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Expressive Klanggemälde für Klavier und Streicher – Schostakowitsch, Lutosławski und Schnittke

Denis Matsuev - Shostakovich, Schnittke, Lutosławski - Kammerorchester Wien - Berlin
© Mosaiko/ photocase.de
08.04.2020
Nur drei Tage nach der Fertigstellung seiner 24 Präludien, begann Dmitri Schostakowitsch am 5. März 1933 mit der Arbeit an einem Klavierkonzert, op. 35 in c-Moll.  Bereits am 15. Oktober desselben Jahres stellte er es in Leningrad vor. Die Uraufführung spielte er selbst und riss dabei mit dem in atemberaubendem Tempo gespielten Finale das Publikum von Sitzen. Der individuelle Charakter dieses Konzerts zeigt sich nicht nur in seiner Instrumentenzusammenstellung – Streichorchester, Klavier und Trompete – sondern auch in der Unbekümmertheit, mit welcher der junge Schostakowitsch den musikalischen Anspruch formuliert. Dieses Konzert, so erklärte er einem Freund, der das Fehlen einer Kadenz bemängelt hatte, sei kein übliches, “mit Passagen über die ganze Skala des Instruments, nur um zu zeigen, dass du Tonleitern spielen kannst!” Traditionelles Komponieren – der erste Satz in klassischer Sonatenhauptsatzform – begegnet dem für Schostakowitsch so typischen Persiflieren und Parodieren. Dass er schließlich auf Drängen des befreundeten Pianisten für den Finalsatz doch noch eine Kadenz komponierte, ist nur die eine Hälfte der Geschichte. Die andere ist, dass Schostakowitsch dafür das Thema des Beethoven Rondos “Die Wut über den verloren Groschen” benutzte, freilich mit der für ihn typischen Ironie und  mit extremen Anforderungen an die beiden Solisten und das Orchester. Mit Bravour meistern Denis Matsuev am Klavier und Trompeter Gabor Tarkövi dieses anspruchsvolle Werk.

Original und Bearbeitung

Der 1934 geborene russische Komponist Alfred Schnittke, der in den 50er Jahren am Moskauer Konservatorium studierte und später dort auch unterrichtete, hatte in der damaligen Sowjetunion einen schweren Stand als Komponist und gewann seine Popularität zunächst im Westen, etwa mit den Aufführungen seines 1. “Concerto Grosso” für zwei Violinen, Cembalo, Präpariertes Klavier und Streicher, das 1977 entstand. Zwei Jahre später komponierte er sein Konzert für Klavier und Streicher. Wie schon in seinen Concerti Grossi verarbeitet er auch in seinem einsätzigen Klavierkonzert verschiedenste historische und moderne Einflüsse. Das Werk beginnt ganz einfach und leise — das Klavier spielt eine fallende große Terz, die den Tönen der Türglocke seiner Moskauer Wohnung entspricht — schwingt sich auf zu einem expressiven Klangemälde mit den Zitaten vielfältigster musikalischer Formen und Motive und verklingt schließlich in einem dichten Cluster der Streicher im Pianissimo. Hier zeigt sich die hohe Musikalität des Kammerorchesters Wien-Berlin. Bereits 2008 gegründet, setzt es sich aus führenden Musikern der Berliner und der Wiener Philharmoniker zusammen und schreibt seitdem an seiner Erfolgsgeschichte. Dieses Konzert liegt hiermit erstmals im Katalog der Deutschen Grammophon vor.
Den Schlusspunkt dieses Albums setzen die “Variationen über ein Thema von Paganini” von Witold Lutosławski, der neben dem jetzt verstorbenen Krzysztof Penderecki und Karol Szymanowski zu den bedeutendsten polnischen Komponisten der Moderne gehörte. Lutosławski, seinerzeit selbst auch erfolgreicher Pianist, komponierte seine Paganini-Variationen für zwei Klaviere, die heute zur Standardklavierliteratur zählen, im Jahre 1941. Für die hier vorliegende Aufnahme wurden sie von dem russischen Komponisten Alexander Warenberg bearbeitet für Klavier, Streichorchester und Percussion. Ihn und den Pianisten Denis Matsuev verbindet bereits ein weiter zurückliegendes Projekt: 2007 spielte Matsuev in Paris die Uraufführung des so genannten “Fünften Klavierkonzerts” Sergej Rachmaninows — eine Bearbeitung von dessen 2. Symphonie durch Alexander Warenberg.