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Die schönsten Klassik-Alben zu Ostern

Geistliche Musik zu Ostern
© flickr, COLORED PENCIL magazine
01.04.2021
Kein Fest verkörpert den Geist der Verwandlung, Goethes sprichwörtliches “Stirb und werde!”, so ergreifend wie Ostern. Für Christen, die den Tod und die Auferstehung Jesu Christi feiern, liegen in der Osterzeit Trauer und Freude nah beieinander. Diese Gefühlsdichte hat Komponisten seit jeher fasziniert. Deshalb verdanken wir dem Osterfest eine Fülle berührender Musik. Allen voran Bach verlieh dem österlichen Geschehen mit seinen überwältigenden Passionen eine bleibende Form. 

Mit Bach durch die Krise 

Für John Eliot Gardiner, einem der größten Bach-Interpreten unserer Zeit, weist die Musik des berühmten Thomaskantors weit in die Zukunft voraus. Das gilt insbesondere für die Johannes-Passion, der Gardiner “proto-filmische” Modernität zuschreibt und deren Erlebnis nach Überzeugung des britischen Dirigenten einen neuen Blick auf die Pandemie eröffnen könnte. Mit umso größerer Spannung darf einem Konzertereignis entgegengeblickt werden, das am 2. April um 15 Uhr auf DG Stage stattfindet, wenn John Eliot Gardiner mit dem Monteverdi Choir und den English Baroque Soloists in einem Live-Stream aus dem historischen Sheldonian Theatre der Universität Oxford in einer Aufführung der “Johannes-Passion” zu erleben sein wird.
Gardiners legendäre Einspielungen für ARCHIV Produktion und die Deutsche Grammophon sind zum ersten Mal in einer limitierten 104 CD Edition versammelt, die am 21. Mai erscheinen wird. In österlicher Hinsicht von besonderer Bedeutung: seine meditativ gestimmte Einspielung von Buxtehudes “Membra Jesu nostri” sowie natürlich seine in den 1980er Jahren entstandenen, in ihrer dramatischen Intensität kaum zu überbietenden Aufnahmen von Bachs Johannes- und Matthäus-Passion mit dem Monteverdi Choir und den English Baroque Soloists.

Spiritueller Enthusiasmus

Zu den beliebtesten Klassikern geistlicher Musik zählt Pergolesis Stabat Mater”. In der Aufnahme von Claudio Abbado aus dem Jahre 1985 mit dem London Symphony Orchestra und der hinreißenden schottischen Sopranistin Margaret Marshall entfaltet das Oratorium ein “neapolitanisches Aroma” (Gramophone), das ungeachtet des schmerzvollen Inhalts der Musik von hypnotischer Sinnlichkeit ist. Abbado hat Großes in London geleistet, wovon nicht zuletzt seine jüngst erschienene Box “Claudio Abbado & The London Symphony Orchestra: Complete Deutsche Grammophon and Decca Recordings zeugt. 
Dass geistliche Musik schwungvoll und begeisternd sein kann, bewies Händel mit seinem “Messiah”. Wer den spirituellen Enthusiasmus des großen Barockkomponisten schätzt, der kommt in der wegweisenden Einspielung von Paul McCreesh mit dem Ensemble Gabrieli Consort & Players auf seine Kosten. Die legendäre Aufnahme von 1997 liegt seit kurzem in einer audiophilen Edition vor, die das Hörerlebnis zusätzlich verfeinert.

Frühlingserwachen

Wer es in der Osterzeit unkonventioneller mag, dem sei eine fulminante Aufnahme von Strawinskys rebellischer Ballettmusik “Le sacre du printemps” ans Herz gelegt. Esa-Pekka Salonens Einspielung aus dem Jahre 2006 mit dem Los Angeles Philharmonic bebt vor Energie. Audiophil gemastert, wird in der Aufnahme lebhaft spürbar, was es heißt, den Frühling ekstatisch herbeizusehnen. Genau hierum ging es Strawinsky, dem bei der Komposition die Vision eines sich Tod tanzenden Mädchens vor Augen stand, dessen Opfer den Frühlingsgott günstig stimme sollte.
Weniger drastisch, dafür umso zärtlicher kündigt sich der Frühling in Liedern des spätromantischen Komponisten Engelbert Humperdinck an, dessen hundertsten Todestag die Klassikwelt in diesem Jahr begeht: Der durch die Märchenoper “Hänsel und Gretel” berühmt gewordene Komponist hat eine stattliche Zahl bewegender Lieder hinterlassen. Liebhaber des Kunstliedes sollten sich deshalb unbedingt das Doppelabum “Erinnerung – Homage to Humperdinck vormerken, die am 23. April bei Deutsche Grammophon erscheint.