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Die Salzburger Festspiele – Lebendige Tradition

100 Jahre Salzburger Festspiele
© DG
22.07.2020
Lange stand es auf der Kippe: können die diesjährigen Festspiele in Salzburg stattfinden oder muss das 100-jährige Jubiläum des bekanntesten Musikfestivals der Welt wegen des Coronavirus, das die Gesellschaft vor die größte Herausforderung seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs stellte, verschoben werden?
Schließlich waren die Salzburger Festspiele einmal in Zeiten größter Not als mutiges Projekt gegen die Krise gegründet worden. Kunst nicht als Dekoration, sondern als Lebensmittel und Lebenssinn – Max Reinhardt war davon überzeugt, dass nur sie die vom Krieg gegeneinander gehetzten Völker wieder versöhnen könnte. Große Erleichterung darum bei allen, als im Mai endlich weißer Rauch aufstieg: Die Festspiele 2020 finden statt, zwar in modifizierter und verkürzter aber doch in einer, des Jubiläums würdigen Form.

Ein “magischer Würfel”

Für die Freunde dieses Ausnahme-Events gibt es nun Grund zu doppelter Freude: Gerade rechtzeitig zur Eröffnung der diesjährigen Salzburger Festspiele am 1. August erscheint jetzt bei Deutsche Grammophon als Ergebnis langjähriger Zusammenarbeit zwischen beiden Institutionen ein prächtiges Stück österreichisch-deutscher Schallplattengeschichte: eine 58-CD-Limited Edition, ein “magischer Würfel”, dessen Inhalt – über sieben Jahrzehnte (1947–2016) reicher Festspielgeschichte – sich vor uns ausbreitet. Opern, Konzerte, Recitals und Gesprochenes Wort – jedes der vier Kapitel birgt, in chronologischer Reihenfolge, wahrhafte Schätze.
Opernfreunde kommen voll auf ihre Kosten. Durch Karl Böhms Aufnahme der “Arabella” von 1947 etwa, mit Lisa Della Casa als Zdenka und Hans Hotter als Mandryka – zwei Jahre nach dieser triumphalen Aufführung starb Richard Strauss. In Rudolf Hartmanns gefeierter Inszenierung des “Rosenkavalier”, mit der 1960 das Große Festspielhaus, das dritte Salzburger Theater, eröffnet wurde, sang Sena Jurinac unter Karajan den Octavian. Die Marschallinnen des Maestros waren Lisa Della Casa und Elisabeth Schwarzkopf. Auch Hilde Güden, Irmgard Seefried, Hermann Prey, Fritz Wunderlich, Rudolf Schock erheben ihre Stimmen – und an den Pulten der Wiener und der Berliner Philharmoniker wechselten sie sich ab: Herbert von Karajan, Claudio Abbado, Ferenc Fricsay, Daniel Barenboim. Oder aber Carlo Rizzi – allen wird noch das Rauschen des internationalen Feuilleton-Blätterwaldes in Erinnerung sein, das zum Erscheinen seiner Aufnahme von Verdis “La traviata” mit Anna Netrebko, Rolando Villazón und Thomas Hampson einsetzte. Sie war eine der erfolgreichsten Produktionen der Deutschen Grammophon – entstanden ist sie bei den Salzburger Festspielen 2005.
Ebenfalls dokumentiert sind unvergessene Konzerterlebnisse, wie Albans Bergs “Lulu-Suite” mit Anna Prohaska und Pierre Boulez (2013), Mahlers 8. Sinfonie unter Leonard Bernstein (1975) oder – zum ersten Mal auf CD veröffentlicht – Mozarts Sinfonie Nr. 26 unter der Leitung von Bernhard Paumgartner.
Dass die großen Bühnen der Salzburger Festspiele auch wirkungsvoller Austragungsort von Recitals großer Künstler waren, wird eindrucksvoll durch Aufnahmen mit den Klavierlegenden Alfred BrendelGrigory SokolovMartha Argerich und Nelson Freire belegt.
Die 1958er Aufnahme von “Jedermann”, jener Tragödie von Hugo von Hofmannsthal, mit der am 22. August 1920 die ersten Salzburger Festspiele eröffnet wurden und das seither traditionell auf dem Salzburger Domplatz aufgeführt wird, bringt eine Wiederbegegnung mit dem Kapellmeister Karl Hudez und Schauspielern wie Will Quadflieg, Günther Haenel oder Roswitha Posselt. Sie spielte die Rolle des “Schuldknechts Weib” beim “Jedermann” von 1936 bis 1965.
Solche Traditionen lebendig bleiben zu lassen, dazu trägt diese Edition bei.