Viktor Orri Árnason & Álfheiður Erla Guðmundsdóttir | News | 'Poems' von Viktor Orri Árnason und Álfheiður Erla Guðmundsdóttir erscheint heute

Viktor Orri Árnason & Álfheiður Erla Guðmundsdóttir

‘Poems’ von Viktor Orri Árnason und Álfheiður Erla Guðmundsdóttir erscheint heute

Viktor Orri Árnason & Álfheiður Erla Guðmundsdóttir
© V&A
10.11.2023
Poems, das Gemeinschaftsprojekt des Komponisten, Dirigenten und Produzenten Viktor Orri Árnason und der Sopranistin und bildenden Künstlerin Álfheiður Erla Guðmundsdóttir erscheint heute bei Deutsche Grammophon. In der Auseinandersetzung mit ihrem kulturellen Erbe haben die beiden Künstler:innen für Poems zehn Stücke geschrieben, in denen sie die Lyrik isländischer Dichter:innen aus Vergangenheit und Gegenwart vertonen, darunter auch eigene Texte. Poems kommt auf CD, als LP und digital heraus, zusammen mit einem Video zu »Líkaminn er þaninn fiðlustrengur« (Der Körper ist eine vibrierende Geigensaite), in dem Guðmundsdóttir Regie führte.
Árnason und Guðmundsdóttir ließen sich inspirieren von Ólöf Sigurðardóttir frá Hlöðum (1857–1933), Hulda (1881–1946), Guðfinna Jónsdóttir frá Hömrum (1899–1946), Sigurður Pálsson (1948–2017) und Arndís Lóa Magnúsdóttir (geb. 1994), deren literarische Werke von Fragilität und Einsamkeit, Wandel und Erneuerung, der Schönheit der Natur und der Macht der Worte erzählen. Und sie schrieben selbst je einen Text.
»Wie alle guten Gedichte können auch diese Texte auf unterschiedliche Weise gedeutet werden«, sagt Árnason. Das Eröffnungsstück – eine Vertonung von Pálssons »Rödd« (Stimme) – lässt sich beispielsweise als Aufforderung verstehen, »die innere Stimme wahrzunehmen, die zu einem spricht. Wir alle haben sie. Sie ist dem Menschen eigen.« Auch jenen war sie eigen, die um Anerkennung ringen mussten, wie die isländischen Dichterinnen des 19. und 20. Jahrhunderts, die hier vertreten sind, oder die zeitgenössische Schriftstellerin Magnúsdóttir, deren künstlerischer Werdegang aufgrund ihrer Behinderung erschwert war.
Ihr Gedicht »Líkaminn er þaninn fiðlustrengur« erschien in ihrem Lyrikband mit Texten über Isolation und Selbstausdruck. »Ich hätte nie damit gerechnet, dass mein Gedicht einmal vertont wird. Ich habe meine Gedichte bisher ja noch nicht einmal laut gelesen«, sagt Magnúsdóttir. »Jetzt zu hören, wie mein Text durch Álfheiðurs wunderbare Stimme lebendig wird, ist einfach großartig.«
Álfheiður hat auch ein Video zu diesem Titel produziert, in dem sie Regie führte. Es wurde in der Natur gedreht und zeigt die Tänzer:innen Matthea Lára Pedersen und Frank Fannar Pedersen. »Dieses schöne Gedicht ›Líkaminn er þaninn fiðlustrengur‹ von Arndís Lóa Magnúsdóttir hat uns inspiriert. Es geht der Körperlichkeit der Sprache nach und dem Bedürfnis, durch Kommunikation in der Welt zu sein«, sagt Guðmundsdóttir. »Das Gedicht hat eine enge Beziehung zu Musik, zu Schallwellen und neurologischen Botschaften und wirft ein Licht auf einen unkontrollierbaren Körper, der zugleich seine Schönheit offenbart.«
Bei der Aufnahme von Poems entdeckte die preisgekrönte Sopranistin Guðmundsdóttir, derzeit Ensemblemitglied am Theater Basel, ganz neue Möglichkeiten, mit ihrer Stimme zu experimentieren. Anders als auf ihren gewohnten Bühnen von Konzertsaal und Opernhaus, die nach einem raumgreifenden Ton verlangen, zählt hier der intime Ausdruck. Árnason begleitet Guðmundsdóttirs zurückhaltenden, schwebenden Gesang am Klavier. Die Musik ist aus ihren Improvisationen entstanden, die er als »abstrakt, aber auch als einfach und zugänglich« beschreibt. Manchmal greift er zu Geige oder Bratsche, teils im Zusammenspiel mit Streichern aus dem Reykjavík Orkestra und elektronischen Klängen. Minimalistisch ist der Stil, die Stimmung ruhig. Nichts stört die bewusste Reflexion, zu der die Musik die Hörer:innen einlädt.
Árnason und Guðmundsdóttir haben Stücke von Poems auf einer Europatournee der polnischen Komponistin, Pianistin und Sängerin Hania Rani vorgestellt, unter anderem in diesem Herbst im Pariser Salle Pleyel und im Luzerner KKL. Weitere Konzerte sind für 2024 geplant.

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