Dietrich Fischer-Dieskau | Dietrich Fischer-Dieskau - Complete Lieder Recordings on Deutsche Grammophon

2022 jährt sich zum 10. Mal der Todestag von Dietrich Fischer-Dieskau, den Leonard Bernstein einmal als “den bedeutendsten Sänger des 20. Jahrhunderts” bezeichnete. Er brillierte in allen Bereichen des klassischen Repertoires; und doch ist es vor allem das Lied, mit dem er Maßstäbe setzte und unvergessen bleiben wird.  Über 50 Jahre Aufnahmegeschichte – von 1949 bis 2003 – bietet diese 107-CD-Edition die Möglichkeit, die Entwicklung seiner epochalen Stimme im Laufe seiner Karriere zu verfolgen.
Dietrich Fischer-Dieskau - Complete Lieder Recordings on Deutsche Grammophon Cover
Dietrich Fischer-Dieskau - Complete Lieder Recordings on Deutsche Grammophon Cover
DIETRICH FISCHER-DIESKAU
Complete Lieder Recordings on DG
Works by:
Beethoven · Brahms · Reger
Pfitzner · Schoeck · von Einem
Schubert · Schumann · R. Strauss
Tchaikovsky · Wolf · Schoenberg
Ravel · Debussy · Ives
and many more
Dietrich Fischer-Dieskau
VÖ: 28. Oktober 2022
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Begleitend zur 107-CD-Edition gibt es eine Fülle von digitalen Alben, die erstmals zum Download und Streaming zur Verfügung stehen, darunter zwei Veröffentlichungen, die jetzt im dreidimensionalen Klangerlebnis von Dolby Atmos® verfügbar sind.
Neben diesen digitalen Angeboten ist die Veröffentlichung der Discoveries EP bemerkenswert, die bisher unveröffentlichte Aufnahmen von Werken von Schubert, Brahms und Schumann enthält.
Dietrich Fischer-Dieskau Discoveries EP Cover
Dietrich Fischer-Dieskau Discoveries EP Cover
DISCOVERIES Schubert · Schumann · Brahms
Dietrich Fischer-Dieskau
FRANZ SCHUBERT
Schwanengesang, D. 957: No 9, Ihr Bild
Schwanengesang, D. 957: No. 10, Das Fischermädchen
Punschlied, D. 253

ROBERT SCHUMANN
Romanzen und Balladen, Vol. IV: No. 3c, Auf ihrem Grab, da steht eine Linde

JOHANNES BRAHMS
5 Lieder, Op. 94: No. 4, Sapphische Ode
5 Lieder, Op. 105: No. 1, Wie Melodien zieht es mir
Dietrich Fischer-Dieskau
VÖ: 28. Oktober 2022
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Complete lieder recordings on Deutsche Grammophon

New to Dolby Atmos®

Wie Melodien zieht es

Sechs bisher unveröffentlichte Aufnahmen
Im Rahmen dieser Edition sämtlicher Lied-Aufnahmen von Dietrich Fischer- Dieskau bei Deutsche Grammophon werden erstmals sechs bisher unveröffent- lichte Einspielungen präsentiert. Warum diese Schätze erst jetzt gehoben wurden, hat verschiedene Gründe – ein Blick ins Dunkel der Schallarchive.
Als am 20. September 1949 im Berliner Kleist-Saal ein junger Sänger vor das Mikrofon trat, um mit Brahms’ Vier ernsten Gesängen seine erste Lied-Platte für Deutsche Grammophon aufzunehmen, konnte niemand ahnen, welche Jahrhundertkarriere hier ihren Anfang nahm. Der mehrfach verbesserte und durchgestrichene Name auf dem Aufnahmeprotokoll (s. Abb. S. 17) zeigt: Dietrich Fischer-Dieskau war zu dieser Zeit im wahrsten Sinne des Wortes noch ein »No-Name«. Tags zuvor hatte er mit Elfride Trötschel, Rita Streich, Lorenz Fehenberger und dem Orchester der Komischen Oper Berlin das Quartett »Lebt wohl, ihr süßen Stunden« aus Puccinis La Bohème aufgenom- men. »Ich war furchtbar nervös und hatte natürlich nicht die geringste Ahnung, wie viele Titel diesem einen vom 19. September 1949 noch folgen sollten«, gab der Sänger später zu Protokoll.
Doch bereits ein halbes Jahr zuvor, am 29. März 1949, hatten in Berlin Probeaufnahmen für Deutsche Grammophon stattgefunden. Mit zwei Lie- dern aus Schuberts Schwanengesang stellte der gerade einmal 23-jährige Bari- ton seine außergewöhnliche Begabung unter Beweis. 73 Jahre schlummerten »Ihr Bild« und »Das Fischermädchen« im Archiv, bis sie nun erstmals ver- öffentlicht werden (CD 52). Für »Ihr Bild« lässt sich der Sänger mit dreiein- halb Minuten alle Zeit der Welt; er sollte dieses Lied später nie mehr so langsam interpretieren. In der Heine-Vertonung »Das Fischermädchen« nimmt er das f bei »wir kosen Hand in Hand« mit kräftiger Bruststimme, während er es in einer Rundfunkaufnahme vom Januar 1948 in der für diesen Sänger so typischen, irisierenden voix mixte erreicht. Auf demselben Band befindet sich noch ein weiteres Schubert-Lied, gesungen von Ellinor Junker- Giesen, am Flügel ihr Mann Hubert Giesen (s. Abb. S. 28). Ob der berühmte Liedbegleiter auch Fischer-Dieskau zur Seite stand, lässt sich heute nicht mehr klären. Es könnte auch Klaus Billing gewesen sein, der bei der früheren Rundfunkaufnahme den Sänger begleitete.
Im März 1972 nahm Fischer-Dieskau im Berliner UFA-Studio zusammen mit der englischen Altistin Janet Baker und Gerald Moore am Klavier eine Reihe von Schubert-Duetten auf. Schuberts Punschlied D 253, auf der Band- schachtel als »Rest-Original« betitelt, verblieb im Archiv und wird hier erst- mals veröffentlicht (CD 61). Für die Einspielung erstellte man eine Fassung mit Klavierbegleitung und entschied sich für die Strophen 1 und 2 des ein wenig pathetischen Schiller-Gedichts über die Himmelsgabe der Kunst sowie geistiger Getränke, das bereits Schubert, so will es scheinen, nicht allzu ernst genommen hatte. Bei Baker und Fischer-Dieskau wird daraus eine heitere, al fresco hingeworfene und metrisch leicht »beschwipst« wirkende Miniatur von gerade einmal einer Minute Dauer.
Mit einem ähnlich gelagerten Fall haben wir es bei Schumanns Tragödie op. 64 zu tun. Die Nr. 3 der Trilogie nach Gedichten von Heinrich Heine, »Auf ihrem Grab, da steht eine Linde«, fand sich im Archiv als sogenannter »Rest-Titel« der Doppel-LP Robert Schumann – Duette für zwei Singstimmen mit Julia Varady und Peter Schreier sowie Christoph Eschenbach am Klavier (CD 74). Als Besonderheit mag freilich erscheinen, dass dieses kurze Duett, das von Schumann für Sopran und Tenor vorgesehen war, von Peter Schreier und Dietrich Fischer-Dieskau interpretiert wird, und der Text vom »Müllers- knecht mit seinem Schatz« berichtet.
In den 1970er-Jahren spielte Dietrich Fischer-Dieskau zusammen mit Daniel Barenboim einen Großteil des Brahms’schen Liedschaffens ein, die »Sapphische Ode« op. 94/4 und »Wie Melodien zieht es« op. 105/1 befanden sich nicht unter den veröffentlichten Werken. Tatsächlich aber wurden beide Lieder Ende der 1970er im Berliner Studio Lankwitz aufgenommen und sind zum ersten Mal in dieser Edition zu hören. Von der »Sapphischen Ode«, einem Lied für Frauenstimme par excellence, kommt nun mit dieser Auf- nahme Fischer-Dieskaus einzige Einspielung überhaupt ans Licht (CD 10), und in op. 105 Nr. 1 ziehen die Melodien weitaus eleganter und fließender als in anderen Einspielungen (CD 11). Wie konnte es sein, dass diese beiden herr- lichen Aufnahmen so lange im Archiv schlummerten? Beide Lieder wurden wenig später mit Jessye Norman eingespielt und blieben daher unter Ver- schluss. Zehn Jahre nach dem Tod von Dietrich Fischer-Dieskau vervollstän- digen sie nun die Diskografie dieses epochalen Sängers.
Markus Kettner
Schau dir jetzt "Would you have signed this singer? Do you know who he is? (Part 1)" von Dietrich Fischer-Dieskau an
Folge der Deutschen Grammophon