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Geborene Sängerin – Zum 80. Geburtstag von Brigitte Fassbaender

Brigitte Fassbaender
© Susesch Bayat
02.07.2019
Am 3. Juli 2019 begeht die Berliner Mezzosopranistin, Gesangspädagogin, Regisseurin, Autorin und Intendantin Brigitte Fassbaender ihren 80. Geburtstag. Die universalbegabte Künstlerin blickt auf eine große Laufbahn zurück. Fassbaender machte sich als herausragende Opern-, Lied- und Konzertsängerin einen Namen. Im Jahre 1961 debütierte sie an der Bayerischen Staatsoper in München, bevor sie wie im Flug die führenden Opernhäuser der Welt eroberte. Sängerisch bestachen ihr warmes Timbre, ihr ebenso leidenschaftlicher wie kontrollierter Ausdruck und ihre virtuose Agilität, der man keinerlei Anstrengung anmerkte. 

Opernlegende Fassbaender

Schauspielerisch war die Tochter der Bühnen- und Filmschauspielerin Sabine Peters eine Naturbegabung. Sie zog das Publikum durch ihre wahrhaftige Art in den Bann. Die singende Schauspielerin füllte Hosenrollen wie den Octavian in Straussens “Rosenkavalier” genauso sensibel aus, wie sie sich verletzlicher weiblicher Charaktere annahm. Zu ihren Lieblingsrollen zählt die Charlotte in Massenets “Werther”. Mit der Dorabella in Mozarts Oper “Così fan tutte” erlangte sie Kultstatus. Der Zeitung “Die Welt” zufolge soll sie noch nach ihrer aktiven Laufbahn auf diese Rolle angesprochen worden sein: “Gell, Sie waren doch die Dorabella, damals in Berlin?”     

Romantisches Liedgut

Unübertroffen ist ferner ihre Interpretationskunst romantischer Lieder. Was Brigitte Fassbaender mit Schubert, Schumann oder Brahms angestellt hat, führt ins Herz des romantischen Welterlebens. Die Sängerin ist nicht auf puren Schöngesang aus, sondern richtet ihr Hauptaugenmerk auf den Gefühlsinhalt romantischer Poesie. Entsprechend tiefsinnig sind ihre zahlreichen Referenzaufnahmen auf diesem Gebiet. Gemessen an ihrem sängerischen Welterfolg, den sie mit einer zweiten Karriere als Regisseurin, Autorin und Intendantin gekrönt hat, konnte sie sich ein sympathisches Maß an Zurückhaltung bewahren. 
In jungen Jahren war sie nach eigenem Bekunden ohnehin scheu. So traute sie sich zum Beispiel nicht, ihrem Vater, dem großen Bariton Willi Domgraf-Fassbaender, vorzusingen. Stattdessen schickte sie ihm ein Tonband von sich: “Hör Dir das mal an.” Er hörte und bildete seine Tochter aus. Eine triumphale Gesangskarriere, die im Jahre 1994 mit einem ebenso souveränen wie wehmütigen Bühnenabschied endete, nahm ihren Lauf. 
Brigitte Fassbaender hat über 250 Aufnahmen gemacht, die ihre facettenreiche Gesangskunst eindrucksvoll bezeugen. Mit “The Brigitte Fassbaender Edition” liegt jetzt bei Deutsche Grammphon eine faszinierende Sonderausgabe vor, die einen glänzenden Überblick über ihr Gesamtschaffen bietet. Eine Hommage zur rechten Zeit und an eine große Frau, vor der man sich nur verneigen kann.