Daniel Hope | Biografie

Biografie

Daniel Hope
© Cooper & Gorfer
Intensität und Menschlichkeit zeichnen Daniel Hopes Kunst aus. Der Geiger versteht sich darauf, sein Instrument singen zu lassen und er musiziert mit leidenschaftlicher künstlerischer Neugier. Sein Verständnis für musikalische Linien und den richtigen Ausdruck hat seine Wurzeln in der frühen Arbeit mit seinem Mentor Yehudi Menuhin. Es ermöglicht ihm ausgeprägt persönliche Interpretationen eines breiten Repertoires, das von Bach, Händel und Vivaldi bis zu Takemitsu, Tavener und Turnage reicht.
Daniel Hopes Projekte haben die Aufmerksamkeit auf das Schicksal der von den Nationalsozialisten ermordeten Musiker gelenkt, auf die Geschichten anderer, von Hass und Engstirnigkeit betroffener Menschen und auf die Kunst von Komponisten, die in der Musikgeschichte stiefmütterlich behandelt wurden. Er hat mit Schauspielern wie Klaus Maria Brandauer und Mia Farrow gearbeitet, um bekannte Werke von Mozart und Beethoven in einen neuen Kontext zu stellen, und anlässlich des 100. Jahrestags des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs schuf er ein Projekt, das Lieder jener Zeit, Texte von Soldaten-Dichtern und ein neues Violinkonzert von Gabriel Prokofiev vereinte. »Ich bin fasziniert davon, was Musik erreichen kann, und ich stelle jedes Jahr verschiedene Projekte zusammen, die auf ihre Art eine gewisse politische Aussage haben«, erklärt Hope. »Trotzdem bin ich kein Politiker. Ich bin Musiker. Aber ich glaube, dass Musiker ihre Talente und ihre Kommunikationsform nutzen können, um so manches zu bewirken.«
Sein Engagement umfasst ein breites Spektrum von Aktivitäten. Er ist Moderator einer wöchentlichen Rundfunksendung auf WDR 3, Autor von vier erfolgreichen Büchern für den deutschsprachigen Markt und hat regelmäßig für das Wall Street Journal und Cicero geschrieben. Seine Leistungen wurden mit dem Europäischen Kulturpreis für Musik (2015) und dem Bundesverdienstkreuz gewürdigt. Hopes Überzeugung, dass die besonderen Ausdrucksmöglichkeiten von Musik die Menschen zum Denken anregen können, veranlasste ihn 2016, Hope@9pm ins Leben zu rufen, eine vierteljährliche Veranstaltungsreihe im Berliner Konzerthaus, bei der er mit eingeladenen Gästen aus Kultur und Politik im Sinne der Salonkultur des 18. Jahrhunderts musikalische Darbietungen und Diskussionen miteinander verbindet. Als Liveaufführungen 2020 nicht mehr möglich waren, veranstaltete er Hope@Home: 150 Konzerte, die in den ersten Monaten der Pandemie täglich per Livestream aus seinem Wohnzimmer übertragen wurden, haben fast 400 Musikern eine Plattform geboten. Im Oktober 2021 erhielt Hope für dieses Format beim OPUS KLASSIK den Sonderpreis der Jury für besondere Leistungen.
In den letzten 20 Jahren ist Daniel Hope mit vielen international führenden Orchestern und Dirigenten aufgetreten, hat eng mit Komponisten zusammengearbeitet, von Alfred Schnittke, Harrison Birtwistle und Torū Takemitsu bis zu Sofia Gubaidulina, Roxanna Panufnik und Gabriel Prokofiev, und er hat über 30 neue Werke in Auftrag gegeben und uraufgeführt. Als Solist in Konzerten und Recitals ebenso gefragt wie als Kammermusiker ist er in den renommiertesten Konzertsälen zu hören wie der Carnegie Hall, der Wigmore Hall und dem Amsterdamer Concertgebouw oder bei prestigeträchtigen Festivals wie den BBC Proms oder den Festspielen in Salzburg und Tanglewood. 2002 wurde er das jüngste Mitglied in der Geschichte des Beaux Arts Trio und gab 400 Konzerte mit dem legendären Ensemble, bis das Trio sich 2008 auflöste.
Für das alljährliche Savannah Music Festival hat Daniel Hope als Stellvertretender Künstlerischer Direktor (2004–2019) Saison für Saison außergewöhnliche Programme konzipiert. Zu Beginn der Spielzeit 2016/17 wurde er Nachfolger von Roger Norrington als Musikdirektor des Zürcher Kammerorchesters, und zwei Jahre später wurde er Musikdirektor des New Century Chamber Orchestra in San Francisco, mit dem er im Juni 2019 dessen erste Europa-Tournee unternahm. 2019 trat er das neu geschaffene Amt des Künstlerischen Direktors der Dresdner Frauenkirche an, die für ihn nicht nur ein Ort des Gottesdienstes, sondern auch ein Symbol für Frieden, Versöhnung und Toleranz ist. Im Januar 2020 wurde er neuer Präsident des Beethoven-Hauses Bonn, das im Zentrum der Veranstaltungen steht, mit denen die Musikwelt Beethovens 250. Geburtstag feiert.
Nach seinen ersten Aufnahmen 1999 erwarb sich Hope schon bald den Ruf eines der individuellsten und faszinierendsten Virtuosen seiner Generation. 2007 unterzeichnete er einen Exklusivvertrag mit Deutsche Grammophon. Auf seinem ersten Album für das gelbe Label spielte er Werke von Mendelssohn, unter anderem die Originalfassung des Violinkonzerts in e-Moll. Im selben Jahr nahm er Schulhoffs Sonate für Solovioline als Beitrag zu Anne Sofie von Otters Album mit Musik jüdischer Komponisten aus dem Konzentrationslager Theresienstadt auf.
Heute ist Hopes internationale Karriere durch eine besonders produktive Aufnahmetätigkeit gekennzeichnet. Seine DG-Diskografie umfasst unter anderem Air – A Baroque Journey (2009), The Romantic Violinist (2011), Spheres (2013), Recomposed by Max Richter: Vivaldi – The Four Seasons (2014), Escape to Paradise (2014), Daniel Hope – My Tribute to Yehudi Menuhin (2016), For Seasons (2017) und Journey to Mozart (2018).
Drei weitere Alben erschienen 2020: Zunächst Belle Époque mit Werken von Elgar, Debussy, Chausson, Zemlinsky und Schönberg. Es folgte ein Album, das die Kammerkonzerte Hope@Home dokumentiert, und dann eine Veröffentlichung anlässlich des 75. Geburtstags des Zürcher Kammerorchesters, die Tschaikowskys und Elgars Streicherserenaden sowie Mozarts Eine kleine Nachtmusik bietet.
2021 erschienen Schnittke: Works for Violin and Piano, das mit dem ukrainischen Pianisten Alexey Botvinov aufgenommen wurde, sowie Hope mit Musik von Schubert, Elgar, Pärt und Ramírez, eingespielt während des Lockdowns als kleiner Hoffnungsschimmer in schwierigen Zeiten. Im März 2022 kam America heraus, ein Album, das den Wurzeln und der Eigenart der amerikanischen Musik nachgeht. Mit dem Zürcher Kammerorchester und illustren Gästen präsentiert Daniel Hope darauf neue Arrangements von Werken von Bernstein, Cook, Copland, Ellington, Gershwin, Price, Ward und Weill.
Im Frühjahr 2022 gaben Hope und Botvinov, der bereits aus Odessa ins Exil gehen musste, Wohltätigkeitskonzerte in der Dresdner Frauenkirche und der Berliner Gedächtniskirche, um die Menschen in der Ukraine zu unterstützen. Sie nahmen dann die digitale EP Music for Ukraine mit Werken von Silvestrov, Myroslav Skoryk und Jan Freidlin auf, der Erlös ging als Spende an die Aktion Deutschland Hilft für ihre Arbeit in der Ukraine. Zur gleichen Zeit rief das Beethoven-Haus Bonn das Hilfsprogramm »Hope for Peace« ins Leben, um Musikern, die aus der Ukraine geflohen waren, auf unterschiedliche Art zu helfen.
Das Duo hatte bereits als Nachfolger des Schnittke-Projekts ein reines Silvestrov-Album geplant, und im Licht der wechselnden Ereignisse erhielten diese Pläne neue Bedeutung. Silvestrov, das im September 2022 veröffentlicht wurde, bietet die Welt-Ersteinspielung von Pastorales 2020 sowie »Chopin-Augenblicke« aus Zwei Stücke (2003), die drei Miniaturen 25. X. 1893 … zum Andenken an P. I. Tschaikowskij und die Hommage an J. S. B. »Ich kenne keinen vergleichbaren Komponisten«, sagt Hope. »Seine Musik ist zutiefst emotional und im Ausdruck sehr subtil.«
2004 wurde Hope bei den Classical Brit Awards zum »Nachwuchskünstler des Jahres« gekürt. Er erhielt sieben ECHO Klassik-Preise, darunter den Preis »Klassik ohne Grenzen« 2017 für For Seasons, sowie den Deutschen Schallplattenpreis, Prix Caecilia, »Diapason d’Or des Jahres« und Edison Classical Award Special Prize 2014. Hinzu kommen zahlreiche Grammy-Nominierungen.
Daniel Hope kam 1973 in Durban in Südafrika zur Welt. Als er sechs Monate alt war, erhielt sein Vater, der Romanautor, Dichter und Antiapartheid-Aktivist Christopher Hope, ein Ausreisevisum unter der Bedingung, dass er nie zurückkehre. Die Familie ging zunächst nach Paris, dann nach London, wo Daniels Mutter Eleanor Sekretärin und später Managerin von Yehudi Menuhin wurde. Als kleiner Junge spielte er mit den Enkelkindern des Geigers, der ihn anregte, Geigenunterricht bei Sheila Nelson zu nehmen, einer der besten Musikpädagoginnen für Kinder in England. 1984 trat er in das Royal College of Music in London ein und studierte anschließend an der Royal Academy of Music. Hope startete 1990 seine Laufbahn als Berufsmusiker und nahm zwischen 1992 und 1998 als Krönung seiner formellen Ausbildung noch Unterricht bei Zakhar Bron. Er spielt die »Ex-Lipiński« von Guarneri del Gesù aus dem Jahr 1742, die ihm von einer ungenannten Familie aus Deutschland zur Verfügung gestellt wurde.
Zu seinen künftigen Verpflichtungen gehören Weinbergs Violinkonzert mit dem Orchester des NFM Leopoldinum und Joseph Swensen in Wrocław (15. Oktober), Bruchs Violinkonzert Nr. 1 in Athen (21. Oktober), Elgars Violinkonzert in Sofia (8. Dezember) und Konzerte mit dem Zürcher Kammerorchester in dessen Heimatstadt (10., 11. und 13. Dezember).
9/2022
Folge der Deutschen Grammophon