Alice Sara Ott | News | Die Poesie der Musik im Film – Safaians außergewöhnlicher Soundtrack zu LARA eingespielt von Alice Sara Ott

Die Poesie der Musik im Film – Safaians außergewöhnlicher Soundtrack zu LARA eingespielt von Alice Sara Ott

LARA - Alice Sara Ott
© DG
07.11.2019
Dass Eltern für ihre Kinder nur das Beste wollen, mag prinzipiell stimmen. Aber was, wenn das Beste in den verpassten Chancen, den Sehnsüchten und Träumen der Eltern besteht? Hiervon handelt das von Jan-Ole Gerster inszenierte Filmdrama “Lara”, das auf Festivals in München und Karlsbad bereits für Furore sorgte und nun ins Kino kommt. “Lara” ist die Geschichte einer Mutter (Corinna Harfouch), die ihrem Sohn (Tom Schilling) eine Pianistenlaufbahn aufdrängt. Das Kind ist begabt genug, um diesem Anspruch zu genügen. Doch um welchen Preis? Die Beziehung zur Mutter ist beschädigt. Wie es im Inneren des Sohnes aussieht, kann man nur erahnen. Dass etwas nicht stimmt, deutet sich kurz vor Laras 60. Geburtstag an, als Viktor das wichtigste Konzert seiner Laufbahn geben soll und seit Wochen nichts von sich hören lässt. In einem Akt der Verzweiflung kauft Lara sämtliche Restkarten des Konzerts auf und verschenkt sie scheinbar willkürlich an Menschen, denen sie an diesem Tag begegnet.

Lyrische Klanglandschaften

Über die Rolle der Musik ist damit freilich noch nichts gesagt. Kann sie die Wunden heilen? Spiegelt sie das Drama zwischen Mutter und Sohn wider? “Andere Künste in einem Film zu porträtieren, ist immer eine vertrackte Sache”, so Jan-Ole Gerster gegenüber dem Filmmagazin Variety. Der deutsche Regisseur, der mit “Oh Boy” (2012) seinen bislang größten Kinoerfolg feierte, wünschte sich für den Film eine Musik, die von der Beziehung zwischen Lara und Viktor handelt. Entstanden ist eine chopineske Klanglandschaft, die mit einer einfachen, mollgetrübten Melodie einsetzt und sich in der Folge zu immer komplexeren Mustern verzweigt, bis hin zu großflächigen, bebenden lyrischen Sounds. 
Komponiert hat das rauschhaft sich steigernde Werk für Klavier und Kammerorchester der deutsch-iranische Komponist Arash Safaian, der für den gesamten Score zu “Lara” verantwortlich zeichnet. “Wir diskutierten das Stück mit Tom [Schilling], lange bevor Safaian seine erste Version vorlegte”, so Regisseur Gerster. Bei dieser ersten Version sollte es dann auch bleiben. 

Perfekte Wahl: Alice Sara Ott

Als seltsam einmütig beschreibt Gerster die Wahl der Pianistin, die das Werk einspielen sollte. “Jeder von uns fertigte eine Wunschliste an, auf der alle unabhängig voneinander an erster Stelle den Namen Alice Sara Ott notierten.” Eine perfekte Entscheidung, wie der jetzt erschienene Originalsoundtrack des Films eindringlich beweist. Die deutsch-japanische Starpianistin, bekannt für ihr ebenso virtuoses wie impressionistisch versiertes Spiel, fängt die zwischen Trauer und zehrender Sehnsucht schwankende Stimmung des Stücks “Lara” kongenial ein. Dabei darf sie sich vom Deutschen Kammerorchester unter der Leitung von Samy Moussa sanft getragen wissen. 
Die Grundstimmung des Soundtracks gestaltet Safaian mit geheimnisvoll-düsteren Bläserminiaturen. Daneben säumen Klassiker der romantischen Klaviertradition den Score, darunter eine elektrisierende Aufnahme von Schumanns visionärer Toccata in C-Dur (op. 7) mit Sviatoslav Richter am Klavier. Alice Sara Ott stellt in Werken wie Chopins machtvoll deklamierender Revolutionsetüde oder Beethovens lyrischem Evergreen “Für Elise” ihre pianistische Klasse vielseitig unter Beweis. Wer bei dem Titel “Für Elise” einen Überdruss verspürt, weil er ihn schon zu oft durch sämtliche Kanäle hat tönen hören, der wird von Ott in ungeahnter Intensität mit der schlichten Schönheit dieser Bagatelle überrascht.       
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