Bryn Terfel | News | New York, Tokio, Llanfairpwllgwyngyll: Bryn Terfels Album "We'll Keep A Welcome"

New York, Tokio, Llanfairpwllgwyngyll: Bryn Terfels Album “We’ll Keep A Welcome”

14.02.2001
Walisische Volkslieder und Traditionals sind fester Bestandteil seines Repertoires, er singt sie in den großen Konzertsälen in Tokio oder der New Yorker Carnegie Hall genauso wie in den Kirchen seiner Heimat: Auch wenn keiner im Publikum die Sprache kennt, Bryn Terfel versteht man trotzdem.
Für seine Fans und Zuhörer hat es den Vorteil, dass man endlich mal einen Eindruck von Wales bekommt, der über Hugh Grants “einen Hügel besteigen und von einem Berg runterkommen” hinausgeht. Tatsache ist: Auch bei Bryn Terfel ist Wales sehr grün, und die Bergrücken fallen steil zum Meer ab. “In Wales wird man nicht mit einem Silberlöffel im Mund geboren,” berichtet Bryn Terfel im Interview, “sondern mit Poesie im Blut und Musik im Herzen.” Der Bass-Bariton Sir Geraint Evans und die Sopranistin Margaret Price kamen ebenfalls aus Wales, aber keiner von beiden konnte deutlich machen, wie eine regenreiche Wald- und Wiesenregion, eine zwar sehr melodische, für alle Nicht-Waliser aber unlesbare Sprache und große Sangeslust zusammenhängen. Selbst wenn man von den Zillertalern und sämtlichen Musikantenstadeln die Nase voll hat — Bryn Terfels Stimme und sein klares Stilempfinden vermitteln Volksmusik, die Freude macht. Ohne Schmalz singt er in seinem “Welsh Album” von den schwarzen Bergen und den Armeleute-Höfen, vom Heimweh nach dem kleinen Cottage — bis man vor dem Lautsprecher sitzend plötzlich mitsummt. Im Interview erzählt er, dass seit Generationen in seiner Familie gesungen wird: “Wäre ich nicht Waliser, wäre ich auch nicht Sänger geworden. Denn Musik war immer dabei: meine Eltern, Groß- und Urgroßeltern, sie alle sangen. Das ist im Blut, in den Flüssen, den Bergen — diese ganz walisische Lust zu singen.” Jedes noch so kleine Dorf hat seinen eigenen Chor und viele Familien wirken gleich in mehreren Chören mit. Jährlich tritt man in regionalen Gesangswettbewerben gegeneinander an und meist geht es ähnlich hoch her wie im Abschlusskonzert von “Brassed off”.
 
Bryn Terfel trat als Schuljunge bei einer dieser “Eisteddfod”-Wettbewerbe im Volkslied- und Chorsingen an und trotz der großen Konkurrenz von Waliser Goldkehlen erkannte man ihn als ein einzigartiges Talent. Für die CD stellte er seine persönlichen Lieblingsmelodien zusammen: Lieder, die man in ganz Wales kennt und überall singt. Die meisten sind in der Originalsprache zu hören, was einen ganz besonderen Reiz ausmacht und für manches Déjà-entendu sorgt: Zum Beispiel bei dem traditionellen Wiegenlied “Suo-Gân”, das 1987 in Steven Spielbergs “Das Reich der Sonne” um die Welt ging. Aber man muss kein Walisisch sprechen, um Bryn Terfel zu verstehen. Sein “Welsh Album” wirkt intravenös, als Direktübertragung von Herz zu Herz.
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