Sergei Babayan | Biografie

Biografie

Aufgrund der Covid−19-Pandemie können wir momentan keine zuverlässigen Aussagen bezüglich der jetzigen und kommenden Spielzeit machen.
Meditative Konzentration und ungewöhnliche Ruhe kennzeichnen das Spiel von Sergei Babayan – das Hamburger Abendblatt vergleicht ihn mit »einem dieser japanischen Kalligraphen, die stumm das weiße Blatt vor sich fixieren, bis sie im richtigen Moment ihren Schriftzeichen-Pinsel in einem perfekten Schwung nur das tun lassen, wofür ein Pinsel nun mal ein Pinsel ist«. Für den armenisch-amerikanischen Pianisten ist Musizieren ein Prozess, der offen sein sollte für Überraschungen und spontane Erkenntnisse, damit unerwartete Emotionen auftauchen und subtile Nuancierungen sich natürlich entwickeln können. Seine wohldurchdachte musikalische Arbeit ist das Ergebnis von Jahrzehnten sorgfältigster Beschäftigung mit den Werken. Zu seinem vielfältigen und umfassenden Repertoire gehören über 60 Konzerte und andere Werke von Komponisten wie Bach, Beethoven, Ligeti, Lutosławski, Prokofjew, Pärt, Rameau und Ryabov.
Babayans erstes Album für Deutsche Grammophon erschien im März 2018. Auf Prokofiev for Two spielte er im Duo mit der legendären Martha Argerich seine eigenen brillanten Transkriptionen für Klavier zu vier Händen von Sätzen aus Prokofjews Romeo und Julia und anderen Werken des Komponisten. Le Devoir (Montreal) feierte das Album als »die CD, auf die wir gewartet haben«, während der Kritiker Norman Lebrecht erklärte, es habe »das Klavierduo auf ein neues Niveau« gehoben, »wenn alle Musik so wäre, gäbe es kein Leid auf der Welt«.
Im Juli 2018 unterzeichnete Sergei Babayan einen Exklusivvertrag mit dem gelben Label. »Mit 14 Jahren lernte ich Deutsche Grammophon erstmals durch Martha Argerichs Aufnahme des e-Moll-Konzerts von Chopin kennen«, sagt er. »Das formte mich als Musiker und ist mir bis heute künstlerische Richtschnur. Deutsche Grammophon steht für mich für die Welt und das Schaffen der Künstler, die ich mein Leben lang am meisten bewundert habe. Auch andere Aufnahmen aus jener Zeit sind mir in klarer Erinnerung, sie stammen von Arturo Benedetti Michelangeli und Vladimir Horowitz. Heute selbst ein DG-Künstler zu sein ist für mich ein außerordentliches Privileg und eine große Ehre. Ich bin meinem Schicksal dafür sehr dankbar.«
Im August 2020 erscheint nun sein erstes Soloalbum für Deutsche Grammophon – ein sehr persönliches Programm mit Musik von Rachmaninow. Dessen Werk nimmt eine zentrale Stellung im Leben des Pianisten ein, seit er als 13-Jähriger das Klavierkonzert Nr. 2 für sich entdeckte. Das Album enthält eine sorgfältig zusammengestellte Reihe von Miniaturen, dazu gehören Stücke aus den Préludes opp. 23 und 32, den Études-Tableaux opp. 33 und 39 und den Moments musicaux op. 16 sowie Transkriptionen des dritten Satzes der Cellosonate op. 19 und die Lieder »Flieder« und »Melodie« aus dem Zyklus op. 21.
Geboren als Sohn einer musikalischen Familie in Armenien, erhielt Sergei Babayan mit sechs Jahren ersten Klavierunterricht bei Luiza Markaryan und später bei dem Pianisten Georgy Saradjev, einem führenden Repräsentanten der St. Petersburger Schule und ehemaligen Schüler des legendären Vladimir Sofronitsky. Babayan studierte anschließend bei Lev Naumov, Vera  Gornostayeva und Mikhail Pletnev am Moskauer Konservatorium. Als die Sowjetunion Ende der 1980er-Jahre zusammenbrach, war er der erste Künstler aus der UdSSR, der ohne staatliche Unterstützung an internationalen Wettbewerben teilnahm.
Babayans Durchbruch erfolgte 1989 mit rasch aufeinanderfolgenden Siegen bei dem internationalen Robert-Casadesus-Wettbewerb (inzwischen umgetauft als Cleveland International Piano Competition), dem internationalen Hamamatsu-Wettbewerb in Japan und dem internationalen schottischen Klavierwettbewerb. Nach seinem Umzug in die USA wurde er 1992 artist-in-residence am Cleveland Institute of Music. Seither gastierte er an renommierten Häusern wie der Carnegie Hall, Wigmore Hall, dem Théâtre des Champs-Elyseés, Konzerthaus Berlin und Prinzregententheater in München sowie bei den Festspielen in Salzburg, Verbier und La Roque d’Anthéron. Er arbeitete mit führenden Dirigenten wie Valery Gergiev, Neeme Järvi, Rafael Payare, David Robertson, Tugan Sokhiev, Gábor Takács-Nagy, Yuri Temirkanov, Joshua Weilerstein und Nikolaj Znaider.
Im November 2019 war Sergei Babayan »Curating Artist« am Konzerthaus Dortmund, wo er Aufführungen mit seinen engsten musikalischen Partnern und Freunden wie Martha Argerich, Daniil Trifonov, Mischa Maisky, Sergey Khachatryan sowie Valery Gergiev und dem Mariinski-Orchester präsentierte. Weitere Höhepunkte von Babayans Saison 2019/20 sind erste Auftritte mit den Bamberger Symphonikern, dem Gewandhausorchester Leipzig und dem Toronto Symphony Orchestra sowie Duo-Konzerte mit Daniil Trifonov in den USA und Recitals mit Werken von J. S. Bach und Chopin.
Zu seinen Plänen für die kommende Saison gehören Auftritte beim Tsinandali Festival in Georgien im September, Montreal Bach Festival im November und Verbier Festival im Juli 2021; Griegs Klavierkonzert in Brüssel mit dem Orchestre symphonique de la Monnaie und Alain Altinoglu; sowie Bachs Goldberg-Variationen in Meiningen und Leipzig.
7/2020