BRILLANZ UND POESIE

Andreas Ottensamer und Yuja Wang spielen Duowerke der Romantik

Andreas Ottensamer und Yuja Wang, der Klarinettist aus Wien und die Pianistin aus Peking, haben sich gesucht und gefunden, um romantische Musik für Klarinette und Klavier meisterhaft zum Klingen zu bringen. Für ihr aktuelles Album Blue Hour, das am 8. März 2019 bei Deutsche Grammophon erscheint, haben sie einige Juwelen des Repertoires ausgewählt. Das A-Dur-Intermezzo von Johannes Brahms gehört ebenso dazu wie Felix Mendelssohns Lieder ohne Worte in einer originellen Bearbeitung Ottensamers für Klarinette und Klavier. Außerdem wurde Carl Maria von Webers hochvirtuoses Grand Duo concertant eingespielt. Doch Andreas Ottensamer präsentiert sich auf Blue Hour nicht nur als einfühlsamer Kammermusiker, sondern auch als brillanter Solist. In Webers erstem Klarinettenkonzert übernimmt er den Solopart, begleitet von den Berliner Philharmonikern unter Mariss Jansons.

Mit seinem Album Blue Hour kehrt Andreas Ottensamer als Exklusivkünstler zur Deutschen Grammophon zurück. Als Klavierpartnerin hat er für sein Comeback-Album die chinesische Starpianistin Yuja Wang ausgesucht: »Sie ist eine enge Freundin und eine fantastische Musikerin.«

Für seine Aufnahmen versucht der Künstler stets Werke herauszusuchen, die ihm persönlich sehr viel bedeuten. Seit langer Zeit ist Brahms sein Lieblingskomponist, insbesondere dessen Klaviermusik schätzt er sehr, da war es für ihn naheliegend, das Intermezzo op. 118/2 für Klarinette und Klavier zu bearbeiten: »In seinem Spätwerk war Brahms aufgrund seiner Bekanntschaft zu dem Klarinettisten Richard Mühlfeld der Klarinette sehr nahe. Ich sehe da einige Verbindungslinien und glaube deshalb, dass die Transkriptionen dieser Klavierwerke für die Klarinette einen Sinn ergeben.«

Auch zu Mendelssohns Klaviermusik hat der Starklarinettist eine intensive Beziehung: »Mendelssohn ist für mich ein sehr struktureller Komponist«, erklärt er. »Er komponierte mit feinsinnigen Verfahren, und ich bewundere ihn dafür. In seinen Liedern ohne Worte, die ich für dieses Album ebenfalls für Klarinette und Klavier arrangiert habe, hat er mich jedoch auch wirklich berührt. Da ist eine direkte tiefe Emotion. Ich denke, dass die Leute das fühlen werden, wenn sie sich die Stücke anhören.«

Ottensamer fasziniert an diesen Klavierstücken, dass sie bei aller Verschiedenheit »den liedhaften Charakter so deutlich ans Licht bringen.« Deshalb bot es sich für ihn an, die Lieder ohne Worte mit Carl Maria von Webers erstem Klarinettenkonzert zu kombinieren, das Werk bringe neben atemberaubend virtuosen Passagen auch »einen starken Sinn für das Kantabile« mit, wie der Wiener Klarinettist betont.

»Das Weber-Konzert wurde live mitgeschnitten, da entstehen Emotionen«, erklärt Ottensamer. »Man hat einfach starke Gefühle, wenn man auf der Bühne steht«, vor allem wenn man mit seinem eigenen Orchester spielt.« Für Ottensamer war es eine besondere Erfahrung, beim Weber-Konzert vor den eigenen Kollegen zu stehen und mit ihnen zu musizieren: »Ich mache das zwar sehr oft, dann jedoch innerhalb des Orchesters.« Ein weiterer großer Pluspunkt war, dass dabei Maestro Mariss Jansons am Pult stand: »Er ist ein großartiger Dirigent mit einer ganz starken Persönlichkeit und er ist ein Freund. Es war sehr inspirierend, mit ihm Musik zu machen.«

In der Musik der Romantik fühlt sich Ottensamer am wohlsten. Bei der Interpretation von Werken aus dieser Zeit geht es ihm darum, seinen eigenen Charakter und seine Erfahrungen in die Musik einzubringen und seine Interpretation mit anderen Menschen zu teilen: »Sie verstehen einen dann auch als Person, wenn man spielt. Das auf einer Aufnahme zu teilen ist natürlich eine große Herausforderung, aber eine sehr schöne. Wenn ich romantische Musik spiele, fühle ich mich darin ganz zu Hause.«



Lass uns über Klassik reden mit Andreas Ottensamer

In der dritten Episode des Deutsche Grammophon Podcasts "Lass uns über Klassik reden" begegnet Holger Wemhoff dem Klarinettisten Andreas Ottensamer für einen unterhaltsamen Klassik-Talk. In lockerer Atmosphäre erzählt Andreas Ottensamer von seinem neuen Album "Blue Hour", das im März erscheint und als erste gemeinsame Liveaufnahme mit den Berliner Philharmonikern ein ganz besonderes Erlebnis für den Künstler war. Hören Sie hier rein.