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Christoph Willibald Gluck
Christoph Willibald Gluck

Reformator der Oper - Die Edition "Gluck - Die großen Opern"

Christoph Willibald Gluck
© Decca
28.05.2014

“So reizvoll der Genuss und das Erstaunliche einer virtuosen Darbietung sein mögen, so konfrontiert sie den Betrachter doch unausweichlich mit der Kluft zwischen ihm und dem Betrachteten”, schreibt die Musikwissenschaftlerin Elisabeth Le Guin. Es war der mangelnde Realbezug, der die künstlerische Bedeutung der italienische Opera seria um 1750 zunehmend fragwürdig erscheinen ließ. Sinnbild dafür war der Aufstieg von Sopranistinnen und Kastraten zu Belcanto-Superstars. Deren außergewöhnliche Gesangsleistungen, zur Schau gestellt innerhalb einer mechanischen Abfolge von Rezitativen und Arien, geboten zwar Ehrfurcht. Doch mit fast übermenschlichen Fähigkeiten sangen diese Virtuosen in einer abgehobene Sphäre, zu der ein gewöhnlicher Sterblicher keinen inneren Bezug herzustellen vermochte. Die beabsichtigte moralisch läuternde Wirkung musikalischer Dramen werde auf diese Weise verfehlt, lautete eine verbreitete Kritik. Was sagte es im übrigen über die Bedeutung von Komponisten und Librettisten zu jener Zeit aus, dass ein berühmter Sänger eine für ihn geschriebene Glanzarie in beliebige Opern einfügen lassen konnte?  

Dramatische Wahrhaftigkeit

Christoph Willibald Gluck (1714–1784) war der einflussreichste unter jenen Komponisten, die danach trachteten, der “Eitelkeit der Sänger” Einhalt zu gebieten und die italienische Opera seria “wieder auf ihre wahre Bestimmung zurückzuführen: durch den Ausdruck und die Situationen des Gegenstandes der Dichtung zu dienen, ohne die Handlung zu unterbrechen oder sie durch unnütze oder überflüssige Zierate abzuschwächen”, wie sein kongenialer Librettist Raniero di Calzabigi in der Vorrede zur Oper “Alceste” schreibt. Angeregt von Calzabigi, der in Paris die ästhetischen Ideen der französischen Aufklärung in sich aufgenommen hatte, suchte Gluck in seinen Reformopern die Weiterentwicklung der Opernkunst nach realistischen Prinzipien zu verwirklichen. Seine Ziele waren dramatische Wahrhaftigkeit und die Anteilnahme des Publikums am Gefühlsleben und Schicksal der Charaktere. Die Oper sollte keine leere Rhetorik, sondern dramatische Handlung entwickeln, keine starren Charaktere auf die Bühne stellen, sondern Menschen und ihre Leidenschaften porträtieren. 

Die Reformopern

In “Orfeo ed Euridice” (Uraufführung 5. Oktober 1762 in Wien) nach einem Libretto von Calzabigi verwirklichte Gluck seine bahnbrechenden Ideen. Auf verästelte Nebenhandlungen, ein typisches Merkmal der italienischen Opera seria, verzichtet das Libretto. Nur drei Hauptcharaktere, statt der üblichen sechs oder sieben tragen das Geschehen. Die gängige Form der virtuosen Da capo-Arie, durch ihren Wiederholungscharakter oftmals im Widerspruch zum dramatischen Fortgang, glänzt hier durch Abwesenheit. Stattdessen setzt Gluck auf Liedformen und eine schlichte, ergreifende Liedmelodik. “Orfeo ed Euridice” beinhaltet eine große Zahl von Tänzen und gibt dem Chor viel Raum. Auch das Orchester tritt weitaus stärker als bislang üblich in Erscheinung, so etwa in den vom ganzen Streichorchester begleiteten Rezitativen oder in der Arie “Che puro ciel”, wo die Oboe die Hauptmelodie spielt und der Gesang relativ zurückhaltend bleibt. Gluck verwirklichte in “Orfeo” und in seinen nachfolgenden Reformopern für Wien und Paris das Ideal einfacher Schönheit und zeichnete die individuellen Nuancen der Charaktere und Situationen mit bis dato ungekannter Genauigkeit.

Limitierte Edition zum 300. Geburtstag

“Gluck – Die großen Opern” versammelt die sechs großen Reformopern von Christoph Willibald Gluck zum ersten Mal in einer limitierten 15CD-Edition, die anlässlich des 300. Geburtstags des Komponisten erscheint. Glucks bedeutende Rolle in der Entwicklungsgeschichte der Oper wird so umfangreich dokumentiert. Die Edition enthält neben den Opern “Alceste”, “Armide”, “Paride ed Elena”, “Iphigénie en Tauride”, “Iphigénie en Aulide” gleich zwei Versionen des Orpheus-Stoffes: Das Original “Orfeo ed Euridice” komponiert für Wien 1762 (John Eliot Gardiner), und die Pariser Fassung von 1774 als “Orphée et Eurydice”, in französischer Sprache und mit zusätzlicher Musik (Mark Minkowski). Die Bonus-CD enthält Aufnahmen von herausragenden Gluck-SängerInnen unserer Zeit wie Cecilia Bartoli, Magdalena Kozená, Andreas Scholl und Juan Diego Flórez, aber auch legendäre Einspielungen von Größen wie Dame Janet Baker, Marilyn Horne und Kathleen Ferrier.

Zum Produkt geht es hier: Gluck, die großen Opern

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GLUCK The Great Operas
2. Juni 2014

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