Claudio Abbado | News | Claudio Abbado und das Orchestra Mozart mit zwei neuen Mozart-Einspielungen "Concertante - Flute & Harp Concerto" und “Horn Concertos”

Claudio Abbado und das Orchestra Mozart mit zwei neuen Mozart-Einspielungen “Concertante — Flute & Harp Concerto” und “Horn Concertos”

Claudio Abbado
© Marco Caselli Nirmal
03.11.2011
Claudio Abbado und das Orchestra Mozart zeigen, dass dem jungen Erwachsenen Mozart zwar kein Comeback in Paris gelang, hier aber dennoch charmante Werke entstanden sind, und dass sich hinter einem ruppigen Ton innige Zuneigung verbergen kann.

“Ich muss mich hier plagen, dass ich es nicht genug sagen kann“, mit diesen Worten beklagt der 22-jährige Wolfgang Amadeus Mozart in einem Brief an den Vater seiner späteren Ehefrau Constanze Weber im Juli 1778 die Glücklosigkeit des zweiten Aufenthalts in Paris, dessen tragischen Tiefpunkt der Tod seiner mitgereisten Mutter markieren sollte. Als neunjähriger Wunderknabe am Klavier hatte er einst die noblen Salons der Stadt in Entzücken versetzt; der ambitionierte junge Erwachsene — profunde Erfahrungen als Sinfonie-, Konzert- und Opernkomponist im Gepäck — ist diesem engen Zirkel jedoch längst entwachsen. Mozart sieht sich nun aber den Launen und der Willkür der für Außenstehende kaum überschaubaren und intriganten Musikszene der Metropole ausgeliefert. Und am Ende wird ihm hier nicht das erhoffte Pariser Comeback gelingen.

Pariser Unbill

Doch bedeutet dies nicht etwa, dass Mozart während des Aufenthalts untätig gewesen ist. Die beiden vom Orchestra Mozart unter Leitung von Claudio Abbado auf "Concertante — Flute & Harp Concerto" eingespielten Meisterwerke hat er hier geschrieben. Aber er wird für eines nicht bezahlt, und das andere macht er in gleich doppelter Hinsicht umsonst. Das ungewöhnlich besetzte Konzert für Flöte, Harfe und Orchester in C-dur (KV 297c) entsteht im Auftrag von Baron de Guines, ein Flötist, der das Werk mit der eigenen Tochter an der Harfe vor handverlesenem Publikum aus der Pariser Nobilität aufführen möchte. Wenig vornehm ist jedoch dessen Zahlungsmoral: Mozart wird nach vier Monaten noch keinen Schilling für seine Arbeit gesehen haben.

Das zweite Werk auf “Concertante — Flute & Harp Concerto” entstand unter anderen Vorzeichen. Die Sinfonia concertante für Holzbläser in Es-dur (KV 297b) sollte im Rahmen der wegweisenden Pariser Konzertreihe Concert spirituel öffentlich aufgeführt werden. Mozart hatte das Werk für vier befreundete Bläser aus Mannheim geschrieben, die zeitgleich in der Stadt weilten, und sich damit dem Geschmack des Pariser Publikums angepasst: hier erfreute sich die konzertante Sinfonie seinerzeit größter Beliebtheit. Doch Mozart sollte das Werk am Ende weder hören, noch sein eingereichtes Manuskript jemals wiedersehen. Denn es gelang dem erfolgreich intrigierenden italienischen Komponisten Cambini, die eigene Arbeit anstelle der Mozartschen aufs Programm setzen zu lassen. Und der junge Mann aus Salzburg ging natürlich auch diesmal finanziell leer aus. Bald trat er schließlich nach kaum sechs Monaten enttäuscht die Heimreise an.

Früchte einer skurrilen Freundschaft

Bei einem Blick in die Geschichte des musikalischen Repertoires für Bläser fällt auf, dass eine Vielzahl der Werke für Flöte, Klarinette, Oboe, Fagott und Horn direktes Ergebnis von Freundschaften zwischen Komponisten und Solisten ist. Man denke an Carl Stamitz und seine Klarinettenmusik für Joseph Beer oder an Johannes Brahms und dessen Spätwerke für Richard Mühlfeldt. Und wie schon im Fall der Pariser Sinfonia concertante, deren Komposition von einem Besuch befreundeter Solisten angeregt worden war, schrieb Mozart auch seine Hornkonzerte Nr. 1 — 4 im Hinblick auf die Ausführung durch einen langjährigen Freund, den führenden Hornisten seiner Zeit, Joseph Leutgeb, zu dem er eine allerdings spezielle Zuneigung hegte. Das Hornkonzert KV 417 etwa trägt die Überschrift “Wolfgang Amadé Mozart hat sich über den Leitgeb Esel Ochs, und Narr, erbarmt zu Wien den 27. Mai 1783”, und im Rondo von Hornkonzert KV 412 findet sich vor dem ersten Horneinsatz die Widmung “für Sie, Herr Esel”. Mozart wollte den Freund damit offenbar auf seine Art zu musikalischen Höchstleistungen anspornen.

Claudio Abbado, das Orchestra Mozart und Solist Alessio Allegrini dürften beim Studium der Autographen ihre helle Freude am skurrilen Mozartschen Humor und der Vielzahl liebevoller Schmähungen im Notentext gehabt haben. Und das hört man ihrer Einspielung der hochvirtuosen Werke auf “Horn Concertos” an: Ihre Musik zeichnet sich durch eine außergewöhnliche Körperlichkeit, Frische und Leichtigkeit aus.
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