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Lieder von Liebe und Verlust: Andrè Schuen und Daniel Heide mit Schuberts Schwanengesang

Andre Schuen Schwanengesang
© Christoph Köstlin
23.09.2022
Das Debüt von Andrè Schuen bei Deutsche Grammophon war eine bewegende Interpretation von Schuberts Schöner Müllerin und wurde von der Kritik gefeiert. Gramophone etwa hob »die herrliche, bewegliche Stimme« des Baritons hervor und seinen »eleganten, durchweg feinsinnigen Textvortrag«. Jetzt hat Schuen seine Auseinandersetzung mit Schuberts späten Liederzyklen vertieft und Schwanengesang eingespielt. Einmal mehr begleitet ihn sein langjähriger Duopartner Daniel Heide, der seinerseits von Gramophone größtes Lob bekam für sein »vorbildliches […] transparentes Spiel«. Heides Kunst vervollständigt Schuens einfühlsame Ausdeutung: Schönheit und Erhabenheit, Dramatik und Verzweiflung der vierzehn Schwanengesang-Lieder werden erlebbar. Das Album erscheint am 18. November 2022 auf CD und digital, auch im immersiven Dolby-Atmos-Sound.
Schubert vollendete diese Lieder, die seine letzten bleiben sollten, nur gut einen Monat vor seinem Tod im November 1828. Sieben der damals von ihm zur Vertonung ausgewählten Gedichte stammen von Ludwig Rellstab, sechs von Heinrich Heine und eins, »Die Taubenpost«, vom österreichischen Universalgelehrten Johann Gabriel Seidl.
Möglicherweise rechnete Schubert damit, dass die Lieder nach Rellstab und Heine separat veröffentlicht werden würden; der in Wien ansässige Komponist und Verleger Tobias Haslinger, der die Bedeutung der Lieder als Schuberts Vermächtnis an die Nachwelt erkannte, gab sie 1829 jedoch gesammelt unter dem Titel Schwanengesang heraus.
Andrè Schuen lernte sie kennen, lange bevor er seine Sängerkarriere begann: »Ich erinnere mich an eine Aufnahme mit Dietrich Fischer-Dieskau, die ich rauf und runter gehört habe«, sagt er und fügt hinzu, der Schwanengesang sei noch immer seine »größte Liebe unter den Schubert-Liedern, besonders die Heine-Vertonungen.«
Vielleicht liegt das daran, dass – obgleich der Schwanengesang eher eine Sammlung als ein Zyklus mit fortlaufender Handlung ist, so beleuchten die Rellstab-Lieder verschiedene Aspekte von romantischer Liebe und Verlust – in Schuberts Auswahl von Heine-Gedichten doch so etwas wie eine Geschichte erzählt wird. »Da gibt es schon Parallelen zur Winterreise oder der Schönen Müllerin«, sagt der Sänger, »denn auch hier finden wir eine verlassene Gestalt, die ausgezogen ist und in emotionale und psychische Grenzbereiche vorstößt. Manchmal verschwimmen dabei Realität und Fiktion wie in ›Ihr Bild‹.« In den Heine-Liedern fällt auch eine Sparsamkeit der Mittel auf, die dem kargen Stil des Dichters entspricht. »Da ist keine Note zu viel«, sagt Schuen, der ein besonderes Faible für das melancholische Seestück »Am Meer« hat. »Das ist eine perfekte Symbiose von Text und Musik, von Heine und Schubert. Vielleicht ist es mein Lieblingslied von Schubert überhaupt.«
Schuen und Heide konnten ihre Interpretation des Schwanengesangs in hochgelobten Aufführungen ausarbeiten und verfeinern, bevor sie die Lieder im März 2021 im Markus-Sittikus-Saal in Hohenems aufnahmen. Der Duopartner war dabei für den Bariton entscheidend: »Er ist nicht nur ein fantastischer Pianist, sondern auch ein erfahrener Kenner der menschlichen Stimme. In meinen Augen zeichnet ihn gerade das aus: seine Begeisterung für Klangfarben, für die Ästhetik einer Stimme; er ist stets auf der Suche nach magischen Augenblicken und scheut kein Risiko.«

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