»CHOPIN WIRD IN DER GANZEN WELT GELIEBT«

Maurizio Pollini, »der überragende Chopin-Interpret seiner
Generation« (Fanfare), setzt seine chronologische Erkundung der Musik des polnischen Meisterkomponisten fort

Frédéric Chopin kam zu Ruhm in den Salons der großen Gesellschaft seines Heimatlandes Polen und im pulsierenden Paris von Eugène Delacroix, Victor Hugo und George Sand. Seine Stücke für Soloklavier, oft technisch anspruchsvoll, sind heute in der ganzen Welt gefragt, besonders wenn sie von einem Interpreten wie Maurizio Pollini gespielt werden. Pollini liebt die Werke Chopins seit seiner Kindheit, eine Begeisterung, die sich deutlich in seinen gefeierten Chopin-Aufnahmen für Deutsche Grammophon zeigt. Maurizio Pollini – Chopin, das international am 25. Januar 2019 erscheint, ist das Ergebnis einer lebenslangen Beschäftigung mit dem Komponisten. Es ergänzt Pollinis überaus erfolgreiches Album von 2017, Chopin – Late Works, opp. 59 – 64.

Maurizio Pollini – Chopin enthält vier Werke aus den Jahren 1843/44, darunter die wehmütige Berceuse in Des-Dur op. 57 und die viersätzige Klaviersonate in h-Moll op. 58, die spektakuläre künstlerische Antwort eines stolzen polnischen Musikers auf das Erbe deutsch-österreichischer Klaviersonaten. Das Programm beginnt mit den beiden Nocturnes op. 55 und den drei Mazurken op. 56, es folgen Opus 57 und 58, wobei alle Stücke in der Reihenfolge ihrer Veröffentlichung präsentiert werden. Der italienische Pianist richtet hier die Aufmerksamkeit auf das grenzenlos breite Spektrum von Chopins melodischer Erfindung. Chopin habe in seinen eigenen Konzertprogrammen immer die Vielfalt im Blick gehabt, betont er.

Pollini wählte Kompositionen Chopins aus einem engen Entstehungszeitraum aus. So konnte er sich erneut Werken widmen, die er bereits für Deutsche Grammophon eingespielt hat, und außerdem seine DG-Diskografie durch die Mazurken op. 56 erweitern. Seit Anfang der 1950er-Jahre beschäftigt sich Pollini mit Chopins Kunst. »Chopins Musik hat mich ein Leben lang begleitet«, sagte er einmal der New York Times. »Und meine Liebe zu ihr ist in all den Jahren immer größer geworden.«

Tiefe Gefühle in einer Musik von äußerster Klarheit und außergewöhnlicher Schönheit auszudrücken, darin liegt für Pollini die Kraft von Chopins Werken. »Chopin betört«, erklärt er. »Aber seine Kompositionen haben eine unglaubliche Tiefe, und diese Tiefe muss in der Aufführung seiner Musik deutlich werden. Außergewöhnlich war an Chopin, dass er ein so breites Publikum ansprechen konnte. Diese so persönliche Musik konnte jeden Hörer erobern, und das ist erstaunlich.« Chopin habe schönere Klaviermusik geschrieben als irgendein anderer Komponist, sagte der Pianist in einem Interview, das er kurz nach seinem 75. Geburtstag BBC Radio 3 gab. Seine Musik habe »etwas Magisches«. »Diese Magie ist schwer zu erklären, aber die Balance zwischen den verschiedenen Registern des Klaviers erlaubt der Musik, wundervoll zu singen ... Chopin wird in der ganzen Welt geliebt.«

Wie schon so oft nahm Pollini auch sein jüngstes DG-Album im Herkulessaal in München auf. Sein langjähriger Produzent Christopher Alder berichtet, wie die Aufnahmesitzungen Pollinis gewohntem Ablauf folgten. »Normalerweise spielt er das Programm einmal durch und wechselt dann das Hemd. Das wiederholt er noch zweimal, und damit ist der Tag zu Ende. Am letzten Tag fragt er mich, ob er sich auf irgendetwas besonders konzentrieren sollte, vielleicht ein Thema herausarbeiten oder bestimmte Harmonien. Dann spielt er diese Passagen bis zu zehnmal, trinkt einen Kaffee und wiederholt sein Programm noch dreimal. Er lässt mich im Laufe der Aufnahmen immer wissen, worauf es ihm ankommt – das hilft mir beim Editing. Pollini kümmert sich sorgfältig um jedes Detail und um dessen Stellenwert im Gesamtbild.«

Maurizio Pollini verfügte bereits über eine hoch entwickelte Auffassung von Chopin, als er 1960 den Ersten Preis beim Warschauer Chopin-Wettbewerb gewann. Der 18-Jährige wurde von Arthur Rubinstein gepriesen, der sich an die anderen Juroren wandte und sagte: »Dieser junge Mann hat schon jetzt eine bessere Technik als wir alle.« Pollini betont ausdrücklich, dass er in seiner Laufbahn die unterschiedlichsten Werke von Beethoven und Schumann bis zu Boulez und Stockhausen spielte, aber Chopin blieb ein Eckpfeiler seines Repertoires. Für ihn, so sagt er, ist es ein Kompliment, als »Chopin-Interpret« zu gelten.