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Jubiläums-Edition zum 450-jährigen Bestehen der Staatskapelle Berlin

450 Years Staatskapelle Berlin
© DG
30.04.2020
In diesem Jahr feiert der berühmte Klangkörper, der im Orchestergraben genauso beheimatet ist wie auf der Konzertbühne, sein 450-jähriges Bestehen. Die Staatskapelle Berlin hat seit 1916, so Detlef Giese, Dramaturg an der Staatsoper Unter den Linden, “einige Tausend Aufnahmen gemacht”, darunter viele, “die legendären Status erlangt haben”. Von diesem reichen Fundus zehrt die gerade erschienene Edition, die auf 15 Tonträgern Schlüsselaufnahmen des Orchesters versammelt. 
Jede CD ist einem der zahllosen Stardirigenten gewidmet, die die Geschichte des Orchesters säumen, darunter neben Daniel Barenboim und Pierre Boulez Größen wie Richard Strauss, Otto Klemperer, Wilhelm Furtwängler, Erich Kleiber, Herbert von Karajan oder Otmar Suitner. Das Repertoire der Ausgabe reicht von der Wiener Klassik über die Romantik bis hin zur Avantgarde des frühen 20. Jahrhunderts um Größen wie Arnold Schönberg, Alban Berg oder Paul Dessau. Sinfonisches und Opernrepertoire ist in der Jubiläumsedition, die mit zahlreichen, hochwertig gemasterten Raritäten der Schellack-Ära und CD-Erstveröffentlichungen von Rundfunkmitschnitten aufwartet, gleichermaßen vertreten. 
100 Jahre Aufnahmegeschichte eines Spitzenorchesters
Entstanden ist so ein Klangpanorama von ungeheurer Farbenpracht. Wer mitreißende Orchestermusik liebt, der kann sich kaum satthören an der unvorstellbaren Fülle großartiger Aufnahmen, die hier zu erleben ist. Dass die Staatskapelle bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf einem modernen Ast war, beweist der flirrende Ton, den Richard Strauss ihr bei einer Aufführung seines Till Eulenspiegel angedeihen lässt. Der getragene Gestus, mit dem Wilhelm Furtwängler den zweiten Akt von Wagners “Tristan und Isolde” zum Klingen bringt, dürfte hingegen eher etwas für eingefleischte Romantiker sein. Klangliche Perfektion und einen dramatischen Sog weiß der junge Karajan mit seiner leidenschaftlichen Interpretation von Beethovens Sinfonie Nr. 7 in A-Dur zu erzeugen. Ein Feingeist wie Michael Gielen, der mit Schubert und Schönberg in der Ausgabe vertreten ist, nimmt sich dagegen eher als Meister der Zwischentöne aus. Die Reihe ließe sich nahtlos fortsetzen. Für jeden ist in dieser Edition etwas dabei.          
Bestechend an dem Editionsprojekt ist indes nicht nur die fesselnde Musik, sondern auch das unterhaltsame Begleitbuch. Wer die Stimmungen der Zeitabschnitte, in denen die Aufnahmen jeweils entstanden sind, verstehen möchte und sich für die höchst unterschiedlichen Biographien, Ideale und Temperamente der Dirigenten interessiert, der wird in dem großartigen Booklet der Ausgabe fündig. Dort stößt er auch auf eine Chronik, mit der er sich einen hervorragenden Überblick über die 450-jährige Geschichte der Staatskapelle Berlin verschaffen kann.