Alice Sara Ott | News | 'Echoes Of Life' - Alice Sara Ott kehrt für ihr neues Album zur Musik von Chopin zurück

‘Echoes Of Life’ – Alice Sara Ott kehrt für ihr neues Album zur Musik von Chopin zurück

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Photo: Pascal Albandopulos / Design: Katrin Bahrmann
11.06.2021
Für ihre zehnte Veröffentlichung bei Deutsche Grammophon kehrt die Pianistin Alice Sara Ott zur Musik von Frédéric Chopin zurück. Sie nähert sich Chopins 24 Préludes op. 28 aus einer neuen Perspektive und verwebt ihre persönliche Geschichte mit dem Werk, mit seinem dramatischen Bogen und seinen vielgestaltigen Stimmungen. Die Pianistin stellt den Klavierzyklus in einen zeitgenössischen Kontext, indem sie ihn mit sieben Kompositionen von Musikern des 20. und 21. Jahrhunderts kontrastiert. Entstanden ist Echoes Of Life, das Album erscheint am 6. August 2021.
»Die Préludes sind eine Sammlung von 24 Stücken, die verschiedener und extremer kaum sein könnten, jedoch zusammen ein komplexes Gesamtwerk bilden«, sagt Ott. »Für mich sind sie eine Widerspiegelung unseres Lebens. Besteht nicht auch unser Leben aus lauter Préludes, aus vielen verschiedenen Momenten, die alle miteinander verbunden sind? Solange wir leben, führt ein Schritt zum nächsten. Manchmal gehen wir schneller, manchmal langsamer, mal laufen wir im Kreis und ein anderes Mal landen wir in einer Sackgasse und müssen umkehren.«
Der Spielraum für Interpretation ist groß in Chopins Musik, und immer wieder zeigt sich Otts schöpferische Stimme in diesen Stücken. Dass sie noch heute zeitgemäß sind und in sich modern, wird gerade durch die Gegenüberstellung mit den neueren Werken deutlich. Für Ott ist das Repertoire des Albums wie eine Entsprechung zu ihrem Leben, es verkörpert persönliche Erfahrungen und Gedanken, die sie geleitet und geprägt haben.
Francesco Tristanos In The Beginning Was etwa – ein Stück, das für dieses Album geschrieben wurde –, es stellt eine Verbindung her zum ersten Prélude von Chopin, das wiederum inspiriert ist von dem Präludium in C-Dur aus Bachs Wohltemperiertem Klavier, Teil I. »Es ist ein Soundtrack, der an die Vergangenheit erinnert, die Gegenwart widerspiegelt und uns mit in die Zukunft trägt«, sagt Ott. Die Wiederholung der einzelnen Note in Ligetis Musica Ricercata I hingegen gleicht für Ott der kindlichen Rebellion und suggeriert das Wort »Nein … ein begrenztes Wort mit grenzenlosen Ausdrucksmöglichkeiten«. Rotas Valse offenbart jugendliches Freiheitsempfinden, »eine Zeit, in der ich die Welt mit der rosaroten Brille der Naivität und Furchtlosigkeit sah und einfach alles romantisierte«, während Gonzales’ Prelude In C Sharp Major die Pianistin an den unsicheren Weg ins Erwachsenenleben erinnert. Es knüpft nicht nur an die Musik zu Beginn des Albums an, sondern bildet auch den Abschluss eines Kapitels. »Demselben Ursprung entstammend, nimmt es nun neue Formen an.«
Im Gegensatz fügt sich Chopins stürmisches Prélude in f-Moll in Takemitsus Litany I, eine beunruhigende Dissonanz kommt ins Programm. Takemitsu sagte einmal: »Die Entscheidung, in der Musik zu sein, hat meine Identität bestimmt.« Ott erkennt sich in diesen Worten wieder. Die lebenslange Erfahrung der Kategorisierung und Ausgrenzung anhand ihres Aussehens ließ sie hinterfragen, ob und wie sie »dazugehören« kann: »Es ist nicht so, als wüsste ich nicht, wie ich mich außerhalb der Musik identifizieren oder definieren kann. Es ist nur viel komplexer und ich habe fast drei Jahrzehnte gebraucht, um diesen Punkt für mich zu erreichen.«
Pärts Für Alina, verletzlich und introspektiv, reflektiert auf Otts neue Wirklichkeit, nachdem bei ihr vor zwei Jahren Multiple Sklerose diagnostiziert wurde. Aus den klagenden Schlusstönen von Chopins Prélude in d-Moll formt sich schließlich das eigene Lullaby To Eternity der Pianistin. Es greift Fragmente aus dem unvollendeten Lacrimosa von Mozarts Requiem auf und lässt Raum entstehen »für Fragen – ohne Antwort«.
»Als ich anfing, mit der Idee für das Album zu experimentieren«, sagt Ott, »ahnte ich noch nicht, was dieses Projekt für mich emotional darstellen und musikalisch offenbaren würde. Ich erinnere mich daran, wie ich mir zum ersten Mal alles hintereinander anhörte und mir bewusst wurde, wie die zeitgenössischen Kompositionen bestätigen, dass Chopin mit seinen Préludes ein Werk geschaffen hatte, das modern, provokativ und zeitlos war.«
Folge der Deutschen Grammophon