Der Soul von Mozart und der Spirit von Monk: gespannt erwartete Batiste-Alben erschienen - Jon Batiste | Deutsche Grammophon

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Der Soul von Mozart und der Spirit von Monk: gespannt erwartete Batiste-Alben erschienen

Jon Batiste at Carnegie Hall
(c) Verve Records
14.08.2026

Seit Jon Batiste im Jahr 2018 mit dem Album “Hollywood Africans” bei Verve Records debütierte, hat er so ziemlich alles erreicht, was sich ein Musiker nur erträumen kann. Auf fünf Studio- und drei Live-Alben für das traditionsreiche Label zeigte er nicht nur seine erstaunliche stilistische Vielseitigkeit, sondern auch seine Fähigkeiten als ausdrucksstarker Sänger, findiger Songwriter und Multiinstrumentalist. Belohnt wurde er für seine unbändige Kreativität in diesen acht Jahren mit acht Grammy Awards, darunter 2021 die Auszeichnung für das “Album des Jahres” für “We Are”, einem Oscar für die beste Originalmusik für den Disney/Pixar-Film “Soul” und einem Emmy. Doch welchen Weg soll ein Musiker einschlagen, wenn er scheinbar schon alles erreicht hat? Jon Batiste entschied sich dafür, zu seinen musikalischen Wurzeln als Pianist zurückzukehren und dabei gleichzeitig kühn mit den Traditionen zu brechen.

Für das außergewöhnliche Album “Beethoven Blues”, mit dem er vor zwei Jahren seine Batiste Piano Series begann, interpretierte der Pianist das Vermächtnis Ludwig van Beethovens mit den Ausdrucksmitteln von Blues und Jazz neu und ließ dessen Werke dabei zeitlos und modern zugleich erklingen. Das Projekt wurde zu einem seiner bislang größten kommerziellen Erfolge und stand mehr als zwei Monate lang an der Spitze der Billboard-Charts für Klassikalben. Nun setzt er die Reihe mit den drei Alben “Black Mozart”, “Monk Movements” und “Monk Meditations” fort. Entstanden sind sie allesamt an einem einzigen Tag während einer improvisationsreichen Aufnahmesitzung.

Wie Jon Batiste auf “Black Mozart” Mozart mit Jazz, Blues und Ragtime neu interpretiert

Mit “Black Mozart” (Batiste Piano Series Vol. 2) knüpft Batiste im Grunde an das Konzept von “Beethoven Blues” (Batiste Piano Series Vol. 1) an, erweitert dabei aber zugleich das stilistische Spektrum um afrokubanische und andere Einflüsse. Batiste beschreibt Mozart als einen "Pionier, der seine eigene musikalische Sprache schuf und dennoch seine Vorgänger würdigte”. So wie es auch Batiste selbst tut. Außerdem lobt er die Ausgewogenheit Mozarts zwischen “extremer melodischer Einfachheit und intensiver Komplexität”.

“Wie Thelonious Monk, der in meinen Augen genau dieselben Qualitäten besaß, war Mozart ein akribischer Metaphysiker, der eine besondere Mischung aus logischer Meisterhaftigkeit schuf, die sich bis heute irgendwie jeder Erklärung entzieht”, fährt Batiste fort. Auf dem Album nähert er sich Mozarts Musik – von der verträumten “Sonata Facile” bis zum ausgelassenen “Rondo alla Turca” – mittels der rhythmischen und improvisatorischen Traditionen der afroamerikanischen Musik. “Ich habe Mozart ‘schwarz’ neu interpretiert”, sagt er in Anspielung auf den Titel des Albums, “und seine Musik mit Einflüssen aus Jazz, Ragtime, Stride, Blues und Stomps angereichert, dabei aber ihre Essenz als moderne klassische Musik bewahrt.” Er beschreibt Mozart zudem als “eine Brücke, die schließlich in die Moderne führte” und sieht im Werk des Komponisten eine Verbindung zu den Jazztraditionen, die sich bis heute weiterentwickeln.

Was Jon Batiste auf “Monk Meditations” und “Monk Movements” aus Thelonious Monks Musik macht

Obwohl die beiden anderen Alben von ein und demselben Künstler inspiriert sind, bietet die Vielschichtigkeit von Thelonious Monks Musik Jon Batiste Raum für sehr unterschiedliche Ansätze. Mit “Monk Meditations” (Batiste Piano Series Vol. 3) ist ihm dabei wohl das erste meditative Album mit von Monk komponierter Musik gelungen. Für “Monk Movements” (Batiste Piano Series Vol. 4) hingegen interpretiert er die zu Jazzstandards gewordenen Stücke Monks als virtuose, groß angelegte Klavierwerke neu. Batistes Versionen erinnern dabei oft an zeitgenössische Klavierstücke.

“Ich habe diese Kompositionen eher als musikalische Sätze denn als einzelne Stücke betrachtet”, sagt er. “Oft ließ ich mich dabei von den kreativen Strömungen des abstrakten Expressionismus in der modernen Kunst oder des Dekonstruktivismus in der postmodernen Architektur beeinflussen, ohne dabei jedoch die spontane Komposition aus den Augen zu verlieren.” Es kommt nicht von ungefähr, dass der Pianist, Komponist und Musikpädagoge Billy Taylor den Jazz 1986 in einem Essay als “Amerikas klassische Musik” bezeichnete. Jon Batiste bestärkt dies hier mit seinen ebenso originellen wie brillanten Interpretationen.

 

Jon Batiste - Black Mozart
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