« in der Kunst des Arrangements. »Ich glaube, es gab auch ein bisschen Unterstützung von Liszt«, bemerkt Trifonov in Anspielung auf den Einfluss des ungarischen Komponisten und Pianisten auf seine Kreation. »Natürlich, Arrangements sind Arrangements«, sagt Mutter. »Aber manchmal muss man sie neu arrangieren, um das Original besser herauszubringen.«

Schuberts Notturno zeugt nach ihrer Auffassung davon, dass der Komponist während der letzten Jahre seines kurzen Lebens nach neuen Klängen suchte. Das Stück, das vielleicht ursprünglich als langsamer Satz des Klaviertrios Nr. 1 gedacht war, erreicht überwältigende Schönheit in seiner Verbindung von schlichten Geigen- und Cellomelodien mit einem komplexeren Klavierpart.