Diverse Künstler | News | Sommergefühle – Tschaikowskys heiteres Streichsextett in einer stürmischen Aufführung mit Lisa Batiashvili und Gautier Capuçon

Sommergefühle – Tschaikowskys heiteres Streichsextett in einer stürmischen Aufführung mit Lisa Batiashvili und Gautier Capuçon

Live from Verbier Festival Tchaikovsky: Souvenir de Florence, Op. 70
© Fred Münzmaier
30.07.2020
Das Verbier Festival in den Schweizer Alpen kann in diesem Jahr corona-bedingt nicht stattfinden. Martin Engströem, Gründer des beliebten Musikevents, hat als Alternative zu der örtlichen Zusammenkunft ein digitales Programm aufgelegt. Unterdessen würdigt Deutsche Grammophon das Festival mit der Veröffentlichung von vier Live-Alben. Zwei davon sind bereits erschienen: eine gefeierte Aufführung von Schostakowitschs frühem Klaviertrio Nr. 1 in c-Moll mit dem jungen Ausnahmepianisten Lucas Debargue und dem lettischen Starcellisten Mischa Maisky und eine stimmungsvolle Interpretation von César Francks zukunftsweisendem Klavierquintett in f-Moll mit dem kanadischen Klaviervirtuosen Marc-André Hamelin
Jetzt kommt als drittes Album der vierteiligen Serie eine entfesselte Darbietung von Tschaikowskys heiterem Streichsextett in d-Moll “Souvenir de Florence”, op. 70 heraus. Der Mitschnitt stammt aus dem Jahre 2013. Das Ensemble ist hochkarätig besetzt. An der Seite von Stars wie Leonidas Kavakos (Geige), Lisa Batiashvili (Geige), Gautier Capuçon (Cello) oder Antoine Tamestit (Bratsche) treten mit Blythe Teh Engstroem (Bratsche) und Stephan Koncz (Cello) aber auch Solisten auf, die gerade erst internationale Bekanntheit erlangen.

Sommerlicher Atem

Die Stimmung ist von Beginn an hochgespannt. Das Ensemble startet furios in den ersten Satz. Die emotionale Aufgewühltheit zu Beginn des Streichsextetts kommt lebhaft zur Geltung. Tschaikowsky komponierte das Werk im Sommer 1890 gut gelaunt auf seinem Landsitz in Frolowskoje. Den Februar und März desselben Jahres hatte er in Florenz verbracht. Dort erlebte er eine im Großen und Ganzen glückliche Zeit und fertigte im Zeitraum von nur zwei Monaten eine vollständige Skizze seine Oper “Pique Dame” an. Als er die Arbeit beendet hatte, geriet er jedoch in eine seelische Krise. Er bedauerte Hermann, der am Schluss seiner Oper Selbstmord begeht, so stark, dass er nach dem Bericht seines Schülers Nikolai Kaschkin endlos weinen musste. 
Diese trüben Wolken ziehen noch durch den Kopfsatz und das elegische Adagio seines Streichsextetts. Dennoch gilt “Souvenir de Florence” als eines der heitersten Werke des russischen Komponisten. Der Grund hierfür dürfte in der sommerlich-flirrenden Atmosphäre liegen, die durch das gesamte Werk zieht und selbst noch die melancholischen Passagen weht. Den sommerlichen Duft des beliebten Streichsextetts verströmt der gerade erschienene Live-Mitschnitt aus Verbier in einer kaum je erlebten Intensität.